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! Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
Jahrgang (929
Freitag, -en ss.Mai
Nummer 38
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Heiliger Geist.
Von Arthur S i l b e r g l e i t.
Urewig wirkt dein Auferstehungswunder In Weidenkätzchen, Knospe, Strauch und Baum, In Primel, Anemone und Holunder Und im Vergißmeinnicht am Wiesensaum, In Schwalbenflug und Wolkenprozessionen, In der Libelle, die um Schilfgras kreist: Durch tausend Formen reist du seit Aeonen, Gesandter Gottes, benedeiter Geist!
Du läßt Piloten durch die Lüfte schnellen Und mischst die Zauberkräfte der Chemie Und führst ins fernste Dorf auf Aetherwellen Musik und Wissenschaft und Poesie.
Du wandelst uns zur Gegenwart das Gestern, Erläuterst es durch Schrift und Forscherwort. Aus Vogelflöten und Fabrikorchestern, Maschinen, schmilzt und klirrt dein Grundakkord.
Dir psalmodieren Amselsang und Bronnen, Dir musiziert der Hummeln Orgelton, Dir flammen unsrer Herzen rote Sonnen, Dir wölben Dichterträume Thron um Thron: Du überblühst des Todes graue Grenze Mit Lilien, Rosen, Efeu, Immergrün.
So laß im Lächeln deiner ewigen Lenze Auch unfern Seelenfrühling reich erblüh«!
Mechchenhei? " marf)ie' faft 3U ’rf’u,er für ein einziges kleines „.^er damals fühlte ich nur Leichtes, das Leichte des Tags und das ^eichte eines wunderbaren Liebestraums. Es kam von selbst, daß unsere
. Einander fanden und daß der bis zum Lächerlichen angeführte, vollen Sinn bekmn"'^ $cr'3€n' bie ein5 wurden, einen erhabenen, weihe- SU- ?ier .."eine Stadt, der wir entflohen, war pfingstlich überqtäiut standen wie schmale Kinder im Lichte, die Sonne^übergoldete Hauser und Straßen und alles laute Werk der Hände ruhte in MinmÄ^'^ufriedenen Verhaltenheit, die gleichsam zu neuer Tat Kräfte ' "Ate. Dieses Ungewohnte einer sonntäglichen Stille war von un- uergeßlichem Eindruck, und Ingeb arg sprach aus, was ich dunkel emp- fand: die Stadt betet! v
., hje-Stnbt betet. Das Gehen, Lachen und Schwatzen der Men- !^]e.n ist Geb et, bte S piele der Kinder und die Atemwogen einer einfältig lubillsierenden Musik, die aus offenen Fenstern kommt. In dem Winkel zweier Straßenzug^ werfen Kinder mit Bällen, eine rote Kugel rollt
V°r- b‘e ’yUBe- ^,ie. Metzelt, und in diesem Lächeln jauchzt die Verheißung eines ganzen Lebens.
Dann kommt der Wald, dunkler, kühler als Stadt und Straße, mit ffitiirf“ßnhÖ«m °fl?'UarU«en bUrc^ Baumgeäst, die neugierig nach jungem G-uck smd. Die Voge singen wie besessen, der Waldgrund ist keu ch und llnn Sytlrt >.»s 0:4.,^ 7.__<_ . JP ' u-s^eich mit einer heißen Welle
nnh b deshalb ist das Laub jung und flaumig, hell
zer^chNielzen"mlißte^^'man daß es in einem langen Blick
Jngeborg läuft umher und sucht nach Wundern, Märchen und Freu- h?"' JPan.d>maI .ichseitet sie nur wie aus einem Traum, dann kommen die Wunder auf sie zu: eine Blüte, die sich plötzlich in ihren Händen findet, em Doru von einem wilden Rosenbusch im Kleid, ein wie von Erwartung herabgewehtes Blatt im Haar, ein Käfer, der über Jnqe- borgs hellen Schuh taumelt, einmal ein Schmetterling, der uns in ver- irrten Kreifen umgaukelt. Von ganz weit klingt ein Lachen voll Abwehr und Ergebenheit und Inge sagt schelmisch: Da liegt ein Pärchen im Glück ilber ihre Brauen runzeln sich dabei unbewußt, so, als sei ein solches Gluck wie eine Entweihung, die Innigstes stört.
Ach, Jngeborg findet bis zum Abend unendliche Wunder, einen plav- pernöen Bach und eine junge Eiche, in die ich ein Herz schneiden will, o.dee Jngeborg laßt es nicht zu, sie sagt: es tut dem Baum weh. Auch ein süßes »Jiubefem kommt von all dem Wunderbaren, ein kurzer feltaec schlaf in meinem Arm und der Heimweg. ' y
Der Abend hat die Stadt verändert. Die Dämmerung hat nichts Blaues und Stilles, fie ist laut, grell und bunt. Staub liegt überall man fpurt ihn beim Atmen heiß und stickig. Karussells drehen sich, Trommeln wirbeln, eine Blechtrompete kreischt schrill, ein Leierkasten wimmert melancholisch. Die Menschen sind eine zusammengedrängte Herde oon dem Instinkt nach Genuß in einen Knäuel verwirrt, der sie vor den grellen Attraktionen farbiger Buden wie eine Mauer staut bis ein nachdrangender Schub von hinten sie auseinandersprengt.
Jngeborg läßt ein paar Kinder, die ohne Pfennig und mit fiebernden Blicken ein Karussell umstehen, „Zeppelin fliegen", man sieht nicht, ob es sie sehr freut, obwohl sie lacht, ich muß ihr einen Luftballon und etwas von den Makronen kaufen, die in allen Buden ausliegen und sehr Übel schmecken. Dann seufzt sie erschöpft und sehr selig auf und wir gehe« nach Haus. 3 ’
Das ist nun vor einem Jahr gewesen, genau vor einem Jahr ge und ich wiederhole zum hundertsten Male: vor einem Jahr ' genau vor einem Jahr ...!
Dazwischen liegt der Tod.
Pfingsten? frage ich mich, und ich antworte aus großer Weite: Pfingsten! Und dann gehe ich durch die Straßen, quer durch die kleine «tadt nadf dem Walde. Die Sonne scheint, vielleicht schien sie schon früh nut dem Morgen und dem Vogellied aus halbem Traum ins Fenster hinein. Ich weiß nichts davon, das Fenster ist geschloffen und schwere Vorhänge trennen es von dem kleinen Garten, der traurig ist und keine Pflege mehr hat, seit zwei weiße Frauenhönde untätig über der Brust gefaltet sind. 1
Die Straßen sind still und feiertäglich und kleine Birkenbäume stehen wie Kinder im Lichten, alles Werk der Hände ruht: die Stadt betet'
Betet ? ... Nein, die Stadt schläft.
Alles ist wie vor einem Jahr: Kinder spielen mit Bällen (nur daß keine Verheißung lächelt), Musik kommt in breiten Wogen aus offenen Fenstern, Menschen sehen mir nach.
Alles ist wie vor einem Jahr. Ich sage es vor mich hin, obgleich ich es nicht fußte. Nein, ich fühle nichts, außer dem Klopfen der Pulse, die im chwachen Kreisen des Blutes mein Leben verströme». Mein Lebe«' Jngeborgs Leben.
Pfingsteinsamkeit.
Aon Gertrud A u l i ch.
Und nun ist wieder Pfingsten, wie es shmals war. Ehmals — wann war dies doch? Eine Ewigkeit liegt dazwischen, ein Tod, ein zerfcherbtes Mim, ein neues Leben. Ein neues Leben? »ein, ein neues wohl nicht, vielleicht nur ein andres, ja, dies ist es: ein andres Geben; denn ich bin nicht mehr ich. Ja, das mag wohl das Wesentlichste sein: nicht das Lehen ist anders, nur ich bin es, nur tausend Einzelheiten sind es, die einen Tag, die einen Menschen ausmachen.
dies wohl, dies andre Ich, dies andre Leben, in einem "faß ausgedrückt, das mir von „ehmals" geläufig war? Run, es ist nicht ganz ein Jahr, Wochen fehle», Tage, Stunden, wer weiß um fie? ■weine Seele weiß es, der andre Mensch in mir weiß es.
Über zu Pfingsten war es, Pfingsten vor einem Jahr, daß ein Glück über mich hinauswuchs, so ungeheuer groß und schön, daß ich glaubte, es tjabe seinesgleichen nicht mehr in dieser Welt. Dies Glück war so schwer und gewaltig, daß ich es jetzt verstehe, warum es mich zerschmettern mußte.
. Dies Glück war Jngeborg, sie trug es aus einer andern Welt, aus einem andern Leben mir zu, aus einer Welt, die leicht, hell, froh und »glich war. Lange habe ich gegrübelt, einen Namen für das «irtlte, Lichte und Frohe zu finden, aber ich fand nur ein Gleichnis und em Symbol: Pfingsten.
Ich erinnere mich klar und ohne Schatten an dies Gleichnis, bas vor Monaten sich j» einem Sinn erlöste, der alle Erfüllung vom Jenseits varg und alles Diesseitige in Trümmer schlug: der Tod. Aber vor dem Tode war Pfingsten.
dem frühen Tag kam die Sonne, die Fenster gingen nach dem warten und standen offen, der Morgen grüßte herein, klar, besonnt, mit ttonem Bogellied, bas noch aus halbem Schlaf kam. Jngeborg sagte: »eh, was für ein schöner Tag', wollen wir irgendwohin? Irgendwohin, war: Wald, Wiese, Sonne, Luft, Licht und Freiheit, Einsamkeit no Geborgenheit zu zweien in einem Traum von Farben und Dust;
■ ]|mJ*i*9te es Jngeborg so, daß es hieß: in den Himmel!
hi» / • ?<lnn Singen wir ins Jrgendwohin-Land und begegneten vielen, iL l Weg hatten. Aber nichts und niemand war so schön wie
h bas Beuchten wich Nicht von ihrem Gesicht, und die Auge», ij. "e?or9s Augen waren zwei blaue Wunder, von dunklem Geheimnis ianit r-®en' unb Jngeborgs Mund war ein einziges Lachen, leise und Jagte: woher nur soviel Menschen kommen, sieh doch! Die ihr» d wie schön und festlich sie sich herausgeputzt haben. Aber (tun», ~lnIe "ickst festlich, sie sind traurig, und wie Maulwürfe im llnnk k!«."Mwutzigen und Dunklen begraben — und weil ich leicht den
A schüttelte, fügte fie schlicht bei: ich sehe durch sie hindurch.
... ? 9ing ein unsichtbarer Strom von Gemeinsamem von Jngeborg vieil-^t festlichen Menscheir im Pfingsttag, etwas nicht Benennbares, der f.» -5M<,r es Liebe, denn fast alle faßen ihr nach mit einem Blick, > und zärtlich war, so daß zu meinem Glück fremde Beglückung


