Er, wie Male,
kam in großer ook nich in de
Verantwortlich: vr. Hans Thyrivt. - Druck und Verlag: Vrühl'lche Universitars-Vuch, und Steindruckerei, A. Lange, G'eb-n.
„Weet nid)." ~ „
„3d will geihn un en beten an sine Dhor bullern.
,Loa, dat dhu man."
Und wirklich, Male ging, um ihn zu wecken. Aber sie Aufregung wieder. „He is nich doa, nich in de Vor- un Hinnerstuw. Mens open un keene Dhör to."
„Un sien Bett?" fragte Ede. ,
„Mens glatt un ungeknüllt. He's goar mch in west. Ede kam nun auch in Unruhe. Was war zu tun?
hatten ein unbestimmtes Gefühl, daß etwas ganz Absonderliches geschehen sein müsse, worin sie sich durch den schließlich ebenfalls erscheinenden Jakob nur noch bestärkt sahen. Rach einigem Beraten kam man uberem, daß Jakob zu Kunicke hinübergehen und wegen des Abends vorher anfragen solle; Kunicke rnüss' es wissen, der sei immer der Letzte. Male dagegen solle rasch nach dem Krug laufen, wo Gendarm Geelhaar um diese Stunde zu frühstücken und der alten Krügerschen, die manchen Sturm erlebt hatte, schöne Dinge zu sagen pflegte. Das geschah denn auch alles, und keine Viertelstunde, so sah man Geelhaar die Dorfstrahe herunterkommen, mit ihm Schulze Woytasch, der sich, einer abzuhaltenden Versammlung halber, zufällig ebenfalls im Kruge befunden hatte. Vor Hradschecks Tür trafen beide mit Kunicke zusammen. Man begrüßte sich stumm und überschritt mit einer gewissen Feierlichkeit die Schwelle.
Drin im Hause hatte sich mittlerweile die Szene verändert.
Ede, der noch eine Zeitlang in allen Ecken und Winkeln umhergesucht hatte, stand jetzt, als die Gruppe sich näherte, mitten auf dem Flur und wies auf ein großes Oelfaß, das um ein geringes vorgerollt war, nur zwei Fingerbreit, nur bis an den großen Eisenring, aber doch gerade weit genug, um die Falltür zu schließen.
„Doa sitt he In', schrie der Junge.
„Schrei' nicht so!" fuhr ihn Schulze Woytasch an. Und Kunicke setzte mit mehr Derbheit, aber auch mit größerer Gemütlichkeit hinzu: „Halts Maul, Junge."
Dieser jedoch war nicht zur Ruh' zu bringen, und sein bißchen Schläfenhaar immer mehr in die Höh' schiebend, fuhr er in demselben Weimertone fort: „Ick weet allens. Dat's de Spök. De Spök hett noah em grappscht. Un denn wull he 'rut un tunn nich."
Um diese Zeit war auch Eccelius aus der Pfarre herübergetommen, leichenblaß und so von Ahnungen geängstigt, daß er, als man das Faß jetzt zurüügeschoben und die Falltür geöffnet hatte, nicht mit hinuntersteigen mochte, sondern erst in den Laden und gleich danach auf die Dorf- gajse hinaustrat.
Geelhaar und Schulze Woytasch, schon von Amts wegen auf besjere Nerven gestellt, hatten inzwischen ihren Abstieg bewerkstelligt, während Kunicke, mit einem Licht in der Hand, von oben her in den Keller hin- einleuchtete. Da nicht viele Stufen waren, so konnte er das Nächste be- gucm sehen: unten lag Hradscheck, allem Anscheine nach tot, ein Grabscheit in der Hand, die zerbrochene Laterne daneben. Unser alter Anno- Drelzehner sah sich bet diesem Anblick seiner gewöhnlichen Gleichgültig- teil entrissen, erholte sich aber und kroch, unten angekommen, in Gemeinschaft mit Geelhaar und Woytasch auf die Stelle zu, wo hinter einem Lattenvei schlage Der Weinkeller war. Die Tür stand auf, etwas Erde war aufgegraben, und man sah Arm und Hand eines hier Verscharrten. Alles andere war noch verdeckt. Aber freilich, was sichtbar war. war gerade genug, um alles Geschehene klar zu legen.
Keiner sprach ein Wort, und mit einem scheuen Seitenblick auf den entseelt am Boden Liegenden stiegen alle drei die Treppe wieder hinauf.
Rur das Nötigste wurde fcstgestellt. Dann verließ man das durch jo viele Jahre hin m.t Vorliebe besuchte Haus, das nun für jeden ein Haus des Sch eckens geworden war Kunicke schritt quer über den Damm auf seine Wohnung, Eccelius auf seine Pfarre zu. Woytasch war mit ih,n.
, Das Küstriner Ger cht," hob Eccelius an, „wird nur noch wenig zu sagen haben. Alles ist klar und doch ist nichts bewiesen. Er steht vor einem höheren Richte: , . ,
Woytasch nickte. „Höchstens noch, was aus Der Erbschaft raub , bemerkte dieser und sah vor sich hin. „Er hat keine Verwandte hier herum und die Frau, so mir recht is, auch nich. Vielleicht, daß es der Pohlsche wiederkriegt. Aber das werden die Tschcchiner nich wollen."
Eccelius erm.berte: „Das alles macht mir keine Sorge. Was mir Sorge macht, ist bloß das: wie kriegen wir ihn unter die Erde und wo. Sollen wir ihn unter die guten Leute legen, das geht nicht, das leiden die Bauern nicht und machen uns eine Kirchhofsrevolte. Und was das Sch'unmste ist, haben auch recht dabei. Und sein Feld wird auch keiner dazu hetgeben wollen. Eine solche Stelle mag niemand auf seinem ehrlichen Acker haben." .. ,
„Ich denke," sagte der Schulze, „wir bringen ihn aus den Kirchhof. Bewiesen ist am Ende nichts. Im Garten liegt der Franzos, und im Keller liegt der Polsche. Wer will sagen, wer ihn da hingelegt hat? Keiner weiß es, nicht einmal die Jeschke. Schließlich ist alles bloß Verdacht Auf den Kirchhof muß er also. Aber seitab, wo die Nesseln stehen und der ' Schutt liegt."
Geelhaar war im o)-aüscheckschen Hause zurückgeblieben. Er hatte den Polizei-Kehrmichnichtdran und machte nicht viel von der Sache. Was war es denn auch groß? Ein Fall mehr. Darüber ging die Welt noch lange nicht aus den Fugen. Und jo ging er denn in den Laden, legre die Hand auf Edes Kopf und sagte: „Hör', Ede, das war heut ein bißchen scharf: So zwei Dodige gleich morgens um neun! Na, schenk' mal was ein. Was nehmen wir beim?" ,
„Na, 'nen Rum, Herr Geelhaar." , .
„Nei, Rum is mir heute zu schwach. Gib erst neu Kognak. Und dann e’n $iie‘ttentte mit zuiernder Hand ein. Geelhaars Hand aber war um so sicherer. Als er ein paar Gläser geleert hatte, ging er in den Garten und |parierte drin auf und ab, als ob nun alles jein wäre. Das ganze Grundstück erschien ihm wie herrenloser Besitz, drin man sich ungeniert ergehen könne.
Die Jeschke, wie sich denken läßt, ließ auch nicht lange auf sich warten, i Sie wußte schon alles und sah mal wieder über den Zaun.
„Dag, Geelhaar "
„Dag, Mutter Jeschke . . Nu, was macht Line?" , „
„De kömmt to Martini. Se brutt sich joa nu nich mihr to jru(en. „Vor Hradscheck?" lachte Geelhaar.
„Joa. Vor Hradscheck. Awers nu sttt he joa fast."
„Das tut er. Und gefangen in seiner eigenen Falle."
„Joa, joa. De oll Voß! Nu tümmt he nich wedder rut. Fien wiyr he. Awers to fien, loat man fien!"
Was noch geschehen mußte, geschah still und rasch, und schon um die neunte Stunde des folgenden Tages trug Eccelius nachstehende Notiz w das Tschechiner Kirchenbuch ein: ‘ f
Heute, den 3. Oktober, früh vor Tagesanbrucy, wurde der »au, mann und Gasthoftbesitzer Abel Hradscheck ohne Sang und Klang in den hiesigen Kirchhofsacker gelegt. Nur Schulze Woytasch, GendaM Geelhaar und Bauer Kunicke wohnten dem stillen Begräbnisakte vei. Der Tote, so nicht alle Zeichen trügen, wurde von der Hand Gottes getroffen, nachdem es ihm gelungen war, den schon früher gegen >yn wach gewordenen Verdacht durch eine besondere Klugheit wieoer zu schwichtigen. Er verf.ng sich aber schließlich in seiner List und grub! G mit dem Grabscheit in der Hand, in demselben Augenblicke sein - - in dem er hoffen durfte, sein Verbrechen für immer aus der 2veu 8 schafft zu sehen. Und bezeugte dadurch aufs neue die Spruchwewye^ ,Es ist nichts so fein gesponnen, ’s kommt doch alles an die Sonnen^
Unterm Birnbaum.
Son Theodor Fontane.
(Schluß.)
Ede war schon zu Bett geschickt und in dem weiten Hause herrschte Totenstille. Hradscheck schritt auf und ab in seiner Stube, mußte sich aber fttzen denn der Aufregungen dieses Tages waren so viele gewesen, daß er sich trotz fester Nerven, einer Ohnmacht nahe fühlte. So lang er Drüben Geschichten erzählt hatte, munterer und heiterer, jo wenigstens schien es, als je zuvor, war kein Tropfen Wein über feine Lippen gekommen, setzt aber nahm er Kognak und Wasser und fühlte, wie Kraft und Entjchlosjen- heit ihm rasch wiederkehrten. Er ging auf das Schubfach zu, drin er das Käpselchen versteckt hatte, zog gleich danach seine Schuh aus und pulverte von dem Farnkrautsamen hinein.
ftnb nun stand er wieder in seinen Schuhen und lachte.
„Will doch mal die Probe machen! Wenn ich jetzt unsichtbar bin, muß ich mich auch selber nicht sehen können."
Und das Licht Mr Hand nehmend, trat er vor den schmalen Trumeau mit dem weißlackierten Rahmen und sah hinein und nickte seinem Spie- aelbllde zu. „Guten Tag, Abel Hradscheck. Wahrhaftig, wenn alles soviel hilft wie der Farntrautsamen, so werd' ich nicht weit kommen und bloß noch das angenehme Gefühl haben, ein Narr gewesen zu sein und ein Dummkopf, den ein altes Weib genassührt hat. Die verdammte Hexe! Warum lebt sie? Wäre sie weg, jo hält' ich längst Ruh' und brauchte diesen Unsinn nicht. Und brauchte nicht ..." Ein Grusel überlief ihn, denn Das Furchtbare, was er vorhatte, stand mit einem Male wieder vor seiner Seele. Rasch aber bezwang er sich. „Eins kommt aus dem andern. Wer 21 sagt, muß B sagen."
Und als er so gesprochen und sich wieder zurecht geruckt hatte, ging er auf einen kleinen Eckschrank zu und nahm ein Laternchen heraus das er sich schon vorher durch Uebertleben mit Papier in eine Art Blendlaterne umgewandelt hatte. Die Alte drüben sollte den Lichtschimmer nicht wieder sehen und ihn nicht zum wievielsten Male mit ihrem „ick weet mch, Hradscheck, wihr et in be Stuw or wihr et in n Keller in Wut und Verzweiflung bringen. Und nun zündete er das Licht an, kmpste Die Laternentür wieder zu und trat rasch entschlossen auf den Flur hinaus. Was er brauchte, darunter auch ein Stück alter Teppich, aus langen Tuch- ftreifen geflochten, lag längst in Bereitschaft.
„Vorwärts, Hradscheck!" . „ „
Und zwischen den großen Oelsässern hin ging er bis an den Keller- einganq, hob die Falltür auf und stieg langsam und oorsichtig die Stufen hinunter Als er aber unten war, sah er, daß die Laterne, trotz Der angebrachten Verblendung, viel zu viel Licht gab und nach oben hin, wie aus einem Schlot, einen Hellen Schein warf. Das durfte nicht jein unb jo fticn er bic 2>rcppc toieber fyinciuf, blieb über in fyolber fte^en unb griff bloß nach einem ihm in aller Bequemlichkeit zur Hand liegenden Brett bas hier an bas nächstliegende Oelfaß herangejchoben war, um die ganze Reihe der Fässer am Rollen zu verhindern. Es war nur schmal, aber doch gerade breit genug, um unten das KeUerfenster zu schueßen.
Nun mag sie sich Drüben die Augen ausgucken. Meinetwegen. Durch : ein "Brett wird sie ja wohl nicht sehen können. Ein Brett ist besser als Farnkrautsamen..." t .. , .. .
Unb bamit schloß er die Falltür unb stieg wieder die Stufen hinunter.
Ede war früh auf unb bediente seine Kunden. Dann unb wann sah er nach ber kleinen im Nebenzimmer hängenden Uhr, bte schon auf ein Viertel nach acht zeigte.
„Wo der Alle nur bleibt?"
Ede durfte die Frage schon tun, benn für gewöhnlich erschien Hrad- scheck mit bem Glockenschlage sieben, wünschte guten Morgen unb öffnete die nach ber Küche führende kleine Tür, was für die Kcchin allemal bas Zeichen war, bah sie ben Kaffee bringen folle. Heute aber ließ sich kein Hradscheck sehen, und als es nah an neun heran war, steckte statt seiner nur Male ben Kopf in den Laben hinein unb sagte:
„Wo he man blierot, Ede?"


