entlang zu fahren, wo, wegen des weniger aufgeweichten Bodens, die Näder auch wenig.r tuf ein|djmtten.

Patz Achtung," |ugiv Wuytasch,sonst liegen wir auch unten "

Und der Kutichcr, Dun lelber angsitich jein mochte, lenkte sofort auf die Mitte des Damms hinuoer, trotzdem er hier langiamer fahren mußte.

Sah man von der Fahritch-eck der Situation ad, so war es eine raun- dervolle Fahrt und das sich weckhin darbietende Bild von einer gewissen Grotzartigceit. Rechtshin g.üne Wintersaat, soweit das Auge reichte, nur mit einzelnen Tümpel», Häusern und Pappelweiden dazwischen, zur Linken aber die von Rcge. gössen hoch angeschwollene Oder, mehr ein Haff setzt als ein Strom. Wütend kam der Süüost vom jenseitigen Ufer herüber und trieb die gmugelben Wellen mit solcher Gewalt an den Damm, daß es wie eine Blandung war Und m eben dieser Brandung standen gekröpfte Weiden, nur noch den häßlichen Kopf über dem Wasser, während, auf der neumärkijchen Seite, der blaujchwarze Strich einer Kie- fernwaldung in grellem, uiiheimlichem Sonnenscheine dalag.

Bis dahm war außer des Schulzen Anruf an den Kutscher kein Wort laut geworden, jetzt aber sagte Hradscheck, indem er sich zu den beiden hinter ihm Sitzenden umdrehte:Der Wind wird ihn runter geweht haben."

Unsinn!" lachte Woytasch,Ihr müßt doch sehen, Hradscheck, der Wind kommt ja von da, von drüben. Wenn der schuld wäre, läge er hier rechts vom Damm und nicht nach links hin in der Oder ... Aber seht nur, da wanke» ja schon welche herum und halten sich die Hüte fest. Fahr zu, daß wir nicht die letzten sind."

Und eine Minute daraus hielten sie gerad' an der Stelle, wo das Un­glück sich zugetragen hatte. Wirklich, Orth war schon da, mit ihm ein paar seiner Mühlknechte, desgleichen Mietzel und Ouaas, deren ausgebaute Gehöfte ganz in der Nähe lagen. Alles begrüßte sich und kletterte dann gemeinschaftlich den Damm hinunter, um unten genau zu sehen, wie's stünde. Die Böschung war g att, aber man hielt sich an dem Werft und Weidengestrüpp, das überall stand." Unten angekommen, sah man be- !tätigt, was von Anfang an niemand bezweifelt hatte: Szulskis Gin- pänner lag wie getenteri im Wasser, das Verdeck nach unten, die Räder nach oben; von dem Pferde sah man nur dann und wann ein von den Wellen überschäumtes Stück Hinterteil, während die Schere, darin es ein- gespannt gewesen, wie em Wahrzeichen aus dem Strom aufragte. Den Mantelsack hatten die Wellen an den Damm gespült und nur von Szulski selbst lieh sich nichts entdecken.

Er ist nach Kienitz hin weggejchwemmt", sagte Schulze Woytasch. Aber weit weg kann er nicht sein; die Brandung geht ja schräg gegen den Damm"

Und dabei marjch.erte man truppweise weiter, von Gestrüpp zu Ge­strüpp, und durchsuchte jede Stelle.

Der Pelz muß doch obenauf schwimmen."

Ja, der Pelz", lachte Kunicke.Wenn's bloß der Pelz wär. Aber der Pohlsche steckt ja drin."

Es war der Kunickesche Trupp, der so plauderte, ganz wie bei Dachs graben und Hühnerjag -, während der den andern Trupp führende Hrad- scheck mit einem Male rief:Ah, da ist ja seine Mütze!"

Wirklich, Szulskis Pelzmütze hing an dem kurzen Geäst einer Kropfweide.

Nun, haben wir die," fuhr Hradscheck fort,so werden wir ihn auch selber bald haben."

Wenn wir nur ein Boot hätten. Aber es kann hier nich^ tief sein, und wir müssen immer peilen und Grund suchen."

Und so geschah's auch. 2(ber alles Messen und Peilen half nichts und es blieb bei der Mütze, die der eine der beiden Müllerknechte mittlerweile mit einem Haken herarg.cholt hatte. Zugleich wurde der Wind immer schneidender und kälter, so daß Kunicke, der noch von Möckern und Mont- mirail her einen Rhrumoti mus hatte, keine Lust mehr zur Fortsetzung verspürte. Schulze Woytasch auch nicht.

Ich werde Genda m Gcelhaar nach Kienitz und Güstebiese schicken", sagte dieser.Irgendwo muß er doch antreiben. Und bann wollen wir ihm ein ordentliches Begräbnis machen. Nicht wahr, Hradscheck? Die Hälfte kann die Gerne "/"e geben."

Und die andere'f e geben wir", setzte Kunicke hinzu.Denn wir sind doch eigentlich ein bißchen schuld. Oder eigentlich ganz gehörig. Er war gestern Aben^ reri'-emmi fißlig und man bloß noch so so. War er denn woh". kattolsch?"

Natürlich war er, sagte Woytasch.Wenn einer Szulski heißt und aus Krakau kommt, ist er kattolsch. Aber das schad't nichts. Ich bin für Aufklärung. Der alte Fritze war auch für Aufklärung. Jeder nach seiner Fasson .. "

Versteht sich", sagte Kunicke.Versteht sich. Und dann am Ende, wir wissen auch nicht, das heißt, ich meine, so ganz bestimmt wißen wir nicht, ob er ein Kattolsch r war oder nicht. Un was man nich weiß, macht einen »ich heiß. N'ch' wahr, Oüaas?"

Nein, nein. Was man nicht weiß, macht einen nicht heiß. Und Duaafen auch nich^"

Alle lachten und se'bst Hradscheck, der bis dahin eine würdige Zurück­haltung gezeigt hatte, stimmte mit ein.

IX.

Der Tote fand sich nicht, der Wagen aber, den man mühsam aus dem Wasser herausgeholt hatte, wurde nach dem Dorfe geschafft und in Ku- nickes große Sch-une g.stclli. Da stand er nun schon zwei Wochen, um entweder obgeholt oder auf Antrag der Krakauer Firma versteigert zu werden.

, Im Dorfe gab es irzw scheu viel Gerede, das aller Orten darauf hin­auslief:es sei was passiert und es stimme nicht mit den Hradschccks. Hradscheck sei freilich rin seiner Vogel und Spaßmacher und könne Witz- chen und Gesch'ch^n '"Vcn, aber er hab es hinter den Ohren, und was die Frau Hradscheck arg.he, die vor Vornehmheit nicht sprechen könne, so

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' wisse feder, stille Wasser seien tief. Kurzum es fei beiden nicht recht zu trauen und der Pohlsche werde wohl ganz wo anders liegen als m der Oder" Zum Ueberfluß griff auch noch unser Freund, der Kantorsjohn, der sich jedes Skandals mit Vorliebe bemächtigte, in die Saiten seiner Leier, und allabendlich, wenn die Knechte, mit denen er auf du und du stand, vom Kruge her durchs Dorf zogen, fangen sie nach bekannter Melodie:

Morgenrot!

Abel schlug den Kain tot.

Gestern noch bei vollen Flaschen, Morgens ausgeleerte Taschen, Und ein kühles, kühles Graab.

All dies kam zuletzt auch dem Küstriner Gericht zu Ohren, und wie­wohl es nicht viel besser als Klatsch war. dem alles Beweiskrästige fehlte, so sah sich der Vorsitzende des Gerichts, Justizrat Vowinkel, doch veran­laßt, an feinen Duz- und Logenbruder Eecelius einige Fragen zu richten und dabei Erkundigungen über das Vorleben der Hradjchecks einzuziehen.

Das war am 7. Dezember, und noch am selben tage schrieb Eeee- lius zurück:

Sieber Bruder. Es ist mir sehr willkommen, in dieser Sache das Wort nehmen und Zeugnis zugunsten der beiden Hradschecks ablegen zu können. Man verleumdet sie, weil man sie beneidet, besonders die Frau. Du kennst unsere Brücher; sie sind hochfahrend und steigern ihren Dünkel bis zum Haß gegen alles, was sich ihnen gleich oder wohl gar überlegen glaubt. Aber ad rem. Er, Hradscheck, ist kleiner Leute Kind aus Neu- Lewin und, wie sein Name bezeugt, von böhmischer Extraktion. Du weißt, daß Neu-Lewin in den 80er Jahren mit böhmischen Kolonisten besetzt wurde. Doch dies beiläufig. Unsres Hradscheck Vater war Zimmerütann, der, nach Art solcher Leute, den Sohn für dasselbe Handwerk bestimmte. Und-unser Hradscheck soll denn auch wirklich als Zimmermann gewandert und in Berlin beschäftigt gewesen fein. Aber es mißfiel ihm, und so fing er, als er vor etwa 15 Jahren nach Neu-Lewin zurückkehrte, mit einem Kramgeschäft an, das ihm auch glückte, bis er, um eines ihm unbequem werdendenVerhältnisses" willen, den Laden aufgab und den Entschluß faßte, nach Amerika zu gehen. Und zwar über Holland. Er kam aber nur bis ins Hannöversche, wo er, in der Nähe von Hildesheim, also katholische Gegend, in einer großen gasthausartigen Dorfherberge Quar­tier nahm. Hier traf es sich, daß an demselben Tage die seit Jahr und Tag in der Welt umhergezogene Tochter des Hauses krank und elend von ihren Fahrten und Abenteuern sie war mutmaßlich Schauspielerin ge­wesen zurückkam und eine furchtbare Szene mit ihrem Vater hatte, der ihr nicht nur die bösesten Namen gab, sondern ihr auch Zuflucht und Aufnahme verweigerte. Hradscheck, von dem Unglück und wahrscheinlich mehr noch von dem eigenartigen und gewinnenden Wesen der jungen Frau gerührt, ergriff Partei für sie, hielt um ihre Hand an, was dem r ivanmit? nur gelegen iam, und heiratete sie, nach­dem er seinen Auswanderungsplan aufgegeben hatte. Bald danach, um Martini herum, übersiedelten beide hierher, nach Tschechin, und schon am ersten Adventssonntage kam die junge Frau zu mir und sagte, daß sie sich zur Landeskirche halten und evangelisch getraut sein wolle. Was denn auch geschah und damals (es geht jetzt ins zehnte Jahr) einen großen Eindruck auf die Bauern machte. Daß der kleine Gott mit dem Bogen und Pfeil in dem Leben beider eine Rolle gespielt hat, ist mir unzweifel­haft, ebenso daß beide seinen Versuchungen unterlegen sind. Auch sonst noch, wie nicht bestritten werden soll, bleiben einige dunkle Punkte, trotz­dem es an anscheinend offenen Bekenntnissen nie gefehlt bat. Aber wie dem auch sein möge, mir liegt es pflichtmäßig ob zu bezeugen, daß es wohlanständige Leute sind, die, so lang ich sie kenne, sich gut gehalten und allzeit in einer christlichen Ehe gelebt haben. Einzelnes, was ihm, nach der entgegengesetzten Seite hin, vor längerer oder kürzerer Zeit nachge­sagt wurde, mag auf sich beruhen, um so mehr als mir Sittenstolz und Tugendrichierei von Grund aus verhaßt sind. Die Frau hat meine be­sondere Sympathie. Daß sie den alten Aberglauben abgeschworen, hat sie mir, wie Du begreifen wirst, von Anfang an lieb und wert gemacht."

S'e Wirkung dieses Eeeeliusschen Briefes war, daß das Küstriner Ge­richt die Sache vorläufig fallen ließ; als demselben aber zur Kenntnis kam,daß Nachtwächter Mewissen, nach neuerdings vor Schulze Woytasch gemachten Aussagen, an jenem Tage, wo das Unglück sich ereignete, so zwischen fünf und sechs (um die Zeit also, wo das Wetter am tollsten gewesen) die Frau Hradscheck zwischen den Pappeln an der Mühle gesehen haben wollte, ganz so, wie wenn sie halb verbiestert vom Damm her käme", da waren die Verdachtsgründe gegen Hradscheck und seine Frau doch wieder so gewachsen, daß das Gericht einzuschreiten beschloß. Aber freilich auch jetzt noch unter Vermeidung jedes Eklats, weshalb Vo­winkel an (Eecelius, dem er ohnehin noch einen Dankesbri<-f schuldete, die folgenden Zeilen richtete:

Habe Dank, lieber Bruder, für Deinen ausführlichen Brief vorn 7 d. M, dem ich, soweit er ein Urteil abgibt, in meinem Herzen zustimme. Hradscheck ist ein durchaus netter Kerl, weit über , feinen Stand hinaus, und Du wirst Dich entfinnnen, daß er den letzten Winter sogar in Vor­schlag war, und zwar auf meinen speziellen Antrag. Das alles steht fest. Ader zu meinem Bedauern will die Geschichte mit dem Polen nicht aus der Welt, ja, die Verdachtsgründe haben sich gemehrt, seit neuerdings auch euer Mewissen gesprochen hat. Andererseits freilich ist immer noch zu wenig Substanz da, um ohne weiteres eine Verhaftung eintreten zu lassen, weshalb ich vorhabe, die Hradscheckschen Dienstleute, die doch schließlich alles am besten wissen müssen, zu vernehmen und von ihrer Aussage mein weiteres Tun oder Nichttun abhängig zu machen. Unter allen Umständen aber wollen wir alles, was Aufsehen machen könnte, Nach Möglichkeit vermeiden. Ich treffe morgen gegen 2 Uhr in Tschechin ein, fahre gleich bei Dir vor und bitte Dich, Sorge zu tragen, daß ich den Knecht Jakob samt den beiden anderen Personen, deren Name» ich vergessen, in Deinem Hause vorfinde."

(Fortsetzung folgt.)___________________

'sche Univers itätS^Duch« und Sletndruckerei, R. Lang«, Gießen.