Ausgabe 
13.9.1929
 
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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

Jahrgang (929

Freitag, den (3. September

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Nummer 7(

An eine Römerin.

Von Friedrich Hebbel.

Ich hab' als Kind gespielt im fernen Norden, Dann bin ich weit und breit herumgekommen Und habe schon das dritte Meer durchschwommen, Nun ruh' ich aus an seinen Blütenborden.

Dir ist ein schlichtes Mädchenlos geworden. Wie eine Blume bist du still erglommen, Dann hat, wie die der Strauß, dich ausgenommen Als frischen Schmuck der fromme Jungfraunorden. Nun gehn wir beide Hand in Hand zusammen. Wie Gärtnerin und Schiffer traulich wallen, Im kühlen Schatten dicht verschlungner Aeste;

Ich spreche dir von Sturm und Meeresslammen Und schmücke dich mit Perlen und Korallen, Du pflückst mit still der Goldorangen beste.

Anselm Feuerbachs deutsches Schicksal.

Zu seinem 10 0. Geburtstage.

Von Hanns Martin Elster.

Unsere Zeit und unsere Entwicklung rücken von Anselm Feuer­bachs Wesen und Werk scheinbar immer weiter fort. Aristokratisch war sein Wesen, auf Persönlichkeit, Idealismus, klassische Schönheit eingestellt; demokratisch glaubt unsere Zeit zu sein, auf die Erfüllung der Massen­wünsche, auf reale Beglückung, materielle, technische Lebensbeherrschung und naturalistische Reporterwiedergabe ist ihre Entwicklung gerichtet. Und wie das Wesen so das Werk: Feuerbachs Werk erstrebte aus eigenem Er­leben die Wiedergeburt des höchsten koloristischen und kompositionellen Stils der Renaissance Italiens im fünfzehnten Jahrhundert, Feuerbachs Werk sehnte sich danach, die Schönheit des Lebens in großer, strenger, edelster und reinster Form zu gestalten; ihm waren die Formideale der Klassik, der Antike, der Renaissance der selbstverständliche Sinn allen Kunstbemühens; seine Welt hieß Griechenland, Rom, Italien: aus deut­scher Seele und Sehnsucht, mit deutscher Tiefe und Lebensschwermut.

Man sieht: Feuerbach muß denen, die die technisch-amerikanische, geo- metrisch-rechnerische Gegenwart mit ihrem flachen Lebensgenießertum be­jahen, durch und durch historisch erscheinen. Die ewig Gegenwärtigen wer­den diesen Künstler und sein Werk vergangen nennen, in die Entwicklung der deutschen Kunst des neunzehnten Jahrhunderts einstellen, ihn einen Historienmaler nennen, der in koloristischer Hinsicht die Bestrebungen der klassizistischen Epoche eines Peter Cornelius erfüllte und die vormoderne deutsche Kunst, die noch nichts von Impressionismus, Naturalismus, ge­schweige denn Expressionismus, Kubismus wußte, als ein Meister nicht in allen seinen Werken, aber einer großen Anzahl vollendete. So gewiß etwas Wahres an dieser Betrachtungsweise ist, so sicher ist aber auch, daß sie im Gesamtrahmen des deutschen Geistes und der deutschen Entwick­lung zu eng und kleinlich ist.

Anselm Feuerbachs Wesen und Persönlichkeit, Weg und Werk sind mehr als nur eine Angelegenheit der Kunst: sie sind auch noch wie von jeher ein Bild des deutschen Schicksals überhaupt. Die frühesten Zeiten deutscher Geschichte sind erfüllt von den Zügen der Germanen nach dem Süden: in der Völkerwanderung. Im Mittelpunkt findet das deutsche Kaisertum seine Krönung und seine Zeitwenden in Rom. Dürer zieht nach Venedig. Luther ringt mit Rom. Goethe ist ohne Italien der unglücklichste Deutsche.

Immer wieder sucht der Norden seine Ergänzung, feine Erfüllung im Süden, fei es in Rom sei es in Griechenland. Die sonnenlose, nebelgraue Düsternis, die Schwermut der grübelnden Seele im Norden kann ohne den Sonnenglanz, die geistige Heiterkeit des Südens nicht zur Form, zur Gestalt, zur Einheit finden. Der Deutsche trägt das Schicksal des Dualis­mus Nord-Süd, die Antipolarität des Nord-Süd, des Formlosen zur Form Strebenden, des zuchtlosen Schweifens, das nach zuchtvoller Be­grenzung sich sehnt, in sich. Dies ewige deutsche Schicksal kann auch unsere, Zeit nicht leugnen: mag sie sich noch so modern-amerikanisch gebärden, das Sonnenlose sucht immer das Sonnenhafte, das Zuchtlose immer die Zucht, das Formlose stets die Form. So wird auch eines Tages das Moderne-Modernste wieder das Ewige der Antike, der Klassik, der Historie luchen, weil jede Einseitigkeit ihre Ergänzung zur Allseitigkeit braucht, lall er nicht an sich selbst zugrunde gehen. Nur das Allseitige ist fruchtbar, treibt Leben, hat Zukunft; niemals das Einseitige. Viele Anzeichen deuten heute schon auf diese Erklärung auch heutiger Zeittendenzen hin.

Dann wird auch die Stunde kommen, da Anselm Feuerbachs Größe » Bedeutung im vollen Lebenssinne erkannt wird und wirksam werden tonn. Während seines nur zu kurzen Lebens wurde Feuerbach mißver­

standen und auch die Nachwelt hat ein falsches Bild von ihm überliefert, indem sie ihn als ewig unbefriedigt hinstellte. Viel reiner und richtiger hat Wilhelm Trub ner ihn mit sicherem Künstlerblick gesehen, wenn er vonferner heiteren Ruhe" unddem getrosten Gleichmut" und seiner mündlichen Rede berichtete. Dies ist auch die Stimmung die seine hin­terlassenen Schriften, das klassische Literaturdenkmal desVermächk- nisses , das seine Stiefmutter Henriette, die treuliebende Lebensbeglei- tenn, nach seinem Tode herausgab, und seine Briefe ausatmen: es ist die große Harmonie des Menschen, der in seinen besten Werken den Aus- gleich zwischen Nord und Süd gefunden hat, der zur inneren und for* malen Vollendung durchgedrungen ist. Diese Vollendung, diese beseelte Harmonie der Innenwelten und der Formen erheben ja seine berühmte­sten Bilder von den Selbstporträts bis zu den Porträts der geliebten Mutter, von den herrlichen Nannabildern in den verschiedensten Abwand­lungen bis zu den einzigartigen Gestaltungen der Iphigenie und Medea, von den großen Szenen um Pietro Aretino, die Amazonenschlacht, um Dante und christliche Motive bis zu den Landschaften Idyllen und Akten, bis zur wundersamen Musikalität des BerlinerKonzerts" von 1878 und bis zum gewaltigenTitanensturz" von 1879, seinem letzten Bilde zu der Offenbarung vom Sinn des Lebens durch die Form. Der Deutsche in Feuerbach eroberte in sich den Sinn des Lebens in der Verbin­dung mit der ewigen Harmonie und der Künstler in Feuerbach gestaltete diesen Sinn durch die mit Hilfe der großen antiken und italienischen Kunst gewonnenen Form. Sein Schicksal war deutsches Schicksal: vom Norden zum Süden, vom Sinn zur Form, vom Wesen zur Gestalt, beides zugleich in reiner Vollendung und Offenbarung!

Dies Schicksal war als Lebensweg natürlich ein ernstes, schweres ßeiben und Ringen. Aus einem alten, geistig bedeutenden Gelehrtenge­schlecht von Philosophen, Juristen, Archäologen stammend, brachte sein Blut den Trieb zum Ewig-Geistigen mit, den der Vater, zuerst Gym- nasiallehrer in Speyer, wo Anselm am 9. September 1829 geboren wurde, dann als Unioerfitätsprofeffor in Freiburg im Breisgau, durch die fein­sinnigste Kultur des klassischen Idealismus fruchtbar nährte. Als das Wunderkind 1845 die Düsseldorfer Akademie bezog, begann das unbeirr­bare Suchen nach dem eigenen Stil und Sinn: wir sehen Anselm nutt als anderthalb Jahrzehnte von Lehrer zu Lehrer, von Düsseldorf nach München, von München nach Antwerpen, von hier nach Paris wan­dern, nirgend befriedigt, bis endlich, 1852, erstmals Venedig, Florenz, Rom den einheitlichen Weg zeigen, der zur Harmonie führt: durch dis Antike und Renaissance. Im Bilde der Schustersrau Nanna verkörpert sich ihm lebensvoll die ewige Schönheit. Fortan ist sein Werk nur noch ein Sichklären und Sammeln. Seit 1861 entstand Bild um Bild in blei­bender Meisterschaft. Der erste Ruhm glänzt auf: Wien ruft ihn 1873 an feine Akademie. Aber es ist das Wien Makarts! Und Makarts Welt ist nicht feine Welt, denn Makart hat nur die leere Geste und den ver­logenen Rausch, nicht aber die Wahrheit, nicht das Wesentliche in Sinn und Form. Die Deutschen seiner Zeit kannten und erkannten ihn nicht, wie die Deutschen ja immer in ihrer Zeit nur den Schein greifen uni) den wahren Schöpfer erft nach seinem Tode erkennen. So erfuhr es auch Feuerbach: er verließ Wien wieder, kehrte einsam nach Italien zurück, wo er im kleinen Albergo della Luna zu Venedig, kaum fünfzig Jahre alt, 1880 weltverlassen starb. Erst die Jahrhundertausstellung von 1906 entdeckte sein Werk neu, sühnte das Unrecht der Zeitgenossen Feuer­bachs, wies uns das deutsche Schicksal wieder einmal zur Einsicht und Wegweisung, wie es auch dem heutigen Deutschland notwendiger denn je ist ...

Feuerbachs Selbstbildnisse.

Von Wilhelm B o e ck.

Alle wahre Kunst ist Bekenntnis, jedes echte Kunstwerk in irgend einem Sinne Selbstdarstellung des Schöpfers. Für den Maler gibt es darum nichts Selbstverständlicheres, als daß er Selbstbildnisse schafft. Alle großen Maler haben das mehr ober weniger unverhllllt getan, und die KUnsklereitelkeit, die daraus spricht, hat mit der gemeinen Eitelkeit und Ueberheblichkeit nichts zu tun. Es ist einfach normal, daß rs für den Künstler nichts Interessanteres gibt als ihn selbst, als den schöpfe­rischen Genius in ihm. Auch Anselm Feuerbach, aus dessen innerer Einsamkeit sich ein wahrer Bekenntniszwang ergab, hat fein ganzes Leben lang sich selbst dargestellt, jedes Bild sagt in irgendeiner Form von dem Zustand seiner Seele aus. Und auch das Selbstbildnis im eigent­lichen Sinne hat er mit intensiver Hingabe zu allen Zeiten gestaltet.

Jedes gute Porträt soll zweierlei erfüllen: die äußere Bildung einer Person überliefern und den ruhenden Seelengehalt, der sich in dieser ausprägt, aufbewahren. Es soll getreu in der Form, innerlich im Aus­druck sein. Jedes gute Bildnis verzeichnet darum ein Stück Schicksal, eine so klangvolle Abfolge guter Bildnisse, wie sie von Feuerbach vor­liegen, ein ganzes Menschenlos. Kommt hinzu, daß, der sie gemalt hat,