Ausgabe 
11.1.1929
 
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ftatt. Trotty meinte anfangs, es hätten sich ein Mann hinauszuwersen, und daher rühre der

if ihre Arbeit gehestet, bis es zu dunkel war, rd al® die Nacht here.nbrach, zündete sie ihre

ange, daß sie weinen würde, wenn sie ihr zu Gefickt lies dies und nimm es wieder mit, sie wird es nicht

gewesen wäre.

Bsrantwvrtttch: Dr. Hans Thyrtst. Druck und Verlag: Brühl'sche AniversttLtS-Buch- und Sielnhrudetei, R. Lange, Gieß««.

t , r i Kleides oder irgendein anderes unbe­deutendes Geräusch ' aus seinem Stumpfsinn geweckt, erhob er seinen Kopf und begann zu sprechen, als ob seit seinem Eintritt keine! Pause

gebaut und hübsch gewesen war. , ,, ,,

Er blieb stehen und wartete, bis ihn Meg einzutreten erlaubte: sie aber wich ein paar Schritte von der offenen Tür zurück und sah ihn stumm und bekümmert an. Trottys Wunsch war erfüllt er hatte Richard vor sich.

Darf ich hereinkourmen, Margaret?'

Ja, komm herein. Komm herein!"

Cs war gut, daß ihn Trotty erkannt hatte, ehe er sprach: denn wenn auch nur ein Zweifel in ihm geherrscht hätte, so würde ihn die rauhe, misitönige Stimme überzeugt haben, daß es nicht Richard, sondern ein anderer Mann sei. .

Es waren nur zwei Stühle in der Stube. Sie gab ihm den ihrigen und blieb eine Weile tn einiger Entfernung stehen, wartend, was er

w-ihnliche Geschrei! Gott behüte, wir sind derartigen Dingen längst ge­wachsen ich selbst und die menschliche Natur."

.Wohlan, Gentleman", fuhr Will Fern fort, indem er seine Hände au oft reckte und ein flächiges Rot sein hageres Gesicht einen Augenblick über flammte.Seht, wie eure Gesetze gemacht sind, um uns einzufangen und zu hegen» wenn es einmal soweit mit uns gekommen ist. Ich ver­suche, anderswo meinen Unterhalt zu finden, und man behande l mich als einen Landstreicher. Ins Gefängnis mit ihm! Ich komme hierher zurück, sammle in den Wäldern Nüsse und breche - wer täte es nicht? ein paar dünne Zweige ab. Ins Gefängnis mit ihm! Emer von den For­stern sieht mich am bellen Tag in der Nähe meines eignen Gartens mit einem Gewehr. Ins Gefängnis mit ihm! Sobald ich wieder frei bin,

ihr zu sagen habe.

Er setzte sich nieder und blickte mit glanzlosem, blödsinnigem Lächeln stier aus den Boden ein Anblick so tiefer Verkommenheit, gänzlicher Hoffnungslosigkeit und kläglicher Verwahrlosung, daß sie die Hand vor das Gesicht hiell und sich abwandte, um ihn nicht sehen zu lassen, wie sehr sie sein Wesen erschütterte.

Durch das Rauschen ihres

Sache zu dienen!" iheit, meinen guten Namen und Alle Lords und Ladies In dem

Noch immer bei der Arbeit, Margaret? Du arbeitest spät."

Das geschieht gewöhnlich so."

Und früh?"

Und früh."

Das Hai sie mir gesagt. Sie sagte, du seiest unablässig tätig und gestehcst nie deine Müdigkeit. Nie, solange ihr beisammen lebtet nicht einmal, als du von Arbeit und Fasten ohnmächtig wurdest. Doch ich habe dir dies bereits gesagt, als ich das letztemal hier war."

Das tatest du," antwortete sie:und ich beschwor dich, mir nicht« mehr darüber zu sagen. Auch hast du mir's feierlich versprochen, Richard."

Feierlch versprochen", wiederholte er mit einem kindischen Lache« und einem blöden Blick ins Leere.Feierlich versprochen, natürlich. Feierlich versprochen!"

Nach einer Weile schien er sozusagen in den früheren Zustand auf­zuwachen, denn er fügte mit plötzlicher Lebhaftigkeit bei:

Aber was kann ich dafür, Margaret? Was soll ich tun? Sie ist wieder bei mir gewesen!"

Wieder?" rief Meg, ihre Hände zusammenschlagend.D denkt fit ost an mich? Schon wieder?"

D schon zwanzigmal", sagte Richard.Margaret, sie läßt mir kein« Ruhe. Sie kommt auf der Straße hinter mir her und steckt mir's in di« Hand. Ich höre ihren Fuß in der Asche, wenn ich bei meiner Arbeib bin (ha, ha! das ist nicht oft), und ehe ich meinen Kops umwenden kann, tönt mir ihre Stimme ins Öhr: .Richard, dreh dich nicht um Gib ihr das, um aller Barmherzigkeit willen!' Sie bringt mir es in die Wohnung, schickt es mir in Briefen, klopft an das Fenster und legt es auf bett Sims. Was kann ich tun? Schau her!" Er hielt ihr In Der Hand eine kleine Börse entgegen und tlimpertee mit dem darin enthaltenen Selbe»

Steck es ein," sagte Meg,steck es ein! Wenn sie wiederkommt, so sage ihr, Richard, daß ich sie von ganzem Herzen liebe daß ich mich nie schlafen lege, ohne sie zu segnen und für sie zu beten daß ich bei meiner einsamen Arbeit nie aufhäre, an sie zu denken, daß ich Tag und Nacht bei ihr bin und daß ich, wenn ich morgen sterbe, mit meinem letzten Atemzug noch ihrer gedenken will, daß ich aber dies nicht an* sehen kann!"

Er zog die Hand langsam wieder an sich, knitterte den Beutel zu­sammen und sagte mir einer Art schläfriger Nachdenklichkeit:

Ich jagte ihr dies. Ich sagte ihr's so deutlich, als es sich durch Worte nur aussprechen läßt. Dutzendmai nahm ich seitdem diese Gab« wieder zurück und ließ sie an ihrer Tür liegen. Aber als sie zum letzten­mal kam und Angesicht gegen Angesicht vor mich hintrat, was könnt« ich tun?" ,

Du hast sie gesehen?" rief Meg.Du hast sie gesehen? O Lilian, mein süßes Mädchen! O Lilian, Lilian!"

Ich habe sie gesehen", fuhr er fort, nicht gerade als Antwort, son­dern seinem Gedankengang folgend.Sie stand zitternd da ,Wie sieht sie aus, Richard? Spricht sie nie von mir? Ist sie schmächtiger geworden? Mein alter Platz an dem Tisch was ist an meinem alten Platz? Untr der Rahmen, an dem sie mich unsere frühere Arbeit lehrte Hot st« ihn verbrannt, Richard?' Sie war da, und ich hörte sie so sprechen."

Meg unterdrückte ihr Schluchzen und beugte sich mit hervorstürzen­den Tränen über ihn, um ihm zuzuhören und ja keinen Laut van seine«

stern sieht mich am Hellen Tag in der Nahe meines eignen narrens mn einem Gewehr. Ins Gefängnis mit ihm! Sobald ich wieder frei bm, kommt's natürlich zu einem zornigen Wortwcchsri mtt diesem Mann. Ins Gefängnis mit ihm! Ich schneide mir einen stock. Ins Gesangms mit ihm! Ich esse einen faulen Apfel oder eine Rude, Ins Gefängnis mit ihm! Es ist zwanzig Meilen entfernt, und als ich wieder zuruck- tomme, bettle ich an der Straße um ^ue Lleiiiigkelt Äns Gesangms mit ihm! Kurz, her Polizeimann ober der Wildhuter oder sonst lemand findet immer, daß ich hier oder dort iiMnd etwas anstelle. Ins Ge­fängnis mit ihm, denn er ist ein Landstreicher und bekannter <>uchihaus- vogel So ist denn das Zuchthaus zu seiner einzigen Heimat geworben!

Der Alderman nickte wohlweife, als wollte er jagen:Und obendrein

eine recht gute Heimat!"

Glaubt ja mcht, daß ich dies sage, um meiner rief gern.Wer kann mir meine Freiheit, meinen meine unschuldige Nichte zurückgeben?...----- -

we'cken England sind es nicht imstande. Aber ihr Gentlemen, wenn chr mit andern zu tun bekommt, wie mit mir, fangt die Sache an dem rechten Ende an. Seid so barmherzig, uns, wenn wir in unfern Wiegen liegen, eine bessere Heimat zu geben; reicht uns bessere Kost, wenn wir für |!n(ern Unterhalt arbeiten, und gebt uns wohlwollende Gesetze die uns auf den rechten Weg zurückbringen können, wenn wir von dem­selben abweichen: aber stellt uns nicht überall, wohin wir uns auch wenden miqen, ew-g nur das Gefängnis, bas Gefängnis, dos Gesang ms vor die äugen! Jede Herablassung, die ihr dem Arbeiter erweisen mögt, wird er so bereitwillig und dankbar hinnehmen, mr nur ein Mensch kann, denn er hat ein geduldiges, friedliches und roULges Herz; aber ihr müßt zuerst den rechten Geist in ihm fassen, denn bis jetzt noch ist der (einige von euch getrennt, mag er nun eine solche Ruine ober em Wrack ein wie ich, oder denen gleichen, die hier herumstehen. Bringt ihn zurück, bringt ihn zurück, ihr vornehmen Leute! bringt ihn zmuck, ehe de-- Tag kommt, da in seiner veränderten Gesinnung auch die Bibel eine andere Erstatt gewinnt und ihm die Worte derselben erscheinen, wie sie m'.r biswellen in dem Gefängnis vorkamen: .Wohin du gehftz kann ich nicht hingeden; wo du wohnst, wohne ich imcht: dein Volk ist nicht mein Volk und dein Gatt nicht der meinige!

In der Halle fand nun eine plötzliche Bewegung und Aufregung statt. Trotty meinte anfangs, es hätten sich einige aufgerafft, um den Mann hinauszuwerfen, und daher rühre der Wechsel in der -szene. Aber der näckste Augenblick belehrte ihn, daß der Saal mit ber ganzen Gesellschaft seinen Augen entschwunden war und feine Tochter wieder vor ihm saß, wie sie sich bei ihrer Arbeit abmühte. Ihr Dachstübchen war armseliger und schlechter als das frühere, und Lilian befand sich nicht au ihrer Seite. , , . _.

Der Rahmen, an dem letztere gearbeitet hatte, lag auf einem Sims und war zugedeckt, ihr Stuhl stand gegen die Wand gelehnt. In diesen kleinen Dingen und in Megs gramvollem Gesicht sprach sich eine lange Geschichte aus o, wer hätte sie nicht zu lesen vermocht!

Meg hatte die Augen auf ihre Arbeit geheftet, bis es zu dunkel war, ur.i den ^oben zu sehen, und ass bie Nacht herembrach, zündete sie ihre bilnne Keerze an, um weiter zu arbeiten. Noch immer befand sich ihr alter Baier unsichtbar in ihrer Nähe, schaute auf sie nieder und sprach mit ihr o, mit weich inniger Liebe! mit leiser Stimme über alte Seiten und über die Glocken, obschon der arme Trotty wohl wußte, daß sie ihn nicht hören konnte.

Der größere Teil des Abends war bereits entschwunden, als an ihre Tür gepocht wurde. Sie öfsnete. Ein Mann stand auf der Schwelle ein mürrischer, schlottriger, schmutziger Trunkenbold, den Laster und UnmWgkett gezeichnet hatten und dem die wirren Haare und der unge- fdiorcne Bari ein wildes Aussehen verliehen; aber dennoch waren einige Spuren an Ihm zu bemerken, die zeigten, daß er in seiner Jugend gut

zu entseknen.

Gute Nacht, Margaret."

Gute Nacht!" t .

Cr wandte sich wieder nach ihr um, betroffen von den-. Schmerz und vielleicht auch von dem Mitleid mit ihm, das In ihrer Sfmme zitterte. Die Bewegung war rasch und hastig, und für einen Augenblick schien etwas von seinem früheren Wesen in seiner Haltung aufzuzucken. Im nächsten Moment aber ging er, wie er gekommen war. Dieses Ausblitze« eines erloschenen Feuers schien in ihm kein lebendigeres Bewußtsein seiner Würdelosigkeit zu entflammen.

Meg mußte m jeder Stimmung, bei schwerem Kummer, bei körper­lichen wie seelischen Dualen ihre Arbeit vollenden. So setzte sie sich daher wieder und nähte {ort. Abend» Mitternacht sie arbeitete noch immer. (Fortsetzung folgt.)

Worten zu verlieren. .

Seine Arme waren auf die Knie aufgeftüigt, und er legnte sich i« seinem Stuhl vornüber, als sei das, was er jagte, in halb leserliche« Sägen, so daß er Mühe hätte sie zu entziffern, auf den Boden geschrie­ben. Er snhr fort: , , ,

.Richard, ich bin sehr tief gefallen, und im kannst dir denken, wie viel ich gelitten habe, als mir dies zurückgeschickt wurde, wenn ich es über mich gewinnen konnte, es eigenhändig dir wiederzubringen. Aber soviel ich mich erinnern kann, hast du sie einmal zärtlich geliebt. Andere sind zwischen euch getreten. Furch!, Eifersucht. Zweifel und Eitelkeit entsrem- beten dich ihr. Doch du liebtest sie, soweit ich mich erinnern kann.' Ich glaube, sie hat darin recht", sagte er, sich für einen Augenblick unter- brechend.Es war wirklich der Fall! Doch das gehört nicht hierher. ,D Richard, wenn du sie jemals lieb hattest, wenn du noch ein Gedächt­nis hast für das, was dahin ist und verloren, so bring es ihr noch ein­mal. Nur noch ein einziges Mal! Sag ihr, wie ich gebeten und gebettelt habe. Sag ihr, wie ich meinen Kopf auf deine Schalter legte, wo ihr eigner Kopf hälfe ruhen können, und wie ick fo demütig gegen dich war, Richard. Sag ihr, du hast mir ins Gesicht gesehen und gesunden, daß meine Schönheit, die sie sonst so zu preise» pflegte, völlig entschwun- den sei mittig dahin und an ihrer Stelle nur eine so arme, ab­gezehrte hohle ®i , ' I " ' " " !t

tarne. Sag ihr alles dies und nimm es

aufs neue zurückweisen. Nein, sie wird nicht das Herz haben!'"

Er blieb nachsinnend sitzen und wiederholte die letzten Worte, bis er wieder erwachte und sich erhob.

Du willst es nicht nehmen, Margaret?"

Sie schüttelte den Kops und bat ihn mit stummer Gebärde, sich