kr ist. Barburiza ist reich geworden und — alt. Er ist ein König und er i[t — allein.
Ob er ein glücklicher König ist? Das wissen sie alle nicht, die seine Geschichte erzählen, in Paris, London oder Santiago.
„Nach Seeiöo, nach Sevilla!"
Spanisches für die gebildete Welt.
Von Dr. Lenore Kühn.
Nein, cs ist nicht ganz so, wie der Dichter singt: „Die Schönen von Sevilla — Mit Fächer und Montilla — Blicken den Strom entlang", — denn der Guadalquivir (auf deutsch „der große Fluß") hat wegen seines Tiefgangs zwar eine große kommerzielle Bedeutung — Sevilla ist erst kürzlich im Handel von ihrer nördlicheren Schwesterstadt Barcelona überflügelt worden — aber gesellschaftlich sozusagen spricht der Guadalquivir in dieser einzigartigen Stadt keineswegs eine Rolle.
Aber sonst stimmt es doch, mit dem Fächer und der Montilla und den Schönen von Sevilla, die vielleicht der größte Schmuck dieser zauberhaften und liebenswürdigsten Stadt sind. Jede Frau wird dort zu einem Gemälde durch die stolze, hochgetürmte aus uralter Tradition umgebildete Epitzenschleiertracht über dem schimmernden Riesenkamm, und die sran- semvogenden buntgcstickten „Mantones", die großen Tücher tragen dazu das Ihrige bei. Und selbst die Zeitungsfrau steckt sich noch Rosen ins Haar. —
Da ich geradezu verliebt in die Stadt und ihre Bewohner bin, fällt es mir schwer, der Reihe nach ihre Reize auszuzählen. Für solche, die an falscher Romantik leiden, sei gleich bemerkt, daß die landschaftliche Umgebung Sevillas bei der Einfahrt enttäuscht. Richtige biedere Feld- und Wiesenlandschaft. Was auch das Land an Romantik und Schönheit birgt, erfährt man erst bei den sog. „Romerias" (Kreuzung zwischen Prozession und Landpartie), wo die kecken, bildhübschen Mädel mit buntem Falbelrock und Zipfeltücher auf dem Kopf, verwegen aus der Kruppe des Pferdes hinter ihren Burschen sitzend, einhergaloppicren.
Auch die Stadt präsentiert sich zunächst zwar nur wie eine gemütliche und keineswegs aufregend sensationelle Mittelstadt. Aber schon vor der Ornamentik des Rathauses, das fo beiläufig an einem Platz liegt, bleibt man mit offenem Munde stehen. Biegt man in eine der Seitengäßchen — fabelhaft schmal und fabelhaft sauber, wo die Balkons sich gegenseitig säst in die Fenster gucken, — und hat man das mit einigem Leiden geschmückte Glück, in einem „echten", vergitterten Sevillaner Haus (mit Oeffnungs- und Schließvorrichtung von mittelalterlicher Primitivität) bei einer „echten" freundlichen Sevillaner Wirtin zu wohnen, so steigt einem schon das Parfüm dieser merkwürdigen Sevillanerstimmung in die Rase. Dreifach konzentriert in der Calle de los Sierpes, kürzer „Sierpes" genannt, die eigentlich in ihrer salonartigen Stimmung nur mit dem Mär- kusplatz in Venedig verglichen werden kann. Es ist eine Verkehrsader, wo es keinen Fährverkehr gibt und wo den ganzen Tag in den Cafes und Läden, ebenerdigen Klublokalen (bloß zum Gaffen auf die Straße geschaffen) eine unbegreiflich gutgelaunte Menschenmenge in geschäftigem Müßiggang einherflaniert.
Betritt man den Dom, — um den weltberühmten „Giralda", das Wahrzeichen Sevillas zu ersteigen, — so befällt einen das zweite große Staunen. Diese mystisch dämmrige Riesenhöhle hat Dimensionen und Proportionen, die sich nur mit dem Inneren des Domes von Chartres vergleichen lassen — die herrlichste Gotik, die sich denken läßt. Was sonst noch darin ist, — so daß große Retabel des Mittelschiffs und das mächtige Prunkdenkmal des Columbus — davon liehe sich allein schon seitenlang erzählen. Daneben dann plötzlich ein orientalischer Hof mit Orangenbäumen und kostbaren arabischen Nischen aus der einen Seite, — auf der andern die Wunder des Mkazar, der Königsburg Sevillas.
Nicht diesen traumhaften Spitzenhöfen der maurischen Phantasie, die hundersach geschildert sind, wohl aber den Parks und Gärten Sevillas möchte ich noch ein Loblied fingen. Schon wegen der „Jardines de Murillo", einer öffentlichen Anlage — wo kein Stück Papier herumliegt in den wunderbarsten blütenstrotzenden Wandelgängen —, wegen des Parks Maria Luise und wegen der Gärten des Alkazar — letztere jetzt ein wenig vernachlässigt und nicht von so vollkommener Schönheit wie die andern beiden ■— würde es sich verlohnen, quer durch Europa vnb quer durch Spanien den recht beschwerlichen langen Weg zu machen.
Geht man chintcr dem weiten Komplex des Alkazar durch stille winklige, schattige Mauerstraßen, wo einem Rosen und Schlinggewächse aller Art sozusagen bis auf die Nase hängen, und betritt man die „wohlgeordnete Mannigfaltigkeit" der stilisierten Wandelgünge der „Jardines de Murillo", mit ihren niedrigen Hecken, Laubbögen, Brunnen und langen Promenaden inmitten einer tropischen Vegetation, so meint man, die vollkommenste öffentliche Gartenkunst zu erblicken. Es stört auch merk- würigerweise gar nicht, daß dazwischen ganz primitive kleine volkstümliche Trink- und Speisehallen liegen.
Die gleiche Selbstdisziplin und gebildete, rein ästhetische Freude der Bevölkerung, die keine Blume abreist und, wie gesagt, kein Fetzchen Papier verstreut, macht den riesigen rarque Maria Luisa (in dem jetzt oer größte Teil der Jbero-amerikanischen Ausstellung gelegen ist), zu einem Gesamteiudruck von vollkommener Schönheit. Es sei nur noch eine Tatsache als Beleg der Wohlgesittetheit des Sevillaners erwähnt. Eten im Park ist ein von Majolika-Ruhebänken umgebener erhöhter Platz gelegen, die „Glorieta de Cervantes", übrigens mit den geschmackvollsten und lustigsten Episodenschilderungen aus dem Leben Don Quichotes aus den Majolika-Kacheln der Bänke, in modern konzisem Stil. H>er sind auch zierliche Bücherbehälter mit Fächern aus dem gleichen Material aufgestellt; zur Belehrung und Zerstreuung der Rastenden lagen »ort die Werke von Cervantes aus — wohlweislich nur bis zur Hoffnung der Ausstellung, d. h. dem Zustrom der Fremden. Es ist nie f|n Buch aus diesen öffentlichen Bücherregalen verschwundOi.
m ,®er „Parque Maria Luisa" ist ein Märchen.. Ich stehe nicht an, trotz -llersackles, Sanssouci, Schwetzingen, Villa Borghese oder anderen be
rühmten und herrlichen Parks ihn für vielleicht den schönsten Park Europas zu halten. Allerdings tat wohl die Natur das meiste dazu, aber die Kultur hat sich so diskret und phantasievoll schmückend eingesügt, daß sogar im Zustande einer Ausstellung — was viel besagen will, — die Schönheit dieses tropischen Urwaldes mit eingestreuten Inseln von durchziselierten Stilgärtchen und Bassins und Fontänen von immer neuen reizvollen Formen nicht zerstört werden konnte. Der Baumwuchs ist unerhört großartig und die gründämmerigen langen Alleen und Laubengänge, die hochragenden Koniferen und Palmen, Kaskaden und Parterres von leuchtend rosa oder tiefroten Rosen, hellblauen Jasmin, lilaroten Vougainvillien, die gegen dunkle Zypressen stehen oder die Gebäude dicht umranken, ober sich in Kanälen und Teichen spiegeln, wo die großen rosa und weihen Wasserrosen schwimmen, — kurz, das Geblühe und Ge- grüne aller Arten und aller Orten ist wahrhaft phantastisch. Im übrigen aber ist von der alten maurischen Garten- und Wasserkunst, mit den zierlich halbrunden, einfach profitierten, blankbunten Kachelbänken den schön gemusterten Brunneneinfassungen schimmernden Bassins und Fontänen das Hauptgepräge dieses Parkes bestimmt. Es ist erstaunlich, welcher Reiz dem Wasser als solchem abgewonnen wurde. Schwäne, Enten, Pfauen, Tauben beleben die Flächen und Plätze, klagende Waldvögel flöten geheimnisvoll im Dickicht des Abends, wenn der Park in phantastischen Farben erglüht.
Die Äusstellungspaläste, alle mehr oder weniger durch hispanischen Stil zusammengetönt — fügen sich schön in dieses wunderbare Gelände, das den Gang von Palast zu Palast zum genußreichen Spaziergang macht. Sie sind charakteristisch, mit den Volksmotioen der alten süd- amerikanischen Kulturen in durchaus modern dekorativem Sinne geschmückt. Das Schönste ist ohne Zweifel der echt spanische großartige Hauptpalast und die Gestaltung der „Plaza de Espana" von Gonzalez. Der riesige halbkreisförmige Palast mit flankierenden hohen Türmen und heiter blitzenden Majolikakuppcln in hellblau und gelb ist ebenso charaktervoll wie vornehm. Die dekorative Ausstattung ist auf dieser ganzen Jbero-amerikanischen Ausstellung erstaunlich gediegen und vornehm im Geschmack, bis zu jedem Stuhl und bis zum Tintenfaß des vornehm- behaglichen Pressepavillons. Das gleiche gilt von der ausgestellten Dekorationskunst. Argentiniens wie Portugals, bej eleganten Kasinos der Stadt Sevilla wie des kostbaren Palastes von Peru.
Zwei riesige Paläste bergen nur spanische Kunst — köstliche Dinge, reiche Silbcraltäre aus Südspanien und herrliche Skulpturen der Kirchenkunst. Der „Pabellon real" und das sog. „Landhaus von Goya" (woselbst eine der seltenen Geschmacksentgleisungen in panoptikumartigen Szenen sichtbar ist) ergänzen diese Kunsteinbrücke mit kostbaren Gobelins, Fächerausstellung (ein Studium für sich!). Allein die Buchdruckausstellung im Hauptpalast (mit bibliophilen alten Drucken und hochinteressanten Schriftstücken prähistorischer Zeit), die großen sorgfältigen Kolonial-Ausstellun- gen Spaniens und Portugals, die angewandte Kunst und handwerklichen Produkte der großen südamerikanischen Staaten und die erwähnten einzigartigen Kunstausstellungen gaben vom ersten Tage der Eröffnung an eher ein Zuviel als Zuwenig für den Besucher und inzwischen sind noch die Charakterpavillons der gesamten spanischen Provinz und andere Gebäude vollzählig hinzugetreten.
Das beispiellose Abenteuer des Hans Pfaall.
Von Edgar Allan Poe.
(Fortsetzung.)
Mit den Geldmitteln verschaffte ich mir nach und nach sehr feines Resseltuch und Batist in Stücken von je 12 Ellen, Schnur, eine Menge Kautschukfirnis, einen großen, tiefen, auf Bestellung angefertigten Weidenkorb und verschiedene andere Dinge, die zum Bau und zur Ausstattung eines Ballons von außergewöhnlicher Große notwendig waren. Ich veranlaßte meine Frau, ihn so rasch wie möglich fertig zu machen, und gab ihr alle möglichen Anleitungen für bas besonbere Verfahren. Inzwischen verarbeitete ich den Zwirn zu Netzwerk von ausreichenbem Umfang, takelte es mit einem Reifen unb den nötigen Tauen und kaufte zahlreiche Instrumente unb Material, um in den Regionen der höheren Atmosphäre Versuche anzustellen. Dann ergriff ich bie Gelegenheit, in eine verborgene Gegenb im Osten von Rotterbam fünf eisenbeschlagene Fässer zu schaffen, jebes von etwa SO Gallonen Inhalt, unb ein noch größeres, sechs Zinnröhren von drei Zoll Durchmesser, passender Form unb zehn Fuß Länge; außerbem eine Menge einer besonberen metallischen Substanz, eines Halbmetalls, bas ich nicht nennen will, nebst einem Dutzend Korbflaschen mit einer ganz gewöhnlichen Säure. Das Gas, bas aus letzteren Bestanbteilen gcbilbet wird, ist niemals von einem anderen Menschen als von mir hergestellt, oder doch wenigstens nie zu einem ähnlichen Zwecke verwendet worden. Ich kann nur die Behauptung wagen, daß sein wesentlicher Bestandteil Stickstoff ist, daß es bisher für nicht reduzierbar galt unb daß feine Dichtigkeit etwa 37,4ma( geringer ist als bie von Wasserstoff. Es ist geschmacklos, aber nicht geruchlos; brennt, wenn unvermischt, mit grünlicher Flamme unb wirkt sofort tobbringenb auf tierisches Leben. Ich würbe mich nicht scheuen, bas ganze Geheimnis offen barzulegen, wenn es nicht (wie ich vorhin schon erwähnte) von Rechts wegen einem Bürger von Nantz in Frankreich gehörte, ber es mir bedingungsweise mitteilte. Dieselbe Persönlichkeit überließ mir auch — ohne eine Ahnung von meinen Absichten — ein Verfahren, Ballons aus ber Haut eines gewissen Tieres zu bauen, einem Stosse, burch ben das Ausströmen von Gas fast unmöglich jein soll. Ich fanb es aber doch zu teuer unb nahm schließlich auch an, daß Batist unb Nesseltuch mit einem Ueberzug von Kautschukfirnis ebenso gut seien. Ich erwähne biesen Umftanb, da ich es für wahrscheinlich halte, daß späterhin bie betreffenbe Persönlichkeit einen Ballonausstieg versuchen wird und ich ihr bie Ehre einer ganz vorzüglichen Erfindung nicht streitig machen will.
An allen Stellen, wo eins ber kleineren Fässer während der Füllung des Ballons liegen sollte, grub ich heimlich kleine Hohlen, die auf diese Weise einen Kreis von 25 Fuß Durchmesser bildeten. In ben


