Zreltag, den 9. August
Nummer 61
Jahrgang 1929
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Letzte Einkehr.
Von Theodor Storm.
Noch wandert er; doch hinter ihm schon liegen längst die blauen Berge; kurz ist der Weg, der noch zu gehn, und tief am Ufer harrt der Ferge.
Doch blinket schon das Abendrot und glühet durch das Laub der Buchen; so muß er denn auch heute roch wie sonst am Wege Herberg' suchen.
Die liegt in grünen Ranken ganz und oanz von Abendschein umglommen; am Tore steht ein blondes Kind und lacht ihn an und sagt: Willkommen.
Seitab am Ofen ist der Platz;
schon kommt der Wirt mit blankem Kruge. Das ist ein Wein! — So trank er ihn vor Jahren einst in vollem Zuge.
Und endlich schaut der Mond herein von draußen durch die dunkeln Zweige; es wird so still; der alte Mann schlürft träumerisch die letzte Neige.
Und bei des bleichen Sternes Schein gedenkt er ferner Sommertage, nur halb ein lauschend Ohr geneigt, ob jemand klopf' und nach ihm frage.
nickend, und stellte ein ungefähr siebzehnjähriges bildschönes . vor das zaghaft die Treppe vom Garten heraufschritt Bald darauf kam die Mutter. Ein fernes Erinnern stieg ungewiß aus dem schleiern- den Dunst langvergangener Tage in dem Dichter auf, ohne daß es volle Mittagsklarheit gewinnen wollte. Sie bemerkte es Wohl und der einstmals gemeinsame Besitz schien, aus dem Dammer plötzlich in den Tag gezerrt, eher zu trennen als zu vereinen, bis die heitere Laune des Direktors und die warme, sonnensüße Stimmung dee Stunde sie immer mehr verbanden, «nd der eine stumm m des andern
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Bdeine Tochter," sagte Herr Preller fröhlich Karl leicht zu- ■nb. und stellte ein ungefähr siebzehnjähriges bildschönes„Mädchen
Armen hielten, der kleine, beinahe zierliche, weißbärtige Dichter mit dem ausgearbeiteten, zerfurchten Gesicht und der große, breitschultrige. ein wenig unbeholfene Sohn, dessen feine, verinnerlichte Züge sofort die verwandtschaftliche Zugehörigkeit erkennen liehen. Glücklich glitten des Aelteren Augen an seinem Lösche, dem stillen Musikanten, herauf, und er vergaß fast, ihm das umfangreiche Paket zu geben, das Tante Do, Storms zweite Frau, trotz ihres häufigen Kopfleidens! für ihn eingepackt hatte. Dann gingen sie, häufig respektvoll gegrüßt, dem Gasthof zu, in dem Karl für den Vater ein Zimmer bestellt hatte, und Theodor Storm las nicht ohne Befriedigung an der kleinen Anschlagtafel des „Gemeinnützigen", daß „der bekannte Dichter Theodor Storm aus Husum, der Vater unseres trotz seiner Jugend schon allgemein geachteten Mitbürgers, des Klavier- und Gesanglehrers Karl Storm, in diesen Tagen unsere Stadt mit seinem Besuche zu beehren gedächte". Lind ebenso zuvorkommend geleitete sie der Wirt nach oben ins Zimmer, über dessen Tür sogar eine bunte, aus jungem Duchenlaub und zierlichen Waililien freilich mehr derb als anmutig gewundene Girlande mit einem „Herzlich willkommen" winkte.
Vater und Sohn sahen sich gegenüber.
„Willst du nach der langen Fahrt von Hamburg nicht lieber erst eine Stunde ruhen?" fragte Karl sorglich, behutsam das Fenster, durch das vom Walde her frisch der Morgenwind wehte, schließend.
„W-o ich dich wieder habe, mein lieber Junge?" antwortete er, ihn innig mit seinen tiefen blauen, ein wenig verschleierten Augen umfassend. „Dafür ist zu Hause noch Zeit — oder auch nicht. Du verstehst schon!"
„Hast du Nachricht von Hans?" Karls Stimme zitterte im Ge- danken an den unglücklichen älteren Bruder, dessen Leben immer steiler einem trüben, selbstverschuldeten Ende zutrieb.
Gr nickte. „Frag nicht weiter! Es ist keine Sorge mehr; es ist ein Entsetzen, das mir das Blut vergiftet. Ich bin dem Ltnglück gegenüber machtlos."
Karl Storm schwieg. „Llnd Mutter?" Er hatte auch der Stiefmutter gegenüber nie das kalte „Tante Do" gebrauchen mögen, tote es der Vater, als sie noch kleiner waren, gewünscht hatte.
„Es geht ihr besser. Sie hat auch alle Kräfte nötig; denn ich fürchte — und auch Onkel Aemil gibt wenig Hoffnung — daß es mit Großmutter langsam zu Ende geht. Aber —" er sah, wie die Tränen langsam in die Augen seines Jungen aufstiegen — „das alles soll uns den Mut nicht rauben! Vor einigen Wochen schrieb ich Hiehfe, der immler ,noch nicht über den Tod seines Wilfried ‘ Hinwegkommen kann: Der alte dumme Vers: Wenn die Hoffnung nicht wär', so lebt ich nicht mehr, ist unglaublich richtig. Andere verlieren! ihre Kinder durch den Tod, ich durch das Leben. Leid ist überall." setzte er, dumpf in den alten Schmerz zurückfallend, Hinzu. „Aber man darf nicht in Erinnerungen schwelgen, wenn man im Leben noch etwas leisten will, und, glaube ich, es ist das Gebot unseres! Landes und unserer Familie, nicht zu zerbrechen. Vorwärts! Was
GichMrMMmenvMer
Unterhaltungsbeilage zum Gietzener Anzeiger
Theodor Storm.
Eine Geschichte.
Von Ludwig Bäte.
Der etwa fünfundzwanzigjährige Musillehrer Karl Storm ging langsam die grüne Lilmenstrahe der kleinen Gartenstadt Barel, der ehemaligen Residenz der Oldenburger und Bentincks, hinab dem roten Backsteinbahnhof der Großherzoglich Oldenburgischen Ersenbahn zu. Es war noch früh, und die Drosseln, die schon gegen drei Llhr angefangen hatten zu singen, strömten immer noch ihre schweren Strophen durch die üppigen Gärten, wenn auch Johann Hlnrrchsen, der grämliche Junggeselle und pensionierte Zolkaufseher an der Ecke der Mühlenstraße, argwöhnisch in seine beiden Glaskirschenbaume lugte, deren Früchte kräftig zu reifen begannen. Lieber den sauberen, weißgestrichenen Staketen hingen dicke Fliedertrauben, und der Goldregen schob sich schimmernd in die köstliche Palette von Grün, Weih imb Violett. Vom Hafen her tutete ein Dampfer, ein Handwagen init frisch in der nahen Jade gefangenen Krabben fuhr vorüber, einige Arbeiter schritten gemächlich dem kleinen Eisenwerk zu, dem Herr Preller, in dessen Hause er herzlich-freundliche Aufnahme gefunden, vorstand. m ,
Ein Lächeln lief über sein ernstes, gutes Gesicht. Es war auch zu drollig gewesen, wie er seine Familie kennengelernt hatte. Kommt da eines Rachmittags eine sehr bewegliche, noch immer schöne Dame M ihm unb erzählt, daß sein Vater sie einst in Hamburg als etwa zehnjähriges Kind oftmals auf ben Armen getragen unb ihr Märchen erzählt ober Gedichte vorgelesen habe. Eines Abends, als er nut einem Freunde aus Mona bei ihnen gewesen, habe ste mit ihren Geschwistern früher als sonst zu Bett gehen müssen. Plötzlich aber seien sie aufgestanden, hätten die Türen aufgerissen und sich mit einem „Gode Rächt, ji Mulapen!" nochmals von der verdutzten und dann laut lachenden Gefellschast verabschiedet. Sie hatte ihn etngelaben, sie zu besuchen, und ihr Mann, der Reffe des alten Odysseemalers, hatte ihn besonders ins Herz geschlossen und ihn oft mit in sein Atelier genommen, in dem er nebenher landschafterte, ihm auch seine Tochter Agnes als Klavierschülerin zugeführt. Er hatte das damals sofort an Vater geschrieben, und der hatte gleich Gruße bestellt unb so die alte Bekanntschaft wieder angeknüpft.
Der Stationsvorsteher griff militärisch an seine rote Dienstmütze. Dann fuhr der Zug von Oldenburg ein. ~ _
r Er fand den Vater bald aus der spärlichen Zahl der Reisenden heraus. Es war ein eigentümlicher Anblick, wie sich beide in den
machen deine Stunden?"
Glücklich begann Karl von mancherlei Erfolgen zu erzählen. Seit kurzem leitete er auch den Gesangverein, und so hoffte er, in einigen Jahren die Schulden auf das Klavier, das ihm der Vater vor kurzem gekauft, abtragen zu können. Sie waren so ins Erzählen gekommen, daß sie das Klopfen der Wirtstochter, die das Frühstück brachte, gänzlich überhört hatten. Auch nachher, als sie dem Walde zu- fd)ritten, bekamen sie manchen erstaunten Blick der Leute, daß der sonst so höfliche, aufmerksame Musiklehrer ihre Grüße nicht erwiderte, bis der Vater, der gewissenhaft seinen breitkrempigen Strohhut gezogen hatte, leicht auf feine Llnaufmerksamkeit deutete.
Am Mittag waren sie bei der Familie Preller gebeten.
Das schöne, vornehme Haus im englischen Villenstil stand weit .auf. Auf dem Mur mit den Büsttrn der Klassiker hieß' sie dep Direktor willkommen und führte sie in den geräumigen Gartensaal, in den das lichte, frühsommerliche Grün der Bäume, das tiefe Rot der Geranienbeete mit dem betäubenden Duft des Flieders und der zahllosen hochstämmigen Rosen hineintrieb. Schwer sielen die blauen Glyzinen vom Dach herunter, unb eine Ranke war sogar durch das Fenster gekommen, wo sie jemand anmutig um die Kopien der Weimarer Fresken des Onkels gelegt hatte.


