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lchen Dinge durch Jahrhunderte so gewaltig beeinflußte, als abseits der deutschen 'Geschichte stehend zu betrachten. Damit ist auch Ressels Name im Reiche vergessen. So sehr vergessen, daß es geschehen konnte, daß die Engländer, ja selbst die Franzosen, die Gntdeckung des Propellers für (ich in Anspruch nahmen, obwohl doch die Priorität Joseph Ressels ein­wandfrei erwiesen ist. Denn vor dem Jahre 1928 ist kein Schrauben­dampfer gefahren.

Das Leben dieses großen Erfinbers ist ein echt deutsches und öster­reichisches Schicksal jener geistig engen, törichten Jahrzehnte, die man so gerne in wehleidiger Romantik die gute alte Zeit zu nennen beliebt. Msstls Vater war aus Sachsen nach Böhmen eingewandert. Nachdem der Junge das Gymnasium zu Linz an der Donau, später den Artillerie­kurs in Budweis besucht hatte, bezog er, neunzehn Jahre alt, die Wiener Universität. Dort studierte er Mechanik, Physik und 6hemie. Schon aus jener Zeit stammen Ressels erste 6ntwürfe des Propellers. Damals schon legte er jenen Gedanken fest, der seinen Mitmenschen allerdings völlig narrisch erscheinen mußte, mittels einer durch elektrische Kraft bedienten archimedischen Schraube Luftschiffe anzutreiben. Kein Wunder, daß man annahm, es wirble die Schraube, mit der er erst den eben erfundenen Luftballon lenkbar machen wollte, bedenklich in seinem Hirne herum.

Da sein Vater verarmte, mußte Ressel sein Studium abbrechen, und bewarb sich, um möglichst rasch zu einer Anstellung zu kommen, um einen Freiplaß in der staatlichen Forstakademie. Wie er diesen Platz naä) mancherlei Schwierigkeiten auch wirklich bekam, das ist zu erhei­ternd, und zugleich zu bezeichnend für die Kläglichkeit seiner Zeit, als daß es übergangen werden könnte. Als ihm der Gintritt in die Forst­schule trotz vorzüglicher Zeugnisse verweigert wurde, gelang es ihm, die Aufmerksamkeit des Kaisers Franz auf sich zu lenken. Aber nicht etwa durch seinen Einfall, Luftballons mit Propellerschrauben anzutreiben. Der gute Kaiser Franz, der weder gut, noch besonders gescheit war, hätte diese vermeintliche Windbeutelei mit irgendeinem urwienerischen, vermutlich sehr unkaiserlichen Ltusdruck abgetan. Joseph Ressel aber ließ ihm eine mikroskopisch kleine Zeichnung der Schlacht von Leipzig über­reichen, die er mit jenem Spieltrieb, der fast jedem Erfinder eigen ist, angefertigt hatte. Dafür bekam er den Freiplatz und ein kaiserliches Stipendium.

Als Vierundzwanzigjähriger verließ er die Akademie und wurde staatlicher Förster in Kärnten. Gerade zu einer Zeit trat er ins Leben, da der behördliche Dünkel nichts jo geringschätzte und zugleich fürchtete wie das Genie. Von Genies wollte die Aera Metternich und das eben mühsam wieder zusammengeflickte Europa nichts wissen, feit das Genie Bonaparte die alte Welt aus den Fugen gerissen. Darum blieb auch Ressel, ging er auch einem durchaus bürgerlichen und ordnungsmäßigen Berufe nach, für die hohe Obrigkeit Zeit feines Lebens eine fufpekte Persönlichkeit, ein Phantast und Projektenmacher. Was er am eigenen Leibe bitter zu spüren bekam.

Auch schien die Laufbahn eines Forstmannes nicht gerade fordernd für feinen eigentlichen Lebenszweck zu fein. Doch hatte sie auch ihr Gutes. Bei den vielen einsamen Wanderungen seines Waldlebens konnte er feinen schöpferischen Gedanken unbehindert nachgehen, und schließlich brachte ihn sein Beruf nach einigen Jahren nach Triest, also ans Meer. Er kam zur Domäneninspektion Istrien, die sich eben mit Versuchen beschäftigte, die von den Venetianern durch Jahrhunderte abgeholzten und verwüsteten Karstgebiete aufzuforsten.

Nun war er also am Meer. Und damit schien der Augenblick ge­kommen, in dem er seinen Gedanken, Fahrzeuge mittels Schrauben anzu- treiben, in die Wirklichkeit umsetzen konnte. Aber so leicht war das im Biedermeier nicht. Vor allem hatte er kein Geld. 700 Gulden jährlich, das war der Höchstgehalt, den er überhaupt erreichen konnte. Damit tonnte man keine Schraubendampfer bauen. Und für so einen verrückten Einfall wollte kein Mensch auch nur einen Heller wagen. Erst fünf Jahre nach seiner Ankunft in Triest streckten ihm zwei Kaufleute den überwältigenden Betrag von 60 Gulden vor. Für dieses Geld lieh er eine Schraube mit 18 Zoll Durchmesser anfertigen. Der Propeller wurde in ein Ruderboot eingebaut und mittels einer Kurbel von zwei Männern bewegt.

Das Bot fuhr wirklich. Nun bekam er auch unter dem Datum 11. Februar 1827 das Patent für feine Schraube. Aus der Patent­schrift geht übrigens hervor, daß er auch an die Verwendung der Schraube als Wasserturbine dachte. Nur wollte Ressel an den Bau eines Schrauben­dampfers gej)en. Aber er hatte nicht mit der Konkurrenz gerechnet. In Trieft gab es Nämlich einen englischen Großhändler, der das ausschließ­liche Privileg besi.ß, mit einem Raddampfer regelmäßige Fahrten zwi­schen Triest und Venedig auszuführen. Freilich fuhr der Raddampfer" so langsam, daß die meisten Leute es vorzogen, wie bisher mit dem Post- segler zu reisen. Dieser Engländer, der nach dem gelungenen Versuche mit dem Ruderboote wohl ahnen mochte, daß es feinem Raddampfer ans Leben ging, fetzte nun Himmel und Hölle in Bewegung, um zu ver­hindern, daß Ressel die Erlaubnis zum Bau eines Schraubendampfers bekam. Und da die Welt damals noch weit mehr mit Verboten gepflastert war als heute, so ging es natürlich nicht an, daß Ressel ohne obrigkeit­liche Gewährung drauflos baute.

Auf das Geschrei des Engländers verbot übrigens die Polizei auch die Gründung einer Aktiengesellschaft, die zum Bau von Schrauben­dampfern ins Leben gerufen werden sollte. Die vier Schisse, die nach dem gelungenen Versuche der Vizekönig von Aegypten bei Resse! bestellt hatte, konnten ebenfalls nicht gebaut werden, weil Aegypten keine An­zahlung leisten wollte. Endlich fand Ressel aber doch einen Geldgeber. 6inen ziemlichen Halunken. Aber immerhin, er konnte nun bauen. Denn Zur gleichen Zeit war auch die Konzession zum Bau eines Schrauben­dampfers von Wien aus erteilt worden.

Im Juli 1829 das genaue Datum steht nicht fest wurde das große Ereignis Wirklichkeit. Der kleine DampferCivetta" fuhr, ge« Weben von einer großen, zwischen Hintersteven und Ruder eingebauten schraube, mit 40 geladenen Honoratioren an Bord über den Golf von

Irfeff. Das Schiff Mächte 6 Knoten Fahrt. Für den ersten 'ernstliches Versuch eine Leistung, die sich sehen lassen konnte.

Es war die Geburtsstunde des Weltverkehrs. Daran konnte auch die weise Polizei nichts ändern, die alle weiteren Versuche verbot, weil die sonst so gelungene Probefahrt durch das Undichtwerden eines Dampf­rohres ihr Ende fand. Dieses Verbot ist eines der köstlichsten Kuriosa aus dem recht umfangreichen Kapitel menschlicher Dummheit. Denn die Polizei von Triest dekretierte, es habe die Probefahrt ergeben, daß die Erfindung nichts tauge, denn die Maschine sei hin, die Schraube aber ganz, also habe die Schraube die Maschine zerstört. .

Noch im gleichen Sommer führte Ressel seine Erfindung auch in Paris erfolgreich vor. Aber das half ihm nichts. Der Triester Geldgeber zog sich wegen des polizeilichen Verbotes zurück. Vielleicht auch aus dem Grunde, weil die Regierung den salomonischen Bescheid hatte er­gehen lassen, es dürfe Ressel die Linie TriestVenedig nur unregel­mäßig befahren, weil der regelmäßige Dienst nur dem Engländer zustehe.

Die Geschichte schlief ein. Und erst die Engländer haben etliche Jahre später Ressels große Entdeckung nutzbringend und weitschauend ange­wandt. Freilich hatte Ressel davon nicht das Geringste. Seine große Tat brachte ihm weder Geld noch Ruhm. So wenig wie seine übrigen Er­findungen, worunter die Erfindung der Rohrpost wohl nach der Schraube die bedeutendste ist. Er galt weiter als Phantast und Projektenmacher. Und weil er auch in seinem Dienst eigene und sehr gescheite Einfälle hatte besonders in der Frage der Wiederaufforstung des Karstes so wurde er von Amts wegen weidlich schikaniert. Ein Genie und noch dazu im Amt das schien unmöglich.

In recht bescheidenen Verhältnissen ist Joseph Ressel im Jahre 1857 in Laibach gestorben. Nun erst begann man, wenigstens ein paar Jahre lang, zu begreifen, wer er gewesen. Die deutschen Bundesstaaten, mit Ausnahme von Preußen, setzten ihm ein Denkmal vor der Wiener Technischen Hochschule.

Das war aber auch alles. Er blieb vergessen. DieAllgemeine Deutsche Biographie" nennt nicht einmal seinen Namen.

Die Irrdenbrrche.

Lin Sittengemälde aus dem gebirgigten Westfalen.

Von Annette v. D r o st e - H ü l s h o s f.

(Fortsetzung.)

Welcher Mutter geht bas Herz nicht auf, wenn sie ihr Kind loben hört? Der armen Margret ward selten so wohl, jedermann nannte ihren Jungen tückisch und verschlossen. Die Tränen traten ihr in die Augen. Ja, gottlob, er hat gerade Glieder."Wie sieht er aus?" fuhr Simon fort.Er hat viel von dir, Simon, viel." Simon lachte:Ei, das muß ein rarer Kerl fein, ich werde alle Tage schöner. An der Schule soll er sich wohl nicht verbrennen. Du läßt ihn die Kühe hüten? Ebenso gut. Es ist doch nicht halb wahr, was der Magister sagt. Aber wo hütet er? im Teigengrund? im Roderholze? im Teutoburger Wald? auch des Nachts und früh?"Die ganzen Nächte durch; aber wie meinst du das?" .

Simon schien dies zu überhören; er reckte den Hals zur Ture hin­aus:Ei, da kommt der Gesell! Vaterssohn! er schlenkert geradeso mit den Armen wie dein seliger Mann. Und schau mal an! wahrhaftig, der Junge hat meine blonden Haare!"

In der Mutter Züge kam ein heimliches, stolzes Lächeln; ihres Fried­richs blonde Locken und Simons rötliche Bürsten! Ohne zu antworten, brach sie einen Zweig von der nächsten Hecke und ging ihrem Sohne entgegen, scheinbar, eine träge Kuh anzutreiben, im Grunde aber, ihm einige rasche, halbdrohende Worte zuzuraunen; denn sie kannte seine störrische Natur, und Simons Weise war ihr heute einschüchternder vor- getommen als je. Doch ging alles über Erwarten gut; Friedrich zeigte sich weder verstockt noch frech, vielmehr etwas blöde und sehr bemüht, dem Ohm zu gefallen. So kam es denn dahin, daß nach einer halbstündigen Unterredung Simon eine Art Adoption des Knaben in Vorschlag brachte, vermöge deren er denselben zwar nicht gänzlich seiner Mutter entziehen, aber doch über den größten Teil seiner Zeit verfügen wollte, wofür ihm bann am Enbe des alten Junggesellen Erbe zufallen solle, bas ihm frei­lich ohnebies nicht entgehen konnte. Margret ließ sich gebulbig ausein- anbersetzen, wie groß 'ber Vorteil, wie gering bie Entbehrung ihrerseits bei bem Hanbel sei. Sie wußte am besten, was eine kränkliche Witwe an ber Hilfe eines zwölfjährigen Knaben entbehrt, ben sie bereits ge­wöhnt hat, bie Stelle einer Tochter zu ersetzen. Doch sie schwieg und gab sich in alles. Nur bat sie ben Bruber, streng, boch nicht hart gegen ben Knaben zu sein. . _ ,

Er ist gut," sagte sie,aber ich bin eine einsame Frau; mein Sohn ist 'nicht wie einer, über ben Vaterhanb regiert hat." Simon nickte chlau mit bem Kopf:Laß mich nur gewähren, wir wollen uns schon vertragen, unb weiht bu was? gib mir den Jungen gleich mit, ich habe zwei Säcke aus ber Mühle zu holen; ber kleinste ist ihm grab recht, und (o lernt er mir zur Hand gehen. Komm, Fritzchen, zieh deine Holzschuh an'" Unb halb sah Margret ben beiben nach, wie sie fortschritten, Simon voran, mit seinem Gesicht die Luft durchschneidend, wahrend ihm bie Schöße des roten Rocks wie Feuerflammen nachzogen. So hatte er ziemlich bas Ansehen eines feurigen Mannes, ber unter bem ge­stohlenen Sorte büßt; Friebrich ihm nach, fein unb fchlank für fein Alter, mit zarten, fast eblen Zügen unb langen blonben Sorten, die bester gepflegt waren, als fein übriges Aeußere erwarten ließ; übrigens zer­lumpt sonneverbrannt unb mit dem Ausdruck der Vernachlässigung und einer gewissen rohen Melancholie in den Zügen. Dennoch war eine große Familienähnlichkeit beider nicht zu verkennen, unb wie Friebrich so lang­sam einem Führer nachtrat, bie Blicke fest auf benfelben geheftet, ber ihn gerabc durch bas Seltsame seiner Erscheinung anzog, erinnerte er un­willkürlich an jemand, ber in einem Zauberspiegel bas Bilb seiner Zu­kunft mit verstörter Aufmerksamkeit betrachtet.

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