Diele Kriege und Bluttaten in Afrika hervorgerufen. Wir hoffen gerade in Emin Pascha einen friedlichen Führer durch das Innere Afrikas gewonnen zu haben, und in diesem Sinne ist seine Expedition auszu- ^^An diesem 30. Mai hatte Peters endlich die Südufer des Viktoria-Sees erreicht und rastete auf einer Missionsstation, unter liebenswürdigen und gebildeten Weißen. Nach einem Jahr unausgesetzt voll von Strapazen und Kämpfen, in denen seine Gefolgschaft auf ein Bruchteil geschmolzen war, während sein einziger weißer Begleiter, der heldenhafte Tiedemann, schwer krank lag, schrieb Peters über diese „ruhigen und idyllischen Tage". „ , ,r . ,
Man wird mir zugcben, daß eine solche Lebensweise in Innerafrika angenehm genug ist, und wird sich vielleicht wundern, wenn ich mitteile, daß mich bereits nach einer Woche eine kaum zu bändigende Unruhe ergriff, welche mich antrieb, irgend etwas zu unternehmen, sei es, die Araber von Margo anzugreifen, oder die feindlichen Bewohner an der anderen Seite des Creek zurückzuschlagen. ..
In Mpua-Mpua, einer wohlbefestigten deutschen Militarstation, trafen sich am 19. Juni auf ihren Wegen von Bagamoya und nach Bagamoya die beiden Männer, ganz durch Zufall! Es wußte keiner vom andern, ob er am Leben war:
„Exzellenz, darf ich Ihnen Herrn Dr. Peters vorstellen? sagte Herr von Bülow.
„Ich freue mich sehr, Sie zu sehen", sagte Emin Pascha, indem er meine Hand ergriff und sie streichelte. „Ich weiß gar nicht, wie ich Ihnen danken soll für alles das, was Sie für mich getan haben."
Bald darauf saßen sie zusammen in Emins Zelt, das „mit Büchern und Präparaten ganz den Eindruck einer deutschen Gelehrtenstube' machte. ., „
„Aber nun, mit welcher Art van Erfrischungen kann ich Ihnen dienen? Trinken Sie ein Glas Rotwein, Portwein, ein Glas Bier oder...?"
Dann begann das Gespräch mit der Mitteilung: Fürst Bismarck ist nicht mehr Reichskanzler.
Drei Tage blieben sie zusammen, im selten unterbrochenen Gespräch. Am 22. Juni marschierte um 7 Uhr morgens Peters nach Osten, um 8 Uhr Emin ins Innere ob.
Aus ihrer zweitägigen Unterhaltung hat Peters alles notiert, was auf die Lage jenes Augenblickes Bezug hatte. Emin, sonst in seinem Tagebuch so ausführlich, ließ nur eine Bemerkung zurück, die nicht sehr bewegt klingt, „Gott sei Dank, daß wir aus dem Getrinke herauskommen". In einem späteren Bries sprach er dann mit rückhaltsloser Bewunderung von Peters.
„Ich habe leider zu kurze Zeit in seiner Gesellschaft leben können, um ihm zu zeigen, wie tief ich mich ihm und seinen Begleitern verpflichtet fühle; um so mehr freue ich mich, daß er daheim die so wohlverdiente Anerkennung findet. Er ist ein Mensch, vor dessen Intelligenz und Willenskraft man sich beugen muß, und ich bin der erste — ich weiß ja am Besten die Schwierigkeiten zu schätzen, die er überwunden hat —, ihm meine volle Bewunderung zu zollen."
Dies zweitägige Zusammensein, gewissermaßen am Grab ungeheurer Hoffnungen, stelle ich mir trotz „Getrinke" wie eine einzige Schicksals- stunde vor; zwei Männer, die — wenn sie sich sechs Monate früher im Süd-Sudan trafen, — der Geschichte und der politischen Landkarte Afrikas ein anderes Gesicht gegeben hätten, die beiden größten Erschließer, die Deutschland zur Kolonisierung Afrikas gestellt hat. Die beiden Gelehrten, beides kleine, zähe, drahtige Menschen, kurzsichtig und militär- untauglich, sahen sich gewissermaßen ähnlich: in dem Sinne, wie zwei Menschen von gemeinsamem Schicksal, gleichen Einflüssen und Entbehrungen einander ähnlich geknetet werden. Der vierunddreißigjährige Peters war mürb und verwittert wie der 16 Jahre ältere Pascha. Aber nach Temperament, Wollen, Tempo des Lebens waren sie klassische Antipoden.
Emin war in die Wildnis, auf Entdecker- und Erobererpfade, geraten, weil er sich nicht ins medizinische Staatsexamen wagte. Als Dr. weck, hatte er schon Jahre lang und sehr erfolgreich praktiziert, fein Wissen war enorm, er war ein Stolz seiner Lehrer — aber der Atmosphäre des Examensaales nicht gewachsen.
Peters konnte mit den Wissenschaften spielen, so exakt hielt sein eisengliedriges Hirn die Dinge fest. Als Student hatte er in zehn Wochen eine historische Preisarbeit geschrieben, die für unlösbar galt, weil sie für den gesetzten Termin von sechs Monaten zu umfassend sei. Als er die goldene Medaille erhielt, erklärte er einem besiegten Rivalen: „Dazu nehme ich gar keine Glückwünsche an", lieber sein Abitur, den Doktor, das Oberlehrerexamen sagte er „das waren alles Lappalien" und konnte dem armen Pascha erzählen „Examenfieber ist mir stets lächerlich gewesen". Er hatte als völlig mittelloser Student zu Geschichte, Geographie, Geologie als Nebenfach Philosophie studiert und schrieb mit sechsundzwanzig Jahren eine Habilitationsschrift „Weltwille und Willenswelt", in der er aus Kant und Schopenhauer die große Synthese schaffen wollte; wenig später gab er „The early history of the Violine-Family“ seines Onkels Engel, eines Englisch schreibenden Musikhistorikers heraus, warf sich unmittelbar danach auf ein Werk „Inwieweit ist Metaphysik als Wissenschaft möglich?" und organisierte, die Energie eines Feldherrn und Handlungsreisenden in einer Person vereinend, die Gesellschaft für deutsche Kolonisation. Nach der Vorarbeit kaum eines Jahres ging er als erster Pionier dieser Gesellschaft — gegen den Willen der deutschen Regierung, — von seinem Freund Jühlke begleitet, nach Ostafrika und brauchte einen Monat, um den Grundstock zu Deutschlands Kolonialreich zu schaffen.
Emin hegte als junger Student den Plan zu einer medizinisch- philosophischen Arbeit „Beziehungen zwischen Seele und Körper". Es blieb bei dem Plan, Sammlungen und Tagebücher, deren ungeheurer Schatz erst jetzt vollständig veröffentlicht wird, das waren seine „sämtlichen Werke". Er war Mediziner, Zoologe, der große Spezialist in Ornithologie, ein Linguist von unerhörter Genialität. Im Babel von
Kleinasien beherrschte er alle dort gängigen Sprachen: Italienisch, Jlly- risch, Türkisch, Neugriechisch, Albanesisch, Arabisch, so daß er, der einzige Deutsche und Arzt, amtlicher Dolmetscher war. Griechisch, Latein, Englisch, Französisch beherrschte er vollendet, und „als Kenner innerasrikani- scher Idiome dürfte er von keinem Afrikareisenden auch nur annähernd erreicht worden sein. Wenn seine Auszeichnungen auf diesem Gebiete verloren gegangen sein sollten, so wäre dies für künftige Afrikasorscher ein unersetzlicher Verlust ..."
„Seine Kenntnisse auf allen Gebieten menschlichen Wissens waren geradezu phänomenal", urteilte Biegler.
Viel über diese beiden Männer sagt ihr Verhältnis zu den Schwarzen, dem menschlichen Material ihrer kolonisatorischen Tätigkeit. Emin wurde ermordet, weil er die Sklaverei bekämpfte. Sein Programm für die neue Kolonie war:
„Freiheit des Handels, offener Zutritt zum Markt für Kaufleute, Erleichterung der Transporte, Hebung und Belohnung der Landwirtschaft, Elementarschulen — das wären die ersten, grundlegenden Reformen. Man hebe nur von allem das Vertrauen, und die Schwarzen werden, überzeugt von dem Wert und dem Einfluß des Wohlstandes, der ihnen geboten wird, wenn auch nicht aus Dank, so doch aus Interesse auf die neue, ihnen angewiesene Bahn gezogen werden."
Peters dagegen:
„Als rohes und dummes Vieh ist der Neger aus des Schöpfers Händen hervorgegangen. Er ist der geborene Sklave, dem sein Despot nötig ist. Verlogen, diebisch, falsch und hinterlistig.
Der Küstenneger ist ein gemeiner Bastard, feige und falsch, völlige sittliche Gleichgültigkeit sein Vorherrschendes".
Als Peters zur Ernin-Pascha-Expedition ansetzte, träumte er nichts weniger als souveräner Herr der Aequatorial-Provinz zu werden. Emin Paschas Lebensziel war ein stilles Haus in Afrika, in dem er die kleine Ferida erziehen, Fauna und Flora sammeln, bestimmen, präparieren wollte, seine Schwester Melanie Hausfrau wäre.
Als Sechzigjähriger faßte Peters den Extrakt seines glorreich begonnenen und doch so mißglückten Lebens in diesem Brief an Fritz Behn zusammen:
„Je allgemeiner die Angriffe oder Verleumdungen gegen mich in Deutschland von fast allen Seiten wurden, um so selbstbewußter fühlte ich mich. Ausschließlich ein gewisses Bedauern, von meiner eigentlichen Lebensarbeit getrennt zu werden, gerade als ich in das Aller tarn, wirklich etwas zu leisten, konnte mich erfüllen. Für mich selbst begann damals die Zeit meiner eigentlichen Asrikaforschungen, als ich daran ging, das alte Ophirproblem zu lösen. Dies gab mir vollständigen Ersatz für meine kolonialpolitische Tätigkeit, welche von vornherein durch Intrigen niedrigster Art gerade von meinen Landsleuten verbittert war und von denen ich genug hatte. Als das Tragische in meinem Leben erkenne ich die Halbheit, welche mich immer zurückgehalten hat, mich äußerlich an das englische Volk anzuschließen und mich zu Beginn dieses Krieges veranlaßte, nach Deutschland zurückzukehren und mein Schicksal mit diesem zu verknüpfen. Aber zum Vergnügen ist schließlich keinem von uns dieses Leben gegeben."
Emin Pascha, im Bewußtsein nahen Verderbens nur von Sorge um Ferida gequält, zog dieses Fazit:
„Mir wird ganz bange, wenn ich in dem Verzeichnis, das mir Die „Arminia" in Breslau gesandt hat, sehe, wie alle meine ehemaligen Kommilitonen als Pastoren, Professoren, Regierungsräte und andere große Tiere in Amt und Würden fungieren und nützliche Staatsbürger geworden sind, während ich allein noch als rechter Zigeuner mich in der Welt umhertreibe und es weder zu Herd noch zu Heim gebracht habe ... Ich will aber darüber nicht klagen; jeder Mensch muh die ihm vorgezeichnete Laufbahn durchmessen, nur daß die meine erratisch und närrisch ausgefallen ist, dem kann eben nicht geholfen werden. Lange kann es doch kaum mehr dauern. Suchen wir uns also noch so nützlich wie möglich zu machen und die gebliebene Zeit möglichst im Interesse des. Wissens zu verwerten — voila tont!"
„Kismet, es hat so kommen sollen", war Emins Leitmotiv sein ganzes Leben hindurch. Das Motto Peters' aber: „Ich bin Ich". Beide erreichten kein Ziel. Beiden wurde ihr Temperament zum Verhängnis.
Hundert Jahre Schiffsschraube.
Von Alfons v. C z i b u l k a.
Keine Entdeckung hat die Beziehung der Völker und damit das Weltbild so einschneidend verändert wie die Erfindung des Propellers. Auch nicht die Eisenbahn. Erst der Propeller schuf den modernen Weltverkehr. Er erst gab der Seefahrt, die bis dahin ja doch nur ein Tasten von Küste zu Küste wär, und in weiterer Folge auch der Luftfahrt ungeahnte Möglichkeiten. Denn mit jedem Schiff, das vor jenem denkwürdigen Hoch- fommertage des Jahres 1829, an dem zum ersten Male ein Schrauben- dampfer fuhr, die Segel setzte, begann gleichsam immer von neuem das abenteuerliche Wagnis der Entdeckerzeit, allen Dämonen des Meeres zum Trotz jene fremden Küsten zu erreichen, die damals dem^ Binnenländer noch so ferne schienen wie uns, die wir schon von Raunychist und Planetenreisen träumen, kosmische Welten. . ,
Nur dünne, immer wieder zerrissene Fäden verbanden die Erdteue. Daran änderte auch nichts die Erfindung des Dampfschiffes. Wenn heute noch dem Raddampfer auf Flüssen und sturmfreien Seen der Vorrang gebührt, so hätte er unseren Weltverkehr doch niemals ermognc9- Er war ja doch nur ein kläglicher Ersatz des Segelschiffes, bem gegemwe es fein einziger Vorteil war, unabhängig von Wind und Windstille z
Erst als Josef Ressel die Schiffsschraube erfand, begann auch auf de" Meeren die neue Zeit. Wer aber weiß das heute noch? Wer denkt Dam , daß auch diese für die Geschicke der Menschheit so bedeutungsvolle , finbung deutschen Geistes ist? Freilich war Joseph Ressel — 1. Chrudim in Böhmen geboren — Oesterreicher. Unb es ist lange Ze» y ' durch historische Unsitte gewesen, alles Oesterreichische, das dach die oc.


