Ausgabe 
7.10.1929
 
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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

Jahrgangs Montag, ben 7. Oktober Nummer!«

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wollte er seinen Gasthof unverzüglich nach dem Namen des gekrönten Hauptes neniien. Woran die Studenten natürlich ihren Spatz hatten, und Ädrmn Krafft bei ihnen bald nur mehr der Wirt oern^g/fallen ließ^"^^' ®as er sich trotz seiner Grobheit auch So vertrugen sich die Studiosi mit ihm eine Weile recht gut. Als aber durch die zu keinem Ende kommenden napoleonischen Kriege der m»«» . Itockte, die Straßen verwaisten, immer weniger Gäste aus den Postkutschen kletterten, und gar mit einem regierenden Herrn einstweilen nicht Zu rechnen war, kehrte er auch gegen seine Studenten plötzlich h°rvor. Dach er er nicht die halbe Universität in den Schuldturm sperren konnte, so ertrugen die Studenten seine Knauserich- gutem Humor, bis Adrian Krafft mit seiner Habsicht und Bos- heck schließlich selbst dem Faß den Boden ausstieß.

*

Die kleine Universitätsstadt wurde plötzlich durch zwei Ereignisse in Aufruhr versetzt. In den ersten Tagen des April erzählten ankommende Reifende, daß Napoleon mit seinen Heeren durch die Gegend ziehen werde. Auch horte man, es wollten die Verbündeten, also die Preußen Lwesterreicher und Russen ihm hier entgegentreten. Woraus die Spieß­bürger, die akademischen und die andern, schlossen, daß in der Umgebung eine Hauptschlacht drohe und die Stadt am Ende bombardiert, gestürmt und gebrandschatzt werden könnte.

. Das zweite Ereignis war freundlicherer Natur. Cs kam auch nicht erst in Gestalt eines Gerüchts, sondern als eine wohlausgerüstete Schau- pielertruppe, die sich für etliche Wochen in der Universitätsstadt nieder- ließ, nachdem sie sich schon mehrere Jahre in Wien, Berlin und Prag rühmlich hervorgetan. * 9

Eine wirkliche Theatertruppe war für das Städtchen, das höchstens alle Jahre einmal einige Vorstellungen kläglicher Schmieren sah, ein sa alles verdrängendes Ereignis, daß man darüber die Möglichkeit es konnte die Kriegshandlung sich in die Gegend ziehen, gänzlich vergaß. Um so rascher, als von den großen Heeren nichts zu sehen war. Worüber sich auch niemand grämte.

Nur der WirtZum goldenen Ochsen" im benachbarten Marktflecken sah bekümmert auf dieses ersichtlich an der Gegend vorüberziehende Kriegsgewitter. Denn er hatte sich davon erhofft, daß irgendein Re­gierender oder doch wenigstens ein Feldherr seinen Gasthof zum Haupt­quartier ausersehen werde. Auch die Theatergruppe war dem Adrian Krafft nicht recht. Denn es liefen natürlich die Bürger statt zum Ochsen hinüber zur Stadt, und auch von den Studenten ließ sich keiner mehr blicken. Wiewohl die schwarze Tafel in der Gaststube noch von Kreide­strichen strotzte.

Die Studenten saßen allabendlich im Stadtsaal, wo die Truppe alle neuesten Stücke aufführte, die sonst nur die großen Residenzen zu sehen bekamen. Abend für Abend rollte, stampfte und klatschte der Applaus von den Bänken der Studierenden. Nicht nur aus schwärmerischer Kunst­verehrung, sondern auch aus dem Grunde, weil die Heroinen, Soubretten und Naiven, auch manche Mädchen vom Chore bildhübsche Frauenzimmer waren. Bald hatten die Aktricen einen kleinen Hofstaat von Studenten um sich. Selbst der komischen Alten, die so alt gar nicht war, wenn sie auch gerade die Schönheit nicht plagte, folgten als getreue Ritter zwei bemooste Häupter, die in der Stadt schon seit manchem Jahr allen Un- st'g ausheckten, mit dem die Herren Studierenden die Philister zu ärgern

Weil die Bürger, von ihren Ehehälften in diesen Wochen besonder» behütet, sich um die Damen des Theaters sich nicht bekümmern konnten, so war es an den Studenten, die Honneurs zu machen. So blieben die Lehrsäle leer und die Professoren lasen Kolleg nur von etlichen Schmeich­lern und Strebern. Das Studentenvolk aber schwärmte alle Tage mit den Soubretten, Heroinen und Naiven in den umliegenden Wäldern oder fiel in die Luftörter ein, die sonst die Bürger an den Sonntagen aufsuchten.

Nur beim groben Wirt waren die Studenten und Schauspieler noch nicht eingekehrt. Denn da die jungen Leute sich nicht lumpen lassen woll­ten, auch bis über die Aktricen verliebt waren, so sollte der Abschied von der Truppe festlich gefeiert werden. Bei einem lukullischen Mahle und einem Weine, der in jenem Jahre besonders trefflich geraten. An ein solches Schlemmen war aber nur beimGoldenen Ochsen" zu denken, weil der grobe Wirt ja doch der einzige war, der den Studenten hin und wieder noch borgte.

*

An einem heißen Maitag, an dessen Vorabend die Truppe nach vier Wochen die letzte Vorstellung gegeben, zogen am Nachmittage die Stu­denten und die Schauspieler auf Leiterwagen und ächzenden Chaisen, auch zu Fuß und zu Pferde durch den südlichen Torturm des Marktes Zum goldenen Ochsen". Da die halbe Universität auf den Beinen war, von den Schauspielern nicht nur die Prominenten, sondern auch die

Abendffimmung.

Von Conrad Ferdinand Meyer.

Des Morgens lacht wie eine junge Frau, streng blickt am Abend meine Ufenau, durch Flutendunkel geisterhaft gestreckt, vom nahen Bergesschatten zugedeckt.

Lang hat sich das Soldatenschiff ergetzt an einem Echo. Beide schweigen jetzt. Verklungen ist der Vesperglocke Schall, ein dunkler Friede waltet überall.

Wär' ich ein Jüngling voller Leidenschaft, beängstigt von der eignen Lebenskraft, in Tränen löste sich, was bang und wild ein junges Herz bestürmt, vor diesem Bild. Nun hab ich handelnd meine Glut gedämpft, den Vesperfrieden hab ich mir erkämpft, und schreite, wann du, Sonne, dich entfernt, getrost durch diesen tiefen Abendernst.

In den gestrengen Zügen der Natur empftnd' ich die verwandte Seele nur.

Der Gasthof zu den drei Monarchen.

Novelle von Alfons von C z i b u l k a.

Dieses ein wenig ins breite geratene Haus, dessen Wände mit der Dicke einer Festungsmauer wetteifern, steht heute noch zur Freude aller Weinlustigen in einem Flecken Mitteldeutschlands. Auf einem langge­streckten Hauptplatze, der mit einer Reihe spitzgiebeliger Häuser, der grünen Baumzeile und den beiden ihn abschließenden Tortürmen einen Sjönen und bedeutenden Anblick gewährt. Den NamenZu den drei lonardjen" hat der Gasthof nicht immer geführt.

In seiner eigentlichen großen Zeit, da die Reisenden zu Wagen, zu Fuß und zu Pferde, die Fuhrleute dort noch unweigerlich einkehrten, und überhaupt ein Wirtshaus an einer Straße noch eine Goldgrube war, hieß erZum goldenen Ochsen". Wie ein über seinem Tore hängendes, wohlgenährtes Rindvieh aus vergoldetem Schmiedeeisen schon von weitem verriet. Doch war auch dies gleichsam nur fein amtlicher, von der Obrig­keit registrierter und behüteter Name. Der Volksmund nannte den Gast­hof nicht anders als den groben Büffel. Woraus hervorgeht, daß der Wirt ein ungeschliffenes Mannsbild gewesen ist.

Er hieß Adrian Krafft, war feist wie der Ochse, der über seinem Dore hing, und als Flegel fast reichsberühmt. Von welcher Tatsache die übrigen Wirtshäuser des Marktes überhaupt noch ihr Dasein fristeten. Denn da es in der Welt ungerecht zugeht, so besaß der grobe Wirt nicht nur den schönsten Gasthof im Orte, sondern auch die Posthalterei und die dazu nötigen Ställe und Räume. Und es wären dieFette Ente", der Braune Bär" und derSchimmel" längst Hungers gestorben, wenn nicht empfindsame Seelen den Goldenen Ochsen gemieden hätten, weil seine rauhe Art ihnen das Essen versalzte.

Zu diesen empfindlichen Leuten gehörten nun freilich nicht die Stu­denten des nahen Universitätsstädtchens, die hier an Sommerabenden oder im Winter an Sonntagen einzukehren pflegten. Die vergalten Grob­heit mit Spaß und scherzten sich im übrigen nicht um den fluchenden Wirt, solange er es mit der Bezahlung nicht genau nahm und kein Aufhebens davon machte, wenn die schwarze Tafel in der Wirtsstube weiß von Kreidestvichen war.

Adrian Krafft wäre kein Wirt gewesen, hätte er es aus lauter Gut­mütigkeit geduldet, daß die Studenten bei ihm so tief in der Kreide stockten. Aber er verstand sein Geschäft, wiewohl er sonst kein Geistes- nnd war. Darum hatte er bald begriffen, daß die Studenten mit ihrem wefang und Musizieren, mit Tanz 'unb Späßen die Reisenden anlockten, «o daß bald nicht nur die Postkutschen, die hier ohnehin Station mach­ten, im .Goldenen Ochsen" umspannten, sondern auch so feine Herrschaf­ten, die in eigenen Reisewagen fuhren, eine Stunde ober zwei ober gar bis in bie Nacht hinein verweilten. Unb auch die.Bürger des Ortes kehrten immer zahlreicher beim Ochsen ober Büffel ein.

Noch aus einem anberen Srunbe waren dem groben Wirt die Stu­denten recht. Er hatte nämlich neben seiner Lust am Fluchen noch eine 3Weite menschliche Schwäche, die beide zusammen einigermaßen seine mutte, die Habsucht, im Zaume hielten. Mag auch sein, daß ihn der -'tarne feines Gasthofs, feit dieser sich in einen Büffel verwandelt, nicht mehr recht freute. Kurz er hoffte, daß, angelockt durch den fröhlichen Nus der Studenten, auch einmal ein regierender Herr, von denen es oamals noch alle Meilen weit einen gab, bei ihm einkehren werde. Für