Ausgabe 
7.6.1929
 
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SiehmerMilienbMer

Unterhaltungsbeilage Zum Gietzener Anzeiger

Jahrgang 1929 Freitag, den 7. Juni Nummer 43

Latz scharren deiner Rosse Huf...

Von Conrad Ferdinand Meyer.

Geh nicht, die Gott für mich erschuf!

Laß scharren deiner Rosse Huf den Reiseruf!

Du willst von meinem Herde fliehn?

Und weißt ja nicht, wohin, wohin dich deine Rosse ziehn!

Die Stunde rinnt! Das Leben jagt!

Wir haben uns noch nichts gesagt bleib, bis es tagt!

Du darfst aus meinen Armen fliehn? Und weißt ja nicht, wohin, wohin dich deine Rosse ziehn ...

Hamburger Aalsuppe.

Von Charlotte Niese.

Die Birnen müssen reif sein", sagte Onkel Thomas.Die Sommer- btrnen, die rot im Kochen werden. Und meine alte Sophie kauft die Aale immer bei Frau Pust. Ihr kennt sie natürlich auch. Sie sitzt linker Hand auf dem Meßberg, wenn Fischmarkt ist, und die lebendigen Aale winden sich um ihre ausgestreckten Arme, daß sie aussieht wie ein Schlangenbeschwörer in Indien. In Agra und Bombay habe ich sie so sitzen sehen; aber es waren schwarze Kerle mit ekligen Schlangen, wäh­rend Frau Pust eine brave Seele ist und uns die besten Aale aussucht. Nicht die ganz fetten, armdicken, sondern die nette, kleine Mittelsorte. Nicht zu groß und nicht zu klein, sie schmecken am besten. Die Suppe kocht meine Sophie auf einen geräucherten Schinken, aber etwas frisches Fleisch gehört dazu. Die festen Mehlklöße dürfen nicht vergessen werden, und die Gemüsefrau aus Bardowiek bringt die Aelkräuter: neunerlei verschiedenes Kraut: Majoran und Thymian, Salbei und Portulak; wie sie alle heißen, weiß ich nicht, das wissen nur die Bardowiekerinnen."

Onkel Thomas hielt mit Sprechen inne, und über sein feines, altes Gesicht glitt ein behagliches Lächeln. Seine Haushälterin Sophie setzte nämlich die große Terrine auf den Tisch, um den wir schon alle Platz genommen hatten: wir, die wir heute feierlich auf die Hamburger Aal-- suppe eingeladen waren.

Es war ein stiller, warmer Sommertag, und wir saßen in der offenen Veranda, die nach dem Garten ging. Nach dem alten, schattigen Garten, in dem Onkel Thomas Vater die Bäume selbst gepflanzt hatte: die Ulmen und Linden, die Aepfel- und Birnbäume und den Maulbeer- Ö, der jetzt gleichfalls ein mächtiger Baum geworden war. Weite stächen dehnten sich unter den Bäumen aus, und um den ganzen Besitz erhob sich eine hohe Mauer. Aber sie war nicht hoch genug, um die fünfstöckigen Miethäuser abzusperren, die mit ihren blanken, neuen Fenstern neugierig in den alten, grünen Garten blickten, als wollten sie sagen: wir möchten nur wissen, wie lange wir noch auf diesen grünen, altmodischen Fleck Erde sehen sollen, mitten im modernen Straßengewirr und zwischen so und so viel Straßenbahnen.

Aber an die frechen Miethäuser dachten wir nicht in diesem Augen­blick. Brachte doch Sophie die Teller und die zwei andern Schüsseln, die zartroten Birnen und die bläulich gefärbten Aale, während Onkel Thomas den Deckel der Suppenschüssel abhob und den ihr entströmen­den Duft bedächtig einatmete.Sie riecht gut, Kinder", sagte er bann. «Nach neunerlei Kraut, nach dem Schinken und dem frischen Ochsen­ziemer. Adele, wie viel Klöße willst du?"

Diese Frage war an ein junges Mädchen gerichtet, das neben ihm saß und nun lebhaft errötete.

Ach, bitte, lieber Onkel, gib mir recht wenig von allem! Du weiht" Ontel Thomas warf ihr einen ernsten Blick zu.

Ich weiß, liebe Adele. Du bist aus der Altmark, so in der Nähe von Salzwedel, -mnb hast noch niemals Hamburger Aalsuppe gegessen. Aber du bist mit einem Hamburger verlobt und wirst deinen Wohnsitz in Hamburg nehmen. Also" Er senkte den Löffel tief in die dickliche Suppe.

Wir andern legten uns ins Mittel.Onkel Thomas, Adele kann nichts dafür, daß sie eine Binnenländerin ist und keine Hamburger Aak- juppe kennt. Es gibt doch sehr tapfere Leute, die aus der Altmark stammen, denke nur an den Fürsten Bismarck, unfern großen Nachbar

und Ehrenbürger. Er war unerschrockenen Herzens; vielleicht aber wurde es ihm doch schwer, den ersten Teller Aalsuppe zu essen."

Onkel Thomas war schon wieder gut. Lächelnd setzte er der kleinen Binnenländerin einen Teller hin, in dem nur ein Kloß und wenig Suppe war.

Probier es nur, Kind", Jagte er gutmütig.Nimm viele Birnen und viel Aal dazu, bann wirb es schon gehen. Unb später, wenn du erst silberne Hochzeit feierst, bann wirst bu nicht begreifen können, daß du jemals Angst hattest vor dem schönsten der Gerichte."

Dann wurden wir alle still. In der Ferne klingelten die Straßen- bahnen, die Fenster der Miethäuser schielten neidvoll in unsere Veranda, und aus dem Schatten der Bäume kam hin und wieder ein Vogellaut; wir aber aßen die Suppe mit den Klößen und Birnen, mit den neunerlei Kräutern und den säuerlichen Aalen darin. Feierlich war es, und Onkel Thomas sagte kein Wort, bis er zwei gefüllte Teller leer gegessen hatte. Dann stand er auf und machte eine entschuldigende Verbeugung.

,stfch bin ein alter Hamburger, Kinder, und also für das Altmodische. Nun gehe ich zweimal um den Rasenplatz herum, und wenn ich bann wieberkomme, barf ich meinen Rock ausziehen. Den dritten Teller Aal­suppe darf jeder Hamburger in Hemdärmeln essen."

So geschah es also. Würdevoll und bedächtig wanderte Onkel Thomas in seinem Garten hin und her; unb als er zurückkehrte, war er in schlohweißen Hemdärmeln. Adele aus der Altmark hatte inzwischen seine Abwesenheit benutzt, um ihren Teller mit dem Nestchen Aalsuppe in die Küche zu bringen.

Erleichtert kehrte sie zurück.

Es gibt noch gekochten Schinken und Kirschpfannkuchen", flüsterte sie.Zu verhungern brauche ich also nicht. Aber bitte, bitte, verratet nicht an Onkel Thomas, daß ich die Aalsuppe nicht essen kann. Wahrhaftig, ich werde es nie können und wenn ich auch meine Diamanthochzeit feiern sollte!" Selbstverständlich hielten wir reinen Mund, und Onkel Thomas, der jetzt mit unvermindertem Appetit bei feinem dritten Teller saß, lächelte so behaglich vor sich hin, daß man ihm die gute Stimmung vom Gesicht ablesen konnte.

Solche Aalsuppe ist doch etwas Besonderes!" sagte er nachher. Da hatte er seinen feinen, schwarzen Rock wieder angelegt, und wir saßen im Garten beim Kaffee. Leise senkte sich die Dämmerung auf unser stilles Plätzchen und auf die unruhige Welt draußen. Selbst die Fenster dec Miethäuser blickten weniger selbstbewußt zu uns herüber, und irgendwo, hinter den Steinmauern, sang eine Mutter ihr Kind in den Schlaf. Auch wir sagten nicht viel; Onkel Thomas aber zündete seine Pfeife an, sah in die Rauchwolken und wiederholte seine Worte.

Mit wie viel Menschen habe ich nun schon bei der Aalsuppe ge­sessen!" setzte er hinzu.Da könnte man ein Buch darüber schreiben. Zu- erfterft ah ich die Aalsuppe im elterlichen Haus. Als Vater diesen Platz vor dem Tor hier kaufen und ein Haus darauf bauen wollte. Dec Bauer, dem das Stück Weideland gehörte, atz an dem Mittag die Aal­suppe mit uns. Er war ein hagerer Mann, der eine kurze Jacke, Knie­hosen und Schnallenschuhe trug, und die Aalsuppe schmeckte ihm so gut, daß sogar Vater sich mit einem Teller begnügen mußte. Ich aber kriegte nur einen Aalschwanz mit ein paar Birnen dazu, und von der Suppe nur einen Löffel voll. Beinah hätte ich gemeint, weil ich die ganze Nacht vorher vor Freude auf die Aalsuppe nicht hatte schlafen können. Aber wenn ich gemeint hätte, bann mürbe ich Vaters Pfeifenrohr auf einet Stelle gekostet haben, die für diesen Zweck besonders geeignet ist. Da­mals war das so. Die Väter hatten ein loses Handgelenk und liefert auch nicht gleich zum Gericht, wenn ihr Sprößling mit ein paar blauen Striemen aus der Schule nach Hause kam. Also ich verbiß meinen Schmerz über das flüchtige Kosten der Aalsuppe und beneidete Bauet Peters, der so viel essen durfte, wie er wollte, kein Wort dabei sprach und, als nur noch Aalgräten übrig waren, fein heißes Gesicht in seiner Serviette abtrocknete. Aber er ließ die Wiese zu einem billigen Preis, und Vater pflegte später zu sagen, daß die Aalsuppe ihm gut geholfen hätte.

Dann aßen mir die erste Aalsuppe im neuen Hause unb hier in bet Veranba. Der Garten war eben erst angelegt, und die Bäumchen unb Büsche dachten nicht daran, Schatten zu spenden. Aber rings um uns herum lagen Wiesen mit Hecken, und dazwischen standen alte Bäume. Vom ersten Stock unseres Hauses sahen wir auf die Elbe mit ihren Schiffen, und die alte Tante Hanne aus dem Johanniskloster ließ uns agen, zu uns hinaus könnte sie nun nicht mehr kommen: mir wohnten a mitten auf dem Dorf. Damals tag das alte Johanniskloster dort, ro» etzt das Johanneum liegt, und die alten Damen fanden es unschicklich, vors Tor zu gehen. Aber zur Aalsuppe kam Tanke Hanne doch noch unb blieb bann die Nacht, um mit dem Bleicherwagen am andern Morgen wieder in die Stabt zu fahren.

Ja, es war alles ein bißchen umständlicher als heutzutage; an elektrische Bahnen dachten wir ebensowenig wie an Automobile; aber.