war das neue Bildwerk aüfgerichtet, und davor erstellt ein eiserner Ausbau, getürmt aus dreien wie halbe Kreise runden Stockwerken, darauf standen, getragen von spitzigen Nägeln, brennende Kerzen, weiße, rote und schwarze, ringshin gereiht, — zwölf drunten, neun aus dem mittleren Rund, zu oberst sechs. Wie schlanke Edelknaben zu Fußen der thronenden Königin standen sie und hielten wie Fackeln die Flammen empor, daß Maria in ihrem blauen Gewand hell erstrahlte und der heilige Schein um ihre Stirn licht erfunkelte.
Da stand der Erzsinger und lugte hinein auf ine Jungfrau und
äugen war verkunken in die ungesehene Schönheit dieser Göttinnen, einaehüllt von dem Zwitschern der flüsternden Stimmen, trunken von dem silbernen Lachen. Und betäubt von dem ungewohnten Getränk.
Da trat La Tremouille zu ihm und befahl: „Geh, Knabe, hier ist
Frühlingsnacht.
Don Joses Freiherrn von Eichendorfs. Hebern Garten durch die Lüfte hört' ich Wandervögel ziehn, das bedeutet Frühlingsdüste, unten fängt's schon an zu blühn. Jauchzen möcht' ich, möchte weinen, ist mir's doch, als könnt's nicht fein! Alte Wunder wieder scheinen mit dem Mondenglanz herein.
Und der Mond, die Sterne sagen's, und in Träumen rauscht'« der Hain, und die Nachtigallen schlagen's: Sie ist deine, sie ist dein.
is sie herabgebrannt waren.
Das Wunder.
Don Carl Ferdinands.
heidnischen Schönheit, die da vor ihnen lockte.
tig lächelte, ein wenig müde, ein wenig abwesend, aber
Kohle, zeige deine Kunst!" . . „ ___.
Jean Fourquet schritt zu der weißen Tafel auf der Empore; unwahrscheinlich klein stand er vor der breiten, schier endlosen Holzflache und hielt die Kohle mit der Linken umklammert.
i . Er ward blaß, seine Augen schienen einzusmken; es war, als ob er ■, I eine Erscheinung habe, so fern und gleichgestellt suchten seine AuEsterne.
I Aber plötzlich fuhr es in ihn wie eine fremde Macht, mit Strichen der I Holzkohle, die mehr Schwerthiebe als Zeichnenzuge waren, setzte er Gc- I stalt auf Gestalt hin. Selbst der König erwachte aus seinem Dammer und I staunte das Wunder an: denn da knieten wie lebend und echt auf der I rechten Seite all die Schönen, die er liebte, Jolanthe, Margot, Maria, 1 Ninon, Laura, die zarte Slmoranthe, alle in den Frühlingsschleiern ihres Tanzes, auf der anderen Seite aber feine Sänger, Troubadoure, Herren und Ritter, vorne er selbst mit Pelzschaube und Hut, und alle hoben sie verehrend die Arme nach einem Bilde, das nun in der Mitte mit zwingender Gewalt entstand, die Jungfrau von Domremy, die gen Orleans gezogen war, deutlich erkennbar, auf einem Scheiterhaufen an den Pfahl gebunden, den geheiligten Blick gen Himmel gerichtet, die Arme geknebelt. , . ... . . . ,
Und nun ritzte sich, eiliger als es jemand verhindern konnte der rasende Knabe die rechte Hand mit dem zierlichen Dolch, der an seiner Seite hing und strich dann, im Augenblick, das grelle Blut aus die weiße Tafel, so daß der Scheiterhaufen in blutroten Flammen stand und die Flammen, die Flammen von echtem Blut, schon nach der aus echten, gefesselten Gestalt der Jungfrau züngelten.
Gerade wollte La Tremouille auffpringen, um den gefährlichen Wundermaler, der es wagte, die königliche Ruhe und Behaglichkeck so unsanft aufzuwühlen, mit Gewalt zu entfernen, da gellten im Burghof
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diene. „Lauter Wunder haben wir in der letzten Zeck, flüsterte der Narr dem Sänger Bertrand zu, „das Wunderkind hier, vor ein paar Wochen das Wundermädchen Johanna, fehlen uns nur zwei Wunder, das eine, das unsere königlichen Kassen auffüllen, und das zwecke, das Frankreich von den Engländern befreien soll."
Bertrand legte den Finger auf den Mund; an diesem Hose durfte nicht einmal der Narr vom Krieg und von Gefahr reden. Die Frauen in den lichten Schleiergewänden waren, wie auf einen Ruf zu dem - - । kleinen Maler geeilt, die eine streichelte ihn wie ein hübsches Hündchen,
NLSW EROS chwarze zwölf drunten, neun auf dem mittleren Rund, zu oberst « ™ »«tunten in d echs, daß Maria in ihrem blauen Gewand in gedoppelter Helle er- trahlte und der heilige Schein um ihre Stirn noch einmal so licht er- unkelte Ueberall aber blickten die betenden Köpfe wie beim Amen auf und nach dem Alten hin, der da stand, als ob er der Priester bei dem neuen Bildwerk wäre und seine blanke Messe hielte; da und dort zischte ein Kichern auf, und manche stießen einander vergnügt an den Ellenbogen wie beim Schuhplattlertanz. Der Erzsinger aber achtete des staunens nicht und nicht des Grinsens; er sah auf die Jungfrau und hielt sein Glas und seine Kerzen hin, und der Arm ward ihm nicht müde,
Heber der guten Stadt Bourges am Cher lag wie eine dunkele Wolke die Sorge und die Angst. Wohl waren die Hügel und Uferauen voll von Sonne und duftendem Frühling, voll leuchtender junger Saaten, voll von Blumen und blühenden Obstgärten und singenden Vögeln; aber vierzehn Meilen entfernt lag Orleans, das von den eisengepanzerten Engländern belagerte Orleans, heute noch französisch und Eigentum des siebenten Karl, morgen vielleicht schon gebrochen, erstürmt und dem englischen Kinde, dem sechsten Heinrich, gehörig. Wie Stahlzangen griffen die Gewalthaufen Badforts um die Mauern, der Gras von Salisburg hatte beherrschend die Feste Les Tourelles überwältigt und alles deutete auf den letzten Hauptsturm. Hnb war der gelungen, dann dauerte es ein paar Tage und die bisher immer siegreichen Engländer erscheinen vor Bourges, zerstörten den Frühling, die blühenden Gärten und Saatfelder uiid trieben den willenlosen König in die letzte Ecke seines Landes.
Und nun war vor ein paar Tagen das letzte französische Aufgebot gen Orleans geführt worden, zusammengerafstes Volk, Ritter und Knappen, aber begeistert von der Jungfrau, der Johanna aus Domremy, vom i ga’nfaren. Grafen Dunois, dem Bewährten, geführt, aber in zwingende Kampf- i u $un Fanfaren, Waffenklirren, Heilruse die Treppe hinauf. Nun on lüft gerissen von der Fahne, der Fahne, mit der heiligen Jungfrau Mana I bcr $ür bcr Herold, ein Ritter atemlos.
und den Lilien, die neben dem düsteren Ritter Dunois die selbst gleich - rief er, „Heil, König Karl! Großes Wunder melde ich, ent-
einem Manne gewappnete, aber waffenlose Johanna trug. Wurde diese I h^te Sieg von der Jungfrau mit der Fahne und dem Grafen r.iinois Schar wie vorher die größeren Heere bei Azincourt und Verneml nieder- I $e((cr al” cin Erzengel hat uns die Jungfrau geführt. Sie führte uns zu geworfen werden, (o fei es mit Frankreich und mit der lustigen Hof- I Schiffe in die Stadt Orleans, sie führte uns zum Ausfall, zuerst sas Haltung in Bourges aus. . ... I Fort Sankt Soup, dann am Himmelfahrtstage, Les Jouvelles, Die ftartltc
Das fühlte die ganze Stadt, nur der König selbst schien es nicht § in 6er die Engländer saßen, die Jungfrau voran, die Englanv r zu sehen. . _ , ' , ! aus der Flucht. Orleans frei, Bodford geschlagen, Heil der ZMigfrau,
Aus der Königsburg, deren mächtige Türme die Straßen beherrsch- ~ i( bem König. Die Jungfrau wird uns von den Engländern befreien! ten, gab es nur heitere Feste, Mummereien, Troubadourwettkampfe und I Fanfaren der Lärm der Heilrufe, der Heilrufe der ganzen Stasi fchöne Frauen, als ob tiefster Friede sei und größte Sicherheit für das I %ourqe5 unb der König dankte mit verhaltener Geste und bückte ge- Reich. Wie alle Tage so auch heute. Der große Thronsaal im Schlosse dankenvoll auf die Tafel mit dem rätselhaften, schicksalsdunklen Bild, war von geschicktem Gesinde in eine Blumenwiese verwandelt in den n kindlicher Maler im Getümmel der Heilrufe verängstigt ent- Ecken, wo abends die Fackeln an Eisenklammern in den Wanden steck- I roar ten, waren echte Rasenhügel aufgebaut, echte Veilchenbusche dufteten, I ' echte Narzissen blühten, vor grünen Zweigen und blühenden Obstasten waren die Wände kaum zu sehen. Hnb auf den Fußboden mußte man achtsam gehen, weil überall bunte Blumenblättchen gestreut waren. Von frühgetriebenen Rosenbüschen umgeben, stand auf der Empore eine weiy- getönte glatte Holzfläche, gleich einem Bilde, das noch nicht begonnen ist, über mannshoch und wohl acht Schritt lang.
Der jugendliche, wohlgestaltete König schritt mit seinem Gefolge in pelzverbrämtem Gewände von zweierlei Tuch wie ein Sonnenstrahl durch diesen künstlichen Garten, abwesend, kaum lächelnd, nachlässig, gedankenlos. Er nahm auf dem Königssitze Platz, die Höflinge, Sanger, Possenreißer, Tänzer in dichtem Schwarm um ihn her. La Tremouille, der allmächtige Günstling, gab das Zeichen und hinein strömten wie eine Blütenwolke wohl zwanzig junge Frauen, zierlich und verführerisch in schleierzarte Gewänder gehüllt; man kannte sie alle, die Schönheiten des Hofes, Jolanthe de Bree, Margot aus der Provence, mit der Pracht ihres störrischen Schwarzhaares, Maria de Brezac, deren königliche Arme wie Perlmutter schimmerten, Anna, die zarte Amaranthe aus Paris, Uinon, Simone, Laura, und wie sie alle hießen. Schweigend beugten sie sich vor dem König, dann setzten Flöten, Lauten und Hörner zum Reigen ein, den die Frauen gar zierlich zu flechten wußten. Die Augen der Dichter leuchteten, die Troubadours sangen halblaut feingesetzte Verse


