ättMtibrflcfen geruht. Das Ist alles, Herr. Ich bin dann Kellner geworden. Und nun bitte ich um Verzeihung: Die Herrschaften drüben jMn Lettisch rufen zum zweitenmal.
MustkNebende Tiere.
Von Carl Georg v. Maaßen.
Es gibt eine rührende Geschichte von dem berühmten Violinspieler Berthome, der schon als kleiner Knabe von seinen Eltern zum Musiker bestimmt wurde. Bereits mit acht Jahren setzte er durch sein ausgezeichnetes Geigenspiel alle Welt in Erstaunen. Er hielt seine Üebungen in einer kleinen, engen Stube, in der eine riesige Winkelspin n e hauste, welche ein merkwürdiges Verständnis für die hier abgehaltenen musikalischen Darbietungen an den Tag legte. Sobald der Knabe zu spielen begann, verließ die Spinne ihr Netz, kroch an der Zimmerdecke entlang, bis sie sich über dem musizierenden Künstler befand, lieh sich dann an einem Faden herab und hielt wenige Zentimeter über dem hin und her gehenden Geigenbogen still. Bisweilen kroch sie sogar auf den Arm, welcher den Bogen führte, und schien offenbar andächtig den Tönen zu lauschen. Der Knabe hatte sich an diesen seltsamen Zuhörer gewöhnt, ja er wurde ihm so lieb und unentbehrlich, daß er sich geradezu Mühe gab, ihm zu gefallen. So entstand ein inniges Freundschaftsverhältnis zwischen beiden, das eine lange Zeit währte, bis — ja bis eines Tages die Tante des Knaben, die an ihm Mutterstelle vertrat, in Begleitung eines Kunstkenners, der den jungen Künstler spielen hören wollte, das Stübchen betrat. Die Spinne ließ sich durch den Besuch nicht abhalten, nach den ersten Bogenstrichen herbeizukommen und sich auf den Arm des jungen Musikers niederzulassen. Die Tante erblickte voller Entsetzen die mächtige Spinne auf dem Aermel des Knaben, schrie „Pfui, die häßliche Spinne!", riß ihren Pantoffel vom Fuß und schlug das Tier auf den Fußboden herab, um es augenblicklich zu zertreten. Als der Knabe seinen musikalischen Freund tot und zerquetscht auf dem Boden liegen sah, sank er chn- mächtig um. Man brachte ihn zu Bett, und länger als drei Monate schwebte er zwischen Leben und Tod und phantasierte ununterbrochen von seiner Spinne ...
Diese Geschichte hat man sich auch von dem jungen Beethoven erzählt, ja, sie findet sich in Verbindung mit seinem Namen bereits in einer Anekdotensammlung aus dem Jahre 1809, aber es liegt hier offenbar eine Verwechslung zweier ähnlich klingender Namen vor. Beethoven, um die Wahrheit dieser Anekdote befragt, hat sie für feine Person ab geleugnet, aber sie als ein Erlebnis Berihomes bezeichnet.
Auch Bettina v. Arnim hat einmal durch Gitarrenspiel auf eine Spinne gewirkt, die herbeikam, auf ganz absonderliche Weise die Glieder bewegte und bei einem Wechsel des Akkordes noch andere Bewegungen machte. Quatremers-Disjonval beobachtete eine Spinne, die sich während des Harfenspieles einer Dame einen Platz an der Zimmerdecke gerade über dem Musikinstrument wählte. Wechselte die Spielerin ihren Standort, so folgte die Spinne.
S ch n y d e r v. W a r t e n {e e, der mit Spinnen hinsichtlich ihres Musikempfindens allerlei Experimente angestellt hat, ist dabei zu einem negativen Resultat gekommen, jedoch mag die Persönlichkeit des Untersuchenden wie auch die individuelle Artung der Objekte die Schuld daran tragen.
Schon Aelian bemerkte bei den Bienen Sinn für Wohllaut und Rhythmus, und nachdem er sie hierin mit den Zikaden verglichen hat, führt an, wie Bienenschwärme, die unstet Herumfliegen, von ihren Bienenvätern durch rhythmische und harmonische Klänge wieder zurückgebracht werden können.
Der bekannte Dichter und Theatermann Karl v. H o l t e i, der im Sommer des Jahres 1834 zur Erholung in Grasenort weilte, machte hier die Bekanntschaft mit einer musikalischen Kröte, die in dem verwitterten Schlohgemiiuer hauste. Wenn seine Gattin und deren Freundin, abends auf der Terrasse sitzend, elegische Lieder fangen, „den keufchen Mond mit matten Hymnen feiernd, zeigte sich diese uralte, dicke, buntfarbige, vom Kellerstaube bedeckte Kröte, aus überaus klugen Augen schauend. Es war keine gewöhnliche Gartenkröte, sondern eine von enormem Ausmaß, etwa vom Umfang eines mäßigen Damenstrickbeutels, wie man sie nur in den tiefsten Burggräben findet, woraus sie nur selten an das Tageslicht kommen. Sie stellte sich jedesmal ein, wenn die ersten Töne des Gesanges vernehmbar wurden, und wurde anfangs mit Abscheu, später mit Staunen betrachtet, weil sie einen merkwürdig musikalischen Sinn entwickelte. Blieb sie einmal aus, fragte man gleich: „Wo bleibt denn heute unsere Kröte?" Man stimmte ein Liedchen an, und schon rückte die Kröte an. Zuletzt wurde sie ganz zur Familie gerechnet. Sie saß zu den Füßen der Singenden und ließ sich mit dem Schuh auf ihrem breiten Rücken krabbeln. Als der Urlaub zu Ende ging und man Abschied von Grafenort nehmen mußte, wurde die Kröte noch einmal durch Gesang aus ihrem Schlupswinkel hervorgeholt, um ihr ein gerührtes Lebewohl zu sagen. Sie mag bann später — so meint wenigstens Holtei — ihren hundertjährigen Urenkeln von den närrischen Menschen erzählt haben, die ihresgleichen schon für Greise halten, wenn sie achtzig Jahre alt geworden sind.
Es gibt sogar singende Kröten. Oken berichtet von der sog. Buchelkröte in Guina, die man in der Nähe der Sümpfe melodisch fingen hört. Daß Mäuse und Ratten musikalisch sind, ist allgemein bekannt. Bonnet erzählt in feiner Geschichte der Musik, daß er auf dem Markte St. Germain zu Paris Ratten nach dem Takte der Musik tanzen sah. Sie hielten wie Seiltänzer kleine Balancierstangen in den Vorderpfoten. Eine andere Truppe von acht Ratten haben nach den Klängen einer Geige ein Ballett getanzt, so richtig wie gelernte Tanz- meister. — Ein in der Bastille eingekerkerter Ofizier vertrieb sich in seiner Einsamkeit die Zeit mit Lautenspiel. Dabei bemerkte er mit Staunen, wie sich ein Kreis von Ratten und Mäusen um ihn versammelte, die alle aufmerksam zuhörten und sich wieder entfernten, wenn er zu spielen aufhörte. Im Laufe der Zeit erhielt er immer mehr Zu
hörer, so daß er schließlich ein Publikum von mehr als hundert Vierbeinern zusammen hatte.
Der Komponist Ferdinand Bertoni zu Venedig besaß eine Taube, die Geschmack an der Musik zeigte und allgemach ein voll» kommen musikalisches Gehör bekam. Sobald sich ihr Herr ans In- ftrument setzte^ flog die Taube aufs Klavier und bezeigte durch Flügel- schlagen ihre lebhafte Freude. Griff aber Bertoni oder auch ein anderer Spieler einmal eine falsche Note, so verriet sie große Angst und Unwillen, und quälte man sie gar absichtlich mit Dissonanzen, so wurde sie wütend und hackte den Spieler so derb in Hände und Füße, daß man keinen Zweifel mehr an ihrer musikalischen Feinfühlichkeit hegen konnte. Man mußte sie aus dem Zimmer entfernen, wenn Schüler kamen, deren Fingerfertigkeit noch zu wünschen übrig lieh.
Die musikalische Veranlagung bei Tieren scheint sich nicht so sehr auf die Gattung als auf das Individuum zu erstrecken. Ein Postkommissar namens Naumann erzählt, wie er einmal mit einer Gesellschaft vom Gasthofe nach einem Schlosse gezogen und dabei auf einer kleinen Kinder- harse einen Geschwindmarsch gespielt. Als man dabei an einem Gehöft vorbeigekommen, fei eine Gans aus einer Gänfeherde herausgelaufen und habe sich dem Zuge angeschlossen. Unter dem Gelächter der Gesell- schäft eilte sie immer neben dem Musikanten her und versuchte, gleichen Schritt mit ihm zu halten. Stand man still, blieb auch die Gans stehen. Ging man ohne Musik weiter, blieb das Tier zurück. Erklang die Harse wieder, stürzte die Gans eiligst wieder herbei. Bei den übrigen Gänsen blieb die Musik ohne Wirkung.
Aehnlichen musikalischen Sinn kennt man bei einzelnen Individuen zahlreicher Tierarten, selbst bei Löwen, Tigern, Wölfen, Affen und besonders bei Elefanten, auch bei Hirschen. So besaß der Fürst Löwenstein auf dem Schlosse Triefenstein eine musikalische Hirschkuh, die am Fenster lauschte, wenn im Schlosse musiziert ober in der Kirche auf der Orgel gespielt wurde. Selbst bei Schafen, Hunden und Katzen findet man derartige Veranlagung, obwohl bei den letzten zwei Arten musikliebende Exemplare recht selten sind.
Eine Dame in Darmstadt hatte eine weiße Katze, die mit allen Zeichen des Wohlgefallens stehen blieb, wenn ihre Gebieterin sich ans Klavier setzte. Dann lief sie schnell wie nach dem Takte tanzend, in der Stube hin und her, näherte sich der Spielenden, trat ihr auf die Füße, strich schmeichelnd und schnurrend an ihr vorüber, legte sich bald hinter fie auf den Stuhl, bald sprang sie ihr auf den Schoß. Hörte die Dame auf zu spielen, schlug die Katze mit.den Pfoten auf die Taste, als ob sie zum Weiterspielen ermuntern wollte, und als ob es ihr unangenehm fei, daß der Klang aufhörte. Sie hörte am liebsten sanfte und fchmel- zende Töne, mit harten ober gar falschen konnte man sie verjagen.
Bennati bemerkte eines Tages, daß ihm sein Pudel gern zuzuhören schien, wenn er Klavier spielte. Er versuchte nun, ihn durch Spielen der Tonleiter zur Angabe der Töne zu bringen. Es wurden dabei verschiedene Instrumente in Anwendung gebracht — aber ohne Erfolg. Endlich schlug Bennati sieben diatonisch gestimmte Glocken nach- einander an und brachte es auf diese Manier binnen neun Tagen dahin, daß der Hund die Töne der Skala angab.
Zu Anfang der französischen Revolution begab sich ein Hund Tag für Tag auf die Parade vor den Tuilerien, marschierte mit den Musikern und machte mit ihnen Halt. Nach der Parade verschwand er, war aber am nächsten Tage pünktlich wieder zur Stelle. Die Musiker befreundeten sich mit ihm und nahmen ihn wechselweise mit zum Mit- tagefsen. Sie gaben ihm den Namen „Parade". Nach dem Essen entfernte sich der Hund und besuchte die Theater, wo er ins Orchester lief, sich in einen Winkel setzte und nach Beendigung der Vorstellung wieder davonlief. Er folgte den Musikern eines italienischen Regiments, zeigte eine große Anhänglichkeit an den berühmten Desaix, warf sich, als dieser am 14. Juni 1800 in der Schlacht bei Marengo siel, auf besten Leichnam unb würbe im gleichen Augenblick von einer zerplatzenden Bombe getötet.
Im allgemeinen ist die demonstrative Abneigung der Hunde gegen musikalische Darbietungen bekannt genug. Ein Kopenhagener Bürger besuchte einmal einen Goldschmied und sand auf dessen Tische eine Violine liegen, auf der er zu spielen begann. Ein kleiner Hund, der im Zimmer war, sprang sogleich auf einen Stuhl, der neben dem Spieler stand und kratzte ihn mit der Pfote am Arm, um ihn vom Musizieren, das vielleicht auch nicht besonders schön gewesen fein mag, abzubringen. Daraufhin legte auch der Spieler gehorsam Violine und Bogen wieder auf den Tisch. Das schien jedoch dem Hündchen noch nicht sicher genug. Er sprang vom Stuhl auf den Tisch, nahm den Bogen ins Maul und trug ihn unter das Bett, das in der Stube stand.
Große Musikliebhaber sind Delphine und Seehunde. Diese liebten, wie schon die Alten wußten, Musik unb Gesang, unb neuere Beobachter bestätigen, baß der Seehund mit Teilnahme Glockentonen unb anberen lauten Klängen lauscht. Man hat Seehunbe gesehen, welche die Köpfe aus dem Wasser hoben und lauschten, wenn die Matrosen beim Auswinden des Ankers fangen. Läuten die Kirchenglocken am Ufer, schwimmen sie auf die Küste zu, die Augen starr nach der Richtung, aus der die Töne kommen, und sie lauschen entzückt und verwundert, solange der Klang anhält. Aus einer Sandbank, die sich in der Nähe der Kirche zu Hoy auf den Orkney-Inseln befindet, versammeln sich beim Klange der Glocken ganze Scharen dieser Tiere. Der Fürst Pückler-Muskau erzählt in seinen Briefen eines Verstorbenen, daß er an der irländischen Küste einen Seehund vorn Fenster aus beoo- achtet habe, der mit sichtbarem Vergnügen und einer tanzenden -o«’ roegung der Musik eines Pipers zugehört habe, dessen Bagpipe vom nahen Gasthofe herüberschallte. Pückler bemerkt dazu, daß die »ec- Hunde so leidenschaftliche Musikfreunde seien, daß sie bei Wasserparnen auf der Bay den Booten der Musikanten in Scharen von 20 bis 30 totua folgen unb sich auch vom Jäger auf biefe Weise überall hinlocken lastem „Es ist wirklich grausam," meint er, „ihren Kunstsinn so zu miy brauchen!!"


