kleine Arbeit. Brauchte man größere Dichtigkeit, als sie die Nietung gewährt, so mußte man sogar die ganze Rohrleitung im Feuer zusammenschweißen. Hier hat der Sauerstosf-Azetyleubrenner vollkommen Wandel geschaffen. Eine solche Röhre aus Blech zu biegen ist gewissermaßen eine Kleinigkeit. An der Naht, wo sich die beiden Enden der Bleche berühren, wird sie im Handumdrehen mit dem Brenner zusammengeschweißt. Durch ihn allein ist die wirtschaftliche Herstellung solcher Röhren möglich geworden.
Ein noch viel größeres Anwendungsgebiet hat indessen die elektrische Schweißung. Man kann sie in mehreren Arten ausüben. Entweder stellt man sich einen Lichtbogen zwischen Kohlenstäben her, den man über die zu schweißende Stelle führt, die durch die riesige Hitze des Lichtbogens dann auf Schweißglut gebracht wird, oder aber man benutzt nur einen Kohlenstab und den zu schweißenden Gegenstand als zweite Elektrode. Endlich ist es auch noch möglich, den elektrischen Strom ganz durch die zu schweißenden beiden Teile zu leiten, die so in helleGlut versetzt und miteinander verschweißt werden. Das ist die sog. Widerstandsschweißnng. Alle drei Verfahren haben ihre besonderen Anwendungsgebiete. Die Widerstandsschweißung tft namentlich für die Massenfabrikation von Blechgegenständen äußerst wertvoll. Diese werden besonderen Maschinen aus endlosem Bande in Massen zugeführt, automatisch zwischen die Klemmbacken gebracht, die den Strom zuleiten; im Nu kommen sie auf Weißglut und sind miteinander verschweißt. Auf diese Weise lassen sich viele Metalle miteinander verschweißen, und die Verbindung wird durch die vollkommen automatische Betätigung sehr billig. Die außerordentliche Billigkeit so zahlreicher Gegenstände, die wir im täglichen Leben gebrauchen, die aus dünnem Bleche hergestellt sind, ist nur dadurch zu erklären, daß die Einzelteile in der automatischen Presse hergestellt und in der automatischen Schweißmaschine verbunden werden. Infolgedessen ist dieses Verfahren nicht nur für die Technik, sondern auch für das tägliche Leben von größter Bedeutung geworden.
Welche Wichtigkeit die ganze Schweißtechnik auch außerhalb des rein Wirtschaftlichen besitzt, hat der Entwurf des neuen Panzerschiffes A gezeigt. Durch raffinierte Ausnutzung aller Möglichkeiten gelang es den deutschen Konstrukteuren, dem 10000-Tonnen-Schiff eine derartige Vervollkommnung zu geben, seine Geschwindigkeit, Panzerung und Bewaffnung derartig zu steigern, wie es bisher noch nie bei einem Schiffe dieser Größe gelungen war. Ein wichtiger Vorteil hierbei ist der vollständige Ersatz des früher üblichen Nietens der Schiffsplatten durch Schweißen. Die den Schiffskörper verbindenden Bleche wurden untereinander und mit den Rippen des Schiffes, den Spanten, durch unzählige Nieten verbunden. Das hatte zweierlei Nachteile. Erstens machten die auf beiden Seiten überstehenden Nietköpfe, obgleich jeder einzelne nur ein geringfügiges Gewicht besitzt, ein recht ansehnliches Gesamtgewicht aus. Zweitens wird durch die einzustanzenden Nietlöcher das Blech geschwächt. Es hat nicht mehr seine vollständige Festigkeit. Um daher den auftretenden mechanischen Beanspruchungen gewachsen zu sein, muß man das Blech stärker wählen, als an und für sich notwendig wäre. Das bringt einen weiteren unerwünschten Gewichtszuwachs. Wenn nun die Bleche miteinander lücht mehr vernietet, sondern verschweißt werden, fällt erstens einmal das Gewicht der Nietköpfe weg, und zweitens ist eine gute Schweißnaht fast ebenso fest wie das volle Blech, man kann dieses also in der Stärke wählen, wie es ohne Rücksicht auf diese Verbindung notwendig gewesen wäre. Diese doppelte Gewichtsersparnis soll bei dem Panzerschiff A gegen 1OOO Tonnen, d. h. eine Million Kilogramm, betragen.
Damit ist nun freilich noch nichts über die Gefahrenmöglichkeiten, die bei dem Gebrauche des Schweißbrenners entstehen, gesagt, wohlgemerkt nur bei diesem, denn das elektrische Schweißen ist ganz und gar gefahrlos. Diese Gefahren sind zweierlei Art. Erstens kann die Stahlstiche, in der die Gase aufbewahrt werden, durch den hohen inneren Druck zer'prengt werden. Diese Gefahr ist verhältnismäßig leicht zu bannen; genügende Stärke der Flaschen, gutes Material und Vermeidung jeder Schwächung, z. B. durch das Einschlagen von Bezeichnungen, wie sie früher üblich waren, schützt vollständig dagegen. Daneben sind aber noch Möglichkeiten chemischer Explosionen gegeben. Azetylen z. B. neigt zum Zerfalle und ist dann sehr explosiv. Man schützt sich dagegen, indem man die Flasche mit einem porösen Stoffe, der mit einer azetylenaufsaugenden Flüssigkeit getränkt ist, anfüllt, so daß das Azetylen sehr zäh festgchalten wird und seine Neigung zum Zerfalle verliert. Zugelassen sind zu solcher Füllung nur solche Stoffe, die von der Chemisch-Technischen Reichsanstalt untersucht und dafür geeignet befunden worden sind. Endlich können Sauerstoff-Flaschen zerknallen, wenn irgendwie Oel hineingekommen ist; hiergegen sind daher sorgfältige Maßnahmen zu treffen.
Daß trotz alledem noch Explosionen vorkommen, beweisen Vorfälle, wie die vor einiger Zeit gemeldete Katastrophe in Borsigwalde. Immerhin darf man daraus keine allzuweit gehenden Schlüsse ziehen, denn es werden tagtäglich in Deutschland und zahlreichen anderen Ländern unzählige Schweißstellen mit Sauerstoff-Azetylen hergestellt, und die Zahl der Unglücksfälle ist doch im Verhältnis dazu nur gering. Und auch von diesen sind die meisten nur auf Unvorsichtigkeit und Außerachtlassen der bestehenden Vorschriften zurückzuführen. Trotzdem wird man an ein Verfahren, das solche Gefahrenmöglichkeiten birgt, nur dann Herangehen, wenn es unbedingt notwendig ist. Da, wo die Möglichkeit besteht, sollte unter allen Umständen die billige und völlig gefahrlose Schweißung angewandt werden. Bei der guten Stromversorgung von ganz Deutschland wird es wohl selten vorkommen — z. B. bei Arbeiten in freiem Felde, etwa bei der Verlegung einer Ferngasleitung — daß dies nicht möglich wäre. Die noch bestehenden Gefahren des Azetylenschweißens aus der Welt zu schaffen ist aber eine vordringliche Aufgabe der technischen Wissenschaft. Wenn, wie es der Fall Borsigwalde zu zeigen scheint, noch Gefahren bestehen, die man bisher nicht kannte, dürfen keine Mitte! gescheut werden, sie zu erforschen und zu beseitigen. Unvorsichtigkeit aus der Welt zu schaffen, ist freilich, wie alle Erfahrung zeigt, ein aussichtsloses Unternehmen. Aber durch immer wiederholte Belehrung derjenigen, die mit den gefährlichen Gasflaschen zu tun haben, wird sich auch hier vielerlei tun lassen. Dann wird hoffentlich die Zahl der Unfälle noch viel geringer werden, als sie heute schon ist, so daß sich die technisch-wirtschaftlichen Vorzüge des Verfahrens voll auswirken können.
Sidonie Beeskow.
Novelle von E. A. G r e e v e n.
Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 62.
lForyegung.j
„Du bist ein großer, großer Narr, Thomas Wiehl ... bin ich nicht bei dir?"
„Heute bist du bei mir!"
„Heute ist immer und nie mehr ..." Hanna wiegt den Kopf, und alles ist unsicher und tief verworren wie zuvor.
Draußen, weit draußen zieht ein Segel schleichend langsam durch die Mittagsstaute, ein greller, weißer Brand in der Sonne. Wir neigen uns zueinander wie zwei Stämme, die aus gleichem Erdreich ihre Kraft ziehen. Da legte Hanna schmeichlerisch den Arm um meinen Hals, und ihr Haar ruht an meiner Schläfe:
„Gib mir dein Amulett, das du immer bei dir trägst ... laß es mich sehen!"
Es ist eine winzige, silberne Münze, auf der fast nichts mehr zu erkennen ist, ein Matapan des Dogen von Venedig. Ich trage sie seit langen Jahren mit mir herum und zögere — versteht ihr wohl, ich zögere, denn es täte mir leid, die Münze sortzugeben. Obwohl es doch Hanna ist, die mich bittet!
Eine Weile dreht Hanna das Amulett in ihren Händen und betrachtet die verwischten Zeichen mit komisch ernster und gefurchter Miene, dann beugt sie sich blitzschnell nieder — o wie schön ist der Bogen ihres Rückens! — und küßt es zweimal brünstig wie zum Segen.
„Nun ist es für immer von mir geweiht ..." und reicht es mir hin mit einem tränennahen, zuckenden Lächeln.
Du Geschöpf der Erde, du elfenbeinerne Gottheit, hold und betrügerisch: sei bedankt für deine Gnade und diese Stunde und alles was die Tage bringen! Nichts ist böse, nichts ist gut — ich durfte noch einmal Thomas Wiehl und jung fein! Laß die Menschen sich verhärten mit Worten und Gesetzen: das Leben weih nichts von ihnen, denn das Leben ist ewig ungewiß und gesetzlos!
Kennt man Frau Bergs Gartenfeste? Sie haben eine gewisse Berühmtheit erlangt, und wenn wir Alten hören, daß ein Gartenfest in Aussicht steht, so wissen wir schon, was die Glocke geschlagen hat, und nicken uns zu wie Verschworene. Denn es ist stets dieselbe, kleine Komödie: eines Tages erklärt Mutter Berg, daß sie sich ungeachtet der schweren Zeiten entschlossen habe, ihren Gästen ein Gartenfest zu geben mit Feuerwerk, Illumination und Bowle, weil sie es liebe, fröhliche Menschen um sich zu sehen, und weil es in ihren Prospekten mit fetter Schrift gedruckt steht.
Schon flattert die berühmte Kunstmalerin, Fräulein von Gillseldt, geheimnisvoll von Tisch zu Tisch, beugt sich von einer Schulter zur andern und schlägt mit wichtig gedämpfter Stimme vor, ein Komitee zu bilden, um der herzensguten Mutter Berg einen kleinen Teil der Lasten abzunehmen.
Herr Zollinger erklärt sich bereit, die ganze Bowle zu stiften, und von Florian erwartet man, daß er das Feuerwerk herbeizaubere; der Zollinspektor, der kein Wort redet, übernimmt den Schinken und die Zungenwurst für das kalte Büfett, und auf mich entfallen — es ist jedes Jahr das Gleiche — der Geiger Oehry und der Cellospieler Jaßmonn. Sie sind erprobte Kämpen und bilden mit Frau Bergs intimster Freundin, dem klavierbegabten Fräulein Tudichum, ein taktfestes Trio, das man weit und breit kennt.
An Onkel Josua traut sich die närrische Gillseldt nicht heran, weil er ihr unheimlich ist mit seinen Horoskopen und bei ihr im Verdacht steht, Än Jude zu sein, wozu nur Herr Lewinski, ihr Verleger, ein Recht zu haben scheint. Aber es ist auch nicht notwendig, Onkel Josua zu fragen, denn er bringt unaufgefordert einen Korb Obst aus seinem Garten, und so bleiben für Frau Berg nur die vierundzwanzig Lampions übrig, die sie von ihrem Vorgänger übernommen hat. Dafür lassen wir sie hochleben, und sie legt aus Herrn Zollingers Bowle ein feierliches Gelöbnis ab, daß ihre lieben, lieben Gäste heute und immerdar ihrem Herzen die nächsten fein sollen!
Nichts für ungut — wir verstehen uns aufs Festefeiern und, damit die Rührung nicht überhand nehme, intoniert Fräulein Thudichum mit frohem Kopfnicken einen kriegerischen Marsch, in den Oehry und Jaß- mann begeistert einfallen ...
Aber so weit ist es diesmal noch nicht, nur die Schöpferin malerischer Ansichten stottert schon umher und sammelt die Umlage ein, wie Florian es nennt. Es dauert noch ein paar Tage, und vorher ist von dem merkwürdigen Besuch zu reden, den Sidonie Beeskow eines Mittags empfing und der mehr als eine Stunde auf ihrem Zimmer verweilte!
Sagte ich nicht, es fei ein merkwürdiger Besuch gewesen, der Sidonie Beeskow heimsuchte? — Je nun, gar so merkwürdig war er nicht, im Gegenteil, es war ein hagerer Mensch von vielleicht fünfunddreißig Jahren, ein wenig jünger als Sidonie, in der gleichgültigen Eleganz aller großen Städte gekleidet. Mit einem Stöckchen in der Hand, das frech durch die Luft wippte, und schamlos falschen Augen. Fräulein von Gill- feldt traf ganz das Richtige als sie flüsternd kundgab, es sei ein jüngerer Herr aus den Kreisen der Gesellschaft gewesen.
Ich saß in meinem Zimmer und las. Um die Wahrheit zu sagen, ich träumte über mein Buch hinweg und dachte an Percy, meinen Sohn, weil ich einen Brief bekommen habe, der mir seine baldige Ankunft meldet. Percy besucht mich zweimal im Jahr — das ist so ausgemacht mit feiner Mutter — und das sind immer gute Tage für uns, weil wir uns ohne viel Worte verstehen und gleichen Blutes miteinander wandern und lachen.
Ich bin so sehr die Stille meiner vier Wände gewöhnt, daß ich erschrak, als ich plötzlich durch die Wand hindurch aus Fräulein SBeestoros Zimmer Stimmen vernahm. Und die Schritte eines Menschen, der heftig


