Ausgabe 
4.11.1929
 
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Nixe sich anhängen, legte den Pfeil in den Bogen, fetzte sich hinein, spannte die Sehne mit der großen Zehe und griff rechts nach den Söhnen und links nach den Töchtern. Und dann schoß er ab. Was glaubt ihr? Mit einem Ruck flogen sie alle gleich wie ein rechter Gänsezug hoch in den Himmel hinauf, gerade noch, ehe die Hexe ihrer richtig gewahr geworden war. Und so gut hat der Mann die Richtung im Kopf gehabt, er siel mit den sieben Kindlein an der Hand, und der Nixe und dem Kater dazu, geradeswegs vor seinem Hof wieder zu Boden.

Und es ist allen gut bekommen. Und Kater und Nixe sind zum Dank bei ihnen geblieben. Und den Pfeil hatten sie ja auch noch in ihter Gewalt, damit haben sie alles herbeizuholen gewußt, was sie nur brauchten, und sie haben, Mann und sieben Kinderchen, von da ab ein vergnügtes Leben geführt. Keinen Winter hat der Bauer die Kleinen mehr sortzugeben brauchen.

Oie Dame im Pelz.

Ein jahrhundertealtes Malermotiv.

Bon Wilhelm Boeck.

Bei allem Respekt vor dem paradiesischen Feigenblatt darf man getrost das Tierfell für die erste Form der menschlichen Bekleidung, die Kürschnerei somit für das älteste menschliche Handwerk halten. Niemals seit diesen Ur­anfängen der Kultur ist das Pelzwerk aus den Beständen der Mode gestrichen worden, aber seine Verwendung und Bliebtheit war vielfachen Schwan­kungen unterworfen. Zur vollen Aneignung seines stofflichen Reichtums gehört eine starke Materialfreudigkeit, ein Fingerspitzengefühl, das eben nicht jede Menschheitsperiode in gleichem Maße besitzt.

Verschiedene Zeiten haben auch ganz widersprechend von der Eignung des Pelzes zur Zierde der Daine oder des Herrn gedacht. So wies das Mittel- alter diesen Schmuck dem männlichen Kleidungsstück zu, was bei der herben Naturnähe des Stoffes immerhin etwas für sich hat. Eigentlich nur den zarten Hermelin, und auch dann als zurückhaltende Verbrämung, Fütterung oder allenfalls die Körperformen gedämpft nachempfindende Weste, gesteht die Gotik mit ihrem Feingefühl für das unbedingt Weibliche der Frau zu. Das Erwachen der Sinne in der Renaissance schasst ein ganz neues Verhält­nis zu diesem Material, das eine den Tastsinn reizende Kraft besitzt, wie kaum ein anderes.

Venedig griff in seiner Begeisterung für stoffliche Schönheit jauchzend nach dem herrlichen Tribut der Tierwelt und legte ihn um die weichen Schultern seiner goldblonden Frauen. In der ersten Hälfte des 16. Jahr­hunderts, also die Zeit der eigentlichen Hochrenaissance, fällt der Geburtstag der Dame im Pelz. Hier wurde zum ersten Male der starke Reiz bemerkt, der durch den Kontrast der schimmernden Haut des schönen Frauenkörpers und die nicht in armselige Worte zu fassende Pracht des Pelzes erzeugt wird. Der an Macht des sinnlichen Eindruckes unerreichte Tizian streift seinem un­schuldig schönen Modell das reiche Ilebergewand von der rechten Schulter, und erscheint auch der Pelz in handwerklicher Verarbeitung noch nicht rein, so ist er doch überall an den Grenzen gegen den blutigen Teint hervorgekehrt und von herrlicher Wirkung.

Der Venezianer Sebastiano del Piombo trägt das Neuartige des Pelzes nach Rom und stimmt einen brausenden Akkord von abendlicher Landschaft, Früchteduft, sraulicher Neppigkeit und wogendem Wolfspelz an. Mit einer ausgesprochenen Modebewegung greift die rechte Hand der jungen Römerin nach der Brust und kostet mit den vornehm gespreizten, schlanken Fingern den merkwürdigen Reiz der langen grauen Haare aus.

Ein geradezu enthusiastischer Verkünder der Pelzherrlichkeit lebte zur Zeit dieser Italiener in Köln am Rhein, ein letzter, glanzvoller Abkömmling der fruchtbaren Kölner Schule, Bartholomäus Bruyn. Mit einer für nordisches Schamgefühl erstaunlichen Verwegenheit läßt sich eine von ihm dargestellte, gewiß sehr vornehme Dame dem Pelzefsekt zuliebe porträtieren. Wie Tizians Schöne nimmt auch sie zur Steigerung noch den kalten Metall­glanz des Schmuckes zu Hilfe. Und doch fügt ihr schwerfälliges Temperament sich nicht ganz in ihre Rolle wie Tizians Mädchen, das in lieblicher Selbst­verständlichkeit wie eine Frühlingsblume dem lockeren Erdreich der weichen Fülle ihres Pelzwerkes entsprießt.

Peter Paul Rubens sah wahrscheinlich, als er sich 1630 in diplomatischer Sendung am englischen Hofe besand, das kurz vorher vom König von Eng­land angekaufte Tizianische Bild. Und als er nach seiner Rückkehr in die Hei­matstadt Antwerpen, 53 jährig, die um ihre Schönheit vielgepriesene, damals siebzehnjährige Helene Fourment in zweiter Ehe heiratete, da mag es ihm eine besondere Freude gewesen sein, auch sie in solch reizvoller Bekleidung festzuhakten. Aber auch, wenn die Anregung von Tizian stammen sollte, so hat Rubens die Aufgabe doch überraschend neu gelöst. Hier streichelt der Mantel herabgleitend die lebenswarme Haut, berührt sie vielfacher, ganz leicht. Helene Fourment empfindet in noch höherem Grade das prickelnde Fluidum.

Zur Entschuldigung der den Kunstfreunden offenbar etwas peinlichen Kostümierung hat man dieses Bild der Künstlergattin mitunterHelene Fourment auf dem Wege zum Bade" genannt. Rubens selbst, dem das Stück eine Art Heilgtum seiner Liebe gewesen sein muß, nennt es bezeichnender­weiseDas Pelzchen", und zwar in seinem Testament, wo er seiner beson­ders gedenkt und es ganz ausdrücklich zum unbeschränkten Eigentum seiner Gattin bestimmt.

In der galanten Zeit wird das echte Materialgefühlt zu Tode morsch, fällt dem dekorativen Ueberschwang zum Opfer. Das urhafte Anschmiegen an das Fell weicht einer allerdings wahre Wunder vollbringenden Ver­brämekunst. So steht auch das vornehm schmeichelnde Porträt, das Jean Marc Mattier, der elegante Hofmaler des noch eleganteren Ludwigs XV., von der sechsundzwanzigjährigen Prinzessin Adelaide anfertigte, stark unter dem Eindruck des freigebig verfchwendeten Pelzbesatzes.

Als dann Ende des 18. Jahrhunderts eine Auferstehung des zu dienender Stellung herabgewürdigten Pelzes kam, da geschah es in einer vollkommen neuen Form. Des dankbaren Materials bemächtigte sich ein Kleidungsstück, das sich bisher mit dürftigeren Mitteln beholfen hatte: der Muff.

Als felbständiger Tell des Kostüms trat der Muff in dem von jeher empfindlichen Frankreich unter Katharina von Medici zum Wärmen der

Hände aus, dessen gründliche Besorgung man durch niedliche King-Charles- Hündchen, als lebende Wärmflaschen mitgetragen, erreichte. Sobald der Muff um die Mitte des 18. Jahrhunderts nach dem Pelze griff, nahm die Entwicklung des von Damen und Herren mit gleicher Begeisterung getrage­nen Stückes einen ungeheuren Aufschwung. Er wurde viel größer, weiter, üppiger, schmelzender. Die Damen trugen ihn zur großen Gala, die Herren am Spieltisch des Königs.

Mil erstaunlichem Feingefühl bringt Elisabeth Vigee-Lebrun, eine der weiblichsten Künstlerinnen aller Zeiten, die Intimität des mächtigen Muffgebildes zur Geltung. Man spürt geradezu, wie die unsichtbaren, sicher sehr gepflegten Händchen sich in der Tiefe des Muffes ergehen, wie ihr Ver­gnügen die Stimmung der anmutigen Dargestellten sichtlich hebt. Als die Vertreterin jener sorglos leichtfertigen, vergnügungssüchtigen, in ihr Ver­derben tänzelnden Welt um Marie Antoinette erscheint uns die fröhliche Madame Mole-Raymonb, die Adoptivtochter des als erster Liebhaber an der Comedie Franyaise vergötterten Franyois Mols, dessen Beliebtheit so weit ging, daß er selbst die Stürme der 1789 hereinbrechenden Revolution überdauerte.

Eineinhalb Jahrhunderte war seitdem der Muff en vogue, wärmte die Hände, erfreute die Herzen und war das liebenswürdige Behältnis von Spitzentüchlein, Hustenbonbons und Billetdoux, bis dieneue Sachlichkeit" feine ausschweifende Pracht erstickte, bis man ihn still begrub.

Der Weg des Pelzes durch das 19. Jahrhundert ist ein ununterbrochener Siegeslauf. Denn kannte das Jahrhundert auch keine Anpassung des Stiles an das Material, seinen Wert wußte es doch zu schätzen; und auf diesem Verständnis des 19. Jahrhunderts für Materialwert, zu dem unsere Tage die Materialgerechtigkeit gebracht haben, beruht die gesamte Gegenwarts­kultur.

So haben wir auch heute Gott sei Dank so ziemlich mit den glas- äugigen Hängeköpfen, einer bezeichnenden Leidenschaft des letzten Jahr­hunderts, aufgeräumt, die Anders Zorn so köstlich in seinerMaja" ver­arbeitet hat. Ein nordisck>er Wind pfeift durch die lichtvoll harten Kontraste; nur ein klein wenig Paris hat der Schwede in die hehre Keuschheit gemischt. Die wuchernde Lebendigkeit dieser Pelzleiber ist eine Meisterleistung, wie sie dem Nordländer, der die Wohltat warmer Umhüllung besonders park schätzt, Vorbehalten war.

Neun Jahre später als ZornsMaja" ging das Pastellgedicht vom weißen Fuchs unter Hugo von Habermanns geschmacksicherer Hand hervor. Zweifellos steht das ältere Gemälde unseremmodernen" Verständnis näher als das heute überlebt anmutenbe Bildnis eines der hervorragendsten Frauenmaler. Aber an Beseelung ist die schlanke Schönheit mit dem etwas wehmütig enttäuschten Blick, aus dem so etwas wie Saisonüberdruß spricht, ihrer schwedischen Schwester weit überlegen.

Die letzte Vergangenheit hat den Mantel, Jacke unb Cape der Pelz­konfektion der Dame einen Höhepunkt gebracht, wie sie ihn kaum je zuvor erlebt hat. Daß man es auch heute versteht, mit Pelz zu kokettieren, braucht nicht gesagt zu werden.

Moderne Schweißtechnik.

Von Dipl.-Jng. Dr. Arthur Hamm.

Die Technik des Schweißens hat in neuerer Zeit einen großen Auf­schwung genommen, vielfach werden Verbindungen durch Schweißen ausgeführt, die früher in anderer Weife hergestellt wurden. Ist das notwen­dig, ist den möglichen Gefahren in genügender Weise Rechnung getragen? Dies zu erläutern seien im folgenden einige Mitteilungen über diese Technik gemacht.

Unter Schweißen versteht der Ingenieur eine Technik, bei der zwei Metalle es braucht nicht notwendig Eisen oder Stahl zu sein gewisser­maßen miteinander verschmolzen werden. Die Stelle, an der die Verbindung zustande kommen soll, wird brs zur Weißglut erhitzt und kommt so in einen halbflüssigen Zustand. Nähert man zwei Metallkörper in diesem Zustande einander, so sind sie imstande, eine Verbindung einzugehen. Früher kam das Schweißen fast nur in der Eisenschmiedetechnik vor. Meistens waren es Stäbe, die miteinander verschweißt wurden. Wichtig ist hierbei eine abso­lute Sauberkeit der Verbindungsstellen, da Oxydschichten eine saubere und haltbare Schweißung verhindern. Es war die Kunst des Schmiedes, das Eisen so in die Glut zu packen, daß der Luftsauerstoff nicht herankonnte und es in Weißglut geriet, ohne anzubrennen. So wurde die Schweiß­technik jahrhundertelang ausgeübt.

Neuerdings kamen aber andere Verfahren auf. Mit dem Sauerstoff- Azetylenbrenner zog eine neue Technik in die Schweißerei ein, die sie nicht nur umkrempelte, sondern weite Anwendungsgebiete für Schweißverfahren schuf, wo Schweißen bisher gar nicht in Frage kam. Daneben ging noch eine andere Entwicklung, die namentlich in Deutschland sehr gepflegt wurde und für die deutsche Industrie zu großen Erfolgen geführt hat; das war die elek­trische Schweißung. Der Sauerstosf-Azetylenbrenner wird gegen die zu schweißende Fläche gerichtet, er versetzt sie in Weißglut und reinigt sie zugleich von oxydierten Zusätzen, so daß die Stelle sich ohne Schwierigkeiten schweißen läßt. Er ist unter allen möglichen Verhältnissen anwendbar, freilich weniger bei ganz dicken Stücken, die er nicht genügend in Glut zu setzen vermag. Dasür kostet er außerordentlich wenig in der Anschaffung und ist somit auch für den kleinen Gewerbetreibenden zugänglich. Tatsächlich findet man ihn heute schon oft bei kleinen Schmieden, und es muß wohl ein sehr altes, rückständiger Schmiedemeister fein, der ihn noch für eine Erfindung des Teufels hält. Aber auch int großen, bei der Fabrikation aller möglichen Blechwaren, läßt er sich vorzüglich anwenden. Welchen Fortschritt er be­deutet, geht am besten aus einer Betrachtung der Röhrenfabrikation hervor. Welch ein umständliches Verfahren war das früher, wenn man eine Röhre von weitem Durchmesser, aber geringer Wandstärke brauchte! Solche Röhren konnte man nicht gießen, man konnte sie auch nicht nach dem Mannesmann-Verfahren walzen wie die zahlreichen Gas- und Wasserröhren von kleinerem Durchmesser. Man mußte sie aus Blech biegen und zusammen- nieten, bei einer Rohrleitung von einigen Dutzend Kilometern Länge keine

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