wir eine Pferdelänge vor den Wilddieben. Mr wollen gerade links um- biegen, um mit unseren, ©«fährt vor die Köpke der anderen Pferde zu kommen, da reifet auch der Wilddieb seine Pferde noch links herum. Aber hoppla, er hat die Tiefe des Grabens unterschätzt, der Wagen kippt um, und vor ihm stehen die dampfenden Pferd« still. Gleichzeitig ist der Kerl mit dem geschwärzten Gesicht wie ein Wiesel von dem Wagen herunter und läuft mit Riesenschritten querseldein, dem nahen Walde zu. Schon bin ich hinterher, merke aber sehr bald, dafe der Wilddieb besser bei Fuß ist als ich. Aus meinen Anruf steht er nicht, wohl aber, als ihm meine Schrotladung um die Beine fegt. Er schreit aus und fällt um, als wenn er schwer getroffen wäre. Aber auf den Leim gehen wir nicht. Rasch bin ich bei dem Helden, und es bedarf wenig Zuredens — er ist nicht einmal angekratzt — dann geht er vor mir her nach unserem Wagen. Dort hat der Oberförster unter dem Stroh des Wagens versteckt eine alte Lefaucheux-Fkinte gefunden und bereits festgestellt, dafe daraus erst vor kurzem geschossen worden ist. Der Wagen ist wieder aufgerichtet, und die Pferde stehen bereits mit den Nasen nach der Grenze zu. Jetzt legen sich die feigen Wilddieb« aufs Bitten, wir möchten sie doch laufen (offen, sie hätten Frauen und kleine Kinder zu Hanse, die müfeten verhungern, wenn wir Anzeige erstatten würden. Aber für einen Wilddieb, der das hungernde Wild von der Fütterung wegfchießt, kennt der Weidmann kein Mitleid. Bor uns, auf ihrem Wagen sitzend, fahren die beiden Wilddiebe Im Schritt zunächst nach dem weggeworfenen Sack. Sehr bald EInden wir diesen und darin ein mit gehacktem Blei durch den Hals ge- chossenes Reh. Den Sack nehmen wir ebenso wie die Flinte der Wild- nebe, auf unseren Wogen und fahren nun nach der nahegelegenen Grenzstation. Dort liefern wir das Gesindel mit ihrem Wagen an den mir bekannten Kosaken-Podporudcznik (Unterleutnant) ab. Schnell ist dieses Geschäft erledigt, aber wir müssen noch einen „Starka" mit dem Kosakenleutnant trinken. Dann läfet er uns die „Rogattka", (Grenzbarriere) öffnen und verabschiedet sich mit „dobra noc pannomie"!
Fernsehen im Jahre 1933.
Eine Phantasie von Frank Warschauer.
Hier in diese blaue Kabine, bitte links. Da drüben auf der anderen Seite wird das Diapositiv in eine Lichtquelle gehalten und bewegt. Ach so, Sie wissen Bescheid.
Dieses flimmernde Etwas dort auf der raeifeen Scheibe kann Ihnen nicht imponieren? Das sieht aus wie ein sehr schlechter Film? Da haben Sie recht. Das sind noch Borversuche hier. Immerhin, bewegte Bilder werden mit größter Geschwindigkeit in Punkte aufgeteilt, in elektrifche Werte verwandelt, wieder zusammengefetzt.
Sie können sich das ooifteUen? Um so besser. Ja, stimmt, In einiger Zeit, es wird nicht mehr lange dauern, werden Sie sehen können, was im Aufnahmeraum vor sich geht. Sie werden auch Filme an der weifeen Scheibe Ihres Empfangsapparates abrollen sehen. Das wollen Sie gar nicht? Wenn «s fein mutz, können Sie zu diesem Zweck auch ins Kino gehen? Richtig. Aber es bleibt Ihnen ja doch die glückliche Möglichkeit, Ihren Apparat abzuschalten. Sie sagen ja immer, dafe dies einer der gröfeten Borzüqe des Rundfunks ist. Ein Druck auf den Knopf, und die Sach« ist tot.
Fernsehen — hier auf dieser weifeen Scheibe in dem blauen Pavillon Simmert di« Zukunft. Noch undeutlich; Sie brauchen nur etwas schärfer inzufehen, dann erkennen Sie auch Details. Nämlich deffen, was aus der Sach« in spätestens fünf Jahren geworden ist. Ueberfchätzung der Technik? Danke bestens. Ader wir wollen hier ja gar nicht philosophieren. Bon dem komplizierten Jonglieren mit Wertsetzungen wollen wir doch lieber absehen. Ob der technische Fortschritt — schon das Wort ärgert Sie, bringt Sie zur Raserei, aber da läfet sich nichts machen — ob der technische Fortschritt auch ein kultureller sei? Danke bestens, das lieber ein andermal. — Wir wollen bei der ganz einfach realpolitischen Betrachtung bleiben. Diese flimmernbe Scheibe hier ist nämlich eine Kraft der Umwandlung. Die Veränderungen, die von hier aus bewirkt werden, gehen mit naturgesetzlicher Notwendigkeit vor sich. Wir wollen einmal versuchen, sie zu erkennen. Bevor wir werten, müssen wir doch erst einigermaßen wissen, was überhaupt vor sich geht.
Nein, es kann Ihnen nicht gleichgültig sein. Uebrigens kommt es daraus gar nicht an. Sie werden doch von der Entwicklung erfaßt, Sie und alle Menschen um sie herum.
Was Sie also auf der Mattscheibe Ihres Empfangsapparates sehen werden? Das ist Ihnen vor allem wichtig, die Tatsache des technischen Könnens allein läßt Sie kalt? BerstSndlich. Sprechen wir also von den kühnsten dieser Möglichkeiten.
Es steht irgendwo das elektrische Fernauge. Was sich in dem fpiegelt, können Sie ebenfalls sehen. Daneben das elektrifche Fernrohr, was in dieses als Klang hineindringt, können Sie ebenfalls hören. Man kann die Apparate natürlich an den verschiedensten Stellen placieren, wie jetzt schon bas Mikrophon in Theatern, Oper, Konzertsaal, Bortragsraum und so weiter. Aber sie brauchen überhaupt nicht an irgendeiner Stelle festzustehen; sie können auch bewegt werden. Erinnern Sie sich noch der Versuche, bei der letzten Funkausstellung, aus einem Flugzeug Sprache und Musik auf die Erde zu übertragen und der umgekehrten Verbindung? Nun, denken Sie sich etwas Aehnliches mit dem elektrischen Fernauge. Der Sender wird sich bewegen können, auf einem Flugzeug ober auf einem Automobil oder einem Dampfer, wo Sie wollen.
Stellen Sie sich nun vor, daß fo ein Apparat gefahren ober hermn- geflogen wird? Hier in der Nähe, auf der Havel. Ober etwas weiter, an der Isar. Ober sonstwo, an einem beliebigen Orte der Erde ober der Lust oder unter der Erde, auch unter Wasser, den Menschen erreichen können. _
Ja, eine Wand wird vor Ihnen einstürzen. Sie werden wie aus der Eingeschlossenheit eines Kerkers herauskornmen. Denn mit diesem beweglichen Auge können Sie nun tatsächlich die ganze Welt sehen. Ich glaube, bas Tollste wird sein, daß man von feinem Zimmer aus Reisen in die fernsten Länder macht.
Ja, die Erde wird bekannt werden. Und zwar allen. Der Blick wirk» die Landschaften und Vorgänge auf ihr umfassen. Sie wird nicht mehr fremd fein, unzugänglich. Indem der menschliche Blick sie umspannt, Ichrumpft sie, wirb sie kleiner, undebrohlicher. Völlige Aenderung der kosmischen Stellung des Menschen, da haben Sie recht.
Ungeheures Einströmen von Wirklichkeiten in bas menschliche Bewußtsein. Hat schon begonnen? Natürlich. Was wir Kunst nennen, wird es Demgegenüber sehr schwer haben, wahrscheinlich im Grundwesen Veränderungen unterliegen.
Ich habe von diesen Mögllchkeiten zuerst gesprochen, sie sind natürlich noch belangvoller, als die anderen, daß jeder sein Theater, seine Oper, [ein Kino, feine Universität für fast gar kein Geld bei sich zu Hause haben wird. Aber sehen wir uns doch diesen Zweig der Entwicklung einmal etwas genauer an.
Man sieht, was in den Senderäumen vor sich geht, hort es gleichzeitig. Denken Sie nun einmal an das Gebiet des Theaters. Aus dem Hörspiel, um das man sich jetzt mit ziemlich geringem Erfolge bemüht, wird wieder ein Hör-Schauspiel. Das arme, eben geborene Kind: Hörspiel, bas bestimmt aus feinen Mangeln soviel profdteren könnte, wird bann möglicherweise eingehen? Vielleicht. Bedauerlich. Nicht zu ändern.
Aber denken Sie sich nun, dafe zum ersten Ma!« für das Theater das wirkliche Theater, ein grenzenloser Raum geschaffen ist. Jede Beschränkung der Zuschauermenge fällt weg. Es ist plötzlich da. erst einmal praktisch, sehr wahrscheinlich vor der dazugehörigen Kunst, bas Theater für alle, bas Nationaltheater, ja, das Welttheeiter. Was sind feine Stoffe, welches seine Schauspieler, seine Dichter?
Natürlich: Was das Theater Im Laufe der Geschichte mehrmals versucht hat, Gültigkeit für jedermann, in Griechenland, im Mittelalter zur Zeit des Mysterienspiels, wird hier in noch viel umfassenderem Maße Wirklichkeit. Auf dieser Bühne werden übrigens bisher ungekannte Wir- fangen möglich sein: zum Beispiel solche, die daraus entstehen, dafe man bei aller Entferntheck, optisch und akustisch den Spielern doch ganz nahe sein kann, ihr Flüstern wird hören können und Einzelheiten ihrer Ge- sichtszüge, ihrer Körperbewegungen sehen ... Ganz neue Gattungen des Theaterstücks werden dort entstehen, vielleicht Kammerspiele subtilster Art, dennoch für Hunderttausende. Das wirb nie gehen? Kann man nicht wissen. „
Das schon setzt viel umstrittene Rundfunktheater wird nun, nach der Erfindung des Fernsehens, bestimmt entstehen, als Zentrol- bühne eines ganzen Landes. Bedenken Sie nun, welche Organisationen sich dabei entwickeln müssen, Diefes Theater wird nämlich sinanziell vollständig durch die Beiträge der Zuschauer, und allein durch sie, ge- sichert sein. Wie die Dinge sich in den meisten Staaten Europas entwickeln, wirb ja im Rundfunk die größte und mächtigste Besucher- Organisation geschaffen. Die Teilnehmer haben gar keine Wahl, einer anderen Organisation beizutreten. Die Beträge, die babei durch die Riesenzahl der festen Abonnenten zusammenkommen, sind schon letzt sehr hoch und werden natürlich noch viel höher [ein. Wie der Rundfunk schon jetzt fo wird dieses Theater bet seinen Einzelaufführungen unabhängig vorn Geschmack des Publikums fein, in der Gestaltung feines gesamten Spielplons freier, als jemals irgendein anderes Theater.
Glückliche Theaterdirektoren jenes künftigen Rundfunks, besten Zu- toauer nur zahlen, aber sonst den Mund halten müssen; nicht einmal ihr Abonnement abbestellen können, wenn sie nicht auf bi« tfutte des Rundfunks und der Rundschau überhaupt verzichten wollen ...
Sie haben ganz recht Es ist natürlich auch eine Entwicklung denkbar, bie bei einer, wenn auch beschränkt freien Konkurrenz den Teilnehmern größere Rechte gibt. Wahrscheinlich erscheint sie mir nicht. Ich male hier nur aus, wie sich die Dinge im Sinn des fetzigen Zustandes weiter ge- ^at9enero3entraYtI)eater des Rundfunks werden auch Zentralopern und Zentralkinos sein. Man denke sich die historische Kuriosität einer Oper, die keine Zuschüße braucht, sondern sogar noch Em- nahmen ^n. gn Rundfunkorganisationen wird sich die größte Macht fOn@runär$um Nachdenken? Ja, gewiß. Sie find etwas ernst geworden, sogar sehr ernst. Das war auch notwendig. ' .
* Merkwürdig, diese wartenden Menschen hier vor dem kleinen Pavillon. Die lange Schlang« derer, die hier anstehen, wie seiner Zeit nach Butter ... Neugierig. Im Grunde — auch ernst. Es liegt in der Lust... Nein, nicht was Idiotisches. Es liegt in der Luft — h'er etwa^ mm, man kann es chwer benennen, jagen wir einmal, man soll sich doch nicht immer vor den großen Worten ängstigen, - Schicksal der Menschheit...
Ihnen ist es ganz flau geworden vor den vielen Möglichkeiten ... Sogar schwindlig? ... Kann ich verstehen. Zum Restaurant geradeaus, dann zweimal rechts.
Ja, um sechs Uhr zehn. Wiedersehen...
Dis S^vsfterglockren.
Don Charles Dickens.
(Fortsetzung.)
In der ersten Ueberraschung wollte er wieder zurückgehen oder doch ein Licht ober einen Begleiter holen; sein Mut kam ihm jedoch bald zu Hilfe, und er beschloß, allein hinaufzusteigen.
Was habe ich zu befürchten?" fragte Troity. „Es ist eine Kirchel Außerdem find vielleicht noch bi« Läuter da und haben oergeffen, die Tur 8U er “ging daher hinein und tastete sich weiter wie ein blinder Mann, denn es war [ehr dunkel — dazu herrschte tiefe Stille, denn die Glocken ließen keinen Laut mehr vernehmen.
Der Straßenstaub war überallhin gedrungen und lag so dicht aufge« häuft, baß ber Fuß wie auf weichen Samt trat. Auch hierin lag etwas Befremdliches. Zugleich befand sich die enge Treppe so nahe an der Tur, daß er auf der ersten Stufe strauchelte. Dadurch stieß er mit dem Fuß


