ickturakab-emie zu Moskau Sen Ton an. Gelegentlich meines Aufent- imltes in Moskau hatte er eine Ausstellung von Arbeiten seiner Schüler orannisiert. Vesnine selbst zeigte mir die Arbeiten von ISO zukunfts- -vo'len Architekten. Mein Eindruck war autzerordentlich; ich habe nie eine entsprechende Kundgebung gesehen, die einen ähnlichen Geistes- fcbtouM fyötte.

Ich sehe imKonstruktivismus" den Träger einer tief poetischen Be- wequng, die selbst der Uebertreibungen fähig ist; ich habe das Gefühl, t.a6 lösten Endes eine dichterische Idee alle diese Russen besessen hat.

Der Volkskommissar Lunatscharsky hat mir erklärt, daß das russische Vaubudget, nächst dem der Vereinigten Staaten, das größte der Welt lei Bei der Größe des Landes ist das leicht zu verstehen. In allen Ver­waltungsstellen sind daher Architektenvom Dienst" im Tagelohn zeit­weilig angestellt, um für die bautechnischen Realisationen der großen Taqesprobleme die nötigen Vorarbeiten zu leisten.

Einer von ihnen bearbeitet zur Zeit die Pläne des großen Dnjpr- Stauwerks (eines Stauwerks, das 200 Millionen russischer Rubel ober ungefähr 415 Millionen Mark kosten wird). Er hat den Auftrag, dem Ensemble der Installationen und Bauten ein harmonisches Gesamtbild zu verleihen; dieses Stauwerk wird das größte der Welt fein; die Turbinen (100 000 Pferdekräste pro Turbine) werden die größten der Welt.

Unter den Architekten, die mit der Durchführung dieser Riesenauf- aaben betraut sind, sind viele noch nicht 30 Jahre alt.

Aus diesen Beispielen läßt sich das Ausmaß des Programms ersehen, das man sich in Moskau gemacht hat. Der Weg zum Ziel ist riesenlang, doch herrscht ein lachender, frischer und optimistischer Wille. In sportlichem Geiste dabei in eiserner Disziplin schreitet man vorwärts. Mit der Zeit, meint man, wird man schon zum Ziel kommen. Ich erinnere an ein Wort, das Albert Thomas, nach seiner Reise durch Rußland und den fernen Orient, bei einem Pariser Vortrag gebraucht hat:Ich habe in Moskau ein neuesVolk" gesunden. Das Gesicht des Volkes ist nicht mehr das von früher."

Der Bau des Zentrofoyus-Palastes wird das größte Denk­mal feiner Art fein, das das heutige Regime zu setzen beabsichtigt; es hat eine große Bewegung in allen Baukreisen hervorgerufen. Zuerst hatte man ein einwandfreies Programm ausgearbeitet. Äan hatte dann einen russischen Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem Leningrad und Moskau glänzende Probenkonstruktivistischer" Blüte lieferten, um endlich zum engeren Wettbewerb einige bekannte Architekten aus Deutschland, Oester­reich, England und Paris heranzuziehen. Nach Bekanntgabe der so ge­wonnenen Anregungen schritt man zu neuer Ausschreibung und beauf­tragte nach endgültiger Analysierung und genauestem Studium der grundlegenden Gesichtspunkte für den Riesenbau, die sranzösischen Bau­meister mit der Herstellung der desinitiven Pläne. Der Schreiber dieser Zeilen, der zwei Jahre Wirtschast um den Völkerbundspalast in Gens mit­erlebt hat, weiß den Unterschied der Methoden an diesen zwei europäi­schen Polen zu würdigen.

Sicherungen im Luftverkehr.

Von Dipl.-Ing. Dr. Arthur Ham m.

Das letzte Jahr hat uns leider eine Zahl von schweren Unglücksfallen im Luftverkehr gebracht, und fast immer, sowohl bei dem Absturz, bei dem der französische Lustverkehrsminister B o k a n o w s k i seinen Tod sand, wie bei dem schweren Unfall in Nordbayern, war es so, daß ein scheinbar völlig ruhig dahinziehendes Flugzeug ganz plötzlich ohne er­kennbare Ursache senkrecht hinunter stürzte, vollkommen in Trümmer ging und Führer nebst Fluggästen dabei den Tod fanden. Auch von früher her sind ähnliche Unfälle noch in trauriger Erinnerung, so z. B. der Tod des Botschafters von Maltzan.

Diese Häufung so schwerer, scheinbar rätselhafter Unfälle führt natur­gemäß auf den Gedanken, daß die Gewalten, die in der Luft wirksam sind, noch gar nicht überwunden seien, daß mit dem Fliegen noch ganz unbekannte Gefahren verbunden find, die erst studiert werden müßten, ehe an eine weitere Entwicklung des Luftverkehrs überhaupt gedacht wer­den kann. Gerade dieser Entwicklung, die doch so wünschenswert ist, tun solche Vorstellungen natürlich schweren Abbruch, und die Statistik, die zeigt, daß die Zahl der Unfälle im Luftverkehr verhältnismäßig gar nicht erheblich größer ist als bei der Eisenbahn, wird nicht viele beruhigen. Taisächlich ist diese Vorstellung ganz unberechtigt, denn alle solche Unfälle lassen sich auf ein und dieselbe Ursache zurückführen, auf das Abreißen der Luftströmung über dem Flügel, die zum Absacken des einen Flügels und damit zum Absturz des Flugzeugs über diesen Flügel führt. Em solches Abreihen zu verhindern, kennen wir aber schon seit reichlich zehn Jahren ein vollkommen sicheres Mittel, das nur leider viel zu wenig an­gewandt wird. Es ist der Svaltflügel, der von dem deutschen Ingenieur Dr. Paul Lachrnann bereits im Jahre 1918 zum Patent angemeldet worden ist. Auch hier gilt bas alte Wort, daß ber Prophet nichts in seinem Vaterlanbe gilt. Während die volle Bedeutung des Spaltflugels im Auslande, namentlich in England, voll anerkannt ist, unb bie be­kannte englische Flugzeugfirma Handly Page sich um seine Weiterent­wicklung bemüht, fehlt es in Deutschlanb an einer burchgehenben An­wendung noch sehr. m .

Der Vorgang beim Fliegen ist ja so, daß durch die Bewegung des Flugzeuges unter der Tragfläche ein Druck entsteht, über ber Tragfläche dagegen ein Unterbaut; die dort befindliche Luft muß abfließen. Solange sie glatt ab fließt, ist alles in Ordnung, und das Fliegen geht ungefährdet vonstatten. Kommt es aber vor, baß dieser Luftstrom auf der Saugfeite abreifjt, fo entstehen Wirbelungen, die den Austrieb des Flugzeuges ver­hindern, es der Herrschaft der Steuerorgane entziehen und den Absturz über ein Flügelende verursachen, ober aber sie versetzen es in eine Trubel- »emegung, aus ber es bei befonberer Geschicklichkeit bes Führers aufge- ridjtet werben kann, wenn es genügend hoch ist. Aus diesem Grunde ist das Tiessliegen, bas scheinbar eine Art Sicherheit gewährt, gerabe ge­fährlich. Ein solches Abreißen bes Luftstromes tritt in 90 von 100 Fallen ein, wenn bie Geschwinbigkeit infolge Ueberziehens des Höhenruders nn

Steigen ober infolge zu flachen Abgleitens beim Landen nachläßk. Dis Geschwindigkeit eines Flugzeuges geht in dem Maße zurück, als der Winkel, den seine Tragflächen mit der Wagerechten bilden, sich vergrößert. Im gleichen Verhältnis wächst auch feine Steigleistung, aber nicht unbe­schränkt. Cs gibt einen Winkel, den fog. kritischen Anstellwinkel, bei dem diese Steigleistung am größten ist, bei dessen Ueberschreitung aber Steuer« losigkeit bes Flugzeuges eintritt. Es kommt sogar vor, baß bie Wirkung bes Querrubers sich umkehrt, so bah ber Führer bei bem Versuche, ben Fehler auszugleichen, ihn noch vergrößert. Cs kann daher gar zu leicht sich ereignen, baß beim ersten Auftreten eines solchen Fehlers ber Flug­zeugführer in Unkenntnis ber wirklichen Verhältnisse ben eigentlichen, schweren Unfall erst herbeisührt. Daß ihn da kein Vorwurf trifft, ist selbstverständlich, daß man aber nach Mitteln suchen muß, bie einen folchen Unfall unbebingt ausschließen, ebenfalls. Der Spaktflügel hat uns biefes Mittel an bie Hand gegeben.

Der (Srunbgebante des Spaltflügels ist, einen Ausgleich zwischen Druck- unb Saugseite ber Tragflächen herbeizuführen. Versieht man ben Tragflügel mit einem ober gar mit mehreren büfenartigen, bem Flügel­profil entsprechenben Längsschlitzen, bie sich von unten nach oben ver­jüngen, so muß von der Druckseite, nämlich ber Unterseite, nach der Saugfeite Lust strömen, bie einen Ausgleich zwischen beiben bewirkt unb somit ein Abreitzen bes Luftstromes auf ber Saugfeite verhinberi: da- burch wird auch bei hohem Anstellwinkel der Antrieb vergrößert unb so­mit bie Steigfähigkeit bes Flugzeuges erhöht.

Man orbnet biesen Spaltslügel so an, bah er nur bei Bedarf geöffnet wird, also im normalen Betrieb geschloffen ist. Das geschieht auf einfachste Weise durch eine Verbindung mit ber Quersteuerung, inbem man bie Ver- winbungsklappe berartig anorbnet, baß zwischen ihrer Vorher- unb der Flügelhinterkante ein düsenartiger Längsspalt entsteht. Wenn also bei Ueberschreitung ber kritischen Geschwinbigkeit das Flugzeug über einen Flügel kippt unb ber Führer die Schräglage ausgleichen will, fo wirb er aus ber abfintenben Seite burch Oefsnen bes Spaltes und Senken der Verwinbungsklappe ben Austrieb vergrößern, auf der anberen Seite da­gegen durch Heben der Verwindungsklape bei geschlossenem Spalt den Austrieb verkleinern. Es sind sogar neuerdings automatische Vorrichtungen konstruiert worden, die bewirken, bah ber normale geschlossene Spalt­flügel bei Ueberschreitung bes kritischen Winkels burch bie Saugwirkung felbsttätig geöffnet wird, fo daß also ein Unfall selbst bann ausgeschlossen erscheint, wenn ber Führer nicht bie Geistesgegenwart hat, bie richtigen Maßnahmen zu ergreifen.

Alle bisherigen Versuche und Vorführungen haben bewiesen, daß der Spaltflügel bie ihm zugeschriebene Wirkung tatsächlich hat, daß also ein über den kritischen Anstellwinkel hinaus gesteuertes Flugzeug, anstatt abzustürzen, zum fast senkrechten Durchsacken unb bei geringfügiger Be- schäbigung des Fahrgestells zur fast auslauffreien Landung kommt. Daher hat bie Konstruktion nicht nur die Wirkung, Unfälle hintanzuhalten, son­dern gewährt auch größere Sicherheit bei Abflug unb ßanbung. Das Flugzeug kann steiler aufsteigen unb mit geringerer Geschwinbigkeit in steilerem Gleitwinkel lanben. Derartige Flugzeuge können also auch kleinere, von Hinbernissen umgebene Plätze bequem benutzen, woburch nebenbei bie wirtschaftlich nicht unwesentliche Folge eintritt, daß die jetzt außerordentlich großen Abrnesfungen der Flugplätze zurückgehem Wie hoch der Wert des Spaltflügels in England eingeschätzt wirb, zeigt der Um­stand, daß bas Britische Lustministerium unter Ausnutzung der beson­deren Rechte über auswärtige Patente, bie ihm ein Patent-Entrechtungs­gesetz gegeben hat, seine Einführung für bie gesamten Luftstreitkräfte an- georbnet hat, unb daß die englischen Versicherungsgesellschaften für Spalt« flügel-Flugzeuge bie Prämie um \ ermäßigt haben. Nicht mit Unrecht fügt man, daß ber Spaltflügel ben bebeutenbften Fortschritt im Flug­wesen feit ber Zeit ber Gedrüber Wright barstellt, unb es wäre nur zu wünfchen, baß wir bie deutsche Erfindung uns in demselben Maße nutz­bar machen wie bie Engländer.

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Das Lied der Standarte Laraffa.

Novelle von Alfons v. Czibulka.

(Schluß.)

Wir spielen. Die Rosen stehen vor uns, der Wind sährt heulend durch die Kamine und fchreit über Treppen unb Gänge, durch Türen unb Säle. Die Nacht singt ihr Sieb. Ich höre es wohl. Sehe rote Rosen, schlanke, weiße Hände nach elfenbeinernen Figuren greifen, sehe ein Antlitz im Rahmen eines hohen, dunklen Sessels unb 'sink in die Knie: Maria!

Gütig unb wie das Streicheln eines linden Hauches sind ihre Hände in meinem Haar. Nach langem tiefen Schweigen, vor bem ber Sturm über bem Teiche ruht, unb mein Herz erstarrt, fallen langsam, zart und bittend ihre Worte:Schwöre mir zu, Geliebter, daß du deinem roten Rock entsagst unb Herr biefes Schlosses unb meiner Seele wirst!"

Alle Wilbheit ist mit einem Male so fern, ferne wie die Stürme den Gärten, bie im Frühling blühen. Ferne das Dröhnen ber Hufe, bas Kreischen ber Sättel unb Schlagen der Waffen. Und nahe jenes fuße Rauschen meines Blutes, das ich kannte, als ich, ein Knabe noch, mich über Hände neigte, die sich zu bes Pagen heißen Sippen hoben. Und ich d)l3Bkber fallen ihre Worte:Erhebe die Hand!" Aufrecht, starr und schön sitzt die Gräfin in ihrem schwarzen, düsteren Sessel ihre zarten Hände ruhen auf den dunklen Lehnen. Ihr Antlitz ist bleich, aber ihre Augen leuchten, als ich die Hand zum Schwur erhebe. Riesenhast wachst ber Saal. Ernst blicken bie buntlen, gelbbraunen Silber auf mich meber, unb die beiden Leuchter schwelen groß unb feierlich, daß bie Gräfin an­zusehen ist wie ein Christus auf schwarzem, hohem Kreuze.

Langsam senkt sich ihr Blick. Ihre schlanken Finger losen sich vom Holz. Sie erhebt sich, nickt mir zu, ihr zu folgen, und schreitet durch weite Säle und schmale Treppen nach ihrem Gemach. Der Sturm schweigt. Das Flackern der Kamine tanzt in riesenhaften Sätzen an ben Wänden oatz sich mein Blick verwirrt wie damals, als ich das erstemal ihr Antlitz sah.