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Spielplätze dieSchädelbäume" (zompan-quauitl (Erythrina corrallo- dendron). ein ynbercs und Letztes. Das mexikanisch« Ballspiel

lut wie manches Spiel, Tanz, Schauspiel und ähnliches, seine Herkunft aus dem Kult. War es auch noch so sehr Allgemeingut des Volkes und stark profaniert worden, feinen Zusammenhang mit dem Kult hatte das Ball- iviel im alten Mexiko nie verloren. Vor allem fand es, wenn auch mcht u sichlietzlich, an Festtagen statt. Sein Platz rvar wohl immer ein Teil des Iviliaen Tempelbezirkes, das zeigen noch heute die Ruinen aus alter Zeit. Wenn in einem berühmten Tempelbezirk der Halbinsel Hucatan die Minen des Ballspielplatzes an Ausdehnung und Gröhe weit über die bekannten Maße hinausgehen, so erklärt sich das eben daraus, daß hier keine Sterblichen spielten, sondern nach dem Glauben seiner Erbauer die Kötter Der Ballspielplatz war ein teo-tlachtli einBallspielplatz der Kötter" wohl «in Abbild des himmlischen Ballspielplatzes, des citla- tlachtli,' d. h. desSternballspielplatzes" beim großen Bär. Erde ober Himmel ober beide zugleich waren der Götter Ballspielplätze.

Dann aber muß dem Spiel ber Menschen ein Mythos zugrunde liegen und, wie schon di« Nord-Süd-Orientierung des Spielplatzes zeigt, ein Mythos, der eine Himmslserscheinung erklären und darstellen soll. Aber welch« dies ist, darüber ist völlige Klarheit bis jetzt noch nicht ge­wonnen. Vielleicht ist überhaupt eine einheitliche Erklärung nicht möglich. Vielleicht stellten ursprünglich die Spiele mit zwei Feldern (Nord, Süd) und den vier Feldern (Nordost, Südost, Nordwest, Südwest) zwei ver- chiedene Mythen dar, einen Sannen- ober einen Monbmythos. Das eine Ml ist ber Ball die Sonne, die aus der Nacht zum Licht steigt ober vor bem Licht in die Nacht hinabsinkt, das andere Mal ber Mond, ber bald verliert (Neumond), bald gewinnt (Vollmond). Vielleicht stellen beide Bälle aber auch beide Gestirne im Kampfe dar. . .

Auch das vorausgesetzte Menschenopfer hat feine Analogie im Mythos: Tolotl, dieMißgeburt"," die Gottheit des Ballspieles, weigert sich wie die nnbern Götter, sich freiwillig zu opfern, um ber neugeschaffenen Sonne und bem Mond Bewegung zu geben, flüchtet sich zuletzt ins Wasser als a-xolotl,Wassermißgeburt" (die Larve des Amblystoma inexicanum, bie wir als Jungen in unseren Aquarien hielten), wird aber heraus- gezogen und geopfert. ... ,,

Die Steinmetzarbeiten auf den erhaltenen tlach-temalacatl geben wohl religiöse Motive wieder, aber auch hier ist bis jetzt eine einheitliche Deu­tung nicht möglich. Daß auf zweien von ihnen der Affe dargestellt wird, unb nach der Ueberlieferung Dies Tier stets in der Umgebung des Ring­steines dargestellt ist, hilft nicht viel für die Deutung des Spieles, da ber Affe nur das Sinnbild ber Lust, vor allem des Spieles ist.

Aber da der Affe auch Symbol ber Sinnenlust ist, mag bem Spiel noch eine andere Deutung zugrunde liegen. Daß der Ball durch den Ring fliegen muß, geht wohl auf religiöse Vorstellungen zurück. Das mexi­kanische Ballspiel ist, wie das Ring-und Speerspiel der nardamerikanischen Indianer eben auch ein Befruchtungszauber, unb unter der Herrschaft des Mondes steht bei den Primitiven das ganze Sexualleben. Seinen religiösen Hintergrund hatte das Ballspiel im alten Mexiko nie ganz verloren, S hätten die Mönche, die mit ber Eroberung das Christentum den os brachten, es nicht verboten. Sie witterten auch im tlachtli ein Versteck des Teusels,um von dort aus feine Geschäft« zu betreiben, nad) bem Wort des heiligen Evangeliums, daß der Uebeltäter das Licht haßt , um mit Sahagun zu reden. Ob freilich die Hahnenkämpfe und Stier« kämpfe, an denen sich heute die Nachkommen weiland König Motecuh- tomas erfreuen, ein würdiges Surrogat des alten tlachtli ist, dürfte billig bezweifelt werden.

lieber den mexikanischenGifts al ter" schrieb 5)err Friedrich Schnack in den Gießener Familienblättern Nr. 27 am 8. April einen interessanten Aufsatz. Es war mir ganz unbekannt, daß zur Zeit ber Er­oberung des Landes durch die Spanier bei diesen der Glaube war, daß durch gewisse farbenprächtige Falter Blindheit hervorgerufen würde. Daß dies möglich sei, ist wohl zu bezweifeln, mag auch Pedro de A l v a r a d o von fünfzehn feiner Soldaten es berichtet haben. Ganz rationalistisch dürfte aber die Erklärung sein, daß der Schmetterling beim Flug den Pollenstaub einer ungeheuer giftigen Urwaldpflanze verlor, der den Sol« beten in die Augen drang und ihnen die Sehkraft raubte. An der Tat­sache der Erblindung wird festzuhalten fein, wenn ich sie auch nicht er­klären kann. Aber der giftige Schmetterling entspringt ber Phantasie ber spanischen Kolonisten, geht jedoch, wie mir scheint, zurück auf religiöse Vorstellungen ber Eingeborenen. In der berühmten, im Vatikan auf­gehobenen, altmexikanischen Bilderhandschrift, dem sogenannten Codex Borgia, sehen wir vor der chichimekischen Göttin Itz-papalotl einen Menschen mit verbundenen Augen stehen, der dann als Blinder vorn Stuhl stürzt. Nun ist Itz-papalotl die Göttin ber Fleischeslust, des Ehe­bruchs, der Sünde schlechthin: sie ist identisch mit der von den Bewohnern ber Golfküste verehrten Tlafol-teotl, derGöttin des Unrats", sie ist Teteo-innan, dieGöttermutter". Der Mensch, der die Ehe mit einem verheirateten Weid bricht, wird von ber Göttin, falls er ihren Priestern diese schwere Sünde nicht beichtet, unb von ihnen absolviert wirb, be- , strast. Vielleicht sah man gerabe plötzliche Blindheit als besondere Strafe für den bei den Azteken schweren Frevel des Ehebruchs an. Was hat, wirb der ßejer fragen, das nun mit dem unheimlichen Giftfalter zu tun? Nun heißt ber Name der Itz-papalotl nichts anderes als Obsibian- Ichmetterling. Wohl ihr zu Ehren trugen deshalb amBesenfest" ochpanitzli ber Göttermutter Abel und König Decken mit Schmetter- ingsmuster. Aber derObsibianschmetterling" ist in keinem Sdpnetter- hngsbud) zu finden, wenn ihn auch die alten Mexikaner oft genug ab­gebildet haben. Er ist ein birmanischer Falter; unb wenn uns auch nichts davon überliefert ist, können wir doch schließen, daß plötzlich auftretende Blindheit von den Eingeborenen diesem dämonischen Falter zugeschrieben wurde, durch den bie Göttin die Sünde straft. Aber vielleicht heilte auch d>e große Göttin, bie bie Schutzheilige der heilkundigen Frauen und Hebammen roar, beim biese verstanden sich auch daraus, Augenkrankheiten SU kurieren und vielleicht die Schädigungen des Itz-papalotl aufzuheben.

Die spanischen Eimvanderer übernahmen den Aberglauben der geborenen von Itz-papalotl, der für sie zum Glauben an einen echten Giftfalter wurde.

Ein Kapitel Theatertechnik.

Von Dr. Franz Mittler.

Zahlreich sind die Wechselbeziehungen zwischen Kunst und Technik. Aber vielleicht nirgends wird die Technik in (o hohem Maße von der Kunst beeinflußt wie beim Theater. Gerade jetzt steht dieses in künstle­rischer Beziehung vor einem Zwiespalt, der sich in weitgehendem Maße auch in technischer Hinsicht auswirkt. Zwei Richtungen stehen fid) gegen­über. Die eine ist für die Vereinfachung der Bühne und ihres technischen Beiwerks. Alles, was die Technik in bezug auf Beleuchtung, auf Sonnen« auf- und -Untergänge, was sie mit Hilfe von Aufzügen und Versen­kungen, von plastischen Dekorationen, von naturgetreuen Bühnenbildern leistet, ziehe, so wird behauptet, die Aufmerksamkeit der Zuhörer ab. Das gesprochene Wort komme auf einer derartigen Bühne nicht zur Geltung. Deshalb eine ganz einfache Bühne. Ohne jegliches Beiwerk, lediglich von Vorhängen umschlossen. Die Aufmerksamkeit des Zuschauers soll nur dem Wort des Dichters gelten.

Auf der andern Seite aber glaubt man die Naturtreue mit Hilfe technischer Mittel nod) weiter steigern zu müssen.

Daß diese bereits für überholt gehaltene Richtung wieder auflebt und daß sie die Technik vor neue Aufgaben stellt, wird durch die Einrichtung einer ganzen Anzahl von Theatern bewiesen, die in jüngster Zeit ent­standen sind. Sie alle übertrifft aber das Velaseo-Theater in Reuyork, das zum Zweck der Aufführung von Phantafiestücken eine technische Ein­richtung erhalten hat, die in ihrer Gesamtheit wie in ihren Einzelheiten alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Die Rückseite der Bühne gleicht einem Maschinenraum. Wer sie betritt, kann im ersten Augenblick darüber im Zweifel sein, ob er sich in einem Theater ober in einem Elektrizitätswerk befindet. Da finden wir neben zahlreichen Einrichtungen, bie bisher schon verwendet wurden, eine vollständige Anlage zur Er­zeugung von Preßluft. Sie dient dazu, Sirenen und eine Reihe weiterer akustischer Instrumente in Tätigkeit zu setzen sowie schwere Versatzstücke zu bewegen. Sautfpredjer sind angebracht. Sie haben den Zweck, die menschliche Stimme im Bedarsssall bis zu übernatürlicher Starte an« schwellen zu lassen. Um dies zu ermöglichen, stehen sie mit besonderen Verstärkern in Verbindung. Eine ber Hinterwände, mit denen bie Bühne nach rückwärts abgeschlossen werden kann, ist derart ausgestattet, daß aus ihr unter Verwendung elektrischer Ladungen ganze Feuerwerke er­scheinen. An der Seite ein hoher Schacht aus Eisen mit vielen Fächern. In jedem eine schwere eiserne Kugel. Der Boden jedes Faches wird durch eine auf starken Spiralfedern lagernde eiserne Platte gebildet. Die Kugeln lassen sich durch Hebelwerke in die Höhe heben und können wieder "fallen gelassen werden. Die Einrichtung dient dazu, Sanonen« donner und Schlachtenlärm hervorzubringen. Eine Maschine, die aus« sieht wie eine Lokomotive kleineren Maßstabes, ist in Wirklichkeit ein Funkenwerfer. Aus ihrem Sdjornftein lassen sich Flitter bis zum höchsten Punkt der Bühne emporschleudern, die burd) einen in diesem Schorn­stein befindlichen Sdjeirnverfer beleuchtet werden, so daß sie aussehen wie glühende Funken. Der Funkenwerser kommt bei Feuerwerken sowie bei Darstellung von Bränden zur Verwendung. Große Ausbauten sind der­art angebracht, daß sie plötzlich zum Zusammenstürzen gebracht werden können. Da» braucht man bei manchen Stücken und vor allem zur Glaubhaftmachung von Weltuntergängen, von Vulkanausbrüchen und ähnlichem. An alles und jedes wurde bei der Einrichtung dieser Bühne gebodjt.

Andererseits aber verhehlt man fid) nicht, daß die leere Biihne manch­mal allzu trostlos wirkt. Deshalb ist man dazu übergegangen, wenig­stens Andeutungen einer Dekoration mit Hilfe von Lichtbildern auf den Hintergrund zu werfen. In einem Theater hat man dieses Verfahren neuerdings in technischer Hinsicht erweitert. Die Bilder, die den Zuschauer in eine gewifse Umgebung und damit in eine gewisse Stimmung versetzen sollen, erscheinen nicht nur auf der Hinterwand ber Bühne, sondern auch auf den Wänden des Zuschauerraums. Hier entsteht also z. B. das Bild eines Waldes ober einer weiten Landschaft. Mit der künstlerischen Seite dieser Angelegenheit haben wir uns nicht auseinanderzusetzen. In tech- nifcher Hinsicht ist es bemerkenswert, daß ein eigener Projektionsapparat gebaut wurde, der es ermöglicht, sämtliche Wände eines .Raumes mit Lichtbildern zu bedecken. Der Apparat befindet sich oben über dem Zu- schauerraum, da, wo früher der Kronleuchter herabhing. Er enthält eine einzige sehr starke elektrifche Lampe und die dazu gehörigen Lichtbilder. Ein System von Linsen und Prismen bewirkt, daß jedes Lichtbild in der richtigen Große an die richtige Wand geworfen wird.

Trotz aller ihrer Fortschritte muß die Technik manchmal zu den ältesten Verfahren zurückgreifen. Dies war kürzlich in Italien der Fall, wo man aus den berühmten Marmorbrüchen zu Carrara den größten Block herausbrad), der dort jemals vorn Muttergestein losgelöst wurde. Der Block hatte ein Gewicht von 250 000 Kilogramm. Die Techniker machten alle möglichen Vorschläge, wie man ihn nach Rom bringen konnte, wo er in einer Vildhauerwerkstätte bearbeitet werden sollte. Als alles versagte, las man in den alten Beschreibungen darüber nach, wie man früher den Obelisken auf dem Peterplatz aus Aegypten dorthin be­fördert hatte. Genau so machte man es jetzt. Der Block wurde in einer Verschalung aus dicken hölzernen Bohlen eingepackt. Das Gesamtgewicht dieser Verpackung belief sich auf 50 000 Kilogramm. Um sie zusammen­zuhalten, waren 10 000 Nägel unb Schrauben nötig. Das Ganze wurde mit Slahlkadeln umschnürt, bie in Wien angefertigt waren und von denen jedes aus 160 Stahldrähten bestand. An diesen Kabeln wurde das riesige Gepäckstück an die Seelüfte geschleift, wo es von einem besonders dazu eingerichteten Schiff ausgenommen wurde. Das alte durch die neu­zeitliche Technik, vor allem durch die Verwendung von Stahlkabeln modernisierte Verfahren hat sich bewährt.