senkrecht zu den Wänden, zwei mit symbolischen Darstellungen verzierte, gewaltige Ringsteine heraus, die „Ballspiel - Stein - Spinnwirtel" (tlach-temalacatl), wie Mühlräder groß, sagt Pater Sahagun.
Sie standen sich genau gegenüber und hatten in ihrer Mitte eine Oeff- nung, so groß, daß der geschlagene Ball durchfliegen konnte. Der Ball selbst war so groß wie eine Kegelkugel, sagt wieder Pater Sahagun, und die Abbildungen zeigen, daß er die Größe einer mittleren Kegelkugel gehabt haben muh. Er war massiv, nicht wie unsere Kinderbälle, hergestellt aus dem in den tropischen Wäldern des Küstenlandes gewonnenen Gummi und hieß wie dieser Olli.
Als Spieler (ollamani) traten nur Männer auf. Gleichzeitig dürften gewöhnlich nur zwei Gegner gespielt haben, doch scheinen gelegentlich auch mehr gleichzeitig gespielt zu haben. Der erste Ball wurde mit der Hand dem Gegner zügeschleudert, der ihn aber nicht mit der Hand noch mit einem Schläger zurückgab, sondern mit demjenigen Teil des menschlichen Körpers, wo der Rücken seinen anständigen Namen verliert. Dieser uns aus der Jugendzeit als empfindlich bekannte Körperteil wurde daher mit einem Lederschurz geschützt. Es ist daher verständlich, daß die Kunst, den Gummiball geschickt zurückzugeben, viel Hebung erforderte. Abbildungen zeigen, daß dabei manche Körperverrenkung vorkam, zumal doch auch die Augen des Spielers dem Ball folgen muhten. Wenn Ne Hände mit Handschuhen bekleidet wurden, so hatte das wohl seinen Grund darin, daß man sich beim Abschlagen ost mit einer oder der andern Hand auf den harten Boden stützen muhte.
Ungültig war der Wurf, der über die Mittellinie nicht hinauskam oder nicht mit dem vorschriftsmäßigen Körperteil zurückgegeben wurde. Der Schlag mit den Hüsten galt wohl noch als fair play. Außerdem mußte der Ball zuerst an einer der dem Spieler gegenüberliegenden Seitenwände aufschlagen, die T-särmigen Enden gehörten nicht zum Spielplatz. Hier standen die Schiedsrichter, die achtzugeben hatten, daß der Ball ordnungsmäßig flog. Kleine Stäbe, Ne sich in den Abbildungen neben dem Gummiball finden, dienten wohl zur Zählung der Points. Wie der Gang des Spiels im einzelnen war, welche Regeln außer den genannten für es galten, welche Arten von Spielen es gab, ist uns nicht überliefert. Gewinner war der, dem es gelang, den Ball durch die Oesf- nung einer der erwähnten Ringsteine zu treiben, was sicher eine große Geschicklichkeit erforderte. Der Gewinner hatte das Recht, allen Zu- schauem die Mäntel, eine Art Umhang, der außer der Schambinde die einzige Kleidung der Männer rvar, abzunehmen und als Eigentum zu behaiten, sofern die Zuschauer sich nicht eilig entfernt hatten, wie wir es früher auf der Messe am Kasperltheater machten, wenn es ans Ein- sammeln ging. Der Gewinner mußte sich allerdings dafür, wenn er auch als Sieger gefeiert wurde, die Zurufe der geschädigten Zuschauer gesallen lassen: „Er ist ein großer Ehebrecher, der von dem Gatten irgendeiner Frau getötet wird", oder: „Er wird im Krieg sterben". Das mar wohl kein gemeines Schimpfen, sondern sollte wohl nur soviel heißen, wie wenn wir glücklichen Spielern scherzend zurufen: „Gluck im Spiel, Unglück in der Siebe".
Aber der glückliche Spieler hatte meist noch andere Gewinne einzu- heimsen als womöglich verschlissene Mäntel. Richt nur gegenseitig wurden von den Spielern oft hohe Einsätze ausgespielt, sondern es waren vielfach auch Preise ausgesetzt. Zumal die Könige Mexikos hatten sich zu ihrer Unterhaltung berühmte Spieler verschrieben und setzten als Gewinn aus Schucksachen in Gold und Edelsteinen, Ne berühmten, künstlerischen Federarbeiten, wertvolle Mäntel ober einen Sack, gefüllt mit den begehrten Kakaobohnen, denn cacauatl war das beliebteste Getränk im ölten Mexiko. Selbst wie bei den alten Germanen spielte man um die Freiheit oder Knechtschaft. Das aber führt uns auf einen andern Gewinn.
In einer Zeit, Ne der spanischen Eroberung wohl Jahrhunderte vorauslag, scheint ein anderer Preis im Spiel gegolten zu haben, wertvoller als Gold, Mäntel und Kakaobohnen, — das Beben. Der Unterliegende wurde dem Gott geopfert, indem ihm nach Deffnung des Brustkorbes mit dem Steinmesser das zuckende Herz herausgerissen wurde. Daraus führen nach meiner Anschauung verschiedene Darstellungen der Bilder- handschriften. So sehen wir auf der Mitte des Ballspielplatzes den sterbenden, in Knochenfarben (weiß-rot) gemalten Gott in der Haltung des Ballspielers, oder in derselben Malung, wie ihm das Herz aus der Brust gerissen wird, während an den vier Ecken des Ballspielplatzes ein Toien- schädel, ein Knochen und zwei Herzen abgebildet sind**). Run verstehen wir auch die merkwürdige Angabe des Tezozomoc, wonach in prähistorischer Zeit die Azteken bei ihrer Wanderung aus der Urheimat auf dem „Schlangenberg" (coua-tepetl) ihrem Gott Uitzilopochtli einen Ballspiel- platz gebaut hätten, wie er sich später in dessen berühmtem wo' jetzt die Kathedrale der Hauptstadt steht, befunden hat, und daß m der Mitte des Ballspielplatzes ein Loch, etwas größer als der Durchmeßer der Kugel, mit der man Ball spielte, gewesen fei. In dieses Loch have man Wasser hineingeschüttet, wenn der Ball in es geflogen sei. Em Lvq in der Mitte des Spielplatzes nmß nach den Abbildungen auch sonst vielfach vorhanden gewesen sein. Das Wasserausgießen, wohl nach beendigtem Spiel, wird richtige Überlieferung sein, und ist wohl als ein Opfer zu beuten. ,
Aber Wasseropfer find aus dem alten Mexiko nicht bekannt. Jheueiw aber stand in der Borlage, die Tezozomoc benutzte, für atl, „Wasser, chalchiu-atl, das „smaragdfarbene Wasser", d. h. das Opferblut. Wuroe vielleicht der im Spiel Besiegte geopfert, und entsprach das Loch oer Opferschale, in die sonst das Herz und das Blut der Geopferten kam. Deshalb wird man auch bas Loch, das das „kostbare Wasser des 0 - opferten aufnahm, i-tzompan „feine Schädelstätte" genannt haben, uw man pflanzte aus Aberglauben, wie Pater Duran berichtet, um wl
**) Nebenbei: unser bekanntes Gistzeichen, der Schädel mit zwei unter ihm gekreuzten Knochen findet sich öfters in mexikanischen Darstellung > Vielleicht können mir unsere Apotheker über die Herkunft des Sumvu Auskunft geben. Aus dem klassischen Altertum stammt es meines Will nicht, vielleicht aus Mexiko via Spanien?
Der Lieblingsbaum.
Von Conrad Ferdinand Meyer.
Den ich pflanzte, junger Baum, Dessen Wuchs mich freute, 8öl)!' ich deine Lenze, kaum ind es zwanzig heute.
Ost im Geist ergötzt es mich, Heber mir im Blauen, Schlankes Astgebilde, dich Mächtig auszubauen.
Lichtdurchwirkten Schatten nur Legst du auf die Matten, Eh' du dunkel deckst die Flur, Bin ich selbst ein Schatten.
Aber haschen soll mich nicht Stygisches Gesinde, Weichen wero ich aus dem Licht Unter deine Rinde.
Frische Säfte riefeln laut. Rieseln durch die Stille. Um mich, in mir webt und baut Ew'ger Lebenswille.
Halb bewußt und halb im Traum Heber mir im Lichten
Werd' ich, mein geliebter Baum, Dich zu Ende dichten.
Ein Tennisspiel im vorspanischen Mexiko.
Von D. Dr. August Freiherrn v. Gall, o. Honorarprofessor der Theologie an der Landesuniversität Gießen.
Die alles beherrschende Mode übt auch ihren Einfluß auf das Spiel aus. Schon unsere Kinder wechseln vielfach ihre Spiele mit den Jahreszeiten, warum sollten es die Menschen nicht mit den Jahrhunderten tun? Trotzdem haben sich gewisse Spiele in ihren Grundzügen nicht nur durch die Jahrhunderte, sondern durch die Jahrtausende erhalten wie das Ballspiel. Die Abbildungen der alten Aegypter zeigen, daß auch die Erwachsenen es in verschiedenen Formen kannten und schätzten. Seit mehreren Jahrzehnten ist in der Kulturwelt aller Länder das Tennisspiel zweifellos bas Ballspiel, das sich der größten Beliebtheit erfreut, es ist das Ballspiel schlechthin geworden, und mit Frühlingserwachen rüstet man sich auch wieder für es.
So wird es die Freunde und Freundinnen dieses Sports vielleicht interessieren, daß es auch im Reich der Azteken ein Ballspiel gab, bas mit unserem Tennisspiel eine starke Aehnlichkeit hatte. Es wirb beshalb die Leser dieser Zeilen vielleicht nicht langweilen, Näheres über es zu Horen.
Die alten Chronisten der Eroberungszeit von „Neu-Spanien haben sich vielfach mit tlachtli*), wie die Mexikaner ihr Tennisfpiel nannten, beschäftigt und uns von ihm erzählt. So der ehrwürdige Franziskaner- pater Sahagun, der 1529 bis 1579 in Mexiko missionierend wirkte und eine förmliche Enzyklopädie des aztekischen Wissens nach dem Diktat der bekehrten Indianer schrieb. Aus dem gleichen Orden stammte Tor- quem a b a, ber Verfasser ber berühmten Monarchia Indiana (1612). Auch Pater Duran ist nicht zu vergessen, ber eine Historia de los Indios de Nueva Espana schrieb und noch vieles von den ersten Con- quiftaboren erfuhr. Wertvoll ist auch bie Cronica Mexicana, die 1598 Tezozomoc, ein Mitglied ber Familie bes letzten mexikanischen eingeborenen Königs, schrieb.
Aber auch bie Ruinen alter vergangener Zeiten, zumal im Maya- gebiet auf ber Halbinsel Yucatan legen Zeugnis ab von ber Beliebtheit unb Verbreitung, beren sich dies Ballspiel erfreute, nicht nur im eigentlichen Mexiko, sondern überhaupt in Zentralamerika, selbst auf den Großen Antillen. War doch ber Spielplatz (tlachco), nachdem sogar Städte ihren Namen hatten, stets ein Teil des heiligen Tempelbezirks. Tlachco war ein länglicher Hof von etwa 15 Meter Länge und etwa 8 bis 9 Meter Breite, an seinen Enden T-artig erweitert. An den beiden Längsseiten standen, meist leicht nach dem Hof zu abgeschrägte Wände, die „Arme des Ballspielplatzes" (tlach-matl), die vielfach eine längliche Stufenpyramide trugen. Sicher waren die Wände reich mit religiösen Darstellungen bemalt. An den T-förmigen Enden bes Ballspielplatzes fanben sich häufig kleine Tempel, für gewöhnlich aber waren diese Enden nur durch Steinreihen markiert ober wiesen niebrige Wände mit Terrassen oder kleinen Pyramiden auf. Häufig waren den Seitenwänden noch einige Meter breite Terrassen vorgelagert, bie schräg zum Spielplatz abfielen. Seitenwänbe unb Terrassen waren wohl für die Zuschauer des Spieles bestimmt. Sämtliche Wände waren mit Stuck überzogen, das gleiche galt für den sorgfältig geglätteten Boden (tlalmantli), bes Spielplatzes. Der so zugerichtete Boden war in verschiedene Felder eingeteilt, die Art ber Teilung war verschieben, wohl entsprechend der Mannigfaltigkeit der Spiele. Bei einfacheren Verhältnissen wird der Hof auch mit gestampftem Sand bedeckt gewesen und die Teilung mit schwarzen oder grünen Schnüren vorgenommen worden sein. Die gewöhnliche Teilung des Spielplatzes erfolgte in ber Mitte der Breite. War der Boden bes Ballspielplatzes mit Stuck belegt, fo waren die Felder nach mexikanischen Bilderhandschriften in verschiedenen Farben gehalten, schwarz und rot. Aber die Abbildungen zeigen vielfach noch außerdem eine mittlere Längsteilung, fo daß dann vier Felder entstanden, und diese Teilung war anscheinend die gewöhnliche. .Oben aus den Seitenwänden des Hofes, da wo Ne Mittellinie den Hof in der Breite schnitt, sprangen in Mannshöhe,
*) Die aztekischen Namen sind nach dem Spanischen auszufprechen.


