Ausgabe 
2.9.1929
 
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Jahrgang <929

Mitag, den 2. September

Nummer 68

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Gott sei Dank fand unsere Mutter nc unseren Zustand nicht so bedenklich, daß

denn doch das ge-

schon deshalb.

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nach ausführlicher Untersuchung ß man überhaupt vom Sonn-

Da durfte ii, Stahlsaiten zu sprühen! Und meine Kinderhandchen gaben ihr Mög­lichstes dazu her; und mein reichlich wirbliches Kinderkopfchen kümmerte

uns das verhaßte Instrument, an dem wir so viele überflüssige Stunden verbringen mußten und an dem es in jeder Woche verschiedentlich Kro­kodilstränen abseßte, als ein großes Geheimnis, von dem wir bisher nichts geahnt hatten. Wir waren sozusagen ärztlich interessiert übi diesen ersten Tag hinaus.

mer dann? Er durfte, was wir nie durften, das Klavier ganz ausein­andernehmen und ihm in den Bauch gucken, nachzusehen, wo es überall krank war. Unsere höchste Bewunderung gehörte fortan dem Klavierstim­mer weil er erstens mit so prächtigem Appetite gefrühstückt hatte, weil er zweitens das Klavier auseinandernehmen durfte. Plötzlich schien

Beginnender Herbst.

Von Johannes Heinrich Brauch.

Altweibersommerfäden spinnen von Strauch zu Strauch, über die Wiesen gleiten, über die Hügel reiten Nebel und kalter Hauch.

Schwalbenzüge verschwinden, Mohn verblättert am Rain, Königskerzen erblühen, leuchten und strahlen und sprühen Gold in den Abend hinein.

Beeren am Hollerbusche färben sich dunkel und rot, Hirsche befehden einander, und auf Hechte und Zander angelt der Fischer im Boot.

Sperber, Weihen und Reiher scheiden vom alten Horst, höchste Reife der Traube, und mit buckliger Haube Steinpilz und Reizker im Forst.

Symphonien der Wälder stimmen zu schaurigem Ton, Erde, noch gestern in Fülle, gestern noch schimmernde Hülle, findet der Herbst uns schon?

Geheim Zamilienblätter

Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

hört noch nicht hierher ...

Endlich glaubte ich, mit dem Stimmen fertig zu sein weil ich merkwürdig müde ward. Dann halte ich ja

mußte. Das mit den Terzen und Quinten, wie es leichtfingrig der Klavierstimmer heraus hatte, gelang mir ehrlich nicht halb so gut und war entschieden auch mit mißtönigem Geräusch verbunden, indem nämlich plötzlich die lieber« und Untermieter sich durch lautes Klopfen bemerkbar machten. Indessen ließ ich . mich keineswegs dadurch allzu­sehr in meiner Arbeit stören, die bis zur Rückkehr der Eltern geschafft werden mußte. Wovor mir etwas graute, war einzig das Geheimnis, wie ich wohl das Klavier hernach wieder zusammenzusehen hatte. Aber so weit war ich ja noch lange nicht.

Wie schmeckt eigentlich solch Bischof?" fragte meine Schwester plötz­lich ganz unmütterlich unwissend. Sie wollte es nicht begreifen, daß ich den doch gewiß berechtigten Einwurf machte:Eine gnädige Frau kann doch nicht mit dem Herrn Klavierstimmer zusammen Bischof trinken! TOutter hat neulich auch keinen Wein getrunken! Du darfst mir nur anbieten wenn wir ganz richtig spielen wollen!" Und das wollten wir doch in der Tat! Aber dann mußte meine Schwester doch wohl heimlich' ausführlich vom Bischof genippt haben, indessen mich meine Arbeit ganz und sehr laut in Anspruch nahm denn doch das ge»

Klavierstimmen.

Eine kleine Geschichte.

Von Alfred Richard Meyer.

Es ist Samstagnachmittag. Der Besuch ist so stur, daß er absolut nicht merkt: von mir aus möge er schnellstens gehen weil ich nämlich noch einen ganz bestimmten Zug am Stettiner Bahnhof erwischen muß. Soll ich sagen, daß ich den Zug verpasse, daß mir mein ganzes Wochen­ende verpatzt ist, wenn ich erst so spät in meinem märkischen Dörfchen eintreffe, da alle Zimmer in meinem geliebten Gasthof besetzt find? Wenn Sie mal drüben bei Schulzes Nachfragen wollen ich glaube, die haben noch ein Bett frei!"

Ja sie haben, und zwar ein sehr nettes, ganz neugemachtes Zim­mer; aber unter dem frischen Bettuch liegt ein Strohsack, ein ziemlich schütterer Strohsack; und unter dem Strohsack streckt sich ein hartes Holzbrett, das gegen meine Knochen antämpft, zu erproben, wer auf die Dauer härter ist. Das macht den Schlaf unruhig und wenig erquickend; und da ich erst im Morgengrauen für wenige Stunden fester einschlafe, ist es Uebermübung, die mich hinrafst, die mich allzu früh wieder auf- weckt. Oder ist es das harte Holzbrett? Alle Glieder tun mir weh. Ober träume ich bas nur? Wie auch, baß unter mir jetzt ein Klavier gestimmt wirb. Sonntagmorgen um halb sieben Uhr, ein ganz schauderöses altes Klavier, aus dem man lieber Brennholz schlagen sollte als all diese monotonen und doch nie ganz harmonischen Töne!

Ja es wird ein Klavier unter mir gestimmt! Nein auch in mir wirb ein Klavier gestimmt. Daß ich plötzlich lächeln muß unb all meine lahmen unb wehen ©lieber vergesse unb nach gar nicht baran bente, auf« zustehen, ben rounben Leib im nahen See zu erfrischen. Ich lächle ... Ein Klavier wirb gestimmt. Wie war bas boch?

Kinber waren wir, meine Schwester unb ich; unb wir beibe würben damit gemartert, durchaus Klavierspielen lernen zu sollen. Wir haben es nie gelernt unb es ist nicht schabe barum. Dafür Haden wir es in allerlei anberen Dingen des Lebens weiter gebracht unb bas ist auch gut so. Klavierspielenlernensollenbe Kinder waren wir, uninter­essiert bis zu jenem Tage, da zum erstenmal ein Klavierstimmer, von unseren Eltern zitiert wurde, das elend malträtierte Instrument wieder in reinen Klang zu bringen.

Was tat der Herr Klavierstimmer, bevor er zu stimmen anbub ? Er frühstückte ausführlich gewiß nicht nur, weil ihm unsere Mutter eine leckere Frühstücksplatte mit einem Glas Bischof vorsetzte jarool)!, mit einem Glas Bischof! sondern weil sein dünner, klappriger Kör­per solch handfestes Frühstück auch weidlich nötig haben mochte; unb seitdem bilde ich mir ein, daß ein jeder Klavierstimmer unb gewiß auch der augenblicklich unter mir tätige einen dünnen, klapprigen Körper haben muß, obgleich es gewiß auch manchen wohlbeleibten Mann unter feinen tüchtigen Kollegen geben wird. Was tat der Herr Klavierstim-

Wie würden wir uns um den obligaten Spaziergang des nächsten Sonntags herumdrücken können? Wir mußten krank werden, aber nicht gleich so schlimm, daß die Eltern etwa auch zu Hause bleiben würden denn bann konnte ja nichts aus unserem befinitiv beschlossenen Plane werben, ganz allein einmal Klavierstimmer spielen zu bürfen.

Na bann müßt Ihr eben hübsch zu Hause bleiben!" sagte unser Baier nicht gerabe erfreut.Vermutlich habt ihr mittags zu viel Pub­bing gegessen. Setzt euch still in die Ecke und lest in einem der neuen Geburtstagsbücher. Ober, Mutter ob wir lieber zu Hause bleiben sollen?"

tagsspaziergang absehen zu müssen vermeinte. Gott sei Dank wir würben Klavierstimmer spielen können, so ausführlich, wie wir es nur wünschten!

Unb bie Ausführlichkeit lieh wahrhaftig nichts zu wünschen übrig. Womit begannen wir? Mit bem großen Frühstück, das mir, dem Klavierstimmer, meine Schwester, die Mutter, reichlichst servierte. Mit einem Glas Bischof, den wir leider sonst nie trinken durften. Ein Glas Bischof? fragt vielleicht nichtkundig der eine oder andere Leser, dem wir sogleich mit dem Herrn Dr. C. A. Kortüm unb mit seiner unsterb­lichenJobsiabe" fein antworten wollen:

Ein Bischof ist, wie ich bente, Ein sehr angenehmes Getränke, Aus rotem Wein, Zucker unb Pomeranzenfaft Unb wärmet unb stärket mit großer Kraft."

Na Sie trinken gewiß boch wohl noch ein Glas Bischof?" war meine Schwester besorgt um mich bünnen unb klapprigen Klavier­stimmer, der bereits versicherte, keine der sehr appetitlich zurechtgemach- ten Stullen mehr zwingen zu können; aber, was den Bischof anbetraf, konnte ich leider nicht nein sagen; ich war schnell auf denGeschmack ge­kommen was mich nicht hinderte, meine Arbeit endlich zu beginnen, d. h. das Klavier fachkundigft auseinanberzunehmen, um bann mit einer Kneifzange an ben verfchiebenen Saiten, ben erst vor einigen Tagen frischgestimmten, herumzubrehen und in Ermangelung eines Dämpfers einen Quirl aus der Küche zwischen die stramm gespannten Stahldrähte zu quetschen. A a ah aha! begann ich mein Werk, bei dem ich bald ins Schwitzen kam und schon deshalb dem Bischof zusprechen

g müde warb, lüann patte tcy ja noch bas Klavier roieber zusammenzusetzen. Q Gott, o Gott! Wenn nur nicht bie Eltern allzu früh nach Haufe kommen möchten! Aber nun folgte noch etwas ganz Granbioses, ja Heroisches: ber Schlußmarsch, mit bem ber Kia- uierft'mmer die reine Harmonie des tadellos abgestimmten Änstrumen« äsen hatte. Wie lag uns biefes Wunber noch in ben Ohren! ch an Sicherheit bes Griffs, an künstlerischer Haltung, an Triumphalen nicht zurückstehen!! Feuerfunken hatten die