die meine kummergeivohnten Sinne mit den Wohlgerüchen der Tro­pen, Arabiens und des südlichen Kontinents streicheln. Saal A eine Wolke Kakaoduft schlägt mir entgegen, braun und nahrhaft. So etwa muh es im Negerhimmel riechen! Saal B aus vielen Tonnen steigt betäubender Duft des Chilehonigs auf, die Meng- und Rührmaschinen summen wie alle Bienenschwärme Südamerikas. Der Findige merkt bereits, daß es sich um eine Pfeffer- und Honig- kuchenbäckerei handelt, und demzufolge walzt, klappert, dampft und stöhnt das Mannigfalt der Maschinerien, magere Stahlarme, wellen­förmige Mischmesser im braunen Teig herum, genug, mir ein Knusper­häuschen von zwei Stockwerken nebst Autogarage zu bauen. Das Ganze macht einen appetitlich-gigantischen Eindruck. Mehlstaub fällt wie Reif in der Frühlingsnacht. Hier befinden wir uns in dem analog zur Vorhölle gebildeten Vorparadies. Was sich dann tut. ist bereits die Vollendung, es tut sich nämlich die schwere Eisen­türe auf, und ich trete in die Werkstatt ein, Abteilung la, Marzipan! So! Mandeln, Mandeln, nichts als Mandeln! In großen Körben, unzählige Zentner, stehen die kostbaren Kerne herum, entschalt, aber noch nicht gehäutet. Der süße Geruch hat etwas Betäubendes. Der freundliche Leiter der Fabrik zeigt und erklärt mir den Werdegang der Masse, die ich in großen, kreisenden Kesseln am anderen Ende des Saales erblicke. Zuerst wird die Mandel abgebrüht, d. h. sie wird zur Entschalung in diesem Riesensieb in einen Kessel heißen Wassers gesenkt. Die Kerne laufen dann durch die Gummiwalze, wobei die braunen Häute Wegplatzen. Die Weißen, Weichen Mandel­herzen werden jetzt körbeweise in große Mühlen geschüttet, die ge- mahlene Masse, ähnlich wie der Kuchenteig, von stählernen Hebeln in kreisenden Kesseln durchgeknetet. Dann wird die Weiche Masse mit Zucker zusammen in einem andern Kessel vermengt, nochmals ge­knetet und jetztabgeröstet". Der Teig wandert hierbei in einen Kessel, der, ähnlich wie andere Zauberinstrumente, mit einem doppel­ten Boden versehen ist, in dem heißer Dampf eine starke Hitze ent­wickelt. So erwärmt und nochmals durchgewalkt, hat die Substanz den vollkommenen Grad der Köstlichkeit erreicht und wird in Holz­kisten gespeichert. Der Versand geht in alle Welt, und je nach der Gediegenheit des weiteren Verarbeitens wird der edle Stoff durch größeren oder kleineren Zusatz von Zucker und Streckmitteln mehr odeir weniger entwertet. An Ort und Stelle aber war höchst lehrreich und appetitanregend zu sehen, wie eine Spihenindustrie Schweine, sämtliche Gemüse, Herzen und sonstigen netten eßbaren Firlefanz verfertigt.Sehen Sie hier," sagte mein Begleiter, der Nestor der Mandelkunst,diese Kartoffeln, Mohrrüben, Birnen und Torten, mit Stadtwappen und Engeln, das ist Lübecker Marzipan, nur leicht abgeröstet. Die Hauptsache beim Lübecker Marzipan ist, daß möglichst keine einzige bittere Mandel in die Masse gerät. Die Königsberger Manier hat darin mehr Lebensweisheit, sie tut, wie den Tropfen Wermut in den Lebenskelch, 10 Prozent bittere Mandeln ins Gemisch, dem eenen sin Ahl, dem annern sin Nach­tigall! ... An langen Tischen wird geknetet, geformt, ein Künstler modelliert Dirnen und andere Früchte, Mädchen pressen die kleinen Marzipanbrote und Früchte in Schwefelformen aus. Herzen werden vus gewalzter Masse ausgestanzt. Das Großartigste aber ist die Echweinestanzmaschine. Ein reizendes Mädchen sitzt vor einem Appa­rat, der mit Marzipan gefüllt ist, unb stampft mit einem Hebelbruck ern komplettes Schweinchen nach dem andern. Die Arbeit der nächsten besteht darin, die Ohren zu putzen, die als einziger Ge­burtsfehler ungenau find. Von Hand zu Hand wandert die Neu­geburt weiter, wird rosa bemalt, hinten und vorne, bekommt ein rosa Lächeln um die Schnauze und stellt sich in Reih und Glied eines Regiments auf, das peinlich im Karree geordnet, zum Packraum abmarschiert. An langen Tischen weihe Schürzen, vor weihen Schür­zen buntes Spielzeug, Erdbeeren, Kirschen, Gurken, Würste. Schin­ken, und alles aus Marzipan. Da wird geputzt und gepinselt! Mit leuchtenden Farben, blank und giftfrei werden alle die lustigen Mo- delle bearbeitet. Die Kartoffelindustrie wälzt Kugeln in Kakao. In leuchtendem Bunt strahlen die Tische, auf denen die kandierten Früchte gebreitet liegen, die auf Herzen von Königsberg zierlich ge­ordnet werden, Ananas in duftiger Menge wird in das schimmernde Weih geknetet, der schwere Laib in flüssige Schokolade getaucht, Tortenaufbauten von handwerklicher Pracht mit Früchten und Fi- fluten entstehen.

»Das ist noch gar nichts," lieh sich mein freundlicher Führer ver­nehmen.Obwohl ich dabei war, als die ersten Kartoffeln auf Stricknadeln gespieht am Gas geröstet wurden, was haben wir nicht in glücklichen Zeiten, für Dinge geschaffen! Früher, als die Mäzene ihre Künstler noch liebten, da griff die Hand noch geistig formend in die Masse. Damals modellierte ich im Aufrag Joseph Kainz in Marzipan, an einem Tisch fitzend und auf ausdrückliche Order Schnitzel und Bratkartoffeln verzehrend. Die Arbeit hätte jedem Panoptikum Ehre gemacht. Oder um einmal Amerikas marzipanische Kunst zu erwähnen: als der Negerboxer Johnson den Weltmeister Jim Jeffries ausgeknockt hatte, dedizierten ihm seine Anbeter eine Kolossattorte. Auf der Weltkugel lag weih und aus- aeknockt der marzipanerne Jim, schwarz und siegreich stand der schokoladene John. Seitdem aber hat das Marzipan wieder auf­geholt, denn bekanntlich sind weder Dempfev noch Tunneh von Schokolade..."

And woher stammen diese furchtbar vielen Mandeln?"Aus Italien, Spanien und Marokko. Aus Spanien die besten, aus Ita­lien die meisten, aus Marokko die wilden Mandeln."

Richtig, in Marokko leben Wilde. Da erntet vermutlich das herbe Königsberg seine bitteren 10 Prozent. Ich für mein Teil bin für Lübeck. Ich will 10 Prozent Süßigkeit in meine Torte backen. Es werden die guten Freunde schon kommen, und ein paar bittere da­zwischen stecken ...

Punschlied.

Von Friedrich v. Schiller.

Vier Elemente, Innig gesellt, Bilden das Leben, Bauen die Welt.

Preßt der Zitrone Saftigen Stern!

Herb ist des Lebens Innerster Kern.

Jetzt mit des Zuckers Linderndem Saft Zähmet die herbe. Brennende Kraft!

Gießet des Wassers Sprudelnden Schwall!

Wasser umfanget Ruhig das All.

Tropfen des Geistes Gießet hinein!

Leben dem Leben Gibt er allein.

Eh' es verduftet. Schöpfet es schnell!

Nur wenn er glühet, Labet der Quell.

Die Silvesterglocken.

Von Charles Dickens.

(Sortierung.)

Ei ja!", entgegenete der Mann mit gedämpfter Stimme, indem er das kleine Gesichtchen mit beiden Händen sanft zu sich emporrichtete und es unverwandt anschaute,das habe ich mir schon oft gedacht. Daran dachte ich, wenn mein Herd sehr kalt und mein Schrank leer war. Daran dachte ich gestern nacht, als wir wie zwei Diebe aufgegriffen wurden. Aber sie sie sollten das kleine Gesicht nicht zu oft vor Gerichten bringen meinst nicht, Lilian? Das ist kaum einem Mann erwünscht!"

Er dämpfte seine Stimm« fast bis zur Lautlosigkeit und starrte das Kind so seltsam und ernst an, daß Toby, um seinen Gedanken eine andre Richtung zu geben, die Frage stellte, ob sein Weib noch am Leben sei.

Ich habe nie ein Weib gehabt", entgegnete er mit Kopfschütteln. Sie ist meines Bruders Kind eine Waise neun Jahre alt, obschon Jhr'e kaum glauben würdet; aber sie ist jetzt müde und abgezehrt. Die Union wollte die Sorge für sie übernehmen und sie achtundzwanzig Meilen von dem Orte, wo wir wohnen, zwischen vier Wände einsperren, wie sie's auch meinem alten Vater machten, als er nicht mehr arbeiten konnte, ob­schon er ihnen nicht lange lästig fiel. Da hab' denn ich sie zu mir ge­nommen, und sie lebt bei mir. Ihre Mutter hatte einmal eine Freundin hier in London. Wir wollen versuchen, ob wir sie nicht entdecken und zu­gleich Arbeit finden können; abers ist ein großer Platz Nun ja, 's ist auch recht wir haben dafür um so mehr Raum umherzugehen, Lilly!"

Er sah das Kind mit einem Lächeln an, das Toby mehr als zu Tränen rührte, und drückte dann deni armen Austräger die Hand.

Ich kenne Euch zwar nicht einmal dem Namen nach," sagte er;aber ich habe Euch mein Herz ausgeschüttet, denn ich bin Euch dankbar und zwar aus gutem Grund. Ich will Euern Rat befolgen und mich fern­halten von diesem..."

Friedensrichter", ergänzte Toby.

Äh!" fuhr er fort!wenn dies der Name ist, den man ihm gibt. Von diesen? Friedensrichter. Und morgen will ich versuchen, ob mir nicht irgendwo in der Nähe von London ein besseres Glück blüht. Gute Nacht. Ein glückliches Neujahr!"

Halt!" rief Trotty, die Hand des andern festumklammernd, als sie sich losmachen wollte.Hali!, das Neujahr kann nicht glücklich für mich fein, wenn wir uns fo trennen. Wie könnte ich auch von einem glück­lichen Neujahr sprechen, wenn ich mit ansehen mußte, wie Ihr mit dem Kind weiterzieht, ohne zu wissen, wohin, und ohne ein Obdach für die Nacht. Kommt mit mir nach Hause! Ich bin zwar nur ein armer Mann und habe bloß ein elendes Quartier; aber ich kann Euch doch für eine Nacht ein Lager geben, ohne es zu entbehren. Kommt mit mir! So. ich will sie nehmen!" fügte Trotty bei, indem er das Kind aufhob.Eine hübsche Kleine! Ich wollte mir zwanzigfach ihr Gewicht auflaben lassen, ohne daß ich es besonders spürte. Sagt mir, ob ich vielleicht zu schnell für Euch gehes ist meine Gewohnheit zu eilen!"

Während Trotty dies sagte, mußte er stets sechs von feinen kurzen Trab schnitten während eines einzigen langen seines müden Gefährten hopsen; und seine dünnen Beine zitterten unter der Last, die er trug.

.Ei, sie ist so leicht," sagte Trotty, dessen Worte ebenso rasch und stoß­weise tarnen, wie fein Schritt war, denn er wollte auf keine Danksagung hören und scheute sich, eine Pause eintreten zu kaffen;so leicht rote eine Feder, leichter als eine Pfauenfeder viel leichter. So, da sind wir jetzt geht's da hinein, um die erste Ecke rechts, Onkel Will, an dein Brunnen vorbei und dann den Weg links hinauf, dem Wirtshaus gegen­über. Jetzt über den Weg hinüber, Onkel Will, und dort auf den Nieren- paftetenmann an der Ecke zu! Da wären wir! Nun an den Ställen hin­unter, Onkel Will, und bann macht Ihr an der schwarzen Tür halt, über der ,Toby Beck, Dienstmann' auf einem Brett geschrieben steht. So, und etzt find mir da, jetzt find wir wirklich da, und jetzt wirst du dich wundern, Hebe Meg!"

Mit diesen Worten setzte der atemlose Trotty das Kind mitten in der otubc zu den Füßen seiner Tochter nieder. Der kleine Gast sah Meg an