Ausgabe 
31.7.1928
 
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Waldemar, 8er wieder einmal Kriegsleute sammelte; ein paar Ge­sellen, die ihm nicht ungleich sahen, hielten ihn trunffjel, denn er war ebenso maulfertig im Trinken wie int Reden..Ihr habt das Weibs- stück nun nahebei!" rief er;die macht nicht Viel Federlesens, und schmuck ist sie, daß sie dsn Teufel verführen könnte!" Er stützte den schweren Kopf in seine Hand und streckte die andere breithin auf den Tisch:Die Königlichen hatten ihr den Mann, der seinem Weib die ganze Ehssröhlichkeit verdorben hatte, zu ihrer Freude so ver­hauen, daß schon der Gottseibeiuns am Bettende sah, um mit der Seele abzufahren. 2lber das wissen wir selber! Llnkraut und Disteln vergehen nicht so leicht; und eines Tages wurde seine Ras« wieder rot und kreuzfidel!"

Der Kerl lachte und nahm sein Glas:Ein Satansweib! Möge der Teufel ihr weiter helfen!" And die Gläser der drei Halunken klirrten aneinander.

An einem andern Tische sah ebn Herr, jung und im goldgestickten Rock; er war schon aufgefprungem und hatte die Hand am Schwert- Miss, um die Kerle abzufuchteln; denn er wußte, es war sein Weib, das ihre schmutzigen Mäuler schändeten. Aber er setzte sich schweigend wisdsr: er mutzte Höven; das war besserer Gewinn.

And mit heimlicherer Stimme begann auch schon wieder der Dettelgast am andern Tische: aber er hatte sich zuvor noch erst fern Stück gelacht:Der wunde Ritter, ich sagt's euch schon, Hub an, seine Fäuste wiederum zu fühlen; da" und der Kerl stich mit seinem Becher auf den Tischda hatte sie auf einmal Ratten zu ver­giften! ÄH glaub, es ist auch wohl eine Ratte mit krepiert; abes es glückte wunderbar: am andern Morgen war sie eine frohe Witwe!" Mordbrand!" rief einer von dem andern;gar eine Ritterfrau und hier? Wie heißt sie denn?"

Aber der Ke-rl wischte sich den Ak und und Hub mit trunkener Feierlichkeit die flache Hand: «Das bleibt bei mir! 2ch bin von ihrem Hof; ein Hundsfott, der seinen Herrn verrät! Möchte nur der Folgmann des armen Vorwirts nicht geworden sein!"

Er 'Leerte sein neu gefülltes Glas und stand taumelnd auf; als er an Rolf Lembeck vorüberkam, sah er tim mit verglasten Augen an) und strebte taumelnd nach der Tür.

Gleichzeitig war Gaspard in das Gemach getreten, der auf Einkauf für seine Herrin, in der Stadt gewesen war, und Rolf drängte zur Heim­fahrt. Auf dem Rückwege ließ er den Schreiber vor sich reiten: er wollte weder feine noch eines anderen Menschen Rede hören; ihm war's, als wenn das Hirn ihm friere und gössen Eisstrahlen sich hinab durch seinen Rücken! Richt seines Weibes dachte er zunächst; nein, Dagmars; und daß zu ihr ein furchtbarer Rettunasweg sich aufgeton.

Als er zu Dornmg ins Gemach trat, kam Frau Wulfhild mit aus- gestreckten Armen ihm entgegen; aber er griff sie an beiden Hand­gelenken und hielt sie von sich: mit entsetzten Augen sah er auf ihr Antlitz. Sie erschrak.Was ist dir?" rief sie auffahrend;bist du auch toll geworden?"

Da ließ er fchweigenö chre Hände fahren und schritt in den Hof hinab. Das Weib aber stand plötzlich ohne Regung:Was war das?" stammelte sie kaum hörbar.

Nach einigen Tagen stand der Schreiber in Frau Wulshilds Kemenate. Hast du die Puppe?" frag sie hastig.

Er wiegte seinen kleinen Kops:Ich habe sie und habe sie auch nicht." Das heißt?"

Ich wette, es ist das Fräulein von des Königs Burg."

Des Schlohhauptmanns Tochter? Ein Kind!"

Er spreizte seine Finger:Erlaubt, das pflegt sich beim ersten Kuß zu wandeln; und überdies das Neue ist ein Dämon!"

Sie war vom Sessel aufgesprungen und schrill mit funkelnden Augen auf und ab: ihre Finger griffen in ihr Sacktuch, als sei's ein lebend Wesen das sie würgen müsse.

Das Spielzeug könnt Ihr nicht nehmen," sagte Gaspard wieder;doch wenn das Spielzeug nicht' asm Kinde tonn, so muß das Kind vom Spielzeug!"

Was heißt das? Rede deutlich!"

Sind hier die Wände sicher?"

Das weißt du selber," erwiderte Frau Wulshild uni) warf sich in den Sessel.Nun rede!"

Und Gaspard letzte stch zu ihren Füßen auf dem Schemel, den sie ihm gewiesen hatte.Ihr habet, edle Herrin," begann er leise, mit Fingerspiel sein Wort begleitend,meine Maulwurfsarbeit nicht gesehen, aber ich habe sie getan. So leiht mir nun ein hörend Ohr! Die unruhigen Herren in Holstein spinnen einmal wieder etwas gegen den König Atterdag" er sah sich um; dann suhr er fort:Sie hatten Eueren Schwäher auch zum Rat berufen: Ihr wisset, der gewaltige Herr hat etwas von der Fleder­maus: beim Wolf heut und morgen bei den Falken; und so wollen 'je seiner diesmal sicher werden. Aber er bauet die Burg dort auf der Insel und kann nicht fort von dem wilden Bauvolk." Gaspard senkte seine Na e: Wollet nicht fragen, wie ich das erfahren habe; aber ich suchte einen klugen Boten und schrieb an Herrn Claus Lembeck, daß bei Euch ein treuer Maim entbehrlich sei, wenn anders Treue im nächsten Bluts liege; ich schrieb auch, es komme Euerem Wunsche entgegen, des Ehegemahls auf eine Weile ju entrateu."

Mich will bedünken," rief das Weib,du bist noch eigenwilliger als klug! Und Claus Lembeck" setzte sie hinzuwie lautet seine Ant­wort?"

Der Schreiber nestelte an seinem Rock und reichte ihr zwei Papiere.

Solange," sprach er,der alte Ritter nicht des Königs ist, sind die Wünsche der Schauenburgerin ihm Befehl! Hier ist ein Brief für Euch, und nebenbei, wenn Ihr sie wollet, die Berufung für Herrn Rolf Lembeck!"

Die Frau griff nach den Briefen und las sie.Du nimmst mir den Gemahl und solltest ihn mir doch wahren!" sprach sie seufzend.

So lasset mich schreiben, daß Ihr ihn nicht missen könnt!"

Da war sie aufgestanden; den Kopf emporgeworfen, die eine Hand an ihren Lippen, stand sie da, wie in die Weite schauend; dann reichte sie dem Schreiber ihre andere Hand:Mein weißer Rabe! Ich bin zufrieden, schick mir deinen Boten; ich werde an Claus Lembeck schreiben, Rolf wird diesem Vater nicht zuwiderhandeln."

,F)ch wußte es, Herrin; Ihr seid nicht wie die andern." Er küßte khr Gewand; dann wurde er entlassen.

--Am Abend dieses Tages schritt Rolf Lembeck nach der Garten­mauer zu Haderslevhuus, und Gaspard der Rabe schlich unmerklich hinter­drein; er wollte nähere Bestätigung für einen neuen Anschlag, den er im Kopfe trug.

Spärlicher Nachtschein zitierte durch die Buchenkronen; nur wenn der Ritter durch eine Lichtung ging, huschten wie blaue Funken die Johannis­käfer um ihn her, und die Nacht war lau und still. Sein Weib hatte nicht versucht, ihn zu halten; dennoch ging er langsam und in schwerem Sinnen, und er hörte nicht auf den Schritt, der in den seinen trat. Nicht nur was er imSchwarzen Stier" erfahren hatte, ein anderes noch war ihm ge­kommen! Ein Wort, das er als Knabe von feinem Vater vernommen hatte. Ein Graf von Orlamünde hatte derzeit von feinem Weibe wollen, um eine Schönere zu freien; aber kein Laie hatte zwischen den beiden Eheleuten den gemeinsamen Blutstropfen finden können, der fähig war, den Bund zu lösen. Da machte der Graf ein gut Teil seiner Habe zu Gold und zog nach Rom; und bald auch kam er mit heiterem Antlitz heim: zwar ohne Gold, aber mit dem Pergament des Heiligen Vaters in der Tasche, das wegen des zu nahen Blutes die Ehe aufhob.Beim heiligen Bart," hatte Claus Lembeck da gerufen,der Teufel konnte es nicht; der Papst hat es herausgefunden!"

Der Knabe Rolf hatte das Wort gehört und nicht geachtet; jetzt kam es aus der Tiefe, wo das Gedächtnis die Schätze für die Zukunft hütet.Und wenn dem Orlamünder, warum nicht mir?" rief es in ihm.War meiner Großmuhme Gemahl doch ein Vetter von den Schauenburgern!" Dann dachte er des anderen:Wenn ich es brauchen müßte, das bricht die Kette!" rief er laut, und mit kräftigeren Schritten ging er weiter.

Der Rabe Gaspard war auf feinen Fersen; und als nach einer Weile der Ritter sich droben aus den dichten Zweigen in die zarten Arme schwang, da war der Laurer an dem Waldrand und sah, was keines Menschen Auge hätte selpm sollen. Denn in dem Ritter war alle ungestüme Liebesnot und Hoffnung aufgesprüht.Rolf, Rolf! Du tötest mich!" rief Dagmar, als er sie in seine Arme preßte.

Da ließ er sie plötzlich und starrte über die Mauer in den Grund hinab.Hörtest du es, Dagmar? Da drunten lachte was!"

Sie aber wandte das süße Antlitz zu ihm:Fürchtest du dich, Rolf?" Ja -T- Dagmar, wer dich im Arm hält, muß sich fürchten!"

Doch nicht vor Ringeltauben! Ich hörte es auch, es kam dort aus der Buche."

Er warf noch einen Blick hinab, dann zog er sie auf die Bank, wo vom Weg herauf kein Auge sie erreichen konnte. Die Nachtigall hatte aus­gesungen; fast keines Atemzuges Regung war in der Nacht; wie mühe legte Dagmar den feinen Nacken auf feinen Arm, und ihre dunkeln Augen wollten nichts als ihn. Dämmerung war es, denn der Mond war rund uni) wieder schmal geworden und stand mit seiner Sichel über den Baumen in Südost. Rolf Lembeck sah grübelnd in die Nacht hinaus.

Nimm! So nimm doch, liebster Mann!" hauchte das Kind und bot ihm ihre roten Lippen.

Aber er drückte wie in Angst ihren Kopf an seine Brust:Nicht mehl', o Süße, Selige!"

Da lachte sie und riß das dunkle Köpfchen wieder gegen ihn auf:Um was? So nimm doch, was dein ist!"

Aber der Mann stöhnte, in Wonne halb und halb in Schmerz: ,fi, Dagmar, ein Feuer ist die Minne; es soll dich nicht verbrennen!"

Sie verstand ihn nicht; sie frag auch nicht, nur als seine Lippen jetzt flüchtig H)re Stirn berührten, klage sie:Das ist ja nicht der Weg zum Herzen! Zürnst du? Was hab' ich dir getan?"

Du, Dagmar?" rief er, und seine Augen leuchteten wie blaue Sterne, du fülltest mir das Herz mit Wonne; soll ich Todesnot in deines bringen? Höre mich, du Schöne, Unirdische! Mir ist es oft ein Wunder, daß meine Hände dich berühren können; mir ist, als seiest du mein holder Schatten­geist, von dem die alten Mären sagen, zwischen Lilien aus dem Mond- scheinsee zu mir emporgestiegen; mir träumt zu Nacht, daß Flügel an deinen zarten Schultern sprießen, daß du mich fortträgst, weit ans hem Wirrsal meines jungen Lebens!"

O nein, nicht so, nicht so!" Flehend bat sie ihn, und ihre Hönde legten sich auf seinen Mund;du täuschest dich; ich bin nur ein Erdenkino, ö Rolf, die sterben vom Hauch der Luft! Ich weiß es!"

Anbetend sah der Mann sie an.

Da glitt sie ihm zu Füßen, ein gespenstischer Glanz brach aus ihren Augen. ,,O Liebster, kein Leben, kein Sterben ohne dich!"

Er zog sie sanft zu sich herauf:Erst leben, Dagmar! Wir zusammen möchtest du das nicht?" ,

Sie nickte nur; aber der Atem stand ihr still, als ob sie Wunder hören solle.

So muß ich dich um Urlaub bitten!"

Urlaub?" rief sie erschreckt.Du willst fort? Ganz fort?"

Nur auf zehn Tage, Dagmar! Am Abend nach Mariä HeimsiichE bin ich wieder bei dir!"

Zehn Tage! O, das ist lange!" «

Er strich ihr liebkosend das lose Haar unter ihre» Silberreis: vW Dagmar, lange! Aber ich muß zu meinem Vater!"

Sie blickte ihn plötzlich wie verwundert an:Hast du auch einen Vaier. frug sie zaghaft.

Hast du doch einen, Liebste!" sprach er.Und meiner soll uns)«!< daß ich mit ihm durchs Schloßtor zu dem deinen trete und dich zum v? gemahl begehre!" (Fortsetzung ;olg^

Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. Druck und Verlag: Brühl'sche Äniverfitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, DieK«»-