Stuf -en Einwand des friefijdjen Lehrers, der Kanal fei nicht tie< genug, t erwiderte Fürst Bismarck: „Um so leichter konnte man ihn noch Herstellen Das ist eigentlich gar keine «sache im Vergleich mit dem, was wir in Holstein gemacht haben, und unsere Flotte wurde dreimal |0 stark, Enjta äusser Löchern heraus könnte, ans Kiel sowohl wie ans Emden."
2lm Ladoga- und Saimafee
Bilder von der finnländisch-rufsischen Grenze
Von E. v. Ung ern-Stern berg.
So weit das Auge reicht, dehnt sich vor Schlüsselburg ein endloses graues Eisfeld nach Norden aus. Wenn die Sonne fcyeint, schillert der Schnee, als ob Diamanten darüber gestreut waren; meistens aber bedecken Wolken und Nebel den Horizont, und der Ladogasee präsentiert sich wie ein düsteres Totenfeld. Schmutzige Pfade führen als dunkele Streifen auf die Eisfläche hinaus. Rechts und links haben Fischer große Löcher ausgehauen und ausgesägt, ihre Netze und ihr Gerät liegt daneben unordentlich aufgeftapelt und neugierige Seehunde tauchen aus dem kalten Wasser und schnappen nach zappelnden Fischen. Nach Westen ragen die reisbedeckten Bäume des sinniändischen Users, aber das Land tritt bald mehr und mehr zurück, und ringsum lauert öde Einsamkeit. Der Ladoga hat seine Geschichte. Als Peter der Große mit Karl XII. Krieg führte, sand auf dem Ladoga eine Seeschlacht statt, aber die kleine neugezimmerte russisch« Flott« konnte den Schweden Stand halten und der Zar erbaute, um sich vor neuen Uebersällen aus seine jung« Hauptstadt zu schützen, am Ausfluß der Newa die Festung Schlussel- bura. Die Festung verlor ball) ihren strategischen Wert, und schon die Tochter Peter des Großen, die Zarin Elisabeth, hielt dort den jungen Kaiser Iwan III., den unglücklichen Sohn Anna Leopoldownas, gefangen, den sie einst selbst auf dem Schoß gehalten, als die Petersburger Garden dem neugeborenen Zaren huldigten. Noch heute steht das enge Verließ innerhalb der Festungsmauern von Schlüsselburg, in dem der Zar eingeschlossen war und in dem er später ermordet wurde. Er hat außer dem gepflasterten Hof seines Kerkers und dem düsteren Wasser des Ladoga wenig in seinem Leben gesehen.
Zu Alexanders III. Zeiten wurde Schlüsselburg ebenjo wie die Peter-Paulsestung zum Kerker für die gefährlichsten politischen Gefangenen. Dort verbrachten in voller Weltabgcschlossenheit die nm Morde Alexanders II. beteiligten Verschwörer lange Jahrzehnte, bis sie die erste Revolution vom Jahre 1905 befreite; die Ueberlebenden beziehen letzt von den Bolschewiken eine Ehrenpension
Je weiter sich Petersburg ausdehnte und feine Villen und Fabriken nach Norden vorschob, desto näher rückte der gewaltige Ladogasee der Hauptstadt. In zwei kurzen Stunden legten im Sommer die kleinen Dampfer den Weg von der Mündung in den finnischen Meerbusen auf der Newa bis zum Ausfluß aus dem Ladoga zurück. Auch eine Eisenbahn verbindet Schlüsfelburg mit der Stadt, aber wenn das gefürchtete Gefängnis auf der Insel mit seinen granitenen Basteien auch heute keine politischen Gefangenen mehr einschließt, so liegt doch noch ein Hauch des Unheimlichen über Schlüsselburg, und die Gespenster der Erinnerung huschen im Winter über das Eis des Ladoga und verbergen sich im Herbst und im Sommer in den Nebeln des Sees. Wenn endlich das Eis in den ersten Maitagen 311 bersten beginnt und gewaltige Schollen an Petersburg vorüber in das Meer hinausschwimmen, so vertreibt ein eiskalter Nordwind den Frühling, und Schnee und Frost halten einen unwirtlichen Einzug bis tief hinein in das Land. Es ist der kalte Gruß des Ladoga.
Seit Finnland ein selbständiger Staat geworden und Tausenden von Flüchtlingen aus dem Sowjetreich ein Asyl gewährt, hat der Ladoga «ine neue Bedeutung gewonnen. Seine Wasserfläche bildet die Grenze zwischen Finnland und Rußland. Wenn der gewöhnliche Verkehr aus der Bahnlinie zwischen Petersburg und Helsingsors über Belostrow und Terrioki geleitet wird, wo sich aus der Grenzbrücke rote Soldaten und finnische Gendarmen mit geladenem Gewehr gegenüberstehen, so ist der Ladoga di« Straße vieler Schmuggler, Verschwörer und Flüchtlinge, die dort im Dunkel der Nacht und im Nebel die Schildwachen und Patrouillen täuschen zu können hoffen. Auf einer der nördlichen Inseln des'Sees liegt das Kloster von Walaam, einst ein vielbesuchter Wallfahrtsort, in dem noch heute Wunder geschehen sollen. Bon dort ist es nur eine kurze Strecke nach dem gegenüberliegenden finnischen Städtchen Joensu. Oft genug wird in Petersburg von Kämpfen auf dem Ladoga berichtet. In den Nächten ballt das Echo von Schüssen an die einsamen User, und am Morgen finden die Fischer starr« Leichen auf dem Eise, um die sich niemand kümmert und die im Frühjahr die Schollen hinaus in das Meer tragen werden. Es geht dort Leben um Leben, denn Pardon geben weder die roten Grenzwächter noch die Schmuggler.
Im Sommer verkehren Dampfer über den Ladogasee, die weiter über den Onegasee noch Petrosadowsk fahren. Eine Tour, die von Jägern und Kaufleuten häufiger gemacht wird, die den wilden Norden hinaus bis ans Eismeer Vordringen. Den Zauber der weißen Nächte kennen nur lvenige! Mit zarten Feenfingern berühren die rosa, violetten und grünen Strahlen der am tiefen Horizont glühenden Sonne di« hellen Birken und die Gräser und das Moos auf den Flächen. Die Mücken und Libellen spielen nm Wasserrande, und weihe Schwäne schwimmen am Schilf. Nachtschatten und wilde Narzissen duften auf den Wiesen mitten zwischen hellblauen Feldern von Vergißmeinnicht. Es ist so feierlich still in der Stunde, wo sich Abendrot und Morgenrot begegnen und ineinander verschmelzen. Elche brechen lärmend aus dem Tannen- und Erlendickicht und gehen mit plumpen Schritten durch di« stille Landschaft. Unter den Weiden am User eines Sees kommt gemächlich eine Bärenfamilie hervor, und irgendwo im Dickicht balzt taut ein Auerhahn. An den Nordostufern des Ladoga gibt es nur wenig« Ansiedlungen, und es können Wochen und Monate vergehen, ehe ein Menfchenfuß jene weltentlegenen Gegenden durchstreift.
Nicht weit vom Ladogasee liegt im finnischen Territorium der Saima- see. Er ist auch ein Riese unter den Binnenseen, auch seine User sind von rinfmnen Wäldern eingesäumt und die Stille des Nordens träumt an
seinen Wassern. Aber auf dem Salma verkehren im Sommer zahlrenhe Dampfer mit fröhlichen Touristen. Reizende Sommerfrifchen und Bauernhäuschen, auch ganz komfortable Pensionen sind hier und da an fernen Ufern errichtet, und auch im Winter fehlt ihm das Düstere und Trostlose seines östlichen Bruders, des Ladoga. Einige Kilometer vom Saimasee entfernt, befindet sich der Wasserfall des Jmatra. 8m Winter find die stürzenden Fluten gefroren und bilden phantastische Eisgestalten. Schillernd« Block« und Säulen, an die sich gewaltige Schneenrassen lehnen. Arn Rande des Wasserfalles liegt das vornehme Jmatrahotel, ein stattlicher Bau mit granitenen Fundamenten, in dem in früheren Zeiten Gaste aus dem nahen Petersburg einzukehren liebten. Wenn die Wände des Hotels reden könnten, fo würden sie von manchen heimlichen Romanen, von manchen hochpolitischen Zusammenkünften berichten, denn der Jmatra lag schon außerhalb der Reichweite der alles wrssenden Petersburger Salons. Das Hotel in der Waldeseinf'amkeit am Jmatra war verfchrvlegen und diskret, auch ein Lauscher an den Doppeltüren der Zimmer könnt« nichts weiter als das Gurgeln der Wasser in der langen Soinmerdamme- runa hören. An den kühlen Abenden versammelten sich di« Gäste, di« nicht fürchten mußten, zusammen gesehen zu werden, auf der Veranda, ließen sich von den Kellnern in warme Plaids wickeln und tauschten,der ewigen Sprache des Wasserfalles und unterhielten sich bei einem Glase Champagner oder bei süßem Schwedenpunsch.
.Heute ist Petersburg von Finnland abgeschlossen, es Mb! mst Aus- nähme von einigen Helsingforsern kaum mehr elegante Ausflügler am Jmatra, und das Hotel hat keine Geheimnisse mehr. Der Saunasee und der Ladoga, die so nah« aneinanderliegen, sind zwei sich fremde Welten geworden^ fremd wie Finnland und Sowjeirußland einander fremd gnd. An den Nordusern des Ladoga gibt es reiche Steinbrüche von faroigem Granit, aus dem u. a. die Jsakskachedral« in Petersburg erbaut wurde Sie sind heute vernachlässigt, denn das sinnländische User ist Ausland und die Bürger des Sowjetreiches dürfen nicht ungestraft die Grenzen überschl-eiten. Das finnlündische User ist wieder vereinsamt und verarmt, ohne die Berührung mit Rußland. Der Ladoga ift cm totes, dusteres Wasser von riesenhafter Ausdehnung unb Schlüsselburg eine Stadt ohne Leben, nur eine Vorstadt des jetzigen Leningrad geworden, wo das Sowjetreich aufhört und wo auch die Zukunst ihr Ende gefunden hat. Jahre und Jahrzehnte mögen vergehen. Die Wasser Des^ Ladoga wird im Winter Eis und im Sommer grauer Nebel decken, durch den nur selten ein Sonnenstrahl dringt. In Europa weiß man wenig vom Ladoga- ee, von der riesigen Wasserfläche, die Petersburg vorgelagert ist, unb ine jetzt zwei Welten, di« einander mißtrauen, den Osten und den Westen, von einander trennt.
©ibt es tatsächlich A onie?
Von Privatdozent Dr. Fr. Wolf, Danzig.
Eine außerordentlich merkwürdige Erscheinung zeigt sich, wenn man im stark vergrößernden Mikroskop ganz kleine Teilchen eines lebloen Stoffes, etwa Metallkörnchen betrachtet, die in einem Flusfigkeitstropsen schweben. Sie müssen nur klein genug {ein, von Durchmessern unterhalb von vier Tausendsteln eines Millimeters, dann sichren sie eigenartige Bewegungen im Gesichtsfeld aus, ähnlich wie die kleinen Infusorien, die man im Wasser von Seen und stillen Tümpeln findet. Daß dies« Tiere umher chwiinmen, ist weiter nickst verwunderlich. Denn sie leben ja und gehen auf Nahrung aus. Aber Die Bewegung der Metallteilchen ist doch etwas sehr Erstaunliches. In unregelmäßigen Zuckungen gleiten fi« dahm, kreuz und quer, scheinen sich auch zu drehen und zu überschlagen und bieten dem Auge ein rätselhaftes Bild flimmernder Unruhe Wie soll man dies verstehen, woher sollen die toten Teilchen ihr Leben bekommen!
Diese sogenannte „Brownsche Bewegung" war lange ein großes Rätsel. Heute ist sie einer der augenscheinlichsten und unmittelbarsten beweise für den Aufbau Der Materie aus kleinsten Grundbausteinen, die sich nicht weiter teilen lassen, ohne daß sie alle Eigenschaften des Stoffes überhaupt verlieren. .. „ . . ...
Es ist eine besondere Sache mit den „Bewegen in der Phyfik. Man kann die Atome wegen ihrer ungeheuren Kleinheit nicht, sehen, noch greifen, alle unsere Sinne sind zu grob für den unmittelbaren Nah weis ihrer Existenz. Die atomistische Struktur der Stoffe laßt gch mH beweisen, wie man einen mathematischen Lehrsatz beweist, der dann um bedingt und unwiderleglich richtig sein muß. Man sand nur immer um immer wieder neue Naturerscheinungen, Die sich am besten durch « Annahme erklären ließen, daß man alle Materie nicht immer weiter in noch kleinere Stückchen zerteilen kann, sondern schließlich einmal ve diesem Unterteilungsprozeß auf letzte, nicht weiter zerlegbare ®ru»DDau. stosf« stößt. So entstand die Annahme einer atomistischen Struktur.
Es ist eine erstaunliche Leistung menschlichen Könnens, allem an Grund Der -unmittelbaren Sinnesrvahrnehmungen und ihrer Berarbeuunü durch den Verstand bis zu dieser Gewißheit durchgedrungen zu {«>», » uns heute erlaubt, mit unserem geistigen Auge in aller Klarheit mit 0 Einzelheiten die Struktur der Materie und die Grundsteine zu cha« Die keine noch so gute Optik dem wirklichen Singe je hatte entöe ^Den frühesten Anstoß zu dieser eigenartigen Auffassung lieferten d'- Beobachtungen der ersten Chemiker, di« die Waage ch. qu'Ma'iM Untersuchungen brauchten. Das waren Klaproth und Dal ton . 1800. Ihre Beobachtungen waren Der erste Anlaß zu der Annahm, alle Stosse in ihrem Innern eine diskontinuierliche Struktur besitzen, m die Elemente aus Atomen, die Verbindungen aber aus einfachen Gmp^ verschiedener Atome, Den Molekülen, aufgebaut sind. Erne »W festigung erhielten diese Anschauungen bald Durch d'e neuen E ken > die man auf dem Gebiet der Warme späterhin zutage forderte, m der 1 . nannten „kinetischen Gastheorie". ... -.rf. Mch
Auch die eingangs geschilderte Brownsche Bewegung laßt Ich die kinetische Theorie einfach erklären. Die Moleküle der '„ bum die Metallstückchen schweben, eile nach allen möglichen Richtung, durcheinander. Die Geschwindigkeit ist aber von Molekül zu M


