Ausgabe 
31.3.1928
 
Einzelbild herunterladen

(Aieben Nach Zufallsgesetzen bewegen sich die einen langsamer, andere Meller. Ist nun aber das Metallteilchen sehr klein, jo kann esvor- mnmen, daß sich die Unregelmäßigkeit in Richtung und Geschwindigkeit L, Moleküle geltend macht. Es können auf e-iner Seite des Teilchens zu- Wia einmal mehr Stöße unlb heftigere Stöße stattfinden als aus der midcren, und in diesem Llugenblick wird sich das tot« Metallteilchen nach hör Seite der geringeren Wirkung hin fortbewegen. Mr glauben, es lebt, in Wirklichkeit sehen wir nur die Auswirkung der Molekülbewegung IN der umgebenden Flüssigkeit. So wird Ae Brownsche Bewegung zu einem der handgreiflichsten Beweise für die Existenz von Molekülen im Innern der Flüssigkeiten.

Auch bei sesten Körpern hat man neuerdings den Ausbau aus e>n- »elnen Grundbausteinen unmittelbar Nachweisen können. Dies gelang burci- Bestrahlung von Kristallen mit Röntgenstrahlen, schon lange waren die Mineralogen der Ansicht, daß die regelmäßige Gestalt der Kristalle erklärt werden müsse durch regelmäßige Anordnung ihrer (9rund« Bausteine im Innern. Um einen einfachen Fall herauszugreisen, denken mir uns irgendeinen Würfel von der Kantenlänge von einem Meter. Dieser sei in allen drei Kantenrichtungen unterteilt durch lauter parallele Mditen die je zehn Zentimeter von einander entfernt sind, so daß der Kubikmeter also zerlegt wird in tausend kleinere Wursel von >e einem Kubikdezimeter. Wenn wir uns nun durch den ganzen Raum des Kubik­meters hindurch in jeden Eckpunkt der kleineren Würfel ein Atom jrel- ckwebend eingefügt denken und dieses ganze räumliche Netz von wurfel- örmiq ungeordneten Atomen im Geiste ungeheuer verkleinern so er« »alten wir ein Stückchen eines Kristalls, wie ihn im inneren Aufbau die Mineralogen sich schon lange vorstellen. Nun läßt sich auf Grund physt- kaliicb-optischer Erfahrungen überlegen, daß ein Lichtstrahtenbundel von cienüaend kleinen Wellenlängen, das man diirch ein solches räumliches Kitter von schwebenden Atomen schicken würde, an den Atomen abgebeugt und in Farben zerlegt werden müßte, ganz ähnlich wie auf unser Auge Lickt farbig wirkt, wenn man es durch ein feines Gewebe hindurch be­trachtet. Beispielsweise geben Straßenlaternen des Abends durch den Neaenschirm hindurch besehen, wunderschöne farbige, Erscheinungen dieser Art Bei dem räumlichen Gewebe der Atome liegt die Sache nur insosern ctoas anders, als nicht alle hineingeschickten Farben aus der anderen Seite abaebenat wieder auftreten, sondern nur ganz vereinzelte Wellen­längen kommen, schief nach verschiedenen Richtungen abgebeugt, wieder zum Vorschein. Hielte man eine photographisci/e Platte hinter di« Äus- trittsstelle des Lichts, so müßte sie einmal in der Mitte durch das um gebeugt hindurchgegangene Licht, dann aber auch noch rings herum durch die einzelnen abgebeugten Strahlen geschwärzt werden. Um den Fleck von unabgelenktem Licht herum müßte ein ganzes Mosaik von regelmäßig anaeordneten schwarzen Flecken der gebeugten Lichtstrahlen entstehen. Alles dies ergibt sich rein aus Grund physikalischer Ueberlegungen unter der Annahme, daß ein Kristall ein räumliches Gitter von Atomen ist. Baute er sich dagegen kontinuierlich aus Materie aus, so war« eine solche Erscheinung undenkbar. ,, , , .

Es war M. v. La u «, der 1912 nach solchen Ueberlegungen den Den such mit dem genügend kurzwelligen Licht der Röntgenstrahlen wirklich durchsührte. Und in der Tat zeigte sich die beschriebene Erscheinung in voller Klarheit, ein glänzender Beweis für die gitterfornnge Struktur der Kristalle aus Atomen. In neuester Zeit ist es sogar gelungen, auch die Wärmebewegungen der einzelnen Atome im Kristallgitter unmittelbar nachzuweisen. In festen Körpern sind die Atome viel weniger frei als in Flüssigkeiten und Gasen, sie schwingen nur um ihre Ruhelagen, die Würselecken im obigen Beispiel, immer heftiger hin und her, je hoher man die Temperatur steigert. Dadurch wird di« Abbeugung des Rontgen- lichies beeinflußt. Man findet in Fortführung der obigen Ueberlegungen,, daß jeder Flecken abgebeugten Lichts auf der photographischen Platte bei hohen Temperaturen wegen des Schwingens der Kristallatome undeut­licher und der ganze Plattengrund mehr und mehr gleichmäßig geschwärzt werden muß. Auch diese Erscheinung konnte vor kurzem experimentell gut bestätigt werden und befestigt so den Beweis der gitteriormigen An­ordnung der Atome in den Kristallen in wunderschöner Weis«. .

Außer diesen wenigen Beweisen für die atomistische Sturktur der Materie konnten wir noch viele andere anführen, die nicht weniger mteiessant und überzeugend sind. Statt dessen wollen wir hier nur noch daran er­innern, daß es dir Physik ja gelungen ist, weit über den Nachweis, der Cristenz der Atonie hinaus durch zahllose Erfahrungen aus den Gebieten der Optik, der Elektronik, der Radioaktivität und vielen anderen sich selbst über die inneren Eigenschaften der verschiedenen Atome sehr eingehende Kenntnisse zu verschalfen. Alle Untersuchungen, die seit Jahrzehnten ans diesen physikalischen Teilgebieten gemacht wurden, fußen, aus solchen Vorstellungen, sie arbeiten und rechnen mit ihnen, ohne je auf einen Widerspruch zu stoßen, und diese Tatsache müssen wir bei der ungeheuren Fülle solcher Arbeiten fast als den kräftigsten Beweis für unsere Behaup­tung ansprechen.

Pierre Grassou.

Novell« von Sonore be Balzac.

(Schluß.)

Aus der b«glückien Miene, mit der diese drei Wesen in dem Atelier des Malers Umschau hielten, verriet sich ihre ehrfürchtige Begeisterung für die Kunst.Sie also werden uns malen, mein Herr.- fragte der würdige Pater.

Ja, mein Herr!" antwortete Graffou.

Bervelle, er hat das Ehrenkreuz!" flüsterte die Frau ihrem Manne zu, als der Maler ihnen den Rücken zuwandte.

Glaubst du, ich würde unsere Bilder von einem Maler ohne Aus­zeichnung mackjen lassen?" sagte der getvesene Flaschenhändler.

Elias Magus verabschiedet« sich von der Familie Bervelle und ging, «fasst» begleitete ihn zur Trepp«.Das war auch nur Ihnen möglich, lold>e Kugeln aufzufangen," faßte er.

Hunderttausend Francs Mitgift!" sagte Magus.

Ja, aber was für eine Familie!"

Dreihunderttausend Francs späteres Erbteil, ein Haus in der Ru« Boucherat und ein Landhaus in Bille d'Avray. Sie wären für Lebenszeit versorgt," sagte Elias.

Dieser Gedanke durchzuckte Grassous Gehirn wie di« Morgensonn« seine Mansarde.

Während er dem Baier des jungen Mädchens behilflich war, die richtige Stellung zum Porträtieren einzunehmen, erfreute er sich an dem gutmütigen Ausdruck dieses Mannes und bewunderte die violetten Farb­töne dieses Gesichts.

Mutter und Tochter flatterten um den Maler herum und beobachteten voller Entzücken feine Vorbereitungen; er erschien ihnen wie ein Gott. Fougeres gefiel sich in dieser Bewunderung. Das goldene Kalb strahlte sein phantastisches Licht über diese Familie.

Sie müssen unheimliche Summen verdienen, nicht wahr?" jagte di« Mutter.Aber Sie geben das Geld wahrscheinlich ebenso schnell, wie Sie cs verdienen, wieder aus."

Nein, gnädige Frau," erwiderte der Maler,ich gebe es nicht aus, denn ich wußte nicht wozu. Mein Notar arbeitet mit dem Gebde und führt Buch darüber; und sobald ich es ihm gegeben habe, denke ich nicht mehr darast."

Ich habe mir sagen lassen " rief Papa Bervelle,ihr Künstler wäret wie die Siebe."

Wer ist Ihr Notar, wenn es erlaubt ist?" fragte Frau Bervelle.

Oh, ein guter Kerl, der runde Eardot."

Aber nein, wie komisch!" lachte Bervelle.Eardot ist auch unser Notar."

Sie dürfen sich nicht bewegen," sagte der Maler.

2(ber so bleibe doch ruhig," rief die Gattin.Du wirst schuld sein, wenn der Herr einen Fehler macht. Du solltest ihn nur bei der Arbeit sehen, so würdest du verstehen...."

Ach Gott! Warum habt Ihr mich nicht im Malen unterrichten lassen! sagte Fräulein Bervelle zu den Eltern.

Birginie," rief die Mutter,es gibt gewisse Dinge, die ein junges Mädchen nicht kennen darf. Bist du erst einmal verheiratet gut! Aber bis dahin gib dich zufrieden."

Diese erste Sitzung genügte, um den ehrenwerten Künstler trat der Familie Bervelle schon recht befreundet werden zu lassen. In zwei Tagen sollten die Bervelles wiederkommen. Vater und Mutter ließen Birginie auf dem Heimweg ein wenig vorausgehen, aber trotz der Entfernung er­lauschte sie folgende Worte, di« ihre Neugier erweckten:Ein dekorierter Mann ... siebenunddreihig Jahre ... ein Künstler mit Aufträgen, dessen Geld von unferm Notar verwaltet wird ... wie wäre es, wenn wir Cordot zu Rate zögen? ... Ha, Madame de Fougeres wäre nicht übel!... Er sieht nicht aus wie ein übler Mensch ... Du meinst, besser em Groß­händler? Aber bei einem Kaufmann kannst du, wenn er sich nicht bereits üom Geschäft zurückgezogen hat, nie wissen, wie es deiner Tochter er­gehen wird. Ein sparsamer Künstler dagegen ... außerdem lieben wir die Kunst ... kurz und gut ..." ,

Während die Familie Bervelle ihre Eindrücke über den Maler aus­tauschte, bildete sich auch Fougeres seinerseits sein Urteil über die drei. Aber das Atelier war ihm zu eng und zu still dazu. Er begab sich aus die Straße und musterte di« rothaarigen Frauen unter den Vorübergehenden, wobei er die seltsamsten Schlußfolgerungen zog: Gold sei das schönste der Metalle und dis gelbe Farbe kennzeichne das Gold, die Römer liebten Frauen mit goldrotem Haar und er sichle wie ein Römer ... und der­gleichen mehr. Welcher Mann kümmert sich nach zweijähriger Ehe noch um die Haarfarbe seiner Frau? Schönheit vergeht, aber die Häßlichkeit besteht. Geld ist der halbe Weg zum Glück. . . m

Als der Mater abends zur Ruhe ging, fand er Birginie Bervelle

bereits entzückend. . , ,

Als die drei Bervelles zur zweiten Sitzung das Atelier betraten, empfing der Maler fi« mit einem liebenswürdigen Lächeln. Der -vchelni hotte heute seinem Bart besondere Aufmerksamkeit gewidmet; seine Wasche war blütenweiß; anmutig hatte er sein Haar geordnet, und er trug eine sehr kleidsame Hose und puterrote Hausschuhe. Sein Gruß wurde von der Familie ebenfalls mit einem gewinnenden Lächeln beantwortet. Birginie, die so rot wurde wie ihr Haar, senkte di« Augen und ivandte den Kopf ab, als versenk« sie sich in die Studien. Pierre Grassau war von diesen kleinen Zierereien entzückt; er sand Birginie graziös und glücklicherweise weder ihrem Vater noch ihrer Mutter ähnlich.

Während der Sitzung entspann sich eine angeregte Unterhaltung zwischen der Familie und dem Maler, der so kühn war, den Baker Bervelle geistvoll zu finden. Di« Bervelles nahmen mit ihren Schmeichelworten Ms Herz des Künstlers im Sturm. Er schenkte Birginie eine seiner Skizzen und der Mutter eine Studie.Umsonst?" fragten sie. Pierre Grasso» mußte todjen.Sie dürfen Ihre Bilder nicht fo wegschenken, faßte Bervelle,das ist doch fo gut wie bares Geld." .

Bei der dritten Sitzung erzählte Papa Bervelle wm einer l-honen Gemäldegalerie, die er sich in feinem Landhaus in Bill« d Aoray zugelegt habe. Sie enthalte Werke von Rubens, Gerard Dou, Mieris, Terborch, Rembrandt, Paul Potter, einen Tizian und anderes.Herr Bervelle hat sich eine Torheit geleistet," sagte Frau Bervelle ehr wichtig,er besitz fite hunderttausend Francs Bilder." -Ich bin eben Kunstliebhaber," sagte der ehemalige Flaschenhändler. ,. .

Als der Maler das Porträt der Frau Bervelle begann, nachdem das ihres Gatten nahezu vollendet roar, fand die Bewunderung der Familie kein Ende Der Notar hatte von dem Maler eine geradezu glanzende Schilderung gegeben: Pierre Grafsou war in seinen Augen der ehren- Eteste Mann der Welt, einer der beftfitmerten Künstler, der sich bis letzt fechsunddreißigtausend Francs zusammengespart habe; die Tage des Elends feien für ihn vorbei, er habe eine Jahreseinnahme von zehn­tausend Francs; olles in altern, es sei ausgeschlossen, daß er eine Frau unglücklich machen werde. Diese Schluhbemerkung fiel entscheidend in die Wagschale. Di« Bervelles unterhielten ihre Freunde nur noch nut Ge­sprächen über den berühmten Fougeres. An dem Tage, da Fougeres das