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Verantwortlich: Dr. Hans Lhyriot. — Druck und Verlag: Drühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei,D. Lange, Viehes
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Das Fräulein von Seuderk.
Bon E. T. A. S) o f f m a n n.
(Schluß.)
Mochte es fein, daß der König sich auf unzarte Weife daran erinnert fühlte, daß er im Begriff stehe, das strenge Recht der Schönheit aufzuopfern, oder vielleicht ging es dem Könige wie dem Träumer, dem,
Heber all dem haben wir ganz unser Raumschiff vergessen, seit es uns an die Grenzen der Milchstrahenwelt herangeführt hatte. Der ruhelose Lichtstrahl aber hat von unseren Betrachtungen keine Notiz genommen und uns weiter in den Raum hinausgetragen. Wohin entführt er uns, in Nichts? Bis vor wenigen Jahren hätte man dem nicht widersprechen können: Daß jenseits der Shapleyschen Weltallsgrenzen wohl keinerlei kosmische Gebilde mehr existieren.
Und dennoch hatte man schon längst eine bestimmte Gruppe von Himmelskörpern in Verdacht, etwas besonderes zu bedeuten: die Spiralnebel. In klaren Nächten findet man auch mit freiem Auge einen ihrer typischsten Vertreter im Sternbild der Andromeda. Ein kleines elliptisches Nebelwölkchen — von der Photographie enthüllt als eine ausgedehnte Spirale, deren Windungen wir seitlich betrachten, und bei der sich zumindest die äußeren Arme jetzt vor der Kraft der Mt. Wilson-Instrumente in eine ungeheure Sternfülle auflösen! Und nun untersucht Prof. Edwin B. Hubble, dem die neuen Fortschritte zu danken sind, mit seinen« lOOzölligen Reflektor sorgsam die Sterne und findet bis gegen 50 Licht- veränderliche unter ihnen, darunter zahlreiche vom Delta-Eephei-Typus, deren Perioden aber, von 18 bis 50 Tagen, führen auf dem angedeuteten Wege auf riesenhafte Ausmaße des Nebels, Ausmaße, die man sich kaum je hätte träumen lassen. 870 000 Lichtjahre als Entfernung von uns, 46 000 Lichtjahre als Durchmesser, vielleicht 17 Millionen Jahre als wahrscheinliche Rotationsdauer und als abgeschätzte Größenordnung für die Masse des Kerns etwa 270millionenfache Sonnenmaße. — Kein Zweifel also, eine neue gigantische Welt hat sich uns offenbart; und viel weiter draußen im Raum liegt sie noch als jene Kugelhaufen, in denen erst vor uzenigen Jahren Shapley die Grenzsteine der Welt aufgefunden hatte.
Aber mehr noch. —■ Dergleichen wir als Ganzes, so finden wir weitgehende AehMchkeiten zwischen unserer engeren Milchstraßenwelt und den Spiralnebeln — sowohl in den Dimensionen, wie in dem inneren Aufbau, in den Leuchtkräften und in vielem anderen, — obwohl im einzelnen noch gewisse Unterschiede bestehen bleiben. Der eine Nachweis aber erscheint jedenfalls bereits erbracht: Ein Milchstraßensystem gleich dem unseren mit seinen Milliarden von Sonnen liegt eingehüllt in dieser unscheinbaren Nebelspirale der Andromeda vor uns. Und die unzähligen anderen derartigen Nebelspiralen, die unsere stärksten photographischen Instrumente aus dem abenteuerlichen Sterngewirr herauslösen, und deren Erforschung nach den gleichen Gesichtspunkten jetzt in Amerika mit großer Intensität betrieben wird, auch sie sind das gleiche, ferne Milchstraßensystem, Weltinseln...
Bis zu ihnen reichte bis vor kurzem nur die Phantasie tastende Versuch. Jetzt aber scheint ein erster sicherer Schritt wiederum einer der großen Ausfälle aus den Begrenztheiten standes in die Unbegrenztheit des Universums.
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hart angerufen, die schönen Zauberbilder, die er zu umfassen gedachte/ schnell verschwinden. Vielleicht sah er nun nicht mehr seine Balliere oot sich, sondern dachte nur an die Soeur Louise de la misericorde (der Balliere Klostername bei den Karineliternonnen), die ihn peinigte mit ihrer Frömmigkeit und Buße. Was war jetzt anders zu tun, als des König; Beschlüsse ruhig abzuwarten.
Des Grafen Miossens Aussage vor der Chambre Ardente war indessen bekannt geworden, und wie es zu geschehen pflegt, daß das Volk leicht getrieben wird von einem Extrem zum andern, so wurde derselbe, ben man erst als den verruchtesten Mörder verfluchte und den man zu zerreißen drohte, noch ehe er die Blutbühne bestiegen, als unschuldige; Opfer einer barbarischen Justiz beklagt. Nun erst erinnerten sich die Nach barsleute feines tugendhaften Wandels, der großen Liebe zu Madelon, der Treue, der Ergebenheit mit Leib und Seele, die er zu dem alten Goldschmied gelegt. — Ganze Züge des Volkes erschienen oft auf bedrohe liche Weise vor la Regnies Palast und schrien: Gib uns Olivier Brusson heraus, er ist unschuldig, und warfen wohl gar Steine nach den Fenstern, so daß la Regnie genötigt war, bei der Marechaussse Schutz zu suchen oot dem erzürnten Pöbel.
Mehrere Tage vergingen, ohne daß der Scuderi von Olivier Brusson; Prozeß nur das mindeste bekannt wurde.
Endlich mit d'Andillys Hilfe gelang es der Scuderi auszukundschaften, daß der König eine lange geheime Unterredung mit dem Grafen Miossen- gehabt. Ferner, daß Bontems, des Königs vertrautester Kammerdiener uni Geschäftsträger, in der Conciergerie gewesen, und mit Brusson gesprochen, daß endlich in einer Nacht eben derselbe Bontems mit mehreren Leuten in Cardillacs Hause gewesen und sich lange darin aufgehalten. So viel war also gewiß, daß der König selbst dem wahren Zusammenhänge bei Sache nachforschen ließ, unbegreiflich blieb aber bie lange Verzögerung bes Beschlusses. La Regnie mochte alles aufbieten, bas Opfer, das ihm entrissen werden sollte, zwischen den Zähnen festzuhalten. Das verdarb jebt Hoffnung im Aufkeimen.
Beinahe ein Monat war vergangen, da ließ die Maintenon der Scu- beri sagen, der König wünsche sie heute abenb in ihren, der Maintenon, Gemächern zu sehen. Das Herz schlug der Scuderi hoch auf, sie wußte, bah Brussons Sache sich nun entscheiben würbe.
Und doch schien es, als habe der König die ganze Sache vergessen, dem wie sonst, weilend in anmutigen Gesprächen mit der Maintenon und da Scuderi, gedachte er nicht mit einer Silbe des armen Brussons. Endlich erschien Bontems, näherte sich dem König und sprach einige Worte so leise, daß beide Damen nichts davon verstanden. Die Scuderi erbebte in: Innern. Da stand der König auf, schritt auf die Scuderi zu und sprach mit leuchtenden Blicken: Ich wünsche Euch Glück, mein Fräulein! Euei Schützling, Olivier Brusson, ist frei! — Die Scuderi, der die Tränen au; ben Augen stürzten, keines Wortes mächtig, wollte sich bem Könige z« Füßen werfen. Der hinderte sie daran, sprechend: Geht, geht, Ihr sollt« Parlamentsadvokat fein und meine Rechtshändel ausfechten, denn, beim heiligen Dionys, Eurer Beredsamkeit widersteht niemand auf Erden. Doch, fügte er ernster hinzu, doch, wen die Tugend selbst in Schutz nimmt, mag der nicht sicher sein vor jeder bösen Anklage, vor der Chambre Ardente und allen Gerichtshöfen in der Welt? — Die Scuderi fand nun Worte, die sich in den glühendsten Dank ergossen. Der König unterbrach sie, ii)i ankündigend, daß in ihrem Hause sie selbst viel feurigerer Dank erwarte, als er von ihr fordern könne, denn wahrscheinlich umarme in diesem Augenblick der glückliche Olivier schon seine Madelon. Bontenis, so schloß der König, Bontems sott Euch tausend Louis auszahlen, bie gebt in meinen- Namen der Kleinen als Vrautschatz. Mag sie ihren Brusson, der solch ein Glück gar nicht verdient, heiraten, aber dann sollen beide fort aus Pons, Das ist mein Wille. —
Die Martiniere tarn der Scuderi entgegen mit raschen Schritten, hinta ihr her Baptiste, beide mit vor Freude glänzenden Gesichtern, beide ,auch zend, schreiend: Er ist hier — er ist frei! O bie lieben jungen Leute! Bas selige Paar stürzte ber Scuberi zu Füßen. Oh, ich habe es ja gewußt, dch Ihr, Ihr allein mir den Gatten retten würdet, rief Madelon. Ach, bei Glaube an Euch, meine Mutter, stand ja fest in meiner Seele, rief Dhmer, und beide küßten der würdigen Dame bie Hände und vergossen taufen heiße Tränen. Und bann umarmten sie sich roieber und beteuerten, bah bie überirdische Seligkeit dieses Augenblicks alle namenlose Leiben der vei- gangenen Tage auf wiege; und schwuren, nicht voneinander zu lassen bi- in ben Tod. _
Rach wenigen Tagen wurden sie verbunden durch den Segen bes Priesters. Wäre es auch nicht bes Königs Witte gewesen, Brusson hätte doch nicht in Paris bleiben können, wo ihn alles an jene entsetzliche Zeit btt Untaten Cardillacs erinnerte, wo irgendein Zufall das böse Geheimnis, nun noch mehreren Personen bekannt worden, feindselig enthüllen und friedliches Leben auf immer verstören konnte. Gleich nach der Hochzeit zoz er, von den Segnungen Der Seubert begleitet, mit seinem jungen Wei« nach Genf. Reich ausgestattet durch Madelons Brautschatz, begabt nut fei- teuer Gefchicklichkeit in seinem Handwerk, mit jeder bürgerlichen Tugen», ward ihm dort ein glückliches, sorgenfreies Leben.
Ein Jahr war vergangen feit der Abreise Brussons, als eine offen!1 liche Bekanntmachung erschien, gezeichnet von Harloy de Chanvalon, Crz- bifchos von Paris, und von dem Parlamentsadvokaten Pierre Arnau« d'Andilly, des Inhalts, daß ein reuiger Sünder unter dem Siegel b» Beichte, der Kirche einen "reichen geraubten Schatz an Juwelen und Geschmeide übergeben. Jeder, dem etwa bis zum Ende 1680 vorzugm durch mörderischen Anfall auf öffentlicher Straße ein Schmuck geraM worden, solle sich bei d'Andilly melden und werde, treffe bie Beschreivun« bes ihm geraubten Schmucks mit irgenbeinem vorgefundenen Kleinod genau überein, und finde sonst kein Zweisel gegen die Rechtmäßigkeit oe Anspruchs statt, den Schmuck wieder erhalten.
körpern ihre für das Ganze sogar grundlegende Einordnung. Dies find die , kosmischen Nebel" (lichtschwache, ausgedehnte, teils leuchtende, teils dunkle Gebilde, welche uns jetzt die Photographie zu Taufenden enthüllt, sowie ferner die Sternhaufen, die „offenen" Haufen, vor allem aber die etwa 80 sog. „Kugelhaufen", in deren manchem, so z. B. beim berühmten Herkuleshaufen auf scheinbar kleinstem Raume bis an bie 30 000 Sterne gezählt wurden. Nach Shapley wird ber Anblick ber Milchstraße durch eine etwa 10 000 Lichtjahre dicke Sternschicht erzeugt, in der sich außer Nebelgebilden und Sternen verschiedenster Typen auch, ziemlich am Rande gelegen, unser „totales Sternsystem", mit der Sonne befindet; letzteres könnte man geneigt fein, dem Kapteynschen Schema gleichzufetzen. Alles dies aber ist eingehüllt in bie große Weltlinse Shapleys, die in ihrem weiten Bereich nur noch erfüllt ist von den ziemlich dünn verteilten Kugelhanfen. Die Dimensionen dieser tünen Weltkonstruktion ergaben sich als ungeheuer, vor Hobbies jüngsten Entdeckungen umritten sie bie Gröhe bes Weltalls, soweit dieses vom menschlichen Geist überhaupt zu begreifen ist: Nicht weniger als 325 000 Lichtjahre für den Durchmesser und 65 000 Lichtjahre für den Abstand ber Sonne vom Mittelpunkt bes Systems.
Welches rounberbare Werkzeug ermöglichte es Shapley, zu diesen kühnen Zahlen zu gelangen? Eben bas Wunder der „Delta-Cephei- Sterne": Unter jenen Sternen, deren Helligkeit bei genauer Verfolgung bisher Schwankungen zeigte, nimmt gerade diese typische Sterngruppe eine besondere Stellung ein; vor allem durch bie große Regelmäßigkeit dieser Lichtschwankungen (Perioden von einigen Stunden bis zu Zehnern von Tagen) und durch ihre große wirkliche Leuchtkraft, die für unser Auge nur durch ihre große Entfernung ausgehoben wird. Ueberaus bedeutungsvoll ist nun eine von Miß Leavi11 und Shapley aufgefundene Gesetzmäßigkeit, wonach die Periode eines Delta-Cephei-Veränderlichen um so länger ist, d. h. die Lichtschwankungen um so langsamer verlaufen, je größer die wahre Leuchtkraft des Sternes ist. Nun fand man auch in den genannten Kugelhaufen zahlreiche solcher Veränderlichen als sehr schwache Sternchen, deren Lichtperiode stets weniger als ein Tag betrug. Rach der Leavittfchen Kurve entspricht bann biefen Sternen im Durchschnitt etwa die lOOfache Sonnenhelligkeit, — und nun die Folgerung: Damit ein Stern, der in Wahrheit lOOfach Heller ist, als die Sonne, uns nur als das beobachtete schwache Sternchen erscheint, muß er so und soviel Lichtjahre von uns entfernt fein; ebenso weit also auch der ihn enthaltende Kugelhaufen. In der skizzierten Weise war das Problem der Entfernungsbestimmung für Räume bewältigt, deren Tiefen sonst keines unserer direkten Hilfsmittel gewachsen gewesen wäre.


