Auch der Pfad mS Saud hinaus ist --in Stvn'weg, »in Wen sorgfältig gefügter Platten.
Ich ersteige Wibesord yiil. Sin Bauer lagt mir, daß fte hier kernen Schnee und kaum Eis sehen, aber viel Regen und viel Wind haben. Eine Herde fast ganz schwarzer hornloser Rinder wird dahergetrieben. Bald schließt sich Herde an die Weide. Der flache Berg vor mir steht braun- violett-schwarz da. Der Himmel ist wolkenverhangen. Ich steige gegen starken Wind. Scharen schwarzer Sperlinge und Seeschwalben kämpfen mit mir gegen den Wind an. Mädchenstrmmen aus der Windrichtung klingen mir als nahe in den Ohren, aber ich habe, in Richtung der Stimmen gehend, einen langen Weg zu machen: da sind Hirtenmädchen — waren sie, denn sie fliehen davon. Im Windschatten einer Sternpyramide lege ich mich windmüde nieder. Im Heiderasen ist der Name Ellen sorgfältig von einem Hirten ausgeschnitten und die Figur mit Steinchen eingelegt worden. Ein paar Steinchen sind, durch den Tritt eines Schafes vielleicht, herausgeworfeir, ich ergänze genau das reizende Mosaik der Liebe eines Hirtenjungen.
Im Winde ist nicht leichr stehen und gehen. Er bläst einem in die Nasenlöcher hinein, ein peinliches Gefühl. Man hat Atemnot. Ich stehe auf dem 200 Meter hohen Hügel oder Berg, überall um mich weichgewelltes Land, in die Talungen tritt von rechts und links das Meer ein, tiefe Buchten bildend. Buchten und Inseln rundum. Jenseits auf andern Inseln wieder die monotonen, weichen und langgezogenen Verglinien, der Himmel dunkel, wolkig, trübe. Und immer der Sturmwind. Und drüben, fern und undeutlich, stehen die riesigen Steinmaie aus keltischer Urzeit.
Die Hände fühlen sich fettig an von salziger Feuchte.
Die weite Meerbucht, in die ich hinab- und hinausschaue, heißt Scapa Flow — ich dachte mir nichts Besonderes bei dem Namen...
III. Der Golfstromsee.
Es ist neuer Tag, warmer, windiger Morgen, die Sonne scheint, die See ist flaschengrün, vom Lande nichts zu sehen. Das Schiff stampft schwer gegen hohen Wellengang. Wunder, diese Wellen! Hellgrün, gelbgrün wie Flaschenglas sind sie und scheinen durchsichtig, ein Schaumkamm bildet sich oben am Rande des Ueberfalls, aus ihm rieseln rmd regnen (man hört es) Wassertropfen auf die straffe Glätte des gemulbeten Wellentals, während die See hohl geht und hohl tönt. Der Bug des Schiffes neigt sich tief nieder, hebt sich hoch auf und neigt sich wieder tote ein eifriges Zugpferd auf dem Marsch, das immer „ja“ zu sagen scheint. Höher als die Reling steigt die grüne Welle auf, aber sie sinkt in sich zusammen, bevor sie das Schiss erreicht, und sie unterläuft es. Ab und zu kommt ein Spritzer Über den Bordrand herein. Immer heller Sonnenschein. Steifer Wind, doch nicht von Sturmstärke. Also ist die Bewegung des Meeres mehr Dünung als Windsee, totes Wasser, Ausläufer und Künder von einem starken Sturm, der weiter südlich im Atlantischen getobt haben mag. Der Himmel ist stahlblau, weiße Möwen begleiten das Schiff, tummeln sich in der Luft und scheinen im harten Winde ihre Flügel zu brechen. Im steten hellen Pfeifen des Windes und dem steten dumpfen hohlen Brausen der See die abgerissen kommenden scharfen hohen Schreie der Vögel. Und nur diese Farben: Grün, Blau, Weiß, das helle Grün des Wassers, das tiefe Blau des Himmels und das Weiß von Wellenkamm und Vogelflügel.
Wir sind im Golfstrommeer. Zwischen den Orkneyinseln und den Färöern geht der große und Hauptarm des Golfstroms durch in die Rord- meere, mit seinem roarmen Wasser das Eis, dem diese Zonen untertan wären und dem auf gleicher Breite das Südende Grönlands unterliegt, das Eis, das geographisch hier fällig wäre, weit, weit nach Norden zurückdrängend. Und die wunderbare farbige Erscheinung des Meeres scheint die dem Golfstrommeere eigne zu fein; oh, dieser Sonntag zwischen Grün, Blau und Weiß auf schaukelnder Planke! — Das Deck ist leer, denn die meisten Reisenden liegen wie Leichen in ihren Kojen, grüne stinkende Opfer aus dem gequälten Magen würgeub.*
Deutschland funkt um den Erdball.
Von Dr. Siegfried Kurth.
Die deutschen Auswanderer, die den brasilianischen Urwalb au8robeten, waren müde in ihr Blockhaus zurückgekehrt. Sie kochten sich ihr bescheidenes Abendessen uub schalteten bann ben Lautsprecher ein. Andächtig hörten sie dem Landesrundfunk zu; da meldete sich zu ihrer größten Ueberraschung eine deutsche Stimme und teilte mit, daß nunmehr der Berliner Sender beginnen werde. Der Empfänger wurde auf eine andere Wellenlänge umgestellt, und nun hörten die Deutschen mehrere tausend Kilometer von ihrer Heimat entfernt, deutsche Lieder, deutsche Vorträge und Nachrichten über Ereignisse in ihrer Heimatstadt, so daß sie sich vor Rührung kaum zu fassen wußten. Das ist leider nur ein schöner Traum, der aber in kurzer Zeit Wirklichkeit iverben wird. Wurde doch schon jetzt der neue Kurzwellensender der Reichs- post in Austrag gegeben, der in Zeesen errichtet und im kommenden Frühling seine Tätigkeit aufnehmen wird. Er soll mit 20 bis 25 Kilowatt Antennenenergie und mit einet Wellenlänge von weniger als 60 Meter die Programme der Berliner und anderer deutscher Stationen als Weltrundfunk über die ganze Erde verbreiten. Sein Programm wird aber nicht nur aus ben Darbietungen dieser Stationen bestehen, sondern wahrscheinlich auch ein besonderes Weltprogramm umfassen.
Die Fernsendung mit Kurzwellen gehört zu ben neuesten Errungenschaften bet Radiotechnik und hat eine ganz eigenartige Entdeckungsgeschichte. Schon Heinrich Hertz hat seinerzeit eine Theorie entwickelt, mit deren Hilfe Titan unter der Voraussetzung, daß die Erde eine gutleitenbe Kugel sei, die Entfernung berechnen kann, bis zu der die elektrischen Wellen vorbringen; aber es zeigte sich halb, daß bei größeren Entfernungen bie Rechnung nicht stimmt unb bie Reichweite geringer ist als man ausrechnet. Das liegt baran, daß bie Erbe kein vollkommener Leiter ist, sonbern elektrischen Wiberstand besitzt, so daß bie Wellen in der Erbe Ströme ;eugen. Dabei wirb bie Erbe erwärmt unb bie Wellen selbst werben geschwächt. Die Verluste sinb um jo größer, je kürzer die Wellenlänge ist. Allmählich ergab sich durch bie
Erfahrung, tote groß diese Verluste art Ettergke zu sein pflegen, und es ließ sich auch die Reichtveite einer Station sicher vorausberechnen. Nach der Austinschen Formel sinb zur Ueberbrückung großer Entfernungen Wellenlängen von mehreren Kilometer und große Sendeenergien erforderlich. Man war also völlig überzeugt davon, baß Wellen unter 200 Meter Länge nur ganz geringe Reichweiten hätten. Da Versuche diese Theorie bestätigten, stellte man zunächst auch keine weiteren Experimente mit Wellenlängen unter 200 Meter an. Inzwischen hatte — besonders in Amerika — die Zahl der Amateursender sehr zugenommen, und diesen teilte man nun die scheinbar unbrauchbaren Wellenlängen unter 200 Meter zu; da zeigte sich nun die ganz wunderbare Erscheinung, daß solche Stationen, deren Senberenergie oft geringer war als bie elektrische Kraft, die von einer Glüh- lampe verbraucht wird, besonders nachts sogar jenseits des Atlantischen Ozeans gehört werden konnten. In der Fachwelt erregte diese Entdeckung großes Aussehen, und bald wurden von der Industrie gutfunktionierende Sendestationen mit Wellenlängen bis zu zehn Zentimeter herab gebaut. Man erklärt sich diese Erscheinung, die allen bisherigen Erfahrungen widerspricht auf folgende, durch schwierige Rechnungen gestützte Weise. Wellen von weniger als 100 Meter Länge treffen in großen Höhen — im Sommer bei 90 bis 120 Kilometer, im Winter bei 250 bis 350 Kilometer über der Erde —auf eine Schicht, in der die Luft elektrisch leitend ist. Sie werben an bieser Schicht wieber im großen Bogen zur Erde zurückgeleitet, ähnlich, wie bas Ferngeschoß durch riesige Lufthöhen auf bie Erbe zurückkehrt, oder wie in ber Optik bie Erscheinung bet Fata morgana durch Beugung an ungleichmäßig erwärmten Luftschichten zustande kommt. Auf diesen Vorgang ist die Sonnenstrahlung von großem Einfluß, und die Theorie konnte erklären, warum Wellen von mehr als 30 Meter Länge nur nachts weite Entfernungen durchdringen, während Wellen unter 19 Meter nur am Tage eine große Reichweite besitzen. Man unterscheidet Jo Tages- und Rachtwellen. Wellen unter 10 Meter haben ständig nur geringe Reichweiten. Verhältnismäßig kurze Strecken legen auch Wellen von 80 Meter bei Tag zurück; doch wächst bie Reichweite bei einbrechenber Dunkelheit sehr, so daß man mit ihnen von Berlin aus ganz Europa, kaum aber Amerika erreichen kann. Die 40 Weter- Welle wirb schon in 20 Kilometer Entfernung unhörbar, kommt aber in etwa 300 Kilometer unb nachts bei 11000 Kilometer Entfernung — nach Ueberbrückung ber toten Zone — wieber zur Erde zurück. Nachts kann man so schon mit 10 Watt über ben Ozean sprechen. Mit der Zwanzigmeter- Welle kann man nur über ganz große Entfernungen senden.
Da bie Wellen um 40 Meter am bequemsten sind, werben sie von ben meisten Amateursendern benutzt; sie sind jedoch in ber internationalen Funkkonferenz von Washington nur für einen engen Bereich zugelassen worben, so baß bie Senbeftationen halb auch auf bie anberen erlaubten Wellen von 20 und 60 Meter übergehen müssen. Es gibt nämlich heute schon eine ganze Menge von Kurzwellengroßsendern. Zu ben alten 17 Stationen kamen neuerdings 14 mit Wellen zwischen 14 unb 40 Meter hinzu; jetzt wirb eine neue Senbeftelle Mulden errichtet, und im westlichen Sudan benützt eine britische Filmexpedition eine solche als einzige Verbindung mit ber Kulturwelt. Deutschland hat bereits eine kleine Versuchsstation von fünf Kilowatt in Döberitz, außerbem ist bie Nauener Station bem wirtschaftlichen Telephonverkehr auf Kurzwellen erschlossen. Ein Dreiminutengespräch nach Neuyork kostet allerdings noch 207 Mark. Im Mai wurde auch schon mit Buenos Aires gesprochen, doch ist noch kein regelmäßiger Verkehr eingeführt. Wie gut z. B. bie amerikanische Kurzwellenstation Schenectady funktioniert, konnten auch die deutschen Rundfunkhörer bei der lieber- tragung der amerikanischen Empfangsfeierlichkeiten für ben Zeppelin fest- steilen. Unter ben europäischen Kurzwellensendern ist die Station PCJJ in Hilversum bemerkenswert; sie hat 15 Kilowatt Antennenleistung, einett Antennenstrom von acht Amp re, besitzt drei große Schaltselder mit Moen, zum Teil wassergekühlten Elektronenröhren, in denen ftufenwci'e bie Frequenz gesteigert und bie Wellenlänge bis auf 31,4 Meter erniedrigt wirb. Die ersten Versuche würben im Jahre 1926 im Laboratorium bet Philippswerke begonnen, unb 1927 wurde der Großsender dort in Betrieb ge- genommen, mit dem man leicht bie holläubischen Kolonien in Südamerika erreicht. Von Hilversum ans würbe am 31. Mai uub am 1. Juni 1927 eine Ansprache ber Königin Wilhelmine unb ber Prinzessin Juliana an alle holländischen Untertanen „runbgefunlt“. Hilversum ist heute bie klangreinste Station.
Zum Empfang ber Kurzwellensenbuiigen kann man bie gewöhnlichen Empfänger nicht ohne Weiteres benützen, sonbern muß einen Borsatzapparat anwenben. In ben Fachzeitschriften wurden wiederholt genaue Anleitungen für ben Bau solcher Apparate mit Schaltbildern unb Bohrplänen gegeben. Es sinb hierzu besonbers, im Handel erhältliche Kurzwellenspulen ersorder« sich; mit drei solchen auswechselbaren Spulen kann man Wellen von 15 bis zu 100 Meter Länge empfangen. Am 26. Mai dieses Jahres sand in Dresden eine besondere Kurzwellentagung statt, auf ber eine Verkehrs- Ordnung für ben Sende- und Empfangdienst ausgearbeitet wurde. Am Grund ber Washingtoner Internationalen Funktagung muß übrigen» bis Enbe 1928 die Regelung der Kurzwellen durchgeführt sein. In Dresden hielt auch Dr. Busse aus Jena einen Vortrag über einen Sender auf der Dreimeterwelle, ber mit Empfänger unb Stromquelle bequem in einem Hanbkoffer transportiert werben kann unb sich wegen ber Unempfindlichkeit gegen Störungen gut für ben Stabtrunbfunt eignet. Seltsamerweise besitzen diese Wellen auch Heilwirkungen.
Für die Kurzwellenempfänger, deren Zahl gewiß bald sehr zunehmen wird, zumal der Empfang auch im besetzten Gebiet gestattet ist, ist wegen ber außerorbentlichen hohen Frequenzen die Auffindung der verschissenen Sendestationen oft sehr schwierig unb eine Präzisionszeichnung daher erforderlich, bie sich am besten vornehmen läßt, wenn man systematisch die zahlreichen, bereits im Betrieb befindlichen Kurzwellentelegraphiestationen aufzufinben sucht. Es fei noch erwähnt, baß diese Senber eine eigenartige, wie ein Hohlspiegel wirkende Reflektoranordnung besitzen, ein System von gegen bie Erde isolierten Drähten, die die Sendeantenne auf ber der Empfangsstation abgewendeten Seite schirmartig umgeben unb dem Ganzen ein merkwürbiges Aussehen verleihen. ____
Verantwortlich: Dr. Hans Thyrivt. — Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei, A. Lange, Gi«b°"-


