.Stammt das von heute?" fragte sie.
Sie
Ein
verkünde
Fräulein fein still
vor und eine
Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. — Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange,
Diener kommen sollte. Auch er und die Gräfin versprachen, sich zu kostümieren.
Man trennte sich. Der Assessor und ich saßen noch eine Weile in den alten Lederstühlen der Bibliothek bei Tabak und Bier.
Endlich fingen wir an zu gähnen, erhoben uns und schlenderten zum Kavalierhaus hinüber. Cs war eine laue, windstille Nacht, der Jasmin
fragte:
„Wie gefallen wir Ihnen, Marquis?
„Ich bin hingerissen," sagte ich, „Sie sollten immer solche Kleider
gehalten beim Malen." „Das ist wahr", sagte ich.
Oben von meinem Fenster aus sah ich dem Spiel noch eine Weile zu. Ich setzte mich ans Fenster hinter die Gardine, so daß mich keiner sah, und skizzierte einige Bewegungsstudien. Dann muhte ich wieder in den Park hinab zum Malen.
Nach Tisch kamen die Freundinnen samt Charlotte auf mein Arbeitszimmer, um die Bilder anzusehen. Leonore sah auch die Studien von Tennisspiel auf einem Stuhl liegen.
wieder still. . ,, , . „
Man begab sich in den Salon, um noch eine Tasse Tee zu trinken. Vorher verabschiedete sich Charlotte, da ihre Schlafenszeit gekommen war.
„Charlotte," sagte ich, „morgen ist Pfingsten, da kommen ganz früh die Elben von der Geest herunter, um die Maien zu bringen, du weißt. Ich möchte die Elbeit gern zu Gesicht bekommne, hoffentlich finde ich mich früh genug auf dem Bett. Ich werde sie für dich um eine kleine Maie extra bitten — ja?"
„Das wäre reizend," sagte sie, „aber Sie müssen auch für Leonore eine Maie zu bekommen suchen, sie hat doch heute so
und Grau."
Ich kniff die Augen ein wenig zu und betrachtete sie.
Da verschwand das Lächeln von ihrem Mund.
Sie wendete sich ab, fast verdrossen, und sah wieder 3um yen|K hinaus mit verhangenem Blick, als dächte sie an Fernes. Ich sah W' über zu ihr und dachte: Wie reizend wäre es, wenn ich sie letzt IW zieren könnte ... .. „ u
Nun kamen die andern. Die Gräfin kam in schwarzer Seide, m- grauer Perücke. Der Graf hatte eine Uniform aus der Zeit der o heitskriege angelegt. Charlotte trug ein geblümtes Kleidchen von i ■ Auf ihrem offenen Haar, das zu langen Locken gedreht war, log dünner Kranz aus Tausendschönchen. Dieses zarte Kind war wie schwebendes Lied, wie eine verwehende Melodie.
Der Assessor trug ein Kostüm vom Schnitt des meinigen, aber । Hellblau. Die Gouvernante hatte ein Gewand aus der Schwebe s angelegt. Der Hauslehrer ging in einem altväterlichen Rock mit ot Aufschlägen aus Samt. Fred und Klaus kamen in ihren Marr kitteln und machten bösartige Glossen über die andern. „
Wir gingen paarweise zu Tisch. Ich hatte Leonore zu fuhren, und ernst hing sie an meinem Arm, ein Traum.
(Schluß folgt.) _
„Aber bitte", entgegnete sie.
Es klang müde, es klang ein wenig trotzig, es klang herb. Damals achtete ich nicht darauf, ich malte sie ja, das war mir genug. Ich hatte keinen anderen Wunsch, als Bilder nach ihr zu malen, ich alberner Geselle!
Die Skizze war gut. Ich hörte zur richtigen Zeit aus, so daß sie das Unmittelbare, im Moment Empfundene, behielt. Es war Leben daraus, das Gesicht lebte und das Licht der Iunisonne auch.
„So habe ich doch wenigstens einen Begriff, einen Anhaltspunkt , sagte ich. „Ich danke Ihnen."
Auch ihr gefiel die Studie. Wir schritten zusammen zum Schlosse hinüber • ich sprach vom Malen im Freien im allgemeinen. Unterwegs pflückte sie eine Rose und reichte sie mir. Dann ging sie ins Schloß und ich ins Kavalierhaus, um mir eine andere Leinwand zu holen. Die Ro,e legte ich oben auf den Tisch, ich vergaß, sie in Wasser zu steiler. Es war ja auch nur eine Rose, es gab deren viele im Park von Carnin.
Dann kam wieder einer der schönen Abende. Wir saßen wie meist auf der Terrasse, der Mond stand am Himmel, die Sterne hatten einen metallisch blanken Glanz. Die Gräfin, ein weißseidenes Tuch um die Schultern, griff Akkorde auf der Gitarre und fang ein französisches Lied. Dann spielte sie deutsche Bolkslieder, und wir sangen mit. In den Pausen hörten wir ein süßes Tönen aus der Ferne, das waren die wandernden Mädchen in Carnin. Einmal hörten wir ein unterdrücktes Kichern ganz in der Nähe. Der Graf wußte sofort, was es zu bedeuten hatte. Er sah zu den Fenstern hinauf, hinter denen tfreb und Klaus jetzt eigentlich schlafen sollten. Die Jungen lugten in ihren Hemden zum Fenster hinaus und hörten unserm Singen zu. Jetzt, da der Graf sie energisch zu Bett schickte, riefen sie noch einmal „Gute Nacht! , man horte, wie sie lachten, dann schlossen sie die Fenster, und es war
„Ja", entgegnete ich. „Erkennen Sie sich nicht? JDas sind Sie. hatten ein paar Bewegungen, die mich begeisterten."
Sie sah mich an, etwas schelmisch. Ihr Blick war sehr schön, seelenvolles Augen, dachte ich, beinahe kobaltblau, eigentümlich.
Dann gingen wir in den Park. Ich setzte Leonore in die Sonne eine grünumsponnene Laube und skizzierte sie. Komtesse Anna Charlotte gingen ans Wasser hinab. Sie schritten singend über Brücke. Singend entschwanden sie.
Ich skizzierte Leonore en face. Das Licht lag spielend in ihrem Haar Es flirrte über die weiße Stirn und die rosigen Wangen, und das Grün der Laube gab dem Teint und dem weißen Kleid einen eigentümlichen Ton; dies alles war schwierig zu malen.
Leonore plauderte. Erst antwortete ich, wenn auch zerstreut, dann horte ich nicht mehr hin Schließlich sagte sie nichts mehr. Es kam etwas Mattes in ihre Züge, ich merkte es wohl.
.Verzeihen Sie," sagte ich, „wenn ich schlecht darauf achte, was Sie sagen. Ich bin zu sehr beschäftigt mit dieser Studie. Wenn mich etwas malerisch in Anspruch nimmt, empfinde ich nichts anderes. Verzeihen Sie.
„Ich bin hingerissen," sagte ich, „6 tragen. Auch Sie, Fräulein Helsinger."
Leonore sah mich an mit einem Lächeln. Wie wundervoll war die blaßroie Rose in ihrem bepuderten Haar! Wie märchenhaft hold die Linie von dem feinen Hals zu den Schultern!
„Wahrhaftig, man sollte das malen," sagte ich, „ganz in Silber
„Fräulein Leonore liebe ich sehr," flüsterte Charlotte, als sie mir ein Geheimnis, „ihr Mund ist doch bezaubernd, und auch ihre Augen — nicht wahr?"
Dann ging sie. Ich sah dem Schreiten ihrer Kinderfüße nach. Darauf sah ich zu Leonore hinüber. Sie saß in einem großen geblümten Polsterstuhl und führte gerade eine Schale Tee an die Lippen. Das rote Licht einer Lampe, aus der ein farmoifinfnrbener Schirm lag, fiel auf sie. Natürlich sah ich sofort wieder ein Bild. Es war mein Verhängnis, daß ich immer Bilder, Bilder, Bilder sah, wenn meine Augen auf dieses Mädchen fielen. Das rötliche Licht war magisch um sie her, der zwanglos gehobene Arm, das schimmernde Haar — ich war schon wieder ganz mit einem malerischen Problem beschäftigt. Da brachte mir der Diener Tee. Und kurz darauf trat der Assessor auf mich zu und verstrickte mich in ein Gespräch.
Der Graf machte, ehe er sich zurückzog,einen Vorschlag, der von allen freudig begrüßt wurde. Er schlug nämlich vor, daß man am folgenden Tag in den seidenen Kostümen des achtzehnten Jahrhunderts, deren es in der Kleiderkammer des Schlosses eine Menge gab, zum
duftete betäubend. Unsere Schritte klangen einsam hallend auf dein hellen Kies, sonst hörte man nichts.
, Uebrigens, dies Fräulein Helfinger," sagte der Assessor, ehe wir in das Kavalierhaus eintraten, „ein entzückendes Geschöpf! Man möchte sie immer ansehen. Finden Sie nicht?"
Ein Bild," entgegnete ich, „ein komplettes Bild: ich versichere Ihnen ich kann es beurteilen, ich bin ein Maler! Sie kann sich be- wegen wie sie will, es ist immer ein Bild. Es macht mich rasend, daß ich keine Zeit habe, sie zu malen. Was ist eine Skizze?"
„Ja, ja, ich glaube Ihnen", sagte der Assessor.
*
Pfingstsonntag. Früh hatte ich zu arbeiten, nachher läuteten die Glocken zum Kirchgang: müde ließ ich meine Hände ruhen. Ich sah, rote das gräfliche Paar, der Hauslehrer, Charlotte und die Jungen gemein- [am zur Kirche schritten. Der Assessor streifte durch den Park in weißen Beinkleidern und blauer Jacke. Ms er mich sah, kam er auf mich zu und fragte, ob ich mit Tennis spielen wolle; die jungen Damen warteten schon auf der Terrasse.
„Jawohl," sagte ich, „mit Vergnügen."
Der Assessor half mir die Malsachen schleppen, bann spielten mir
Die Mädchen hatten dunkelblaue, fußfreie Kleider und weiße Blusen an. Komtesse Anna hatte einen roten Filzhut über bas Haar gestülpt, Leonore trug bas Haar frei. Ich spielte mit Komtesse Anna, der Assessor mit Leonore. Ein Diener suchte die Bälle. Ich verwünschte es im stillen, daß ich an diesem Spiel teilnahm, ich wäre viel lieber daneben gesessen und hätte Studien nach Leonores Bewegungen gemacht, die so sicher waren, so ruhig und doch von so starkem Temperament.
„Warum sehen Sie mich immer so an?" fragte sie einmal, nicht unwillig, sondern mit einem Lächeln.
„Sie wissen ja, Sie interessieren mich malerisch", entgegnete ich. „Verzeihen Sie, wenn ich Sie so oft ansehe."
Ich machte eine Verbeugung wie vor einer Dame, wobei ich dachte: Diese Verbeugung ist unnötig, sie ist ja ein Kind. Ich bemühte mich, sie in Zukunft weniger anzusehen. Eine Weile gelang es mir. Dann fiel ich in meinen alten Fehler zurück.
Ich nahm mir vor, nachher neue Skizzen nach ihr zu machen. Sie hatte Bewegungen beim Spiel, die sie wie eine Blüte erscheinen ließen; bas war, wenn sie den Hals streckte und den Kops etwas zurückwars. Einmal gab sie mir einen Ball in die Hand. Wie seltsam funkelnd waren ihre Augen, als sie mir den Ball gab. Das sind süße, leidenschaftliche Augen, dachte ich, und dieses sonderbare Blau. Ich dachte wieder daran, wie ich das malen könnte. Ich dachte immer nur ans Malen, ich Trottel, ich kindischer Geselle!
Nachmittags probte alles alte Kostüme. Ich hatte mir einen Rock aus hellgrauer Seide heroorgesucht, der mit Rosengirlanden bestickt war; dazu einen Kavalierdegen und Eskarpins. In diesem Kostüm saß ich noch eine Weile am Tisch meines Zimmers und machte aus der Erinnerung Bewegungsskizzen nach der tennisspielenden Leonore. Dann tönte der Gong, ich ging zum Diner hinüber ins Schloß.
In dem blauen Salon traf ich die beiden Freundinnen. Ich blieb wie angewurzelt stehen. Die Mädchen sahen so überraschend echt in ihren Kostümen aus, daß ich meinte, ich sähe eine Vision aus der Zeit des ancien nbgime. Leonore trug ein langes silberbesticktes Gewand aus blaugrauem Brokat, das hinten schleppte. Hals und Schultern waren frei. Sie trug eine hohe bepuderte Coiffure, in der eine mattrote Rose steckte. Auf der einen Wange, nahe der Schlafe, lag ein schwarzes । Pflästerchen. Ich sah sie zuerst im Profil, sie blickte gegen bas Licht zum ; Fenster hin und hielt spielend einen alten Facher in der Hand.
i Komtesse Anna war in Grünblau. Auch sie hatte bepudertes Haar, \ ihr Gewand war glockenförmig. Sie trat mir lachend entgegen uns


