und

Schöy, schön, schön! dachte ich. Wundervoll! Sie hat eine Rasse in der Bewegung

Pfingsten auf dem Schlosse

Erzählung von Hans Bethge.

(Fortsetzung.)

Grundlagen, nun aber will man ihn doch fixieren, und siehe man blickt wirklich in ein Gesicht: ein spöttisch grinsendes, die Maske eines Satyrs oder Fauns ...

Der nächste Tag war der Samstag vor dem Fest. Ich stand früh auf und nahm das Frühstück auf meinem Zimmer. Dann schleppte to eines der Bilder in den Park, um es im Frühling fertig zu machen.

längst alles Voltairesche Wesen erstarrt, kaum, daß uns mehr dahinter ein Individuum, ein leidender und sich freuender Mensch, eine Natur etwa wie die Goethesche selbst, immerfort durch alle Höhen und Tiefen der Emp­findung schreitend, erscheint. Sondern, instinktiv eben, tritt hier vor uns derGeist , ein Geist, so meint man zunächst, fast ohne alle körperliche Grundlagen, nun aber will man ihn doch fixieren, und siehe man blickt wirklich in ein Gesicht: ein spöttisch arinfenbes. die Maske eine« firrtnr«

r . ......... Frühling fertig zu machen.

Es stellte ein Rosenbeet dar, rechts und links hohe Taxusbäume, hinten ein altes Gartenhäuschen mit hohem Dach. Ich malte also. Während ich malte dachte ich: das Bild ist leer, es ist unvollständig. Bor dem Hause fehlt etwas. Die Gestalt der Leonore Helfinger müßte vor dem Gartenhaus stehen, rechts von der Tür, und sich neigen, um eine Blume 3u pflücken. Ich kniff die Augen zu, stellte mir vor, wie das. Bild dann aus ehen wurde. Gut, gut. Aber es war ja zu spät! Schade um dich, du leeres Bild. Ich seufzte und malte weiter, unlustig und unzufrieden. Ich horte lachen, blickte mich um und sah die beiden Freundinnen im Sommerlicht dahinschlendern. Sie waren beide in Weiß und hatten gelbe, grohkrempige Strohhüte auf.

Guten Morgen, Herr Maler!" rief Leonore lachend.Schon so früh bei der Arbeit?"

ueqiyiüunuen jwqcyen oen -oainnen. «^cy jag Dte geilen Kreiser sich Der* fieren im Dunkelgrün. Dann arbeitete ich weiter, vÄl Mißmut. Ich «hnte mich nach anderer Arbeit, aber ich mußte doch meine armen Bilder fertigmachen ... _

Gegen Mittag kam ich, eine Leinwand unter dem Arme, vom Park her über den Rasenplatz vor dem Schloß. Ich Härte schon au, der Ferne Lachen und Rufe. Die Mädchen spielten Tennis, mit Charlotte und dem Assessor. Fred und Klaus hoben die Bälle auf. Ich bkieb, um die Ecke des Schloßes biegend, stehen und sah gerade, wie Leonore, den Schläger mit allen Kräften schwingend, sich hoch auf den Zehen erhob und durch die Lüfte trieb. Sie stieß einen kleinen Schrei dabei aus, ihr Kleid hatte einen wirbelnden Schwung um die Fesseln der Füße.

Ja, aber es fleckt nicht," erwiderte er,ich bin unzufrieden."

Wie schade!" sagte sie, indem sie meine Malerei betrachtete. ,Lhr Bild gefällt mir, das ist wirklich der tauige Morgen, der da webt. Ich fände es freilich schöner, wenn eine Figur vor dem Häuschen stünde. Das Bild würde voller dadurch. Finden Sie nicht?"

Ich mußte lächeln.

Gewiß finde ich das", entgegnete ich.Vielleicht haben Sie die Freundlichkeit, sich einmal dort vor dem Haufe aufzustellen, damit ich die Wirkung sehe."

Sie lief hinüber.

Komtesse Anna sprach:

Leonore hat recht ... Sehen Sie, wie reizend sie dort zwischen den Blumen steht!"

-3," sagte ich,schade, daß ich nicht eher darauf gekommen bin! Schade! Wenn Sie wüßten, Komtesse, wie Ihre Freundin mich male« nsch entzückt!" Zu Leonore rief ich hinüber:Kommen Sie, ich werde sonst traurig, wenn ich Sie noch länger so stehen sehe! Warum sind Sie nicht eher nach Carnin gekommen? Wie gern würde ich Sie malen! Ich möchte eine Skizze von Ihnen machen, heute nachmittag, darf ich?"

Gern."

Hier im Park, in der Sonne, ich freue mich darauf."

Komtesse Anna drängte zu gehen. Die Mädchen wollten eine Mor­genwanderung in die Marsch unternehmen. Sie verabschiedeten sich verschwanden zwischen den Bäumen. Ich sah die hellen Kleider sich

hängte und mit scheußlichem Fanatismus zur Ausführung brachte, zu einem stürmischen Pathos in seinen Schriften erhob, dieserReligion"

..Faltern und des Scheiterhaufens voll edeln Zorne den ewigen Krieg erklärte (icrasez 1 Infame!) und selbst das Evangelium der HumanitA unb Toleranz unermüdlich predigte und verteidigte. Nie darf man hierbei vergessen, daß, wenn sich auch Voltaire zu dieser Zeit geldlich bereüs unabhängig gemacht und seinen Wohnsitz bekanntlich in Fernen bei Genf, aber immerhin noch in Frankreich auf der Grenze zur Schweiz, nsalls haßte, zwar fern von Regierungsmittelpunkten auf- geschlagen hatte, die Macht besonders der Geistlichkeit damals noch jeden Tag groß genug war, um selbst einem Voltaire gefährlich werden zu können. Er aber siegte in diesem Kampfe den er eigentlich zusammen mit Rousseau, dem aber von ihm (wie typisch wieder!) gehaßtesten Menschen austrug auf der ganzen Linie; und erlebte noch dl^ Ge­nugtuung daß man wenigstens den Familien der auf schändlichen Weife ?ln.9°röeten C ala s unb La Barre die Ehre zurückgab, sie ent- chabigte und die schon emgezogenen Güter mieber herausrückte. (Man lefe die ergreifenden Akten dieser letzten, in Frankreich 1761 unb 17® religiösem Fanatismus zum Opfer Gefallenen in der schon genannten einbrutfsootten Rede von Victor Hugo.) Voltaire, der einerseits Lud- ro*9 ?ach gekannt, und bis ins achte Regierungsjahr des fech- zehnten Ludwig gelebt hat, ist ja durch manche Phasen gegangen: zu-

^04 bis 1726, bis zu seiner Verbannung nach England ganz nach Mensch des Rokoko, graziös, elegant, scharmant, wird er erst im frem­den Lande nach Bekanntschaft mit den Ideen von Newton «nd Lock e auch zum Wissenschaftler, ja tiefschürfenden Forscher und west- europaischen Aufklärer, als welcher er schließlich seinen Geistesbund mit

rlt^K H' (1726 bis 1752.) Wirklich großer Mann, ganz er lewst und zugleich Mann des Jahrhunderts, aber ward er doch erst in jenem letzten, eben geschilderten dritten Lebensabschnitte, von seiner Flucht gleichsam in den Winkel bei Genf bis zu seinem noch wie symbolischen Triumpheinzug in Paris vier Wochen vor seinem Tode daselbst. In seinem hundertsten Todesjahr widmete ihm übrigens auch unser ihm sich so geistverwandt fühlender Friedrich Nietzsche eins stiner bekanntesten Bücher:Menschliches Allzumenschliches". Beide Worte konnten in der Tat auf Voltaires Grabstein stehen!

Doch ist es wohl auch kein Zufall, daß Voltaire in dieser Goethefchen Auffassung vom Nationaltypischen neben einen König wie Ludwig XIV gestellt wird. Sogewesen", vergangen und verschollen heute ebenfalls jene Blüte' bourbonischen Königstums anmutet, genau so mutete schon den jungen Straßburger Studenten der noch krampfhaft seine Autorität be­hauptende achtzigjährige Schriftsteller an, und er erzählt darüber inDich­tung und Wahrheit" (Elftes Buch):es entsprang damals ... (um 1770) eine solche literarische Gärung, daß Voltaire selbst seiner vollen Tätigkeit seines ganzen Uebergewichtes bedurfte, um sich über dem Strome der all­gemeinen Nichtachtung emporzuhalten. Schon hieß er laut ein altes, eigen­williges Kind; seine unermüdet fortgesetzten Bemühungen betrachtete man als eitles Bestreben eines abgelebten Alters; gereifte Grundsätze, auf denen er seine ganze Lebenszeit bestanden, deren Ausbreitung er feine Tage ge- widmet, wollte man nicht mehr schätzen und ehren ..." Und dennoch, obwohl schon Lessing seine Verse, Komödien und Trauerspiele (die Henriade, Debipe, La Pucelle, Princesse de Navarra usw.) ungenießbar gefunden, seine Geschichtsschreibung als unzuverlässig und auf Anekdoten­kram beruhend, durchschaut (Siecle de Louis XIV., de Charles XII.) sein Kritik an Religion und Christentum als eines flachen nationalistischen Geistes abgetan ist, von all feiner Prosa, seiner vielbändigen Epik höch­stens noch ein paar kleinere Novellen und Erzählungen. Zadig, die Prin­zessin von Babylon etwa, und die entzückende Satire auf diebeste der Welten, derCandide gelesen werden: woher trotzdem, wieder und wieder doch, dieses mindestens ebenso instinktive Gefühl der höchsten Be- deutung auch heute noch, nach hundertfünfzig ober selbst zweihundert Jahren? Warum trotz jenes junagoetheschen Gefühls schon war er nach weiteren hundert Jahren, nämlich am 30. Mai 1878 wieder so lebendig daß der damals größte französische Dichter Victor Hugo erst den Gipfel seiner Popularität mit seiner berühmt gewordenenGedenk­rede auf Voltaire" im Pariser Pantheon erringen konnte?

Sie Namen Ludwig XIV. unter dem freilich Voltaire nur noch eme ersten zwanzig Jugendjahre, 1694 bis 1714 verlebte unb biefer eibst, wie sie Goethe zusammen nennt, stehen eben wirklich nicht zufällig, ie bezeichnen innerhalb ber letzten menschlichen Geschichte beinahe ba£ elbe, wonach aber Menschengeist unb -sehnsucht bis ans Enbe ber Tage treben werben: sie bezeichnen erschrecken wir nicht!: Macht. Er- chrecken wir bejonbers nicht, wenn mir bie eine ausgehend finden von efnemlegitimen französischen Königsthrone, die andere aber aus den Niederungen des Bürgertums aufsteigend zum höchsten irdischen Können und Wirken. Denn Voltaire gerade ist es, und fast als Erster in ber neueren Geschichte überhaupt gewesen, der selbst den Sinn und die Tiefe aller Legitimität niemals in roher mechanischer Kraft, sondern in den geheimnisvollen Schöpfungen und Ausstrahlungen des mensch- ichen Geistes beispielhaft klargemacht hat. Es ist darum auch kein Zu­fall, daß er selbst alle Bewunderung, ja Verhimmelung über die Regie- run0stunft eines Ludwig XIV. ausgegossen hat, dem Manne desLEtat cest Moi suhlte er sich wesensverwandt, und etwas Aehnliches muß doch spater Friedrich der Große auch gefühlt haben, baß er, ber n "ro1 Voltaire" beim wirklich an seinen Hof berief, ihm alle Ehren des Ebenbürtigen zu teil.werden ließ. Unb weil er nun, mit 6er furchtbaren Waffe ber Ironie, des bfenbenben Witzes, bem weitrei- -henben Schwert seines Wortes dieser König nicht bloß namentlichist", jonbern als solcher auch über dessen Kräfte, Gewalten verfügt; auf einem ^rde mcht bloß fitzt, sondern es jederzeit furchteinflößend zu verteidigen .°°runi in ganzer Folgerichtigkeit geschah es auch weiterhin, oab mdjt bloft ein Mann wie Friedrich sein Freund blieb, sondern des­gleichen die ganze Schar ber anderen Mächte, Könige, Feinde, Päpste, rrngsum lebenslang mit ihm zu rechnen, ja zu verhandeln hatten, sich Ichutzen ober seinen Schutz erkaufen mußten! Ja, es gab eine Zeit, reo oiefer bürgerliche Privatmann in ber politischen Staatengeschichte Euro- pas hinter oder auch ganz deutlich vor den Kulissen eine sehr aktive Rolle gchplelt hat, reo er den wichtigen diplomatischen Vermittler daß eine Mal {Witwen LudwiaXIV. unb Maria Theresia, bas andre Mal zwischen Frankreich unb Friedrich von Preußen gespielt hat und über Krieg und örieöeu entschied: unb immer ivar biefer Geist doch stark unb vor- Otl9 genug, den eigenen Kopf beizeiten zu sichern unb nicht wie andere aoei zwischen die Puffer von Mächtigeren geraten. Das war, in der von Hnr«» tn un$ Höflingen noch so gut wie ausschließlich betriebenen Autzen- L'.y, öes achtzehnten Jahrhunderts fraglos ein fast ebenso großes des Schriftstellers, reie feine Verse, Epopöen, und Dramen

Lr (g. Muster galten: war es ein Wunder, daß auch schon deshalb n-Ä-isschreibung den Namen dieses ihres Vertreters allmählich auf »en höchsten Ruhmesfchild Überhaupt erhob?

3uerft von dem Satyr unb Faun in ben menschlichen d'eses Voltaire gesprochen, unb wohl sicher ist, baß dieser Mann E seinen Geistesgaben zunächst seinem kaustischen Witz und der b<im i j. Lucherlichmachens, dem Unterhaltenwollen um jeden Preis, tDn/S rücksichtslos aller Lüge und Verleumdung, der Pamphletie- xunfi*» °es Guten wenn es seinen Zwecken im Wege stand OanHo ts»et.nttla? seinen Weg unb feine schließliche Machtstellung per« ofi fr.- 'yS, ,nnt, unb fast schon sprichwörtlich geworben ist ja auch sein fit- rc-xSÄafter und ränkesüchtiger Charakter, feine ans Groteske ! zul JL Edelkeit. Die Wahrheitsliebe verlangt indessen, und nicht 1 $( Betonung, daß Voltaire, erst einmal auf ber Höhe feiner 1 ja, hQ6 ,ung, diese fast nur noch zum Guten verwandt hat, 1 ber tnernwJ« aIs kirchliche Verfolgungssucht im Bunde mit

doch u - , Achter dem von Weibern beherrschten Ludwig XV.

8 der sechziger Jahre wahrhaft mittelalterlichen Urteile ver- i