frmd vergessen hüben. Und er tut etwas sehr Ängehorrges. Archt etwa mit selbstbewußtem Schwung detz Deines, tote sich dies doch einzig für einen so fabelhaften Hund schickt, sondern indem er sich, kiiidlich auf meinen eleganten lila Teppich niederlaßt. Dazu fchaut er mich mit Hellen, unbekümmerten Augen etwas geistesabwesend an, denn er ist ganz feinem Vorhaben hingegeben. Auch mein empörter Schrei stört 'ihn nicht; er saht ihn offenbar als Einladung zu «Piel und Lust auf; denn kaum fertig mit feinem unlöblichen Tun, stürzt er sich voll wilder Freude auf mich. Unter seinen ungeschickten Liebkosungen schwindet all mein Groll unb, statt mich mit zeitraubender Pädagogik abzugeben, hole ich lieber heimlich ein Scheuertuch. Das interessiert Peter sehr, er sitzt mit aufmerksam schiefem Kopfe dabei, wahrend ich wische, und wedelt freundlich und reinen Herzens, wenn mein anklagender Blick ihn trifft.
Aber von all diesen Aufregungeir sind wir beide ermüdet; ich lande, einen günstigen Augenblick benutzend, mit einem Hechtsprung auf der Chaiselongue, eben noch vor Peter, dem eine halbe Sekunde spater dasselbe einfällt. Infolgedessen landet er auf mir.
Es gibt Heine Gummischweine, welche unter Entweichung der Luft seufzend sterben. So ähnlich ist mir zu Tilute, aber das rührt Peter wenig, et dreht sich nochmals um sich selber und macht sich s bequem. Seine wundervolle Ante, Aeid und Zierde des Schaferhundllubs, hat er quer über mein Gesicht gelegt. Schreie ich ihn protestierend an, so Wedelt er, was peinlich ist. Die Macht des Wortes schaltet also hier aus und da auf irgendeine ‘Befreiung auf anderem Wege gar nicht zu denken ist, resigniere ich, und wir schlummern ein.
Sv findet uns Karl. Aber nun kommt Leben in Peter! Er ichnellt sich mit allen vier Pfote;, von mir ab und springt an feinem Baler Hoch, das) die Wände zittern! Dabei vergißt er mich nicht, er kommt dazwischen immer schnell mal zurück, um mich seiner Siebe zu versichern, And aus seinem guten Hundegesicht leuchtet die grenzenlose Freundlichkeit der von Menschen noch nicht verdorbenen Kreatur.
O, aber wie strahlt Karl! Wieder fällt der Handkuß für Mich ziemlich dürftig aus, sein Herz ist ganz erfüllt von Mulle. O Peter, wenn fiu eine grau wärest, bei Gott, jetzt würde ich unangenehm! Aber da bu ein Hund bist, liebe ich dich unentwegt.
Doch mitten unter all dem Glück fällt Karls Blick auf den nassen Fleck am Teppich. Er ahnt sofort das Rechte -- er wird schon wissen, warum er in dem Punkt so helle ist — er wird auf eine ganz erschütternde Weise still, wirft einen scheuen Blick auf Peter, und alles m ihm wehrt sich gegen die Erkenntnis, daß sein Liebling, sein Herzenskind, ihm auf eine so eklatante Weise Unehre gemacht hat.
Mutz ich da nicht helfen? Und ich sage leichthin: „La, schau nur, der Fleck auf dem Teppich! Ich habe mein ganzes, herrliches Eau de Cologne Ämbree ausgeschüttet, riechst düs nicht?"
Wahrhaftig, er riechts, und glücklich, von allem Leid befreit, ruft er mir zu: „Sei nicht traurig, Mulle, ich bring dir ein neues!" Mulle sagt et zu mir, soll mich das nicht rühren?
Und dann verläßt mich der aufregende Champion wieder, nachdem ich ihm noch rasch seinen Aachen mit Biskuit gefüllt habe und er mir »um Dank noch einmal ins Gesicht gefahren ist. Er geht, und ich bringe mein verwüstetes Zimmer wieder instand und erhole mich von der Last der Verantwortung.
Es ist zum mindestens ebenso anstrengend wie ehrenvoll, anderer Leute Kinder zu hüten.
Der „OkkuMsmus" als Wissenschaft.
Don Pros. Dr. Hans Dries ch,
Direktor des Philosophischen Instituts, der Univ.erfität Leipzig.
Dem eigentlich fachmännischen Wissenschaftsbetriebe steht die große Wenge des Volkes, ja auch der Gebildeten, meist recht fern, und ganz besonders ist das da der Fall, wo es sich um neu erstehende Wissenschaften handelt. Eine solche neu erstehende Wissenschaft haben wir nun heute vor unserem geistigen Ange: sie heißt in den Fachkreisen unseres Landes Parapsychologie. Von dieser neuen Wissenschaft, die sich mit noch recht wenig durchschauten Erseinungen des Seelenlebens beschäftigt, gilt es ganz besonders, daß die große Wenge der Zeitgenossen noch kein rechtes Verhältnis zu ihr hat. Pflegt man sie doch sogar mit einem ganz albernen Hamen, nämlich als „Okkultismus", d. h. als Lehre vom Verborgenen, zu bezeichnen, als ob nicht in jedem Wissensgebiete alles der Menge „verborgen" wäre, bis es die Wissenschaft in mehr ober minder Helles Licht seht.
Don was für Dingen die Parapsychologie handelt, wird alsbald dargelegt werden. Vor allem aber muß das große Mißverständnis hier klargestellt werden, daß Parapsychologie nicht dasselbe wir ..Spiritismus" ist. Der Spiritismus ist eine besondere hypothetische Lehre im Nahmen der Parapsychologie, nämlich die, daß Verstorbene noch als körperlose persönliche Wesen existieren und sich unter Umständen Lebenden kund tun können: über seine Berechtigung ober seine Aichtberechtigung werben wir am Schluß ein paar Worte sagen.
Hur wenige Menschen, einige nur im hypnotischen Schlaf, andere auch im wachen Zustande, sind zu parapsychologischen Leistungen heute fähig. Man nennt sie hergebrachterweife Medien, ein Haine, bet allerdings aus der spiritistischen Theorie stammt (gleich „Vermittler", nämlich zwischen einem Toten unb einem Lebenden), aber heute ohne spiritistische Aebenbedeukung allgemein angewandt wird.
Die parapshchischen Phänomene zerfallen in physische unb seelische. Die Physischen Paraphänomene, wie wir kurz sagen wollen (bas griechische Wort- Para heißt nebenher, bezeichnet aber das, was „neben" der offiziellen Wissenschaft noch einstweilen einherläuft), zerfallen in zwei große Gruppen, wenn wir Dinge, die noch unsicher dastehen, wie „Apporte" und echte „Phantome", hier absichtlich beiseite lassen. Allen ist gemeinsam, daß von einem Me
dium stoffliche Vorgänge produziert werden, ohne Verwendung der normalen Gliedmaßen. Handelt es sich um bte Bewegung vorhandener Gegenstände ohne körperliche Berührung, so spricht man von Telekinese (gleich Fernbewegung), oder insonderheit, wenn die Erhebung von Gegenständen, der Schwerkraft entgegen, in Frage kommt, von Levitation. Handelt es sich um die Produktion geformter Gebilde, etwa von Händen, im Raum, so spricht man von Materialisation.
In Deutschland sind diese Dinge am gründlichsten von Baron Schrenck-Aotzing und dem leioer jung verstorbenen Gruber, beiden in München, erforscht worden. Ich selbst sah bei Schrenck unter durchaus einwandfreien Bedingungen typische Delekine,en (von einer elektrischen Lampe wurde ein weit üb erhängendes weiden- tuch von 20 Zentimeter vor meinem Gesicht und etwa zwei Meter hinter dem Aücken des dauernd gut sichtbaren Mediums mit einem Auck weggezogen, leichte Fächer wurden SHrenck aus der Hand gerissen und bewegten sich horizontal in der Cutt).. Eigentlich geformte Materialisationen habe ich nicht gesehen; doch sind über 50 angesehene Deutsche in dieser glücklichen Lage gewesen und haben, was sie iahen, zu Protokoll gegeben.
Man nimmt an, daß alle diese Phänomene im Anschluß an den Leib des Mediums statthaben. Das Medium bildet sich durch feine Einbildungskraft abnorme Organe: Auch die Telekinefen faßt man nicht als eigentliche „Fernbewegungen", sondern als durch ftabartge Organe verursacht auf. Wenn man auf dem Boden der Lehre vom Lebendigen mit dem sog. „Mechanismus" gebrochen und sich andererseits die Ergebnisse der Lehre von der Suggestion zu eigen gemacht hat, kann man diese Dinge wenigstens insofern „verstehen", al- man sie an Bekanntes an- hiüpfen kann. (Bst Apporten und echten Phantomen, fern vorn Me- bi um, wäre das freilich nicht der Fall-
Das Publikum ist heute seltsamerweise viel geneigter, die fee- [ i; di e n als die physischen Paraphänomene zuzulassen, obglein) diese dem theoretischen Verständnis viel größere Schwierigkeiten darbietcn.
Es handelt sich dabei erstens um das sog. Hellsehen (clair- voyance); ein Medium weiß nur fachliche Umstände und Begebenheiten ohne Vermittlung seiner normalen Sinne. Hierher gehört der durch Kant berühmt gewordene Fall Swedenborg, der in Gothenburg den Brand Stockholms (und beft Ort seiner Beendigung) sah", hierher das auf dem zweiten internationalen Psychowgenkongrcß in Warschau angestellte Experiment mit Ossowiecky, der den Inhalt eines fest verpackten Paketes kannte, der keinem Anwesenden bekannt war. Manche bezweifeln, daß es ein echtes Hellsehen gib!; irgendeinem Menschen sei ja doch jede Begebenheit bekannt, viel- leicht werde in dessen Seele „gelesen". Dann würde das Hellsehen auf me nächste Klasse von Erscheinungen zurückgesührt sein. Aber es taffen sich doch wohl nicht alle Fälle so zuriicksühren. Bon dem Nichlzunnt- geführten können wir nur klipp unb klar sagen, daß uns sein Verständnis völlig verschlossen ist.
Wir kommen zur Telepathie und zum Gedankenlesen. In beiden Fällen handelt es sich darum, daß ein Mensch Kenntnis von dem Wissen, oder, besser vielleicht, dem Seelenzustand eines anderen auf unmittelbare Weise, also nicht durch Vermittlung von Sqrist, Sprache, Ausdrucksbewegung ufw. erwirbt. Den, der das fremde Wissen in sich aufnimmt, nennt man Empfänger (Perzipienten), den der es herqibt, Sender (Agenten). Für den heutigen Stand des Wissens |ini Telepathie und Gedankenlesen zwei verschiedene Phänomene, mögen vielleicht später auf gemeinsamer Grundlage verstanden werden.
Bei echter Telepathie ist der Empfänger stets passiv, er „will" nichls empfangen und empfängt doch. Der Sender kann, ohne es zu wissen und zu wollen, also unbewußt senden, oder aber bewußt. Hierher gehören die unzähligen Fälle von Todes- oder Gefahrankündigungen »> der Ferne; es gibt aber auä) Experimenialunterfuchungen, bei Denen dann eben das Senden bewußt erfolgt.
Beim Gedankenlesen ist der Empfänger aktiv, er „will" empfangen; er holt etwas heraus aus dem Seeleninhalt anderer, sei es das, w« sie im gegenwärtigen Moment im Bewußtsein haben, sei es solche, was sie einmal gewußt, aber vergessen haben, an was fw jedenfalls i diesem Moment nicht „denken". Der Empsänger, das Medium W ist dabei meist im hypnotischen Schlaf und gibt durch aittonuW Schrift ober Rede von feinem abnormen Wissenserwerb kund; qim e, gibt auch wache Gedankenleser. Ich selbst denke als Fall von Kodon e - lesen jenes Erlebnis in London, als mir ein berühmtes englisches J« dium im Schlafzustand sagte, meine längst verstorbene Mutter P» einst „viele kleine bunte Vögel, alle aus einem Buch kopiert, auf ! zellanvafen gemalt". Das stimmte in jeder Einzelheit. Das Medium w Spiritistin.
Die höchste Stufe des Gedankenlesens ist das, was die fra'MZ Forscher M e t a g u o m i e nennen. Ich selbst sah ■ die verblichen Leistungen eines Metagnomen in Paris. Schon beim Diner im y des Direktors des „Institut metaphysique" hatte er meiner tfraw mir zutreffende Sachen aus unserem Leben gesagt, die er tim J wissen konnte, unb später erzählte er anderen, im völlig waa,-i '. stände, ihre ganze Lebensgeschichte mit allen Zufall iß te _ Ja, es gibt Metagnomen, welche einerseits Dinge aus der -ISergii s heit richtig aussagen, die wirklich kein Lebender kennt, anbercrfci - — die Zukunft.
An dieser Stelle ist nun jener seltsamen Tatsache Erivahnu!'-n tun, welche den leider eingebürgerten unglücklichen Namen PI l L metrie trägt. Wenn der Metagnom eine Person direkt vor Ifv sagt er ihr Zutreffendes. Es genügt aber zu dieser Leistung er nur einen Gegenstand in Händen hat, welcher einst ote|w + gehörte. An dem Gegenstand mutz also etwas sein, was den,-" M । zu jener Person in unmittelbare Beziehung setzt. Sehr schon haben Wa si lewfki unb Pagen stechen beschrieben. Versteyo I


