es war
das Floß ablösen und fortschwemmen könnte. Oh, gewißlich, so sollte alles geschehen, in den nächsten, den kommenden Tagen
Die frohe Erwartung nahm ihm die.Ruhe, und mit der Unrast stellte sich die Sorge um seinen Körper ein, er fühlte Hunger und überdachte die Aussichten die sich zu so später Stunde noch boten, ihn zu stillen. Er hatte außer Pfeil und Bogen nur sein Messer bei sich, kein Geschirr für Wasser, jedoch am Feuer ließ sich alles rösten was irgend an Lebewesen aufzutreiben war, vom Frosch bis zum Eichhorn. Weshalb hatte er die Tauchente vorbeigelassen, der Hunger ging vor alle Bedenken. Aber, er muhte nicht Mario fein, Dommelfets Freund, wenn er sich nicht zu helfen mUer erhob sich lautlos, verließ die knisternde Schilfbank, und sein Fuß trug ihn durch den Sumpfgürtel, der hinter den Uferbanken lag, so still ins^Gebtlich, als wanderte ein Abendschatten. Jedoch bald fesselte ihn das Gestrüpp, Weiden, Erlen und höher hinauf ein Akaziendickicht, zwischen denen Schlinggewächse wucherten. Der Wasserkoller hatte schon Beeren angesetzt. Dazwischen schossen immer wieder hohe dünne Lchilfstangen aut hart und verdorrt, aus dem vergangenen Jahr, ihr Knacken verr,et ihn jedem Getier. Ein großer Bogel strich dicht vor ihm ab, rauschte mit starkem Flügelschlag und lautem Warnruf wasserwarts, man horte, wie er sich draußen in die Flut einfallen ließ.
Mario suchte den Wald zu erreichen, aber hier w«u kein Durch- kommen. Er verweilte und lieh die Augen wandern, soweit das Licht ihnen noch half, seine Füße sanken im Boden ein. Nach einer Welle mühsamer Arbeit traf er auf einen Tierpfad, der zum See hinablief. Wie ein Höhlengang führte er empor, niedrig zwar, aber so gangbar und,aus- aetreten, daß man ihn lautlos beschreiten konnte, wenn auch tief gebückt. Mario reckte den großen Bogen vor sich her, still und aufmerksam, immer ‘'“'Bk' Distnmcrung sickerte durch die Laubdccken, die ersten Glühwürmchen glommen auf, verwischten sonderbar mit ihren besonnenen Licht- bahnen die Konturen von Stamm und Busch im Halbdunkel, man mußte ihnen mit den Augen folgen und verwirrte sich glucklick), wie verzaubert. Jedoch es dämmerte unheimlich umher, wenn der Blick die ziehenden Lichter losriß und wieder umherfchwcifte. Der Boden wurde jetzt wieder test und trocken, der Wald lichtete sich. ,
Mario fürchtete die Dunkelheit nicht, denn er hatte gelernt daß man sich nachts nicht nur auf seine Augen verlassen durfte -Wachsam, bei guten Sinnen und ohne Hast, fühlte er setzt ein Hindernis auch in schwärzester Nacht, bevor er daran stieß, er hatte nicht sagen können, wie es sich zutrug, es war ein Ertasten im Gewese der Luft, ein Haren fast, ein Erahnen ohne Kenntnis, als hätten die Körper eme merkbare Aus- ltrömuna leise, leise Stimmen ihres Daseins.
Der Zweifel und das Suchen muhten ein Ende haben. Es war besser, nach einem fetten Entschluß zu hungern, als nach langen vergeblichen Be- mAungen eine spärliche Mahlzeit zu erringen. Was man nun einmal er- tragen mußte, wurde leichter, wenn man cs auch top sei wollte. Er atz den kargen Rest seines Brotes und schnitt und brach sich das Geäst für sein Bett. Er flocht die starken Zweige mit großem Geschick in die tiefen 2lette einer mächtigen Fichte, kaum einen Meter hoch über dem Boden. Die grüne duftende Matte schwankte sanft, als er sich hmembettete, wie in eineAgematte Es war besser, hier nicht am Boden zu schlafen, er ^^Lange^l^g er"wach^und lauschte aus die Stimmen der Nacht. In tiefer Geduld beglückt vom Reichtum seines Lebens, pochte das Herz im Dun keln. lläie lichtvoll war der Tag gewesen!
Kopf an das Geäst, blieb liegen und schaute in das große Licht, ter mutzte lange geschlafen haben. Seine Hände ertasteten, wie in eigenen Gedanken, Pfeil und Bogen, die neben ihm lagen, Brot hatte er nur wenig bei sich, das Feuerzeug fand sich, so konnte man sich auf die Nacht einrichten. Er wollte den See nicht verlassen. , ,
Aus dem Schilf und von der Wasferebene her rohrte und gurgelte es, ein knarrendes Locken mischte sich ein, in weiterer Uferferne trommelten die Frösche. Ihr abendlicher Sang war der einzig vertraute Laut von allem, was er vernahm, außer den Grillenstimmen, die wie toll und über« elia in den hereinbrechenden Abend schrien. Ihr heller gellender Eifer machte die Stille der umgebenden Natur feierlich und groß. Eine Tauchente mit ihren Jungen ruderte im Schilf heran, die Kleinen folgten der Mutter übereifrig und blind geschäftig nach, sie verstanden noch nicht recht, was sie taten. Jrn alten Schilfgestänge kletterten die jungen Rohrdommeln, sonderbar mit den langen Füßen greifend, auf und ab; mit dem Schnabel das Schilf abtastend, suchten sie nach Nahrung.
Mario rührte sich nicht, er wußte, daß die Natur sich nur erschloß, wenn man zu warten verstand. Immer war ein Ort zuerst, wenn man anlangte, wie erstorben, verharrte man aber in Geduld, fo belebte er sich wunderbar reich und mannigfaltig. Jetzt wußte er, weshalb die Walder früher für ihn so leer an Tieren gewesen waren.
Er dachte an das geplante Floß. Ein dicker Baumstamm mutzte genügen, zersägt auf vier ober fünf Teile, die nicht viel länger als er zu sein brauchten. Er wollte sein Handwerkszeug, Axt und Sage mit sich nehmen, im tiefsten Usergebüfch sollte eine Schutzhütte errichtet, im dichtesten Schilf das Fahrzeug geborgen werden. Vielleicht, besser noch an einer Bachmündung, dahin der Wellengang des Sees nicht reichte, der
Ich biete auf Rembrandt.
Von Walther Petry.
Die eigentlichen Voraussetzungen dieser Geschichte wunder Pich den ich zufällig neben dem berühmten Sammler M. aus land erhic t unb die Schätzungsliste, ein Papier, dem Katalog beiliegend, mit den Schätzwerten der Wer'. Es sollte um vier Ufc beginnen; um rd schon war der Saal überfüllt; langsam liefen die Gange voll für» so Beginn steuerten die großen Säu er auf ihre reservierten Platze. Ehrwur diaer Anblick sie alle zu sehen, die Hüter und amtlichen Verwalter d-r Kunst aus Bresben, München, aus Holland Spanien;grauhaarigun fachmännisch mit Augen, die über,unablässigem Prüfen von Echtye kurzsichtig geworben waren. Dazwischen gruppierten sich Die £aw, atzen sehr beengt da, öffneten bie Pelze, duft en und ließen stch o°n den eisgrauen Millionären, bie nut goldenem Bleistift 'M Katalog her kritzelten, kleine Gegenstände aufheben, die sie zur^Abwechslm g ihren Taschen fallen liehen. Um vier Uhr, mit dem S°nÄK°»l«g« die Polizei, sperrte bie Eingänge, hinter denen sich ^s>mtg°konnn bie Karienlosen, furchtbar interessiert drängten und erschien, uver Stufen des Aufbaus heraufsteigend, die Mappen unter ^”Arm$ttcfe Versteigerungskommission. Man rüstete sich, flüsterte die-Namen, gl« die Listen unb versank, jeder einzelne die Weihe der großen Zahlen^^ wartend, in hochachtungsvolles Schweigen, als der beauftragt nator bie Bedingungen verlas. mit
Der Katalog hatte einhundertunbsieben Nummern Es began kleinen Stücken der holländischen Schule, die, angefagt, non mettem^ zeigt, ein wenig in die Höhe geboten, nach vier S^ eri । 3le Üben. Das war unbeträchtlich unb ging ohne Aufregung vo-uver. Preife, wie ich mich überzeugte, lagen fast genau 'N der Hohe » schätzten Werte. Langsam rückte indessen der Auktionator vor. Ltn Niederländer, einige Italiener; man war bei der Wummer Bilder wurden bereitwilligst herumgezeigt; manchmal, der Groß« von zwei Männern, die sie jedem Interessenten noch wandten. Ich sah mir, um befugter zu scheinen als ich trcr, au» cin Nähe eine Kuh unter Bäumen an, treu gemalt iGoneingei!^^ Objekt von 30 000 Mark, das ich nach einigen Augenblicken fttrn der Prüfung mit kleinem Kopfschütteln passieren lieh. ...®(is
Mein Nebenmann, wie ich plötzlich mit Erstaunen M- > *' nwrf Kinn war nach vorn auf eine untadelige Hemdbrust gesun - M- brei Falten. Der Mann sah nicht ermüdet ans unb schien >
geschwemmt unb gelagert, knisterten unter seinem nackten Körper, em Weidenbaum, dessen Wurzeln von der Flut bloßgelegt waren, als stünde er auf vielen dünnen, geschwungenen Beinen, bot spärlich Schutz gegen Sonne unb Wind, beide fielen auf die Lider und wirkten miteinander so wohltätig, daß sich die Augen sanft und wie von selber schlossen. Es rauschte noch lange in den weiträumigen Traum hinein.
Als er erwachte, stand der See in Gluten, bas Abendrot färbte ihn, still geworden, der Sturm hatte sich gelegt. Mario stützte den das Geäst, blieb liegen unb schaute in bas große Licht. Er mußte
leben unb walten. ... , m
Das dürre Schilf unb Binsen, in weiten Banken doiu Wellengang an« ' gelagert, knisterten unter seinem nackten Körper, ein en Wurzeln von ber Flut bloßgelegt waren, als ftttnbe
An einem sonnigen Abhang in einer baumleeren Schlucht fanb er eme solche Fülle von Himbeeren, baß er staunte. Es tat ihm leib, kein Geschirr bei sich zu haben, unb baß Dommelfei biefen Reichtum nicht sah. Er brach in bie buftenbe Siebelung ber Sträucher, bie Beeren glühten ütz und warm, es ging hier kein Wind, bie Schmetterlinge taumelten )urd) bie flimmernbe Helligkeit, eine Ringelnatter zischte ihn an unb lüchtete, ein Fuchsfell blinkte auf unb erlosch. An den Stümpfen aus bem Moos brachen Farnkräuter so groß wie Schirme; unb an bornigem Gesträuch kletterten mattfarbene Sommerwinben empor, bie blühten. Mario ließ Beere auf Beere über bie Zunge roanbern, er trank sich am fußen heißen Blut ber wilben Sommerkinber satt.
Jenseits bes fünften Tales stieg bas beroalbete Lanb leicht an, unb als er bie Höhe erreichte, auf ber ber Grunb trocken wie Zunber knisterte unb ber Winb ihn roieber anfprang, sah er zwischen ben Stämmen, bie hier licht unb in Abstänben voneinanber ftanben, vor sich einen hellblauen Silberstrich, ber lebhaft glitzerte. Er mußte sich fassen unb begriff nicht sogleich, was er erschaute. .
Nun staub er vor einer weiten Wasserfläche, ein großer «ee behnte sich hell unb blau, vom Winb in frohen Aufruhr versetzt, vor feinen Augen, ber Wald wuchs bis bicht an bie Flut, Schilfbänke lagen wie grüne bewegte Inseln nahe bem Ufer, fern drüben blauten die Mauern ber fremben Wölber, zur Rechten unbSinten war kein Enbe zu erspähen, wie ein breiter Strom zog sich ber See bahin. .
Mario jubelte auf vor Glück. Da strahlte eine ganz neue Welt tn blauer Herrlichkeit vor seinen Sinnen auf, eine Welt, bie ihm gehörte, ein Reich, das er ben Provinzen seines Walbglücks zugesellen konnte wie ein König ein erobertes Gebiet. Er lachte vor Seligkeit, fein Wuitzch, sich diesem Sein unb Weben, Diesem Licht, biefer Weite unb Kühle, bem Glanz unb ber heiteren Lebendigkeit ber Flut einzufügen, überwältigte ihn wie ein Rausch. Da war noch keine Minute vergangen, unb er war im Wasser.
Es umpfing ihn warm unb erwies sich als weit hinaus flach. Große Libellen erhoben sich von ben Schilfhalmen, hinter benen der See jählings tief würbe, Mario schwamm unb tauchte, bie Wellen überschlugen ihn, hoben ihn hinauf unb hinab, bas Schweben unb Gleiten ber weit unb selig gebehnten ©lieber füllte bas Blut mit Entzücken unb ganz neuer Kraft. , _ _.
Nun lag er am Strand. Wie es umyer nach toonne, -schift und Uferfäulnis duftete; da verbrannte bie Glut, was die Tiefe des Sees ans Ufer spülte, es branbctc in lauten frohen Wellen auf ben Sanb. Hier lieft sich ruhen wie nirgenbs, ber offene Himmel wirkte wie ein Bab aus Licht nach biefem kühlen Treiben in ber Flut. Das war ein Schwimmen gewesen! Was bot bagegen ein Bach, an besten Grunb unb Ufern man sich stieß, unb besten Kessel Schüsseln waren gegen bics Meer von Weite und gläserner Tiefe.
Er preßte unb brückte bas Wasser aus den Haaren, du lieber Gott, wie lästig doch dieser Schopf ihm bei seiner Arbeit wurde. Dommelfei schnitt ihn zuweilen mit ihrer großen Schere ab, nicht kurz, das wollte sie nicht. Zwei-, dreimal schnappte der eiserne Rachen, dann galt es für gut. Aehnlich schnitt sie auch das Gras mit ihrer Sichel. Die ersten Haarreste, die sie fortgeworfen hatte, fand er später in einem Baumloch in einem Meisennest wieder, ganz blond war das Nest. .
Ja, das mußte anders werden, es sollte letzt em Leben voller Wirken und Arbeit beginnen. Ein Floh aus Baumstämmen war bas erste, was er bauen wollte, ber ganze See mutzte erforscht werden. Dommelfei wurde sicherlich rechtes Angelgerät herbeischaffen, bie Einmündungen des Flusses und ber Bäche galt es zu entbecken. Noch zeigte sich ihm hier nicht, was an Geschövsen bie Ufer unb bas Wasser bevölkerte, wie sollte em kluges Lebewesen' sich zeigen, wenn er hier schnaubte, plätscherte unb zappelte wie ein junger Hunb? Aber wie vieles an Getier unb Vögeln mußte hier


