Ausgabe 
26.6.1928
 
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And der Töpfermeister ging aus dem Spielsaal fort, nm das gleichviel wo, aber jedenfalls an einer völlig gesicherten StÄle - cm« Eahw Geld, welches er noch besah, herauszutrennen und nach j-d-ch ,-.t «« d->, W.BW »««?. umi.m« Abschätzung der Anpumpung würdigen Spieler mit wie er hoffte mehr Glück als das erste Mal wieder aufzunehmen.

Daher denn auch!"

Schltctzltch kam der militärische Geist, welcher dem 19. Jahrhundert als Errungenschaft Vorbehalten blieb, selbst nach Mecklenburg. ®ct jeweilige Grohherzog wurde zum Oberbefehlshaber feines ruhmreichen Leeres und sämtlicher nicht der Aniform gewürdigter Untertanen in Stadt und Land, die ebenfalls widerspruchslos zu gehorchen ha.ten. Abgesehen versteht sich vom Landtag, dessen Ritter und Stande weiterhin mit Reskripten zum Dachgrben bewogen werden mutzten. Die nicht zum Landtag berechtigten Mecklenburger redoch lernten kaum zu glauben das Rückenbeugen und Hackenzulammenklappen, das Strammstehen und Zu-Befehl-Schnarren. Zwar lanchach, wie das so ihrer 2lrt entspricht. Aber auch sie lernten es. Mit Aus­nahmen, die unter ihnen doch wohl häufiger anzutreffen gewesen sind, als anderswo in deutschen Landen.

Eine dieser Ausnahmen war der Oberlandstallmeister von W. Als der Grohherzog, der gleichfalls, wie sein genialer Grohfahr, Friedrich Franz hieß, eines Tages einen neuen Ministerpräsidenten benötigte, weil der bisherige an Altersschwäche verstorben war, und der, seiner Vegierungsstütze Beraubte, ohne sich vorher mit ihm ins Benehmen zu setzen, den Oberhüter seiner Pferdezucht zum obersten Beamten seiner Menschenzucht ernannte, da lehnte der die Annahme des Postens mit gekrümmtem Rücken, aber rundweg! ab.

Friedrich Franz war mehrere Minuten über den unerhörten Bor­fall sprachlos, daß ein großherzoglicher Beamter noch dazu einer aus dem Militär hervorgegangener, seinem Befehl nicht unverzüglich nachkambequemte'sich aber endlich doch zu der naheliegenoen Frage:

Weil ich lieber mit Pferden umginge als mit Menschest, lautete die Antwort des Oberlandstallmeisters.

Gerade, weil in der Tat mit Pferden angenehmer umzugehen Ware als mit Menschen, sei cs an der Zeit, daß endlich ein, anderer auch einmal diese Annehmlichkeit an seiner Statt der zwanzig Jahre das ungestörte Vergnügen gehabt hätte, teilhaftig werde.

And außerdem," suchte von W. sich zu retten,sei er tut das verantwortun gsvolle neue Amt zu alt."

Dierundsechzig! Also zehn Jahre jünger als der preußische Mi­nisterpräsident v. Bismarck, dessen Regierungskunft nach dem allgemeinen Gerede und Geschreibe zu urteilen mit iedem Jahr zunähme. So bah man törichterweise anfange, ihn über den König, seinen Herrn, zu stellen. t

Run denn, kurz und gut," bekannte der in die Enge geratene Ober­landstallmeister,er könne den huldvollst zugedachten Ministerposten nicht übernehmen, weil er vom Regieren nichts verstehe

O das Regieren," bekannte der Großherzog lächelnd,das Re­gieren ist leicht. Ich habe es in einer halbeii Stunde gelernt.

And wie jemand wohl mitten unter Menschen ein der Einsamkeit vorbehaltener Ton entfährt, den er um alles in der Welt gern in sich zurückgedrängt hätte, den er aber, wenn er seinen Ausweg ge­funden hat, nicht wieder heimholen kann, ob er auch die Behendigkeit selber fein mag, so entfuhr es dem Oberlandstallmeister:Daher denn auch!" e .

Aber wie in besagtem Falle dem Armsünder wie den Amstehenden nur übrig bleibt, das Anglückchen mit beiderseitigem Stillschweigen aus der Welt zu schaffen und sich den Anschein zu geben, als hatte keiner von ihnen den verbotenen Ton vernommen, so ging der Groh­herzog über die drei seinem Oberlandstallmeister entfahrenen Worte mit Aichtbeachtung hinweg und eröffnete ihm, er werde morgen , zwei landesherrliche Schreiben erhalten, von denen er eines unverzüglich zurückzuschicken habe. Welches, stünde ganz bei ihm.

2lm andern Mittag bekam der Wartende gleichzeitig seine Ent­hebung vom Amt des Oberlandstallmeisters und seine Ernennung zum mecklenburgischen Ministerpräsidenten. Es wurde von W. schwer, seinen bisherigen Posten zu verlassen denn von der Pferdezucht verstand er mehr als irgendwer im Lande aber da das unter allen Amständen sein mußte, so schickte er die neue Bestallung zuriick und begab sich unbeamtet auf seine Güter.

Dee Minnesänger Ton und Weise.

Von Dr. Anton Mayer.

Nach der winterlichen Starrheit einer enggebundencn und in ihrem Wirkungsbereich beschränkten kirchlichen Tonkunst des frühen Mittel­alters erhebt sich der deutsche Minnegesang wie der kräftig sprießende Frühling im Wechsel der Jahreszeiten; gleich der aufblühenden Natur treibt Musik und Dichtkunst junge Sprossen und Blüten einer neuen lebensbejahenden Kultur, die sich den freudebringenden Elementen des Daseins mit voller Kraft zuwandte. In den Zeiten vor dem 11. und 12. Jahrhundert hatte die Kirche den Frauen, welche sie als Gefäße der Sünde betrachtete, Schweigen geboten; nun wurden gerade die ausge­sprochen weiblichen Eigenschaften, Geschmack, Takt, starkes Empfindungs­vermögen, wieder zum maßgebenden Faktor der Betrachtung, ähnlich der längst vergangenen heidnischen Auffassung, der sich ein Teil der er­wachenden ritterlichen Gesinnung zugesellte. Ein neuer Kult der Frauen entsteht; feine Geistigkeit und die Gabe, sich in wohlgesetzten Worten ausdrücken zu können, triumpieren über körperliche Leistungen und die weltabgewandte Träumerei verschlossenen mönchischen Wesens. Der Sänger dient nicht nur dem Fürsten, dem allerdings seine Abhängigkeit in erster Linie vcrpslichtet bleibt; daneben dient er den Frauen und wird so, durch eine Verquickung beider Dienste, zum Träger der vornehmen

höfischen Bildung. Liebessehnsucht, zärtliche Erlebnisse, unglückliche Liebe wurden zu Themen leidenschaftlicher, übermütiger, inniger und trauriger Gedichw die alle dazu bestimmt sind, der angebeteten Herrin, oder zum mindesten dem weiblichen Geschlecht in ihrer Person ein Denkmal zu eßen Das WortMinne" bedeutetGedenken"; das Gedenken oder die Iedanken jener frühen Sänger kreisen zwar beharrlich um dieselben Motive, ziehen aber auch andere Kräfte in ihre Kreise: vieles Mystisch. Religiöse, Heiligenverehrung, christliche Mitleidsliebe und antike Sinnen- freudigkeit werden zu gern benutzten Themen zum höheren Ruhm der Preisenswerten. Es ist kein Wuiider, wenn bei fo lebhaftem -treiben auch das rein naturhafte Geschehen und vor allem die Parallelerschei­nung des irdischen Werdens, der Frühling, mit immer erneuter Lusi besungen wurde. . rt . . _

Wir dürfen als moderne Menschen indessen niemals vergeßen, daß die Minnesänger trotz allem mittelalterliche Meiischen waren und bl,eben; der starke Individualismus, der erst mit dem Ende der Fruhrenaislanc« in Italien, während des sich neigenden 15. Jahrhunderts, den Menschen, insbesondere dem Künstler zur Selbstverständlichkeit wurde, ist chn-n noch etwas ganz Unfaßbares. Der mittelalterlich Empfindende lebt in den Anschauungen der Masse, die Leistung des einzelnen verschwnid-l unter den ähnlichen Leistungen anderer; woher cs denn kommt, daß nm so häufig die Schöpfer genialer Kunstwerke jener Zeiten nicht. mit Namen kennen, wie die Bildhauer der Naumburger und der Bam­berger Domskulpturen, welche zu den größten jemals entstandene« Werken deutschen Geistes gehören. Die Selbstverständlichkeit, nut welch« ein Florentiner Hochrenaissance-Maler oder -Dichter, die Ueberlegenheii, mit welcher ein römischer Barockkünstler die Welt betrachtet, sind unenb. sich verschieden von der starken Gebundenheit, aus der M) em Mensch des 12. Jahrhunderts infolge dogmatischer und sozialer Fesselung nicht zu lösen vermag. So können wir also niemals von den Liedern bet Minnesänger, trotz allem kraftvollen Sicherheben, einen so start persön­lichen Ausdruck erwarten, wie wir ihn bei späteren Lyrikern gewohnt sind; es wäre falsch, infolge der Enttäuschung, die der moderne Les« bei solchen Gedichten empfindet, ihre dichterische Qualität in Zweifel zu ziehen Es ist alles relativ; der Fortschritt des Minnegesangs gegen d« vergangene Zeit kann eben nur an den Erzeugnissen dieser früheren Epoche und nicht an sehr viel jüngeren, unter anderen weltanschaulichen Voraussetzungen entstandenen gemessen werden. .

Eine Trennung zwischenLied , das gelungen, und --Gedicht, b«. gesprochen wird, kannte das Mittelalter noch nicht; infolgedeßen macht! es auch keinen Unterschied zwischen Dichter und Komponisten. Cs i|t wohl nicht zu leugnen, daß die literarischen Qualitäten der 91® sänger ihre kompositorischen übertrafen; allerdings ist die Frage ntus ihren Sangesweisen noch nicht ganz gelost. JhreMelodien gehen jet» falls auf den Volksgesang und den gregorianischen Kirchenstil. zmuch außerdem besteht ohne Frage eine starke Abhängigkeit des deutschen Stiles von der Art romanischer Lieder. Da die ritterlichen Sanger zm Teil weder lesen noch schreiben konnten Wolfram von C Ja; en bei diktierte den ganzen Parzival aus dem Kopf, eine ungeheure Leistung, so ist nicht anzunehmen, daß sie viel von der musikalischen, sehri komch kierton Rotation und der Theorie der Tonkunst wußten. Es glbt zM einen Svruch des Sängers F r a u c n l o b , m dem von Stufen, Kirchen tönen, .Harmonie der Sphären, Stimmführung Kadenzeii und ahnlich-n die Rede ist- das Ganze ist in der Art eines kleinen Musiktrakla es, * doch zu allgemein, alb daß auf eine genauer« Kenntnis des Autors * musikalischen Dingen geschlossen werden konnte.

Der durch seine Dichtungen bekannteste Minnesänger Wat h e m der Bogelweide, wurde, da so gut rote keine Melodien erh schienen stets nur auf Grund feines lyrischen Talentes hochgeschad nun ist' vor einiger Zeit gelungen, echte Bruchstucke und sogar em ganzen Gesang Walthers aufzufinden. Die Weisen sind einfach, volkstümlichem Reiz; ausfallend ist der ungewöhnlich große ^ti« umfang des einen Fragments, der bis zum hohen L reicht, -'(an ~ dm-oll/ schließen, daß der Sänger eine strahlende Tenorstimme halte eine Vorstellung, die nicht übel zu dem Bilde paßt, welches wir UN dem leidenschaftlichen und zugleich zarten Dichter S» 'nachen^E sind Eine gesammelte Andacht von großer Schönheit und gehaltenem U spricht aus der Melodie des Liedes, das uns ganz erhalten ist.

Nu alrest leb' ich mir werde, Sit min sundico ouge siht. Hie das Land und auch die Erde Dem man vil der Eren giht." . a.«

Wolfram von Eschenbachs Kompositionen sind nur duq geringes Fragment, eine Strophe des Tilurel aus den,ParzuH - könnt; verhältnismäßig gut erhalten sind die Smgeweisen des M rialen N e i t h a r t von R e u e n t h a l, der bis zum Jache Seine Art ist allerdings von der Weise Walthers sehr verschied. , ° ein Satiriker und verspottete seine Standesgenossen durch die Da derber Liebesszencn, in denen der Dichter allerlei Crlebm !

Mädchen und ihren eifersüchtigen dörflichen Liebhabern^Hat, °as . endigt gewöhnlich mit einer solennen Keilerei, ^ls Komponist Neithart eng an den Volksgesang an und vermeidet möglichst am Gregorianik; reizende Tanzmelodien, schnelle Parlandosatze » die lustigen Begebenheiten, in denen wohl einmal lemanb etwas qlatz", an die Glatze, geworfen bekommt. Die reichste Quell ! ^ Musik der Minnesänger ist die Jenaer Llederhandschrstt, in der s ch..^.^ dings manches findet, das nicht gerade als erstklassige musika anzusehen ist; ihr Schwergewicht liegt auf der Spruchmelodik des Hunderts. Die Kolmarer Ha nbf.ihr,st aus beni 1B. W bringtLied und Leichtöne" von Meistern des 14. JahrhuiMu denen die Arbeiten Mülichs von Prag und des C g#. Salzburg" hervorragen; der Zweitgenannte, welcher aucy licher Sänger wichtig war, ist einer der letzten Miunefa g

Denn im 14. Jahrhundert verlor der ritterliche Gesang ferne ° |

Stellung; die Weisen der sahrenden Leute, m>e ber Jeto« begannen, ihnen den Rang abzulaufen. DerMunch m