tueri, die Inseln von Hybres, von altersher die Goldinscln genannt. ? Porquerolles, das Eturium der Alten, ist die dem Lande nächstliegende j Insel. Daran reiht sich Port-Cros, das Phoinike der Griechen, die Insel Levant oder Titan, bei den Griechen Phila genannt, und zwei winzige Felseninseln, Bagaut bei Port-Cros und Roubaud bei Giens, bilden den Abschluß der bei den Griechen Sioechades heißenden Inselgruppe.

Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß eine gewaltige Erdrevolution in vorgeschichtlicher Zeit die Goldinseln vom Festlande lorgerissen hat. Geologisch gehören sie zu dem bis nach Cap Sicie reichenden Gebirgs- stock der Maures, der wie sie aus Granit, Gneis und Schiefer von goldig glanzendem Glimmer besteht. Von dem goldenen Glanze dieses Schiefer­glimmers stammt der bis in frühe provencalifche Zeit zurückreichende Name der Goldinseln. Porquerolles, in alten Zeiten Port-Olles, Töpferhafen nach dem hier früher blühenden Töpfergswcrbe benannt, ist 8 Kilometer lang und 2 Kilometer breit und zeichnet sich durch malerische Strandklippen, vorzüglichen Wein, prächtige Korkeichen und Kastanien ' aus, während der Oelbaum weniger gut gedeiht. Man hat hier Münzen ! der Phokäer von Marseille, rönnsche Münzen von Hadrian und seinen Nachfolgern und Reste alten Geschirres aus der Römerzeit gefunden, das hier entstanden ist. Wenn auch der Boden reich an Töpfererde ist, so sind doch die alten Töpfereien nicht mehr vorhanden. Aber der Fisch­fang und der Ackerbau nähren auch ihren Mann. Felsenriffe erstrecken sich weit in das Meer hinaus und schaffen Buchten, in denen es sich prächtig fischen läßt. Vielfach zerklüftet, ragen die Granitklippsn aus - dem Meere empor, hier als massige Wände, dort als freistehende, seltsam \ geformte Felsen und Türme. Farrenkräuter und Ginster wachsen zwi- s scheu den Felsentrümmern und zwängen ihre Wurzeln in die Spalten ; und Risse des zerklüfteten Gesteins. Eine alte Burg überragt das Militär-Sanatorium von Porquerolles. Der Pflanzenwuchs ist sehr üppig. An einer wilden Schlucht liegen tief unten die Ruinen des Klosters von Lerins. Im Süden der Insel ragt ein Lenchtturm empor, der sieben Seemeilen weit seine Strahlen aussendet und fast 80 Meter hoch ist. Ganz im Süden stößt das Cap de Medes weit in das Meer hinaus, von den wilden Wogen umbrandet. Kaum 300 Einwohner be­völkern die Insel.

Eine kurze Ueberfahrt bringt uns nach der zweiten Goldinsel, nach Port-Cros. Der Name bedeutet eigentlich Port-Creux, der tiefe Hafen. Sie ist die wildeste der drei Inseln. Fast ebenso groß wie Por­querolles, beherbergt sie kaum 230 Einwohner. Die wenigen Häuser führen meist hochklingende Namen: Chateau, Villa, Bastide, Bastidon, Bastidette und Metairie. An dem klippenreichen Strands gibt es eine - prachtvolle Brandung. Die Berge, bis zu 200 Meter hoch, sind mit \ spärlicher Macchia bewachsen. Vom offenen Meer aus ist die Insel fast i unzugänglich. Im äußersten Osten liegt der Hafen Maye, auf Deutsch der große Hafen, aber sein Schiffsverkehr ist begreiflicherweise nur sehr unbedeutend. Eine Festungsanlage neben dem Hafen reicht noch in die Zeiten Ludwigs XIII. zurück. Vielfach zerklüftet, ragen Felsblöcke weit in das Meer hinaus, und über die schaumgekrönten Wellenberge fliegen Scharen von Möven mit unheimlichem Kreischen dahin.

Noch einsamer als Port-Cros ist die dritte der Inseln, die Ti- | tanen - Insel oder Ile du Levant, nach den Resten eines gewaltigen Turmes aus alter Zeit, des Titanenturmes, benannt. Am weitesten nach Osten vorgelagert und die größte der drei, ist sie nur von etwa ! dreißig Menschen bewohnt. Der Boden trägt reiche Schütze an wert- j vollen und seltenen Mineralien, Turmalin, Magneteisen, Eisentitaniat und Actinat. Wie von Titanenhänden mit Zauberkraft aufgebaut, er- * heben sich die steilen Granitwände der Küste. Es ist feierlich still hier draußen, und mühsam wandert man auf ungebahnten Wegen durch die bis zu etwa 130 Meter ansteigenden Berge. 2tn die sanft ge­schwungene Rheede von Hyeres reihen sich in einem großen Halbkreis von 18 Kilometer Länge die anderen Goldinseln. In dem Binnen- wasser zwischen den drei Inseln und der Halbinsel Giens kräuselt kaum eine Welle die klare, tiefblaue Flut, aber draußen, wo die Seewinde unqehinderten Zutritt haben, nagt die wilde See an dem festen Granit­gestein, ruhelos mit gewaltigem Donnern und Tosen aufprallend, um in Wolken schimmernden Schaumes aufgelöst zu werden. Golden leuch­tet hier und da der Glimmerschiefer auf, der den Inseln ihren Namen gab. Im Süden erhebt sich die kleine Felseninsel Roubaus, deren Be­sitzer Känguruhs züchtet, mit einem Leuchtturm. Die letzte der Inseln, Baqaud, ist nur von wilden Kaninchen bewohnt.

Es gibt viele Gemüse- und Obstgärten auf den Goldinseln. Da alles früh reif wird, so verschicken die fleißigen Bewohner ihre Früchte als hochgeschätzte und entsprechend hochbezahlte Primizien (Primeurs) nach Toulon. Marseille und selbst nach Paris. Die Gastlichkeit der Bauern ist ein besonders ansprechender Zug. Alle Gärten und alle Häuser stehen offen. Man darf ruhig einen Garten betreten und sich Früchte pflücken. Ein anderer sehr erfreulicher Zug der Volksseele der Hyörischen Inseln ist die große Mäßigkeit. Ich glaube nicht, daß diese Insulaner einem fröhlichen Männertrunk ihres trefflichen Jnselweines abgeneigt sind, aber ich habe nie einen Betrunkenen unter ihnen gesunden.

Weit berühmt sind die Gärten der Stadt Hyeres selbst, die am Abhangs eines steilen Hügels eine Wegstunde vom Meere entfernt sich geräumig und gastlich ausdehnt. Hyeres des Palmiers wird sie wegen ihrer stattlichen Dattelpalmen genannt, mit denen ihre Straßen und Plätze bepflanzt sind. Die schönsten und stattlichsten Palmen stehen auf der Place des Palmiers. Hier erhebt sich ein Obelisk, den die Stadt zu Ehren eines ihrer Wohltäter, des Schneiders S t u l z aus Baden, hat errichten lassen. Dieser zu Reichtum gelangte deutsche Landsmann ii später sogar zum Baron ernannt worden und hat der Stadt Hyeres viele Stiftungen vermacht. Von da hat man den schönsten Blick auf das weite, fruchtbare Tal mit seinen zahllosen Bastiden und auf die Goldinseln. Hunderte von Fischerbooten beleben die Wasserfläche. Mit den großen Netzen, die nm Ufer zum Trocknen aufgehängt sind, wird der Thunfisch gefangen. Hyeres ist der älteste Winterkurort an der französischen Riviera. Die einheimische Bevölkerung ist überaus arbeit­

sam und tüchtig. Die Männer tragen weite Hosen und einen niedrigen Filzhut mit breitem Rande Alle hängen mit großer Liebe an ihrer Heimat. Kft habe ich sie sagen hören:Nur auf Hyeres kann man leben, überall fühlt man sich als ein Verbannter!" Hier hatte Ambroise Thomas, der auch Hyeres über alles liebte, seine Villa. Hier hat er Goethes Verse.Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn?" in Musik gesetzt. Lamartine hat Hyeres besungen, und der greise Paul B o u r g e t wohnt dort noch heute. Hier im Hotel du Pare, hat der große Napoleon während der Belagerung von Toulon gewohnt, und hier lieh er Josephine Beauharnais zurück, als er nach Aegypten zog. Das Klima von Hyeres ist noch günst ger als das der anderen Badeorte an der französischen Riviera. Es gibt dort nur 36 Regentage im Jahre.

Die Brandung rauscht ihr uraltes Lied. Zwischen die wirr durchein­ander gc-sch chteten Felstrümmer zwängen Pinien und Korkeichen ihre Wurzeln und zertrümmern so- allmählich selbst das harte Gestein. Alles ist so schön wie am Golf von Neapel; hier gibt es ein zweites Kap Mifenum, ein anderes Kapri mit Ischia in Gestalt der Goldinseln und einen zweiten Posilipp in dem Bergzuge von Costebelle; sogar ein Gegenstück zu der blauen Grotte nennt das Tal von Hyeres sein eigen. Die Feengrotte (le Traou deis Fadas), nicht leicht zugänglich, aber sehr sehenswert. Stalaktiten und Stalagmiten steigen von der Decke herab oder erheben sich aus dem Boden. Ein großer Saal und zwei Neben­grotten bilden die Feengrotte. Der Posilipp von Hyeres aber ist eine Hügelkette, so schön, daß man sie Costebelle genannt hat. Die Aussicht von diesem zweiten Posilipp ist hinreißend schön. Ringsum dehnt sich wie ein weicher grüner Teppich das üppig bebaute Land mit seinen Wein- und Obstgärten, waldigen Ufern und Wiesenrändern. Weiße Bastiden ziehen sich bis hoch oben in die Berge hinauf. Ueber das von bläulichem Duft umwobene Tal hinausschauend, erblicken wir das im tiefsten Blau erglänzende Meer und die Goldinseln. Cs ist feierlich still hier oben; der Wind aber, der vom Meer herüber weht, läßt die Wipfel der hundertsährigen Bäume sich langsam hin und her- bcwegen, wie im Traum, und mit den Zweigen herüber und hinüber­greifen, wie mit tausend tastenden Menschenhänden.

Der Maler als Molls der Malerei.

Von Walther Appell.

Muß es nicht für einen Maler besonders reizvoll erfcheinen, seines­gleichen zu malen? Also in seinen Werken die Tätigkeit festzuhalten, oder frei zu gestalten, der er selber dient, und die sein« Schöpfungen werden läßt. Man sollte meinen, daß öfter einmal ein Künstler den Drang gehabt hätte, gleichsam sich und sein Tun aus der eng-personellen Festlegung des Porträts ins Allgemeine und allgemein Gültige zu erweitern: zu erhöhen und verherrlichen in dem, worin es opfer-stark und schöpferisch, erlebens- groh und weiterweisend ist, oder auch überlegen zu glossieren da, wo es klein-menschlich und launen-tückisch, gegenstand-gehemmt und material- behindert ist. Wir müssen jedoch feststellen, daß dieses MottoMaler malen ihresgleichen" beinahe mit zu den allerseltenste» gehört, wenigstens in der angcdeuteten Verbreiterung (oder auch: Konzentration!) ins Typische. Malerselbstbildnisse sind so häufig wie Bilder, daraus ein Maler einen, aber eben einen bestimmten, andern darstellt. Aber schlechthin einen" Maler, irgendeinen, oderden" Maler Überhaupt (als Begriff), finden wir Überraschend selten gestaltet.

Allenfalls für die zweite Gruppe ironischer Glossierung von Schwächen, die nur Kurzsichtigkeit oder hochmütiger Dünkel übersehen kann, I)»ben wir ein Beispiel, das erschöpfend einen ganzen Typ einfach erledigt. Da es auf ernstem Gebiet kaum ein Gegenstück hat, sei aus­nahmsweise seine ganze Gattung vorweggenommen. Wilhelm Buschs Maler Kleckse!" ist in seiner Art als klassisch, an treffendem Spott und übermütiger Satire kaum überbietbar zu bezeichnen. In Einzel-Episoden hatte schon Spitz weg ein paar Malersleute ihres Nimbus von eigenen Gnaden entkleidet, zumal einen amüsantenPorträtmaler", dessen selbst­bewußte, von der nicht bezweifelten Bedeutung des werdenden Werkes sichtlich erfüllte Pose in dem rührend dummen,repräsentativ" hingesetzten Porträtbesteller einen wirksamen Gegenpol hat. Ob diese Künstler bewußt davon beeinflußt wovden sind, kann dahingestellt bleiben, aber irgend­wie will uns der Kupferstich des A. von O st a d e (Der Maler") als Anreger ihrer gemütlich ironisierenden Werke erscheinen. Auch 21. von Keller hat ein hier einzureihendes Bild gemalt, und es hängt sogar, wohl wegen seiner rein malerischen Qualitäten, in der Nationalgalerie. Doch ist es im Gegensatz zu den bisher genannten durchaus ernst ge­meint, und die Komik, mit der wir den romantischen Samtjoppenmaler empfinden, der sein Porträtmodell kokett zurechtbaut, ist vom Künstler bestimmt nicht beabsichtigt. Dadurch aber, daß sie sich uns eben doch ausdrängt, bekommt das Bild etwas Peinliches, Unbefriedigendes. Eher überwindet das derLandschaftsmaler" des gleichen Künstlers, der ahnungslos mit (einem Malgerät des Weges kommt und ein halbes Dutzend Badende ausschreckt. x .

Der Maler" des v a n Gogh (Magdeburger Museum) ist em gutes, sachliches Bild, wenn auch gerade keiner der stärksten van Goghs. Er zeigt einen mit seiner Mappe auf Motive ausgehenden Maler, zu dem im übrigen so wenig zu sagen ist, wie uns das Bild, über das angedeutete Thematische hinaus, zu sagen hat. Aehnlich sind Werke anderer Künstler zu bewerten. Auf harmlose oder auch auf derbe Atelierscherze sowie mehr oder weniger heitere Szenen zwischen Maler und Modell wollen wir, da sie kaum mit unferm Thema viel zu tun haben, nicht näher ein« gehen. Dem Gedanklichen weichen sie ohnehin durchweg aus.

Betrachten wir nun die wenigen Bilder, die den Stoss von der ernsten, problematischen Seite her anfasfen, so muß es auffallen, daß sie namentlich in älteren Kunstperioden meist eine Einkleidung wählten. Da­durch kommt, wo schon das Personelle zunächst überwunden schien, eben doch wieder die Darstellung eines Einzelfalles zustande. Mit besonderer Vorliebe gaben ältere Künstler die Szene wieder, da St. Lukas die Ma-