Ausgabe 
25.2.1928
 
Einzelbild herunterladen

tzonna malt. Das bemerkenswerteste dieser Bilder ist das des Roger van dec Weiden (gestorben 1464). Es hängt jetzt in der Alten Pinakothek in München. Aber seine Bedeutung liegt auch mcty im Kunst- entwicklungs-Geschichtlichen als in dem, was sein Thema ist. DerMaler" ist eigentlich weiter nichts als ein von der Schönheit des lieblichen Macien- Jdylls Ergriffener, fromm Gläubiger und auch lediglich als solcher (meisterlich) gemalt. Einen weiteren, die Madonna malenden St. Lukas hat der Hamburger Spätgotiker Heinrich Bornemann geschaffen. Er läßt ihn, Palette und Pinsel in der Hand, vor der Staffelei mit dem fast vollendeten Madonnenbildnis stehen. Das Vorbild sehen wir nicht. Doch auch dieses Werk ist recht nüchtern und läßt uns dementsprechend kühl. Aehnlich zeigt am Lübecker Lukasaltar der Schnitzschvein denMaler­patron" Lukas während das eingefügte Bild des Hermann Rode (ebenfalls 18. Jahrhundert) nicht den malenden, sondern den van der Ma- donna beim Schreiben inspirierten Heiligen darstellt. Ohne religiöse Ein­kleidung malte später Jan Vermeer einen MalerIm Atelier" (Galerie Czernin, Wien). Das Bild ist prächtig in der vollendeten Meisterung von Beleuchtungs- und Farbeeffekten, sein thematischer Vorwurf aber kann uns nicht sonderlich fesseln. Dadurch wird es zum Vorläufer für viele Werke, die bis in unsere Zeit: H. von H a b e r m a n n , Anders Zorn ufw. mehr im Formalen als im Gedanklichen gläirzen.

Rach all dem scheint die Frage berechtigt, ob wir denn überhaupt kein Werk haben, das ernsthaft in die Tiefen des malerischen Problems Maler" dringt. Und es scheint sogar, als müßten wir diese Frage ver­neinen. Wir kennen kein Werk, das uns erlaubte, sie einschränkungslos zu bejahen. Allegorien wie B ö ck l i n sDichtung und Malerei" helfen uns erst recht nicht weiter. Und Alfred K u b i n s BlattDer Maler" (der Tod malt ein Bild zu Ende, während der Künstler als fein Opfer nm Boden liegt) ist eine grausige Abwandlung des uralten Totentanz- Stoffes, aber nicht mehr.

Gründe für diese auffallende Erscheinung zu suchen und zu er­örtern, mühte wohl zu weit ins Gebiet der Kunst- und noch mehr der Künstler-Psycholoote führen. So reizvoll es sein könnte, möchten wir dennoch darauf verzichten, da bloße Kunst b e t r a ch tu n g die Absicht dieser Zellen war.

falscheAutomaten.

Von Graf Karl von K l i n ck o w st r o e m , München.

Automaten sind Gegenstände, die wir in unserer Zeit der Unrast gar nicht mehr zu sehen bekommen, die aber früher mit Recht als Wunder­werke angestaunt wurden. Darunter sind freilich nicht die Waren­automaten zu verstehen, die für ein eingeworfenes Geldstück Pralinen oder eine Bahnsteigkarte verabfolgen, sondern mit großer Erfindungskunst und in jahrelanger Präzisionsarbeit hergestellte Figuren, die mit est erstaunlich naturgetreuen Bewegungen Leben vortäufchten. Im 18. Jahr­hundert konnte man viele derartige Kunstwerke bewundern: Der Franzose de Vaucanson, der Schweizer I. Droz, der Münchener Joseph Gallmayr, die Wiener F.v.Knauß und W.v.Kempelen waren weithin berühmt. Baucanfons Flötenspieler, der zwölf Stücke spielte, und seine lebensgroße Ente, di« ihre Flügel bewegte, Körner fraß und sie an­scheinend verdaute; Droz' Androiden, Gallmayrs Mops mit feinen Hunde­unarten waren hervorragende Leistungen der Mechanik, und es ist kein Wunder, wenn ein unkritisches Publikum solchen Hexenmeistern alles zu­traute. Davon den Nutzen hatten dann allerhand weniger kunstfertige, aber um so gerissenere Scharlatan«, die es besser verstanden, ihren Beutel zu füllen als beispielsweise Vaucanson, der 1752 in Nürnberg seine Auto­maten verpfänden mußte, weil er es nicht verstand, die Sensationslust und den zu allen Zeiten blühenden Hang des Menschen zum Geheimnisvollen und Wunderbaren sich zunutze zu machen. Die geschäftstüchtigeren Aben­teurer leisteten als gute Menschenkenner in dieser Hinsicht weit mehr.

Ein solcher falscher Automat war z. B. diekleine Englän­der! n", die gegen Ende des 18. Jahrhunderts von einem geschickten Windbeutel in Deutschland vorgeführt wurde. Das war die Figur eines zweijährigen Kindes, die auf einem Sessel saß, der auf einem teppich­bedeckten Tisch stand. Man konnte an die Figur Fragen stellen, die sofort von ihr beantwortet wurden. Jeder Verdacht einer Täuschung schien aus- gefchloffen, denn der Fragesteller nahm die Figur auf den Arm und ging mit ihr sogar nach Belieben im Zimmer umher. Um die Antwort zu ver­nehmen, hielt man das Ohr an dm Mund 6er Figur. Und das Ver­blüffendste war, daß diese Antworten oft ein« ganz genaue Kenntnis der Verhältnisse des Fragestellers verrieten. Während der Vorführung be­schäftigte sich der Schausteller angelegentlich mit allerhand Blasinstru­menten, die an den Wänden hingen. Währmd einer Vorführung in Mannheim mischte sich die Ortspolizei hinein, und der Künstler mußte sein Geheimnis preisgeben. Die Blasinstrumente verdeckten den Trick: es waren bloße Schallhörner, die mit einem System von Sprachrohren in Verbindung standen, die in einen Raum im darüber- oder daruntergele­genen Stockwerk mündeten. Hier befand sich die Gehilfin des Zauber­künstlers, die di« Antworten gab. Um aber auch zutreffende Antworten erteilen zu können, war ein Mannheimer Bürger engagiert worden, der mit dem ganzen Stadtklatsch wohlvertraut war und deshalb den Spitz­namendie Stadtpofaune" hatte. Sie kleine Figur selbst bestand aus Holz, Oberkörper und Kopf warm hohl. Am Rücken waren fünf Schallöcher angebracht, der Kopf war mit dünnem Messing ausgelegt,welches den Klang der Sprachtön« vermehrte".

Mit ähnlichen Mitteln arbeiteten auch andere Vexierfprachmaschiaen, so derBramine oder das weissagende' Orakel", mit dem ein geschäfts­tüchtiger Schweizer zu derselben Zeit umherreiste, oder die Chinesenfigur Avanoto, di« der englische Mechaniker Wadon hergestellt hatte. Handelte es sich darum, daß die Figur Gegenstände bezeichnen sollte, di« der geheime Helfershelfer nicht unmittelbar sehen konnte, wie etwa von Spielkartm oder das Raten von Rätseln, di« auf Karten geschrieben den Verantwortlich: Dr. Hans Thhrtot. Druck und Verlag: Vrüh

' Besuchern zur Verfügung gestellt wurden, so kann ein sorgsam ausgsar- beitetes Signalsystem als Verständigungsmittel zwischen den Vorführen­den und der versteckten Hilfsperson in Anwendung, wie es heute noch die Varietetelepathen in verschiedensten Formen benutzen. Allgemein gilt der bekannte Taschenspieler Robert Houdin (1846) als der Erfinder dieser Art vonCode". Doch hat schon 1798 H. M. Brunner in feiner anonymenAusführlichen Beschreibung der Sprachmaschinm" das Ge­heimnis gelüftet, das erMaschinentechnologie" nennt. Der Trick besteht, ganz allgemein gesprochen, darin, daß durch die Art der Fragestellung schon die Antwort, die erteilt werden soll, verraten wird, ohne daß die Besucher es argwöhnen.

I Besonderes Aufsehen erregte gegen Ende des 18. Jahrhunderts und noch bis in das erste Jahrzehnt des 19.Jahrhunderts hinein dieunficht. bar« Frau". Hier war das Bestreben, eine Verbindung mit Fußboden und Wänden zu vermeiden, um jeden Verdacht einer Täuschung zu be­gegnen, besonders geschickt durchgeführt. In einem hell erleuchteten Saale hing in einer Fensternische an vier Metallketten «in länglich viereckiger Kasten, der zwei Glasscheibm hatte, um zu zeigen, daß er völlig leer war. Darüber hing ein« brennende Lampe. Man konnte den Kasten, der an . einer Längsseite ein Sprachrohr trug, hin und her schwingen lassen, doch I verwehrte ein Gitter ein ganz nahes Herantreten. Immerhin ließ es sich ohne weiteres feststellen, daß «ine Verbindung zwischen dem Kasten und der Wand, Decke oder Fußboden abgesehen von den vier Ketten nicht bestand. Hielt nun ein Besucher ein Geldstück oder irgend etwas anderes an die Mündung des Sprachrohrs oder stellte er eine Frage, so ertönte aus dem Sprachrohr sogleich eine deutliche Antwort. Lange zer­brach man sich die Köpfe, um hinter das Geheimnis zu kommen. Endlich klärte 1800 E. I. Jngennato in einer kleinen Broschüre den Sach- verhalt auf. Die in einem oberen Gemach untergebrachteunsichtbare Dame" konnte durch ein schmales Fensterchen, das durch di« brennend! Lampe gewissermaßen unsichtbar gemacht wurde, genau beobachten, was in der Nähe des Kastens vorging. Die Leitung des Sprachrohrs war in der Wand verborgen und endet« dem Kasten gegenüber. Der Ton über­sprang also den freien Raum zwischen Wand und Kasten, ähnlich wie es auch bei derkleinen Engländerin" der Fall mar. Die Aufklärung Jurifj den Engländer scheint aber keine weite Verbreitung gefunden zrfthabeii, denn das Rätsel der unsichtbaren Frau beschäftigte noch lange sogar ernst­hafte Männer der Wissenschaft. So hat z. B. Ehr. H. Pfaff 1807 in den Annalen der Physik sie beschrieben und mit Abbildungen erklärt. Auch Schriftsteller ließen sich dadurch anregegn: Kotzebue hat sie zum Gegen­stand einer Posse gemacht und in E. T. A. HoffmannsKater Murr' (1820'1822) [vielt dasunsichtbare Mädchen in der Glaskugel" eine be­deutende Rolle.

In dieselbe Gruppe der Vexierautomaten, wenngleich man hier nicht eigentlich von Schwindel reden kann, gehört auch der berühmte Schach­automat von Wolgang v. K e m p e l e n , der unter verschiedenen Be­sitzern fast ein Jahrhundert lang gezeigt wurde. 1769 trat Kempelen mit seinem mechanischen Schachspieler zuerst an die Oeffentlichkeit. Es war die Figur eines Türken, der hinter einem Kasten mit drei Türen sah, auf welchem sich das Schachbrett befand. Unter leise schnurrendem Geräusch setzte der Türke die Figuren mit dem linken Arm, und zwar ganz unab­hängig vom Schausteller. Die Türen, die von Kempelen nacheinander ge­öffnet und miedet geschlossen wurden, gaben Einblick in drei schrankartige Abteilungen und zeigten ein« Fülle von Maschinenwerk. Mittels eines dahinter gestellten Lichtes lieh der Schausteller sogar durch das Getriebe hindurchsehen, um erkennen zu lassen, daß sich dann kein Mensch ver­borgen halten könne. Dies war natürlich die zunächst liegende Erklärung, und Kempelen führte seine Befudjer noch dadurch besonders irr«, daß et offen sagte, das ganze beruhe auf Täuschung. Der Augenschein schien des . Gegenteil zu beweisen. So wurde denn Kempelens Schachautomat bald zu ! einer Streitfrage, über die eine recht ansehnliche Literatur vorliegt. Sern eine Maschine, die Schach spielt, also eine hochstehende geistige Leistung entfaltet, da ja die einzelnen Züge von dem freien Willen des Gegen­spielers abhingen, di« sogar die Figur zurückstellte, wenn der Gegner einen falschen Zug gemacht hatte das war eine offenbare Unmöglichkeit, eo haben denn G. Ehr. Lichte nberg , Fr. Nicolai und viele ändert schon mit guten Gründen vermutet, daß in dem Apparat ein Mensch steck« müsse, während andererseits der Mathematiker Hindenburg 1784 mit großem Aufwand an Gelehrsamkeit ihn als echten Automaten zu erklär« versuchte. Den zwingenden Nachweis, das dem nicht so sein könne, hat aui j induktivem Wege mit großem Scharfsinn zuerst Edgar Allan Poe, der ! bekanntlich ein glänzender Analytiker war, erbracht (1836), nachdem 1819 Robert Willis in London schon die Möglichkeit erwiesen hatte. Poe!« den Schachaiitomaten lange nach Kempelens Tod. Denn der Appa"! büßte dadurch nicht an Zugkraft ein. Er ging 1804 in den ^Besitz des Wiener Mechanikers Joh. Nep. M ä l z e l über, der damit bis zu [einem. Tode (1838) reiste und ihn Überall vorführte. Der nächst« Besitzer war Freund Mälzsls, der Kapitän Ohl, von dem ihn Dr. John K. M i t chel< erwarb, der das Geheimnis lüftete. 1854 ging der Apparat im Chinefifh« Mufeu-m zu Philadelphia bei einem Brande zugrunde.

i DerSchachautomat" wurde in der Tat stets von meisterhaften Schach' | fpielern bedient. Mälze! hatte als solchen einen gewissen W. Schlunv : berg er als Gehilfen. Vor diesem leitete I. F. Touret, ein $ani* den Apparat. Dies« Gehilfen steckten in der Tat im Innern der MasaM

l und vermochten sich, da die drei Düren nacheinander geöffnet wurden, d« ! Blicken 'her Besucher zu entziehen. Die durchsichtige Draperie auf der SW ' der Türkenfigur ermöglichte ihnen -den Ueberblick über das Spielfeld, OF selbst gesehen zu werden. I

Kempelens Schachautomat hat manche Nachfolger gefunden, so die von A. Gümbel konstruierte SchachmaschineMephisto", die * den Schachmeistern (Bunsberg, Mo « hle und Taubenhaus fit' leitet wurde. Ob dies von einem Nebenzimmer aus oder aus dem Inne« der Figur heraus geschah, ist nicht festgestellt worden.f

l'sche Untverfitäts-Duch- und Stetndruckerei, R. Lange, Gießen,