Ausgabe 
24.1.1928
 
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hast andere Dinge vor! Du willst vielleicht Desgrais besuchen oder dich gar einführen lassen bei d'Argenson oder la Reqnie. Nimm dich m acht, Bursche, daß die Krallen, die du hervorlocken willst zu anderer Leute Ver­derben, dich nicht selbst fassen und zerreißen. Da macht sich mein empörtes Gemüt plötzlich Luft. Mögen, die, rufe ich, mögen die, dre sich gräßlicher Untat bewußt sind, jene Namen fühlen, die Ihr eben nanntrt, ich darf das nicht ich habe nichts mit ihnen zu schaffen. Eigentlich, spricht Cardillac weiter, eigentlich, Olivier, macht «s dir Ehre, wenn du bei mir arbeitest, bei mir, den, berühmtesten Meister feiner Zeit, überall hochgeachtet wegen seiner Kunst, überall hochgeachtet wegen seiner Dreue und Rechtschaffenheit, so daß jede böse Verleumdung schwer zuruckfallen würde auf das Haupt des Verleumders. Was nun Madelon betrifft, so muß ich dir nur gestehen, daß du meine Nachgiebigkeit ihr allein ver- dankest. Sie liebt dich mit einer Heftigkeit, die ich dem zarten Kinde gar nicht zutrauen konnte. Gleich als du fort warst, fiel sie mir ju Süßen, umschlang meine Knie und gestand unter Tränen, daß sie ohne dich nicht leben könne. Ich dachte, sie bilde sich das nur ein, wie es denn bei jungen verliebten Dingern zu geschehen pflegt, daß st« gleich sterben wollen, wenn das erste Milchgesicht sie freundlich angeblickt. Aber m der -rat, meine Madelon wurde siech und krank, und wie ich ihr denn das tolle Zeng au^ reden wollte, rief sie hundertmal deinen Namen. Was könnt ich endlich tun, wollt' ich sie nicht verzweifeln lassen. Gestern abend sagt >ch ihr, ich willige in alles und werde dich heute holen. Da ist sie über Rächt auf­gebläht wie ein Rose, und harrt nun auf dich ganz außer sich vor Liebes- sehnsucht. Mag es mir die ewige Macht des Himmels verzeihen, aber selbst weiß ich nicht, wie es geschah, daß ich plötzlich in Cardlllacs Haufe stand, daß Madelon laut aufjauchzend: Olivier mem Olivier mein Geliebter mein Gatte! auf mich gestürzt kam, mich mit beiden Armen umschlang, mich fest an ihre Brust drückte, daß ich im Uebermaß des höchsten Entzückens bei der Jungfrau und allen Heiligen schwor, sie nimmer, nimmer zu verlassen!

Erschüttert von dein Andenken au diesen entscheidenden Augenblick mußte Olivier innehalten. Die Scuderi, von «raufen erfüllt über d,e Untat eines Mannes, den sie für die Tugend, ine Rechtschaffenheit felbst gehalten, rief: Entsetzlich! RenL Cardillac gehörte zu der Mordbande die unsere gute Stadt so lange zur Räuberhöhle machte? Was sagt Ihr, mein Fräulein, sprach Olivier, zur Bande? Nie hat es eine solche

I Bande gegeben. Cardillac allein war es, der mit verruchter Tätigkeit in i der ganzen Stadt seine Schlachtopfer suchte und sand. Dahier es allein war, darin liegt die Sicherheit, womit er feine Streiche führte, Die um überwundene Schwierigkeit, dem Mörder auf die Spur zu kommen. Doch

I laßt mich fortfahren, der Verfolg wird Euch die Geheimnisse des verruch- testen und zugleich imglücklichsten aller Menschen aufklaren Die Lage in der ich mich nun bei dem Meister befand, jeder mag die sich leicht denken.

I Der Schritt war geschehen, ich konnte nicht mehr zuruck. Zuweilen wai e5 mir, als sei ich selbst Cardillacs Mordgehilfe geworden, nur in Made­lons Liebe vergaß ich die innere Pein, die mich quälte, nur bei ihr konnte es mir gelingen, jede äußere Spur namenlosen Grams wegzutilgen. Ar­beitete ich mit dem Alten in der Werkstatt, nicht ins Antlitz vermochte ich ihm zu schauen, kaum ein Wort zu reden vor dem Grausen, das mich durchbebte in der Nähe des entsetzlichen Menschen, der alle Tugenden des

I treuen, zärtlichen Vaters, des guten Bürgers erfüllte, wahrend die Nacht I seine Untaten verschleierte. Madelon, das fromme engelsreine Kmd, hing an ihm mit abgöttischer Liebe. Das Herz durchbohrte es mir wenn ich

I daran dachte, daß, träfe einmal die Rache den entlarvten Bosewicht, sie, ja, mit aller höllischen List des Satans getäuscht, der gräßlichsten Ver-

I zweiflung unterliegen müsse. Schon das verschloß nur den Mund, und ! hätte ich den Tod des Verbrechers darum dulden muffen. Unerachtet ich aus den Reden der Marechaufsee genug entnehmen konnte, waren imr ICardillacs Untaten, ihr Motiv, die Art, sie auszufuhren, ein Rätsel: die Aufklärung blieb nicht lange aus. Eines Tages war Cardillac, der sonst, meinen Abscheu erregend, bei der Arbeit in der heitersten Laune, scherzte und lachte, sehr ernst und in sich gekehrt. Plötzlich warf er das Geschmeide, woran er eben arbeitete, beiseite, daß Steine und Perlen auseinanber- rollten, stand heftig auf und sagte: Olivier! Es kann zwischen uns beiden nicht so bleiben, dies Verhältnis ist mir unerträglich. Was der feinsten Schlauigkeit Desgrais' und seiner Spießgesellen nicht gelang zu ent­decken, bas spielte dir der Zufall in die Hände. Du hast mich geschaut tn der nächtlichen Arbeit, zu der mich mein böser Stern treibt, kem Wider­stand ist möglich. Auch dein böser Stern war es, der dich nur folgen ließ, der dich in undurchdringliche Schleier hüllte, der deinem Fußtritt die Leichtigkeit gab, daß du unhörbar wandeltest wie das ttemftc Tier, so daß ich, der ich in der tiefsten Nacht klar schaue wie der Tiger, der ich straßenweit das kleinste Geräusch, das Sumsen der Mucke vernehme, dich nicht bemerkte. Dein böser Stern hat dich, meinen Gefähtten, nur zuge­führt. An Verrat ist, so wie du jetzt stehst, nicht mehr zu denken. Darum magst du alles wissen. Nimmermehr werd' ich dem Gefährte fern, heuch­lerischer Bösewicht. So wollt' ich ausschreien, aber das innere Entsetzen, das mich bei Cardillacs Worten erfaßt, schnürte mir die Kehle zu. Statt der Worte vermochte ich nur einen unverständlichen Laut auszustotzen. Cardillac setzte sich wieder in seinen Arbeitsstuhl. Er trocknete sich Den Schweiß von der Stirn. Er schien, von der Erinnerung des Vergangenen hart berührt, sich mühsam zu fassen. Endlich sing er an: Weise Manner sprechen viel von den seltsamen Eindrücken, deren Frauen m guter Hoff- mmg fähig sind, von dem wunderbaren Einfluß solch lebhaften, willenlosen Eindrucks von außen her auf das Kind. Von meiner Mutter erzählte man mir eine wunderliche Geschichte. Als sie iiuch erwartete, schaute sie nut andern Weibern einem glänzenden Hoffest zu, das m Trianon gegeben mürbe Da fiel ihr Blick auf einen Kavalier in spanischer Kleidung mit einer blitzenden Juwelenkette um den Hals, von der sie die Augen gar nicht mehr abwenden konnte. Ihr ganzes Wesen war Begierde nach den funkelnden Steinen, die ihr ein überirdisches Gut dunklen. Derselbe Kava­lier batte vor mehreren Jahren, als meine Mutter noch nicht verheiratet, ihrer Tugend nachgestellt, war aber mit Abscheu zurückgewiesen worden. Meine Mutter erkannte ihn wieder, aber jetzt war es ihr, als fei er im Glanz der strahlenden Diamanten ein Wesen höherer Art, der Inbegriff

banden vor allem die dauernden Erschüttevungen durch den Motor und ! dellen Geräusch, Das die Verständigung erschwert. ......

T>i«> hei der Lufthansa eingeführten oen.be r arbeiten mit verhalttiiS-

D-erinl Een; fie beträgt nicht über 70 Watt. Um diese ffneräe8«: beschaffen8 dazu bedarf es einer eigenen kleinen Dynamo- aS* Äe wttd durch eine öuftfdjraube, welche halb seitlich am Flug-

E Reichweite erzielt meräen wie man sie auf der Erde mit Apparaten gleicher Konstruktion Süs ^reichen könnte. Es werden damit Entfernungen bis zu 1000 Kilonietern von einem Flugzeug zum anderen, oder zur Erde uberbrmtt.

Für Seeflugzeuge ist diese Apparatur noch m einer bestimmten Weise | eraünzt. Dort ist nämlich ein Benzinhilfsmotor eingebaut, bei bet I etwaigen Landungen auf dem Wasser in Aktion treten soll, und außer- ! dem ist ein besonderer, auseinanberlegbarer Mast vorhanden, der bis zu I zwölf Meter hoch aufgerichtet werden kann und dann die Sendeantenne I iT°^ro;c eine solche Radioanlage funktioniert, das haben besonders deutlich die Versuche gezeigt, bei Denen man die Telephonie vom und zum Flug- | ieuq bem breiten Publikum bemonftrierte, in dem sie auf einen ber großen Runbftmkfender übertragen und von diesem weiter verbreitet wurden. I Wer dabei gleichzeitig das Flugzeug sah, der konnte sich blwon uR.i- zeuqen, daß die telefonisch gegebenen Befehle prompt ausgefuhrt wurden, I toum waren fie ausgesprochen, so sah man, wie das Flugzeug die be­stimmten, von ihm geforderten Wendungen vollführte, eine Anzalsi "^'Me ^Möglichkeit efner bauemben Verbindung zwischen Flugzeug und Erde schafft für die Flugschiffahrt Sicherheiten, Die man schwer entbehren würde, könnte man sie nicht auf diese Weise erlangen. So lange du menschlichen Gebilde schwächer sind als Die Naturgewalten, und das wird wohl ewig der Fall fein, muß der Mensch suchen, den Machten auszu- roeidten, denen er nicht gewachsen ist. |

Und io sind es Denn vor allem die Wettermeldungen, di« den Piloten in die Lage versetzen, sich über die meteorologische Situation auf bem I gangen, von ihm geflogenen Luftwege, dauernd zu orientieren, die Hohen I aufzufitchen, in Denen der Flug am leichtesten vonftatten gehen kann, Ge­wittern aus dem Wege zu gehen usw. Man weiß aus den Berichten ber Ozeanslieqer, wie verschieden die Witterungsverhältnisfe m verschiedenen I Sagen fein können. Am verblüffendsten tritt dies wohl m Erscheinung, ! wenn ein Flieger sich seinen Weg durch Wolken fuchen muß, bis er | radiotelephonisch den Rat erhält, höhere Lagen aufzufuchen; und dann plötzlich die Wolkenschicht durchbricht, um, über bem Nebelmeer m strah­lender Sonne und unter blauem Himmel feinen Weg sottzusetzen. !

Eine ganz besonders intereffante und nützliche Verwendung der Jmbto= ! technik bei Flugzeugen ist die zur Ortsbestimmung, die sogenannte Funk- | Peilung. Mit ihrer Hilfe ist es möglich, jedem Flugzeug, das sich in Der- ständchungsweite befindet, den genauen Standort mitzuteilen. Die Funk­technik liefert hier die wichtigste Ergänzung der sonstigen Orieimeniiigs- mittel. Ganz besonders, wemi der Blick zur Erde durch Nebel ode. ! Wolken unmöglich gemacht ist, ist hierdurch ein ganz ausgezeichnetes | Hilfsmittel zur Bestimmung des Flugvrtes gegeben.

Das Fräulein von Seuderi.

Von E. T. A. Hoffmann.

(Fortsetzung.)

Bald kommt trillerierend ein Mann daher mit leuchtendem Feder- busch und klirrenden Sporen. Wie ein Tiger auf seinen Raub, stürzt sich Cardillac aus feinem Schlupfwinkel auf den Mann, ber tn Dewi^cn Augenblick röchelnd zu Boden sinkt. Mit einem Schrei des Entsetzens springe ich heran, Cardillac ist über den Mann, der zu Boden liegt, hrr. , Meister Cardillac, was tut Ihr? rufe ich laut Vermaledeiter! brüllt Cardillac, rennt mit Blitzesschnelle bei mir vorbei und verschwindet. Ganz mcher mir, kaum der Schritte mächtig, nähere ich mich dem Niebergewor- jenen. Ich knie bei ihm nieber, vielleicht benf ich, ist er noch zu retten, aber keine Spur des Lebens ist mehr in ihm. .

Wie mir zumute war, kann ich gar nicht sagen; ich suhlte mich an, ob nicht ein böser Traum mich necke, es war mir, als mußt ich nun gleich ] erwachen und mich wundern über das tolle Trugbild. Cardillac, der Vater meiner Madelon, ein verruchter Mörder! Ich war kraftlos auf bw stei­nernen Stufen eines Hauses gesunken. Immer mehr und mehr dämmerte der Morgen herauf, ein Offiziershut, reich mit Federn geschmückt, lag vor mir auf dem Pflaster. Cardillacs blutige Tat, auf ber Stelle begangen, wo ich laß, ging vor mir hell auf. Entsetzt rannte ich von bannen.

Ganz verwirrt, beinahe besinnungslos, sitze ich in meuter Dachkammer, da geht die Tür auf und Renö Cardillac tritt herein. Um Christus willen, was wollt Ihr! schrie ich ihm entgegen. Er, bas gar nicht achtend, kommt auf mich zu und lächelt mich an mit einer Ruhe und Leutseligkeit, die meinen inneren Abscheu vermehrt. Er rückt einen alten, gebrechlichen Schemel heran unb setzt sich zu mir, ber ich nicht vermag, mich von bem Strohlager zu erheben, auf bas ich mich geworfen. Nun Olivier, fangt er an, wie geht es dir, armer Junge? Ich habe mich in ber Tat garstig über­eilt, als ich dich aus dem Haufe stieß, du fehlst mir an allen Ecken und Enden. Eben jetzt habe ich ein Werk vor, das ich ohne deine Hilfe gar nicht vollenden kann. Wie roärs, wenn Du wieder in meiner Werkstatt arbeitetest? Du schweigst? Ja ich weih, ich habe dich beleidigt. Nicht ver­hehlen wollt' ich's dir, daß ich auf dich zornig war wegen der Liebelei mit meiner Madelon. Doch recht überlegt habe ich mir das Ding nachher und gefunden, daß bei deiner Geschicklichkeit, deinem Fleiß, deiner Treue ich mir keinen bessern Eidam wünschen kann als eben dich. Komm also mit mir und siehe zu, wie du Madelon zur Frau gewinnen magst.

Cardillacs Worte durchschnitten mir das Herz, ich erbebte vor feiner Bosheit, ich konnte kein Wort hervorbringen. Du zauderst, fuhr er nun fort mit scharfem Ton, indem seine funkelnden Augen mich durchbohrten, du zauderst? Du kannst vielleicht heute noch nicht mit mir kommen, du