Reisen im Weltraum.

Astronomisches zum Raketenflug.

Von Dr. W. Kruse, Sternwarte Hamburg-Bergedorf.

Das Raketenauto ist als erste Probe auf das Exempel gefahren, ein erster, leiser Versuch mit einem Raketenflugzeug ist ebenfalls schon gemacht worbendem größerer wird bald folgen, und es wird sicher keine allzu lange Zeit mehr vergehen, bis man mit bisher unererichten Geschwin­digkeiten m ebenfalls unerreichten Höhen herumfahren wird. Es ist bekannt, und wirb von den Raketenmännern immer betont, daß die heute zur Ver­fügung stehenden Mittel uns nicht die Möglichkeit geben, mit einem Raketen- geschoß aus dem Anziehungsbereich der Erde herauszukommen. Aber in der Ferne erscheint doch unverkennbar das Ziel, die Fessel, die uns an unseren Planern bindet, zu überwinden und den Weg zu unseren Nachbarwelten einzuschlagen. Der Gedanke ist sensationell und setzt die Phantasie in leb- Hasteste Tätigkeit. Dem Astronomen fällt es zu, zu überlegen, was wir »ach unserer Kenntnis der Planeten bei solchen Unternehmungen zu er- warten haben, und welchen Nutzen andererseits die wissenschaftliche For­schung daraus ziehen könnte.

Das erste Ziel einer Weltraumfahrt wird zweifellos der Mond sein. Er ist nur 384000 km von uns entfernt und bei einer Geschwindigkeit von nur 1000 km in der Stunde schon in 16 Tagen zu erreichen. Um die Schwie­rigkeiten einer Landung brauchen wir uns nicht zu kümmern; sie sind ein Seilproblem des Raketenflugs und werden schon überwunden werden. Beim Aufsteigen stehen uns dann aber doch einige Ueberraschungen bevor. Daß wir nur ein Sechstel unseres irdischen Körpergewichts zu tragen haben und alle Gegenstände ebenfalls entsprechend leichter sind, als wir im Ge­dächtnis haben, das wird uns ganz angenehm sein. Weniger angenehm wird uns die Höhenkrankheit sein, die uns im schlimmsten Maße befällt. Wir sind gewohnt, daß die Luft von allen Seiten auf uns drückt. Auf dem Mond gibt es aber keine Luft, die drücken könnte. Wir werden uns also fühlen, rote in den höchsten Höhen unserer Atmosphäre: natürlich fehlt uns auch der zum Atmen nötige Sauerstoff, aber den könnten wir ja in einer Flasche auf dem Rücken mitnehmen. Auch die Temperatnrverhältnisse wären uns für einen längeren Aufenthalt nicht angenehm. Während de« Mondtages, der vierzehn unserer Tage dauert, steigt infolge der ungehemm- ien Sonnenstrahlen die Temperatur der Mondoberfläche bis auf 120 Grad Wärme, während der ebenfalls 14 Tage dauernden Nacht sinkt sie auf 100 Grad Kälte herunter. Auf der Erde sind Unterschiede von 30 Grad Msähen Tag und Nacht und 60 Grad zwischen Sommer und Winter schon ungewöhnlich. Schwankungen von 200 Grad sind für Lebensformen irgendwelcher irdischer Art sicher nicht günstig, und da auf dem Mond auch das bei uns so unentbehrliche Wasser gänzlich fehlt, so werden wir dort weder Verwandte treffen noch unfererseits aus dem Grund und Boden unmittelbaren Nutzen ziehen können. Es wird aber sehr reizvoll sein, in ben uns aus der Ferne so gut bekannten Mondgebirgen herumzuwandern, und es wird an Ort und Stelle vielleicht möglich sein, die immer noch unent­schiedene Hauptfrage der Mondforschung zu klären: wie die typischen Gebirgsformen des Mondes, die Krater, entstanden sind. Man wird auch mcht versäumen, der uns ewig abgekehrten Rückseite des Mondes einen Besuch abzustatten, man wird aber finden, daß sie ebenso aussieht, wie die uns bekannte Vorderseite.

Bedeutend größere Hoffnungen wird mancher mit einem Besuch des Mars verbinden. Dieser unser äußerer Nachbar im Sonnensystem genießt beim nichtastronomischen Publikum eine bevorzugte Stellung. Es ist viel Phantasie darauf verwendet worden, ihn als eine zweite Erde zu schildern und mit menschenähnlichen Wesen zu bevölkern, und in den Marskanälen glauben manche ein bündiges Zeichen zu haben, daß die Marsbewohner nicht nur existieren, sondern sogar eine erheblich höhere Entwicklungsstufe erreicht haben als die Erdbewohner. Neben diesem Phantasiebilde nimmt sich das, was den Astronomen durch Beobachtung wirklich bekannt ist, sehr dürftig aus, denn trotz aller Fortschritte der Marsforschung Wissen wir über diesen Nachbarplaneten doch erheblich weniger als über unseren Mond. Die Mondoberfläche liegt wegen des Fehlens von Luft und Wasser stets un­getrübt vor uns. Das ist beim Mars nicht so. Ausgedehnte Nebelschleier verdecken hier große Gebiete, an den Polen treten Wolken und Schnee­ablagerungen auf. Wir sehen aber auf der Planetenscheibe auch Gebilde, die ihre Form behalten oder nach Veränderungen wieder annehmen. Es uegt nahe, solche Gebilde für Teile der festen Oberfläche zu halten. Man hat M diesem Sinne die gelblich gefärbten Teile Länder, die grau gefärbten Meere genannt. Daß es sich wirklich um Länder und Meere handelt, ist damit aber nicht gemeint, es ist sogar unwahrscheinlich. Auch die Mars- lanale, die mehr als alles andere den Glauben an die Bewvhntheit des Mars begründet haben, sind nicht so wöttlich zu nehmen. Die Bezeichnung ist nur gewählt, um das strichartige Aussehen dieser Oberflächenmerkmale an­zudeuten. Wir wissen heute nicht einmal sicher, ob es ein solches Netz von Unten auf dem Mars tatsächlich gibt. Je größere Instrumente man ver- "endete, um so weniger sah man davon, und wir könnten die Kanäle als Masche Täuschung für erledigt erklären, wenn nicht neuerdings direkte Beobachtungen und photographische Aufnahmen mit einem der größten pernrohre wieder ein solches Retz gezeigt hätten. So bleibt die Frage <ntner noch offen ; aber wenn die Marskanäle auch existieren sollten, Kanäle « ll-c ®anä gewiß nicht, und in diesem wie in allen anderen Punkten liefert uns bte astronomische Beobachtung keinerlei Zeichen für das Vorhandensein von erdähnlichem Leben auf dem Mars. Andererseits ist die Möglichkeit ° u)en Lebens damit twch nicht bestritten. Die in den letzten Jahren sehr nleuswe Marsforschung hat vor allem einigen Aufschluß über die klimatischen Verhältnisse gebracht, und dabei hat sich gezeigt, daß in dieser Hinsicht ft ®tarä und Erde mancherlei Aehnlichkeit besteht. Mars hat eine toirxa ' b*e allerdings viel dünner als die irdische ist. Die Marsatmosphäre nip^t auch Wasserdampf, wie die Bildung von Wolken und Nebeln zeigt.

.^wperatur ist in den Aeguatorgegenden des Mars zur Mittagszeit s.;126 ®tab (über Null) angenommen Worden. Während der Nacht sinkt -Temperatur jedoch recht tief, auf etwa 100 Grad unter Null. In den C [Seaenben liegen die Temperaturen natürlich erheblich tiefer. Der Mars Sin,, a tn 24 Stunden um seine Achse, der Tag hat bart also fast dieselbe uer tote bei uns, das Jahr ist nicht ganz doppelt so lang. Es läßt sich nicht

bestreiken: eine Aehnlichkeit mit irdischen Verhältnissen ist vorhanden. Wahrscheinlich sind aber die Unterschiede so bedeutend und ansschlaa- gebend, daß uns ein längerer Aufenthalt nicht bekommen würde.

Unser Wissen über die anderen Mitglieder unserer Planetenfamilie ist nicht lehr umfangreich. Die äußeren Planeten Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun sind mit dichten Wolkengürteln umgeben, die jeden Blick auf tbre Oberflächen verhindern. Die Temperaturen sind hier infolge der schwachen Sonnenstrahlung sehr niedrig. Nicht viel mehr wissen wir über bie beiden innersten Planeten. Venus besitzt zweifellos eine sehr dichte Atmochhare und schützt sich dadurch gegen jeden Einblick. Sie könnte auf ws" Oberfläche erdähnliche Verhältnisse haben, doch fehlt uns jede Möglich­keit, diese Annahme zu kontrollieren. Merkur ist, da er stets in der Nähe der Sonne bleibt, schwer zu beobachten; zu erkennen ist nichts auf ihm. Aus lemer Helligkeit im Zusammenhänge mit seiner Entfernung von der Sonne ist aber zu schließen, daß er wie der Mond eine sehr dünne oder gar keine Atmosphäre hat und an seiner Oberfläche hauptsächlich ans dunklem Gestein vesteht.

Was wir über die möglichen Ziele unserer Raumfahrten tatsächlich wissen, ist nicht sehr viel. Es ist aber größtenteils das prinzipiell Wichtige und genügt, u muns zu zeigen, daß wir voraussichtlich nirgends Verhältnisse antreffen werden, die uns eine Auswanderung ermöglichen, wenn der Raum auf der Erde zu knapp wird. Unsere Kenntnisse würden im einzelnen butd) den Augenschein sehr bereichert und berichtigt werden. Aber für die großen Fragen der astronomischen Forschung ist von Raumfahrten keine Hilfe zu erwarten. Sie liegen in der Welt der Fixsterne! und an deren Bereisung wird niemand denken, Wenn er überlegt, daß schon das Licht mit seiner Geschwindigkeit von 300000 km in der Sekunde mehrere Jahre reisen muß, um den nächsten Fixstern zu erreichen. Wenn es einmal so weit jein wird, wird man sich nicht viel um solche etwas dämpfenden Betrach­tungen kümmern, und es wäre auch töricht, sich dadurch behindern zu lassen. Man wird raumfahren, sobald es technisch möglich ist.

Der tolle Invalide auf dem Fort Ratonneau.

Von Ludwig Achim von Arnim.

(Schluß statt Fortsetzung.)

Dieser Ratschluß war kaum gefaßt, als die Soldaten eingeführt wurden, die Rosauens Betten und Gerat zurückgebracht hatten. Sie überbrachten eine Bestellung Francoeurs, daß ihm der Teufel verraten: sie wollten ihn im Schlafe fangen, aber er warne sie aus Liebe zu einigen Teufelskameraden, die zu dem Unternehmen gebraucht werden sollten, benn er werde ruhig in seinem verschlossenen Pulverturme mit geladenen Gewehren schlafen, und ehe sie die Türe erbrechen könnten, wäre er langft erwacht und der Turm mit einem Schüsse in die Pulverfässer zer­sprengt.Er hat recht/ sagte der Kommandant,er kann nicht anders handeln, wir müssen ihn aushungern."Er hat den ganzen Winter­vorrat für uns alle hinaufgeschafft," bemerkte Brunet,wir müssen wenigsten^ ein halbes Jahr matten; auch sagte er, daß ihm die vorbei­fahrenden Schiffe, welche die Stadt versorgen, reichlichen Zoll geben oui-n, sonst bohre er sie in den Grund, und zum Zeichen, daß niemand n der Nacht fahren sollte ohne seine Bewilligung, werde er am Abend emtge Kugeln über den Fluß saufen lassen."Wahrhaftig, er schießt!" rief einer der Offiziere, und alle liefen nach einem Fenster des obem Stockwerks. Welch ein Anblick! An allen Ecken des Forts eröffneten die Kanonen ihren feurigen Rachen, die Kugeln fausten durch die Luft, in der Stadt versteckte sich di« Menge mit großem Geschrei, und nur einzelne wollten ihren Mut im kühnen Anschauen der Gefahr beweisen. Ader sie wurden auch reichlich dafür belohnt, denn mit Hellem Lichte schoß Francoeur ein Bündel Raketen aus einer Haubitze in die Lust und einen Bündel Leuchtkugeln aus einem Mörser, denen er aus Gewehren un­zählige andere nachsandte. Der Kommandant versicherte, diese Wirkung sei trefflich, er habe es nie gewagt, Feuerwerke mit Wurfgeschütz in die Hust ju treiben, aber die Kunst werde dadurch gewissermaßen zu einer meteorischen, der Francoeur verdiene schon deswegen begnadigt zu

Diese nächtliche Erleuchtung hatte eine andere Wirkung, die wohl in (eines Menschen Absicht lag; sie rettete Rosalien und ihrem Kinde das Leden. Beide waren in dem ruhigen Treiben des Kahnes eingeschlum­mert, und Rosalie sah im Traume ihre Mutter von innerlichen Flammen durchleuchtet und verzehtt und fragte sie, warum sie so leide. Sa roars, als ob eine laute Stimme ihr in die Ohren rief:Mein Fluch brennt mich wie dich, und kannst du ihn nicht lösen, so bleib ich eigen allem Bösen." Sie wollte noch mehr sprechen, aber Rosalie war schon auf- geschreckt, sah über sich das Bündel Leuchtkugeln im höchsten Glanze, horte neben sich einen Schiffer rufen:Steuert links, wir fahren sonst ein Boot in den Grund, worin ein Weib mit einem Kinde sitzt." Und schon rauschte die vordere Spitze eines großen Flußschiffes rote ein geöff­neter Walfischrachen hinter ihr, da wandte er sich links, aber ihr Rachen wurde doch feitroärts nachgerissen.Helft meinem armen Kinde!" rief sie, und der Haken eines Stangenruders verband sie mit dem großen Schiffe das bald darauf Anker warf.Wäre das Feuerwerk auf dem Fort Ratonneau nicht aufgegangen," rief der eine Schiffer,ich hätte Euch ohne dösen Willen in den Grund gesegelt. Wie kommt Ihr so spät und allein aufs Wasser, warum habt Ihr uns nicht angeschrien?" Rosalie bc= antwortete schnell die Fragen und bat nur dringend, sie nach dem Hause des Kommandanten zu bringen. Ser Schiffer gab ihr aus Mitleid feinen Jungen zum Führer.

Sie fand alles in Bewegung beim Kommandanten, sie bat ihn, seines Versprechens eingedenk zu fein, daß er ihrem Manne drei Versehen ver­zeihen wolle. Er leugnete, daß von solchen Versehen die Rede gewesen, es sei über Scherz und Grillen geklagt worden, das sei aber teuflischer Ernst.So ist das Unrecht auf Eurer Seite," sagte die Frau gefaßt, denn sie fühlte sich nicht mehr schicksallos,auch habe ich den Zustand des armen Mannes angezeigt, und doch habt ihr ihm einen fo gefähr­lichen Posten vertraut; Ihr habt mir Geheimnis angelobt, und doch habt Ihr alles an Basset, Euren Siener, erzählt, der uns mit seiner törichten Klugheit und Vorwitzigkeit in das ganze Unglück gestürzt hat; nicht mein