SietzeiierLamilienblStter
Nummer 85
Herbstliches Sonett.
Von Edmund Finke.
Oh, war das schön, mit dir, mein Herr, tu gehen HeAst hob Fackeln in den sanften & Gold der Birken war ein leises Wehen, und leuchtend, schmal wie eine Krone lag der ganze Glanz des Tags in deinem Haare. In tiefes Schweigen sank die weite Welt und war das Heilige und Wunderbare, das Gott in seinen lieben Händen hält.
Daß diese Tage wie die andern enden, versteh ich nicht und kann es nie verstehn, daß sie uns aus den müden, armen Händen wie welke Rosen fallen und verwehn...
Oh, einmal möcht ich mich wie sie verschwenden und untergehn...
Graue Wolken, Herbstzeitlose, Hagedorn.
Von Johannes Schlaf.
^aue Wolken ziehen am bedeckten Himmel hin. Es geht ein h^a'n^P^ane fla<’-7CIUC Jie^n'eud,te rieselt hernieder. Ohne den Staub des Weges zu laichen, den du mitten zwischen den abgeernteten Feldern hmschreitest. Es hat seit Wochen nicht geregnet, jetzt aber hat sich b^r H^rnei bezogen, und es ist so recht ein stiller grauer Tag. Doch nicht ohne daß hinten am Horizont, von Nebeldünsten halb verwischt, eine Reihe ganz blaß lachs- wohl.auch rosafarbener Haufenwolkengebilde stände, mit einem Strich blassen Blaus darüber. '’
Laß dich ein wenig von dieser Melancholie anstecken. Du wirst finden daß auf ihrem Grunde eine ruhige, ausgeglichene Heiterkeit ist, die mit ii°rem, sehr empfänglichem Auge noch soviel Schönes sieht.
Alles ist verdorrt und verstaubt. Die Stoppel- und andere Brachfelder deren graubrailne Erde mürb ist und Risse hat, der Weg, die Wegbäume! b!f ^fgrander und die beiden Gräben an ihnen hin, alles Gekraut und alle Blumen fortgedorrt, wie versengt und von Staub überweht. Doch die bb? Tages, die leise rieselnde Feuchte tut gut. Und was bis iüberstanden hat, tritt um so besser und deutlicher hervor und sagt ivin «LüOri. °
Hub bo ist noch manches. Die noch bunkel-, schwärzlich-grünen Vrom- beerranken mit den schwarzblauen, manlbecrartigen Kügelchen ihrer Fruchte drin; rind da lind zähe Büsche! von blauem Wegewart; hier und da LD'stelgestrupp nut seinen karminroten Blütenköpfen; vereinzelte kleine schwefelgelbe Blumen, wie kleine Lrchterchen im Grau des Tages: und mit einem Male ein -vümpelchen von kleinen grauen Stengelchen mit sehr
Wuchtend weißen, wolligen Flöckchen; ein einsames Gestäud der I roten Flockenblume; Schafgarbe mit ihren gefieberten Blättern, bie wie ,»ka-?9rune Holster beisammen sind im fahl versengten, staubigen Gras en Golßen Blütendoldchen, manchmal auch ein blaß-rötliches da- cn; !!n llanzes Heer von schön rotbraun verdorrten Weaerichrispen- SLa6. -zu 'vM;l sogar noch eine kleine, zwar kümmerliche, aber sehr rot
hervorleuchtende Klatschmohnblüte. Und es treten wohl auch alle möglichen, I fu;Vter ilze!J' ober widerstandsfähigen Kräuterchen hervor mit wundersam S" ^f-ederten und filigranartigen Blättchen, von der unverwüstlichen Evauer des Lebens zu zeugen. I
(• ss.u'lelb von denen die Grummeternte eingebracht ist, die matschig I
Nebel stehen, bin ich bei den Herbstzeitlosen. Das K.« bc Grün der oben vom Sensenschnitt eckig abgestumpften Gras- I öfi« ' J1”, k>enen zahllose, mißfarbene graue Wasserperlchen hängen, I miA bte lucitc; stach etwas ansteigende Breite hin. Nicht eine Spur von ! aua; nur bem bescheidensten Blümchen mehr. Wie ist das trostlos! j «oer da ist die Herbstzeitlose, die Herbstzeitlose.
w aa u,lb da vereinzelt. Sie mehren sich gegen Stellen hin, wo sie !
3e^.2:rupp§ und dann in ganz großen Flecken stehen. Biele sind ge- Aln-n bangen hernieder, viele auch liegen gänzlich zermatscht im Grase. |
’tnb Luvderte und hunderte, die noch aufrechtstehend ihren feinen, °ntro-Katen. Schimmer über die Breite hin weben. |
tn .,ben}. Kreise, den der dicke Nebel freiläßt, ans ihm hervor- | farh»«en°' U1..- n stlnein sich verlierend, all diese vielen blaßrosa- und lila- I
M'.sterhaften Flämmchen auf ihren wie durchsichtig-weißlichen, I Unbba6 bem faktischen Dahinsterben sich hervorhebend! |
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iaufr e??irle glänzend blauer Himmel ist über der Welt, und es I
alten kahle Berghöhe, an deren Rand ich neben einem einzelnen I en Dornbusch stehe, herzhaft ein sturmähnlicher Wind. I
Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger
Jahrgang 1928 Dienstaq. den 25.
I sin K-nb^et Bergrücken hin, ein mächtiger Wall von
I herbstlichem Edelrost, den die Sonne wie Bronze glänzen mackt mit
darin^Necken und hier und Lmitä
I sl * aber liegt, von den gelben Bändern der Stoppelfelder Ötzen I grünen der noch nicht elngeernteten Futterrüben, den braunen des
I gestreift, zwischendurch durch Wiesen hingeschlängelt der kleine ftluft Ästchen wmen Bäumen und in einer Mulde bas Gefnede eines DoB I ?as Tal. .Klein wie Spielzeug sehe ich Leute auf Kartoffelfeldern beschäftigt' | ?ehe, in ihren Abstanden, lichtgraue Fleckchen, die prall aefüllten Gnrtnff.ri
SStä? Wl-gon mit den beiden Pferden davor auf den ße gelaben werben I 'Ä trber den zarten, grellen, hellroten, kleinen zuckenden manchmal I auch hoch au,zuckenden Flecken der Flammen den weißlich gewölkten Rauck
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I noch viel altert' tiOn ber arsrühen Steinzeit her; und vielleicht ist es
„Aus den Wassern, ber Mutter, steigt er auf zu Anfana des Tao-« I ompor am Himmel zu seinem mittäglichen Höchststand, geht^dann nieder^ w-ts, .mb versinkt am Abend in den Wassern, geht e?n in die Mutt«
I b^,^r ^ommt und zu ber er geht. Unb so auch erhebt er sich zu Anfang I übet ben genauen Punkt der Winterwende hinweg, im kleinen
I Bogav, winen L-tand!vmkel vorschreitend vergrößernd, bis zur ersten Taa- undnacktgleiche dann Über sie hinaus zu des Jahres Höhepunkt und von erst und v^.se.nen Winkel wieder bis zur anderen Tagundnachtgleiche InL » b'eser wieder zur Wmterwende, seinem Eingang in die Wasser zu" Bahn° wiedergebören, von neLm°sich zu erheb/n
I <„• ^CotC nidd' daß es der Sonnenball wäre: es ist der Lebendiae der in geboren^ «'borene und dann 'wieder-
WWVKL'SL SiEÄS?» I M u»me§&ar die beiden Momente zu beiden Seiten des genaue» feines Eintauchens in den tiefsten, dunkelsten Abgrund der^Wend " iobe8n/d1tnehn?r8em h em/s b,e ^efste Nacht des Jahres und lerne eigene'
I ’ ?C Gott mit dem Dorn, der siegreiche Töter des ewigen
| krachens, und von hier erhebt sich sein ewiger Lebenssieg.
Krokufslammcheii grüßen seinen ersten Aufstieg: aber ein Schauer des fev"“ d!-"- ”«"■»«« d--
Bedenklicher Fischzug.
Von Robert Neumann. '
. . Hon der Diele führt eine Falltür auf eine Treppe — eine Kellertreppe wie siesich auch nt einem deutschen Bauernhaus finden mag. Nur daß sie hier ins Wasser führt, unmittelbar ins Wasser, ins Meer zu den SRnnten Anstoß Kawa?"ae^ b" pö,3ernep ^ferhäuser des uralten Türkendorfes' Anstoli Kawak, gelegen auf ber asiattschen Seite bes Bosporus, ein paar /prDwetes fer Oeffn“n9 des Schwarzen Meeres. „Wir können fahrem
saUf8e^8en ^ielal r®ffenbi' der Hausherr, Gemeinderat Gastfreund, ber mich zum Tarif ber ersten Hotels von Pera für eine Nackt in Haus und Obhut genommen hat, da ich den Abenddampfer nach Stambul versäumte. Zu ihm und mir springt noch sein sechzehnjähriger Sohn ins häat'iinä Mntfna.®U0{Hnfa Heck leicht aufgekrümmte Sandal ^-ns lautlos in die Schwarze hinaus, wo uns schon ein anderes, etwas größeres Boot mit vier Mannern erwartet. Ein paar halblaute Worte und dann gleiten die beiden Fahrzeuge nebeneinander um den Uferfelsen ms freie Wasser vor und nordwärts gegen das Meer. ”
Es ist in der Tat der Mond aufgegangen. Hinter den mächtigen Trümmern der Genuesenburg, die vor achthundert Jahren die Wasserstrane gement hat, hinter den Resten der Wegelagererfestung, unter deren Schutz das Dor hier entstanden ist, steht die weiße, blasse Scheibe und legt ein breites flirrendes Lichtband Über die Wellen. 9
a. halten uns dicht am Ufer, rudern zu britt, und haben doch wenig Fahrt. Es ist so, daß eine gewaltige Strömung Tag und Nacht vom Schwarzen Meer her durch den Bosporus streicht — ein Oberflächenstrom, dem
Gegenstrom schweren, salzgesättigten Mittelmeer- Wassers zuwiderlauft. Es dauert fast eine Stunde, bis wir unser Ziel erreicht


