verhallte.
(Fortsetzung folgt.)
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Derantwortlick: Dr. Hans Thtzrivt. — Druck und Verlag: Drühl'fche L.niverfitäts-Duch« und Eteindruckeret. A. Lange,
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konnte. Sie verschwand nun aus den Augen der Leute, da sie von einem Haus ins andere in verschiedenen Städten herumzog uno nirgends Ruhe fand. Plötzllch, als die Forftmeisterin auf dem Krankenbette lag, erschien sie wieder in weltlicher Tracht zu Seldwyla, und so fügte es sich, daß n( am Totenmahle dem trauernden Witwer gegenübersah.
Sie bezwang ihre Unruhe und sah manche Augenblicke bescheiden und kindlich aus, und als die Frauen sich erhoben und unter sich um. hergingen, während die zechenden Männer am Tisch blieben, ging sie auf Küngolt zu, küßte sie und schloß Freundschaft mit ihr. Das Mädchen fühlt, sich geehrt durch diese Annäherung einer halbgeistlichen Frau, die wetz herumgekommen war und voll Weltkenntnis schien; sie führten sogleich ein langes und vertrautes Gespräch, als ob sie seit Jahren bekannt wären, und beim allgemeinen Aufbruch bat Küngolt ihren Baier, « möchte Biolanden in sein Haus berufen, dasselbe zu besorgen, denn stz selbst fühle sich noch zu jung und unerfahren dazu. Der Forstmeister, dessen Stimmung jetzt aus einer wunderbaren Mischung von Trauer und Weinlaune bestand und dessen Gedanken weit abwesend bei der Toten waren, gab ohne weiteres Nachdenken seine Zustimmung, obglckch er sich nicht viel aus der Base machte und sie für eine schnurrig, Person hielt.
Sie zog also in den nächsten Tagen ins Forsthaus ein und stellte sich mtz gutem Anstand und nicht ohne Rührung an dessen Herd, an welchem Ihr endlich, nach langem Jrrsal, die Wünsche ihrer frühsten Jugend in ruhig, Erfüllung zu gehen schienen. Sie öffnete bescheiden die Schränke ihrer Vorgängerin und sah das Linnen und die Vorräte wohlgeordnet und in tiefen Frieden liegen; zierlich gereiht sah sie die Töpfe und die Kessel, die Krüge und die Büchsen und lauschig hingen die Flachsbüschel unter dem Dache. In diesem Frieden ließ sie alles ein paar Wochen bestehen; bann aber begann sie allmählich die kleinen Töpfe zwischen die große« zu stellen, die Leinwand durcheinander zu werfen, den Flachs zu zer> zausen, und bis sie damit zu Ende war, hatte sie auch die menschliche« Dinge im Hause in beginnende Unordnung gebracht.
Da sie beabsichtigte, endlich doch noch des Forstmeisters Frau zn werden, um sich wenigstens zu versorgen, fo galt es vor allem, sein Kini und den jungen Bietegen, deren Lage sie bald inne geworden, aus ein- cmderzubringen und für immer zu trennen. Denn sie dachte richtig, das Bietegen, wenn er das Mädchen zur Frau bekäme, als des Forstmeister, Nachfolger im Hause bleiben und dieser, bei feiner Anhänglichkeit an feine tote Frau, dann nicht mehr heiraten würde, was dagegen leichter geschehen dürfte, wenn beide Kinder forttämen und er sich in feinen Hause vereinsamt sähe.
Wie nun Küngolt mit jedem Tage zusehends sich entwickelte tmt schöner wurde, weckte sie in ihr das frühzeitige Bewußtsein dieser Schönheit und den Geist einer wenn auch noch kindischen Buhlsucht, indem fk, ohne daß es jemand merkte, das Mädchen mit wenigen Worten zu alle« jungen Leuten in ein befangenes Verhältnis zu bringen wußte, so M das Kind jeden drum ansehen lernte, ob er seine Schönheit auch sW und anerkenne, und hinwieder jeder vermeinte, er fei dem jungen hübschen Mädchen besonders ins Auge gefallen.
Dann zog Violande noch andere junge Frauenzimmer herbei, daß bt öfter gute Kompanie beisammen war und unter ihrer Führung immer gelind« courtotfiert wurde. , , ,
So kam es, daß Küngolt, noch ehe sie völlig sechzehn Jahre zahm, schon einen Kreis unruhiger Gemüter um sich versammelt sah.
Es gab allerlei kleinere und größere Festlichkeiten, Geschichtchen, Streb tigkeiken, Geräusch und Gesang, und wie es zu gehen pflegt, machten M vorwitzige ober törichte Leutchen unangenehm unb mürben dabei m ehesten gelitten. r , , ,
Hierüber wurde Bietegen nicht glücklich. Im Anfang sah er mit ein« gewissen scheuen Wehmut zu, welche heranwachsenben Jünglingen nM sonderlich geschickt ansteht; als aber die Gesellschaft davon eher Muff« als gerührt schien und Küngolt selbst es kalt beachtete, wollte er sich ges- solche Unlust mit linkischem Schmollen und Trotz erwehren. Mein iM brachte ihn noch weniger auf einen grünen Zweig und endigte W daß er eines Tages zu bemerken glaubte, wie Küngolt allein in ein« Kreise von spöttisch aussehenden Jünglingen sah und mit Wohlgesaim die Mißreden mit anhörte, die sie offenbar über führten.
Da wendete er sich ab und mied von uim an schweigend Ne w sellschast. Er war ohnehin in das Alter getreten in welchem die kE ren Knaben sich wehrbar zu machen begannen. Auf dem GrundMe ° Försterei ruhte von allersher die Verpflichtung zum Vereckhalten » drei oder vier Mannsrüstungen, und der Forstmeister hatte immer M auf gesehen, eigene Leute dazu stellen zu können. Mit Wohlgesa len er, daß Bietegen, schlank unb wohlgebaut aufwachsend, bald m a zierlichen Harnisch taugen würde, in dem er einst seinen eigenen «V zu erblicken gehofft hatte. , ,, ,, .
So ging denn Bietegen mit anderen jungen Knechten an ben IMS Winterabenden in die Fechtschule, wo er die kürzeren Walstn M lernte nach heimischer Kriegsart; und im Frühjahr, den Somme durch, weilte er manchen Sonn« unb Feiertag auf dem meüen o in Waldlichtungen, wenn die Jünglinge sich im betjenb-en im festgeschlossenen Vordrange übten, an ihren langen JW«' breite Gräben setzten und die Körper in jeder Weise sich dienstbar nw oder endlich der Kunst der Büchsenschüßen oblagen. , w
Da durch alles dies das Leben im Hause sich änderte unb das weibliche Treiben ihn störte, ohne baß er recht beachte , _ eigentlich bamit beschaffen war, so nahm seinerseits ber 3°7tm(Sr(1Iw als zu Lebzeiten feiner Frau geschehen, ben Weg in ((ig«
seiner Stadtgenossen. Fern von der kindischen Torheit des Huch - 9(l(, der reiferen Torheit ber Männer ob und trug fein Haupt 3« laden, aber immer aus recht den Forst hinan, wenn die Miltern p
morsen, ging sie so rasch und trotzig hinweg, daß der goldene y(ug ihres Ringelhaares in der Nachtluft wehte und Bietegens Gesicht im Borübergehen streifte. Jetzt glühte auch in ihm ein leidenschaftliches Wesen an; er verließ bald nach ihr den Kreis und suchte bie wilde Küngolt schnell unb schneller, bis er sie auf ber andern Seite des Hauses fand, wie sie träumerisch am Brunnen saß und mit ber Bernsteinkette an ihrem Halse spielte. Bort ergriff er ihre beiden Hände, preßte sie in seine rechte Hand, faßte mit ber linken ihre Schulter, daß bas glänzende, noch unvollkommene Gebilde unter feiner festen Hand zusammenzuckte, unb sagte hastig: „Höre, du Kinbl Ich lasse nicht mit mir spielen! Von heut an bist bu so gut mein Eigentum, wie ich das deinige, unb kein anderer Mann soll dich lebendig bekommen! Baran denke, wenn bu einst groß genug bist!" , t
„D bu großer unb alter Mann!" sagte Küngolt leise lächelnb, inbem sie etwas erblaßte, „bu bist mein und nicht ich dein! Aber bas hat dich nicht zu kümmern; denn ich werde dich wohl niemals fahren lassen!"
Damit stand sie auf unb ging, ohne ben Gespielen weiter anzusehen, um das Haus herum. „ .
Die gute Forftmeisterin aber erkältete sich in ber kühlen Mainacht unb trug eine tödliche Krankheit davon, welcher sie in wenigen Monaten erlag. Auf dem Totbette war sie sehr bekümmert um ihren Mann unb um das Kind; auch suchte sie hartnäckig bie Ursache ber Krankheit zu leugnen; denn sie fühlte wohl, daß das nicht bie rechte Tobesart für eine Hausmutter fei, bie von Unvorsichtigkeit in ber Freude herrührt.
Weil sie nun tot im Hause lag, waren alle sehr traurig unb bie ganz« Stabt bedauerte sie, da sie keinen einzigen Feind hatte. Der Forstmeister selbst weinte des Nachts in seinem Bette; des Tages sprach er fein Wort unb ging nur ab unb zu vor ben Sarg unb besah sich bie stille Leiche, worauf er kopfschüttelnd wieder wegging.
Er ließ einen schweren Kranz von jungem Tannengrün binden und legt^ ihn auf ben Sarg; Küngolt häufte noch ein Gebirge von Waldblumen darauf, und bergeftatt wurde bie Leiche von der Höhe hinunter zur Kirche getragen, gefolgt von den Verwandten unb Freunden unb ben Jägerknechten.
Als sie in ber kühlen Erde lag, führte der Forstmeister bas Leichen- begleit in bie Herberge, wo er ein reichliches Totenmahl hatte anrichten lassen. Das Wildbret dazu, einen Rehbock unb zwei prächtige Auerhähne, hatte er eigenhänbig geschossen, voll Schmerz über seinen Verlust, und als die schön gefieberten Vögel nun auf dem Tische prangten, gedachte er abermals des hohen Bergwaldes, in welchem sie gesessen unb welchen er in ben jungen Jahren seiner Liebe so oft durchstreift hatte, bas Bilb ber Toten im Sinne tragend. Doch durfte der Forstmeister nicht lange solchen Gedanken nachhängen; denn als ber Claret und ber Malvasier nun krebenzt unb die Tafel mit einem großen Korbe voll vermischten Zuckerwerkes überschüttet wurde, belebten sich die Gäste und der Traueranlaß war bald von einem Tausmahle nicht mehr zu unterscheiden.
Ber Forstmeister saß zwischen Küngolt und Dietegen, die sich wegen seiner großen Gestalt nicht sehen konnten, ohne sich vornüberzubeugen ober hinter ihm durch, unb bies mochten sie nicht tun, da sie allein in ber erwachenden Fröhlichkeit traurig unb ernst blieben. Ihm gegenüber saß eine Person von vielleicht halb dreißig Jahren, eine Base des Forstmeisters Namens Violande. Biese Dame fiel auf wegen ihrer ausgesuchten, sonderbaren Kleidung, welches nicht die Kleidung einer Zufriedenen und Glücklichen, sondern eher einer Unruhigen unb Hohlherzigen zu fein schien. Sie war schön unb wußte anmutig zu blicken, wenn nicht gerade etwas unselig Verlogenes und Selbstsüchtiges über ihr Wesen zuckte.
Als vierzehnjähriges Mädchen schon war sie in den nachmaligen Forstmeister verliebt gewesen, weil er just ber größte unb schönste junge Mann war unter benen, bie ihr zu Gesicht kamen. Er merkte aber nichts von dieser frühen Leidenschaft, da er überhaupt auf bas kleine Böschen nicht achtete unb seinen Sinn mehr auf erwachsene Personen richtete, die ihm gefielen. Voll Neid unb Eifersucht und ebenso schon voll Ränke wußch das junge Wesen nun zwei oder drei Liebesverhältnisse des Forstmeisters zu zerstören, indem es durch fast unbemerkbare Zwischenträge- reien bie Dinge entstellte und verwirrte. Wenn er eine Schöne zu gewinnen im Begriffe war, so erfand und verbreitete bas verschlagene Kind unter der Hand ganz unbefangen Züge und Tatsachen, woraus hervor- zugehen schien, daß er eigentlich bie in Rede stehende Person gar nicht leiben könne, vielmehr eine andere im Auge habe, und überhaupt ein hinferliftiger und verstellter Mensch fei. So wußte er wiederholt nicht, wie es kam, daß die, welche er liebte, sich plötzlich unb mißtrauisch von ihm abwanbte, während eine andere, an die er nie gedacht, ihn unversehens mit ihrer Gunst beehrte unb, einmal im Zuge, nicht mehr nachließ, bis er mit ihr im Gerücht war. Bann pflanzte er in Ungeduld unb Verwirrung bie eine wie bie andere hin und ergab sich auf kurze Zeit ber Freiheit. Auf diese Weise verdarb ihm, obgleich er ein schöner und tüchtiger Gesell war, alles, bis er an die nun verstorbene Forstmeisterin geriet. Biese hielt ihn fest, da sie fo ehrlich war wie er selbst und alle Künste der kleinen Hexe waren vergeblich, ja, sie bemerkte dieselben nicht einmal, well sie nur auf die Augen des Geliebten sah. Hierfür war er ihr auch dankbar und treu geblieben und hielt sie für eine teure Errungenschaft, so lang sie lebte.
Violande dagegen, als sie ben Mann endlich versorgt sah, übte die erworbenen Geschicklichkeiten, um sie nicht brach liegenzulassen, nun auch anderwärts aus, und je älter sie wurde, mtt desto mehr Einsicht unb Erfolg, aber ohne Glück für sie selber; beim sie blieb unverheiratet, unb bie Männer, welche sie ihren Freundinnen abspenstig machte, wendeten sich deswegen nicht zu ihr, da sie eher Haß und Verachtung für sie empfanden. Da wandte sie sich dem Himmel zu unb sagte, sie wolle eine Nonne werden; doch überlegte sie sich bas Ding noch in der letzten Stunde und trat statt in ein Kloster in ein solches Ordenshaus, aus welchem sie allenfalls wieder herausgehen, und sogar noch heiraten


