Ausgabe 
23.6.1928
 
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Selbst der Anblick blieb mir bald erspart meine Augen waren ml«r den Äserrand hinabgesunken. Ich hatte meinen letzten Blick auf die grüne Erde getan. Jetzt sah ich nur noch die lehmige Äfer- «and und das Wasser, Las neben mir vorübersloh. Roch einmal Astete ich den Blick auf den Himmel und sucht« mich ergeben in mein Schicksal zu fügen. Doch ttotz meines Bemühens, ruhig zu Jjen, kamen mir Erinnerungen an irdische Freuden, Freunde

Heimat hin und wieder brach ich in wilde Verzweiflung aitf und machte neue, doch fruchtlose AnstrenMngen.

Da vernahm ich wiederum das Wiehern meines Pferdes. Llnd (tu Gedanke kam mir und erfüllte mich mit frischer Hoffnung^Viel- Mt könnte mein Pferd ..." Ich verlor keinen Augenblick. So laut ich vermochte, rief ich es beim Namen. Ich wußte, auf mein Men würde es kommen. Ich hatte es nur lose angebunden. Der Nlemen würde von dem Kaktus abgleiten. Ich rief abermals Worte, hie ihm wohl vertraut waren. Mit klopfendem Herzen lauschte ich. Mr einen Augenblick war alles still. Dann vernahm ich das Ar-- Men seiner Hufe, als suche es sich zu befreien. Darauf hörte ich haL regelmäßige Schlagen seiner Hufe. Näher und näher kam das Seräufch, und immer deutlicher, bis das gehorsame Tier auf dem Mer mir gegenüber auftauchte. Dort blieb es stehen, und die Wähne zurückwerfend, stieß es ein scharfes Wiehern aus. Es per verwirrt und blickte schnaufend umher.

Ich wußte, sobald es mich einmal gesehen, würde es nicht eher pi§en, bis es die Nase an meine Backe gedrückt, denn das war so seine Gewohnheit. Die Hände ausstveckend rief ich Len Namen tag Pferdes. Nun gewahrte es mich es streckte sich und sprang üt den Dach. Im nächsten Augenblick hielt ich es beim Zügel. $ war keine Zeit zu verlieren. Ich sank immer wieder tiefer M bis unter die Arme reichte mir der Quicksand. Ich erhaschte len Zügel, führte den Lasso unter dem Sattelgurt durch und be- Mgte ihn mit einem starken Knoten. Dann knüpfte ich das Ende um meinen Körper. Zwischen Gebihring und Gurt blieb genug Diemen, mit dem ich das Pferd leiten und halten konnte, im Fall« ich das Ziehen nicht aushälten könnte.

Während dieser ganzen Zeit schien das Tier zu begreifen, um das es sich handelte. Es kannte auch die Natur des Grundes, auf tat es stand, denn es trat andauernd mit den Füßen, um sie vor tat Einsinken zu bewahren. Als schließlich alles fertig war, trieb ich das Pferd an mit einem Gefühl fürchterlicher Spannung und Angst. Änd wirklich, anstatt mit einem Duck anzuziehen, bewegte ßch Las kluge Tier nur langsam vorwärts, als verstünde es meine Lage. Der Riemen spannte sich mein Körper bewegte sich.

Eine wilde, unbeschreibliche Freude kam über mich, als das Mrd mich aus dem Sande zog. Mit einem Jubelruf sprang ich «f die Füße, eilte auf Las Pferd zu und schlang schluchzend und Mrnd meine Arme um feinen HaW.

Tierkrebs und Pflanzenkrsbs.

Von Prof. Dr. E. Küster, Gießen.

Trotz den rastlosen Bemühungen, welche seit Jahrzehnten in allen itulturländern der Erforschung des Krebsproblems zugewandt werden, E sich das Dunkel, das jenes umschwebt, immer noch erst vereinzelten [fragen gegenüber zerstreuen oder wenigstens aufhellen lassen.

Das große theoretische Interesse, das die Fragen der Krebs- «Mgung, des Krebswachstums und der Krebsverbreitung für sich in Anspruch nehmen können, und namentlich die überragende Wichttg- M der Krebskrankheit für den Kliniker machen es begreiflich, daß »um bei ihrer Erforschung auf allen Gebieten der Biologie nach neuen Anhaltspunkten und Anregungen gesucht hat. Auch die Pflanzen- Mstokogie und die Pflanzenpathologie hat man als Hilfswissen- Msien nutzbar zu machen versucht.

Jedem Baumliebhaber und jedem Obstgartenfreund ist bekannt, ta an Stämmen und Zweigen vieler Holzpflanzen unter der Ein- Wnng sehr verschiedenartiger älmstände harte, holzige Wucherungen vlstreien können, die der Praktiker als Krebs bezeichnet. Sie haben Mstch mit dem Krebs der Tiere und Menschen äußer dem Namen w« eine bescheidene Äebereinstimmung der äußeren Form gemeinsam. E ihrem Studium Gesichtspunkte zur Beurteilung Les tierischen Mebses zu gewinnen, ist daher wohl rwch niemals versucht worden. M w größer ist die Rolle, welche die an allerhand Gartenpflanzen . pachteten saftigen und fleischigen Gewebewucherungen seit einigen Wen in der Krebsliteratur spielen.

bvr allem waren es amerikanische Forscher, welche vor einer Reihe M Jahren die Aufmerksamkeit der Botaniker auf die Tatsache daß Bakterien den Pflanzen gegenüber als Krankheitserreger «re frei größere Rolle spielen als man bis dahin angenommen hatte.

sich nachweisen, daß ein als geschwulsterzeugende Bakterie S; ciicr Mikrobe auf Pflanzen verschiedenster Art umfangreiche Mittungen erzeugen kann. Es kann kein Zweifel sein, daß diese -.kMuem fremden Organismus, von einem Parasiten hervorge-

Gebilde Gallen sind, vergleichbar jenen wohlbekannten limn tvelche auf überaus zahlreichen Gewächsen nach Desiede-

xj.^onrcy schmarotzende Pilze entstehen oder nach Infektion durch tote z. B. Lurch Gallmilben, Gallmücken, Gallwespen usw.

<DnBacterium tumefaciens erzeugten Gallen gehören ins- LU derjenigen Gruppe von Gallen, die mit ihrem Wachstum form mr bestimmten Form zustreben und nach Erreichung dieser Wachstum einstellen, sondern welche regellos und ohne Mann» v I^iiungsgesetzen zu gehorchen, ihr Wachstum fortsetzen, sich ii, x Grnährungsumstände es gestatten; ihre Erreger vermehren tat -wP Galle nicht nur sehr stark, sondern können sich auch in Nößernltte verbreiten und ihr AnsieLlungsareal gewaltig ver-

$$$ Bacterium tumefaciens haben für die Erforschung ^"pWsivlvgischer .Fragen verschiedenster Art zweifellos eine

hervorragende Bedeutung: es gibt nur wenige Gallenerzeuger, di» man im Laboratorium ohne Schwierigkeiten künstlich kultivieren, jederzeit nach Belieben auf lebendige Pflanzen übertragen uüb auf Liesen die Bildung von Gallen anregen lassen kann; überdies ist Bacterium tumefaciens in der Wahl seiner Wirte nicht eben wählerisch: allerhand Nachtschattengewächse, ferner die Sonnenrose, die Pelargonien, die Rizinuspflanze um nur einige wenige zu nennen lassen sich durch den Mikroben zur Entwicklung kleiner und großer Gallen bringen. Große Bedeutung ist nun dem Hm*, stände zugeschrieben worden, daß die erwähnten tumefaciens-Gallen in ihrer Nähe kleine sekundäre Gallen wie eine junge Brut «tdj*. stehen lassen, und weiterhin dem Llmstande, Laß man Gallen oder Stücke von ihnen transplantieren, L. h. auf ander« Pflanzen über­tragen und auf der bisher gesunden Unterlage neue Gallen ent­stehen sehen kann. Es lag nahe, dieses Verhalten der Pflanzens- Wucherungen vergleichbar gu finden mit dem, was vom tierischen Krebs her bekannt ist, und was seine Wirkungen für den befal­lenen Tier- oder Menschenleib so verhängnisvoll macht.

Dies« plebereinstimmungen sind freilich nur äußerlicher Art. Wir dürfen nicht vergessen, daß die Gallen Les Bacterium tumefaciens, der sog. Pflanzenkrebs, Lie Erzeugnisse eines deutlich erkennbaren, gut erforschten Mikroben sind, der sich in dem infizierten Pflanzen­leibe weit verbreiten kann, und welcher bei der Transplantatton mit dem Gallengewebe in großer Reichlichkeit auf die Unterlage gerät; kein Wunder, daß Lies« überall La, wo Mikroben in ihr Gewebe gedrungen sind, zur Bildung von neuen Gallen sich an*, schickt. Es hat sich gezeigt, daß man Pflanzen bestimmter Art da­durch zur Bildung von Gallen anregen kann, daß man Gallen, die auf Gewächsen anderer Art sich entwickelt hatten, abtrennt und auf jene überträgt; auch in diesem Falle kann auf der Unterlage eine neue Gallenbrut entstehen; diese trägt aber niemals den Cha­rakter der artfremden, aufgepfropften Gallen, ist also nicht ein Produkt der auf die Unterlage aufgepfropften fremden Stücke und krebsartigen Transplantate, sondern entsprechen durchaus den Art­merkmalen der Unterlage.

Noch geringere Bedeutung kann dem Umstande beigemessen wer­den, daß die Gallen des Bacterium tumefaciens eine geringe Ge­webedifferenzierung aufweisen, Latz ihre Leitungsbahnen spärlicher entwickelt sind, als in dem normalen Mutterboden usw. Alles das sind Eigentümlichkeiten, welche sie nicht nur mit dem tierischen Krebs gemeinsam haben, sondern welche bei außerordentlich zahl-, reichen Gallen sich wiederfinden, ja auch der abnormen Gewebe­bildungen anderer Art, z. B. solchen, die ohne Schmarotzerbesiede­lung unter dem Einfluß von Verwundung entstehen, sich wiederfinden lassen.

Die Gruppe von Erscheinungen, welchen sich die Gallen des Bacterium tumefaciens hinsichtlich ihrer Entstehungsursachen, ihrer Entwicklung, ihres anatomischen Ausbaues zwanglos einreihen lassen, sind ebensosehr die Gallen wie die Wundgeweb«; wie manche andere Gallen, so ist auch der sog. Pflanzenkrebs nichts anderes als ein unter der Einwirkung fremder Organismen zu besonderer Ueppig- teit gediehenes Wundgewebe.

Die Hoffnungen, aus seinem Studium wertvolle Aufschlüsse über das Wesen des tierischen Krebses zu gewinnen, sind aufzugeben. Der Vergleich mit dem klinisch so bedeutungsvollen Krebs hat die Aufmerksamkeit auf die Produkte Les Bacterium tumefaciens mit Lern Erfolge gelenkt, Latz viele neue Tatsachen über das Wesen Ler Pflanzengallen, insbesondere der von Bakterien hervorgerufenen, gefunden und viel« für die allgemeine Physiologie bedeutungsvolle Beziehungen aufgedeckt worden sind; die Lehre vom tterischen Krebs wird ohne Gewinn ausgehen, jedenfalls mit feinem besseren, als ihr das Studium Ler Pflanzengallen überhaupt und Las der Wund- gewebe zu geben vermag.

©telegen.

Erzählung von Gottfried Keller.

(Fortsetzung.)

Las Mädchen wurde blaß vor Unmut und Beschämung; plötzlich ging sie hinweg und mischte sich wieder unter die Gesellschaft, wo sie mit zorniger Ausgelassenheit einigemal herumsprang und sich dann finster zur Seite setzte. Die Förstmeisterin streichelte dem jungen Sittenprediger lächelnd die Wange und sagte:Ei, du bist ja ein gar gestrenger Gespan! Aber um so treuer wirst du um mein Kind sorgen! Versprich mir, es nie zu verlassen! Sieh, wir sind alle ein lustiges Völklein und es mag fein, daß wir zu wenig an die Zukunft denken!"

Dietegen gab ihr mit nassen Augen die Hand und sie führte ihn eben­falls zu den Leuten zurück. Doch Küngolt kehrte ihm schnöde den Rücken und schaute mit wirklichem Kummer und Zorn in die Mainacht hinaus.

Wunderbar! Nun war das Kind auf einmal groß genug, dem spröden Jünglinge Liebessorge zu machen; denn traurig und betreten stand er auch zur Seite und war noch mehr beschämt als das Mädchen.Was ist das? Was gibt's da zu grämen?" sagte der vergnügte Forstmeister, als er es bemerkte, und leidenschaftlich fing Küngolt an zu meinen und rief vor aller Welt:Er ist mir geschenkt worden von den Richtern, da er nichts als ein Leichnam war, den ich zum Leben erweckt habe! Drum hat nicht er über mich zu richten, sondern ich allein über ihn, und er muß tun alles, was ich will, und wenn ich ihn gern küsse, so habe ich es allein zu verantworten und er hat nur still zu halten!"

Alles lachte über diese wunderliche Aeußerung; die Förstmeisterin aber nahm den Dietegen bei der Hand, führte ihn zu dem Kinde hin K:Komm! versöhne dich mit ihr und laß dich diesmal noch küssen!

her sollst du auch deinen Willen haben und ihr Vorgesetzter sein in solchen Sachen!" Errötend wegen der vielen Zuschauer bot Dietegen dem Mädchen halbwegs den Mund hin; sie ergriff ihn herrisch bet den Locken, küßte ihn, und nachdem sie noch einen Blick voll Zorn auf ihn ge-