Ausgabe 
23.6.1928
 
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«n«s. schief und verbogen, nur zerstören konnte ich, Robertzu taufenb I flehten Gchässiakeiten verleiten, ja, nun war er Ihr offener Femd, 1 oriff Sie an, wo er nur konnte, in der Gesellschaft rn öffentlicher I ^semik Sie haben das nicht begreifen können, Sie haben überhaupt I

begriffen, ich stand an meinem Flurfenster in der sonne, I Wärme drang in mein Herz, es sollte alles anders werden, langsam I ^ick dte Stufen herauf zur Tür, jetzt würde ich Robert über­raschen, wie er an seinem Schreibtisch sah und schrieb, vielleicht | iraendein schmichiges Pamphlet gegen Sie, ganz lerse wurde ich von j hinten kommen, ihm die Augen zuhalten, tote ein ^mdihnm die I Arme nehmen und ganz still ihm sagen:laß das doch alles, ich I weih ja, wie es dich quält und nun soll es nie wieder geschehen , I ich öffnete die Tür, nichts regte sich, drin auf dem Teppich lag ein 8 kleiner buckliger Mensch, den Revolver in den verkrampften Händen. I

Ich empfand keinerlei Trauer, keinerlei Gewissensbisse, obwohl I ich doch die Ursache seines Todes war, er hatte sich Nicht mehr I Herausgefunden, ich hatte ihn zu einem Leben gezwungen das für I ihn wertlos geworden, weil er Sie nicht mehr lieben durfte. Hatte I der Winter nicht um einen Tag früher enden können, die Sonne um 1 einen Tag früher in mein Herz scheinen, vielleicht Ware dann was dann: nichts wäre geändert worden, auch letzt schaute ich M nur I mit einer von Ekel und Grauen gemischten Reugier Ms diese Weihen Schläfen, von denen ein kleiner roter Blutstrom die Wange herunter- I getrocknet; wie im Traum ordnete ich alles cm, auch letzt nur de- I Herrschte mich diese einzige Frage: nun muhten Sie ia noch einmal auf mich gestoßen sein, Sie muhten ja nun endlich doch alles I o&nen und begreifen, mußten jetzt endlich kommen und auch Ihre 1 Liebe muhte jetzt aufbrechen, erschüttert und aufgetrlchen von meutern I Schicksal; Sie kamen, Sie waren wirklich auf dem Friedhof, standen I auf dem Grabhügel neben mir, Ihre Hand berührte die meme, Sie verbeugten sich und sagten ein paar verbindliche Worte es war I gütig und eine Großzügigkeit des Herzens dah Sie oem ehemaligen Freunde und seiner Gattin diese Ehre erwiesen, Ihr Gesicht war ernst, I unbewegt, Sie nahmen von der Erde und warfen sie dem Toten hinab, I Sie schüttelten noch einmal meine Hand und hielten fte für ern paar 1 Sekunden in der Ihren, Sie blickten mich an, fest und ruhig, ich konnte in diesem Blick nichts anderes lesen als Ihre aufrichtige Ergriffenheit, I ich danke Ihnen auch dafür, diese Sekunden waren die schmerzens- I reichsten meines Lebens, aber um nichts mochte ich sie hergeben, um I nichts vergessen. . ... . 1

Diese Krankheit, die mich jetzt wegrafft, langsam uird gualend, I läßt keinen Platz für eine Bitterkeit, ich bin ruhig und fast glücklich, | der Tag sickert aus wie dies mein armes und doch so reiches Ueven, I ich kann nichts mehr sehen, das Fenster ist offen, wieder kommt dies« i Duft, der das Herz schwer macht, daß man weinen mochte, , es ist i Frühling und ich muh eine kleine hoffnungslose Sehnsucht m Mir ver- I graben, es muh alles so sein, leben Sie wohl, nehmen Si« zum Ab- I schied ein glückliches Lächeln, Gott und der ewige Friede sei mit i mir und mit Ihnen.

Quicksand.

Bon H. Hesse, Reuhork.

Es war in der Artemissa-Wüste. Hundert Meilen weit lag die Sandebene da, ohne Wild und fast ohne Wasser. Büffel waren ganz verschwunden. So waren wir denn auf Dörrfleisch angewiesen. Hin und wieder gewahrten wir eine Antilope, die ihr Heil in der Flucht suchte ihre Scheu hielt sie außer Schußweite.

' Seit drei Tagen waren wir unserer Karawane vorausgeeitt, um einen Tag früher in Santa Fe einzutreffen und wegen des | Eintritts in die Stadt mit dem Gouveriieur zu verhandeln. Da plötzlich glaubte ich einen spitzen Kopf hinter einer kleinen Er­höhung verschwinden zu sehen. Meine Kameraden waren ungläubig, i und keiner wollte mit mir gehen. So ging ich beim allem und lieh , auch meinen Hund zurück, damit er die Antilopen nicht scheu mache, i Mein Pferd war frisch und willig, mochte ich nun Erfolg haben oder nicht, so wußte ich doch, ich konnte die anderen leicht wieder einholen, spätestens wenn sie das Rachtlager ans sch tu gen.

Ich begab mich direkt zu der Stelle, wo ich den Kopf hatte ver­schwinden sehen. Es schien nur etwa eine halbe Meile von unferem Wege ab zu sein, doch stellte es sich als viel weiter heraus eine ge­wöhnliche Täuschung in der kristallklaren Luft dieser Hvchland- reg tonen. ' ,

Ein seltsam geformter Kamm durchzog die Ebene von Ost nach West. Teilweise war es von einem Kaktusdickicht bedeckt, auf das

Am Fuße der Anhöhe stieg ich ab, ffihrte mein Pferd schweigend zwischen dem Kaktusgestrüpp hinan und band es an einen Strauch.

Dann kroch ich vorsichtig zwischen den dornigen Blättern vor­wärts zu der Stelle, wo ich geglaubt Hatte, das Wild zu sehen. Zu meiner Freude gewahrte ich nicht eins, sondern zwei dieser schönen Tiere, die dort ruhig grasten. Doch ach, dreihundert Meter waren sie auf dem sanften Grasabhang entfernt, und mein Gewehr reichte nicht so weit. Richt " einmal ein Salbeibusch war da, hinter dem ich hätte Deckung suchen und mich hätte heranschleichen können. Was war nur zu tun?

Einige Minuten lag ich da und dachte über die Kniffe und Schliche nach, mit denen Jäger die Antilope jagen. Sollte ich ihre Stimme nachahmen? Sollte ich mein Taschentuch in die Höhe halten und versuchen, sie anzulocken? Ich merkte, sie waren zu scheu, denn in kurzen Zwischenpausen warfen sie die anmutigen Köpfe in die Höhe und blickten forschend in die Runde. Der Gedanke an meiste rote Satteldecke kam mir. Ich konnte sie auf die Kaktusbüsche hängen, das würde sie vielleicht anlocken.

Es blieb mir keine andere Wahl und ich wollte gerade um- kehren, um die Decke zu holen, als mein Auge plötzlich auf einer lehmfarbeiten Linie hängen blieb, die sich hinter den grasenden

Tieren durch Me Prärie hinzM to ar eine Vertiefung in der (S&cne ein Büffelweg oder ein Dach. Jedenfalls bot mir die Vertiefung die gewünschte Deckung, denn die Tiere waren keine hundert Meter davon entfernt und tarnen beim Grasen immer naher. Ich kroch aus dem Dickicht und lief am Abhange entlang zu einer Stelle, wo er sich bis zur Ebene senkte Zu meiner Steber- raschung stand ich vor einem Breiten Dache, dessen klares, seichtes Wasser langsam in dem Bett über Sand und Gips dahinrann.

Die Ufer waren niedrig und keine drei Fuß über dein Wasser, mit Ausnahme der Stelle, wo die Anhöhe vom Flüßchen unter­brochen wurde. Hier fiel sie steil ab und ich eilte unten herum, betrat das Dett des Baches und watete aufwärts.

Wie vorausgesehen, kam ich bald an eine Biegung. An dieser Stelle blieb ich stehen und spähte vorsichtig über das Ufer. Die Antilopen hatten sich dem Bache auf weniger als Schußweite ge­nähert, doch waren sie für mich noch immer zu hoch. Sie grasten ruhig weiter und ahnten keine Gefahr. So bückte ich mich von neuem und watete weiter. _ .

Es war schwer, in dieser Weise voranzukommen. Der Grund des Daches war weich und gab nach, und ich mutzte vorsichtig und geräuschlos auftreten, oder ich würde die Tiere verscheuchen, und ich hätte doch gar zu gern frisches Wild zum Abendbrot gehaotz

Rachdem ich mich mühsam einige hundert Meter toorangearbeitet, gelangte ich an ein kleines Wermutgckbusch, das aus . dem Ufer wuchs. Es schien mir als Deckung geeignet. So richtete tch mich denn nach und nach auf, bis ich durch die Dlatter sehen konnte. Ich war in einer guten Stellung, legte das Gewehr an und feuerte. Das Tier sprang in die Höhe und fiel leblos zu ruck.

Ich warf das Gewehr über die Schulter und wollte auf meine Deute Meilen. Doch was war das? ... Zu meinem Erstaunen konnte ich bte Fütze nicht losbringen. Sie waren wie in einem SchraM- '^OTit^mmer" größerer Anstrengung versuchte ich loszukommen. Beim dritten Male verlor ich das Gleichgewicht und fiel ms Wasser. Halb erstickt richtete ich mich wieder auf A sah Mer als bevor. Wieder und wieder versuchte ich, meine tfufje zu befreien, -ich konnte mich weder vorwärts noch rückwärte, weder nach rechts noch nach links bewegen. Statt dessen sank ich immer tiefer em! Und wie ein Dlitz kam mir der Gedanke: ich versank im Qmcksand! Em Gefühl des Entsetzens kam über mich. Mit der Kraft der Ver­zweiflung erneuerte ich meine Anstrengungen. Ich beugte mich nach einer Seite, dann zu der andern, und ritz mir fast bie Änie- getonte auseinander. Doch noch immer steckten meine »uhe fest. Richt einen Finger breit vermochte ich sie zu rühren.

Jetzt stieg der weiche, klebrige Sand bereits an meinen Stiefeln hoch und pretzte sie um die Knöchel so zusammen, daß ich dm Fuß nicht mehr herauszuziehen vermochte. Ich fühlte nun, wie ich I langsam, doch unablässig einsank, als zöge mich em unterirdisches ^SchE^der^bteste' Gedanke erfüllte mich mit Grauen, und ich I schrie laut um Hilfe. Zu wem? Meilenweit war kein Lebewesen um mich her. Doch da ... vom Hügel her antwortete mein Pferd I mit einem Wiehern. Es klang mir, als wollte es sich über meine | Verzweiflung lustig machen.

Ich beugte mich vornüber, so weit ich es nur vermochte und be- I gann mit bebenden Fingern den Sand fortzugraben. Ich konnte I kaum die Oberfläche erreichen, und die kleine Höhlung, die ich machte, füllte sich sofort wieder mit Sand. Da kam nur em Ge­danke: wenn ich das Gewehr flach hinlegte, wurde es mich web | teufet tragen. Ich sah mich danach um es toar bereite Bet» I schwanden, im Sande versunken. Konnte ich mich flach hinlegen i und es so verhindern, daß ich tiefer sank ...? Rem, es war mchr möglich. Kaum kam mir diese Hoffnung, so war sie auchschvu | zerstört. Das Wasser war zwei Fuß tief, und ich wäre sofort er I tarnten. Ich konnte keine Möglichkeit entdecken, mich zu retten, I und war keiner weiteren Anstrengung mehr fähig.

| Eine seltsame Starre kam über mich. Mein Denken wurde immer I gelähmter. Ich glaubte, ich würde den Verstand verlieren - wurde | ^War^ch*e^'schon ? Aach einer Weile kehrten mir die Sinne I Mrück. Ich versuchte meinen Geist der Lähmung gu entreißen, um | dem nunmehr sicheren Tode wie ein Mann ins Auge zu sh.

Aufrecht stand ich da. Meine Augen reichten nur noch b's zur | der Prärie und hefteten sich auf das Tier, bas ich getötet.

ich für meine Grausamkeit bestraft werken? Die Sonne Menst j Ml wie nur je, und blau und wolkenlos wölbte sich der W«

Da plötzlich gewahrte ich die Umrisse eines gwfjen Doge s.

I wußte, es war jenes häßliche Getier em Geier! Woher | er? Wer konnte es wissen? Weit über die Reichweite des Menschen- auges hatte er die tote Antilope gesehen oder gewittert, und am

I breiten, regungslosen Flügeln schwebte er treffend zu ferne fest herab. Und schon kam ein anderer und noch emet unö iw einer - eine ganze Schar fleckte den blauen Himmel und kr« lautlos zur Erde herab. Da schoß der erste auf das Ufer Hermes | und nachdem er einen Augenblick umhergespaht, flatterte e z | Deute. In wenigen Augenblicken war die Ebene Marz I widerlichen Vögeln. Sie klammerten sich an die täte Antitop schlugen sich gegenseitig nut den Flügeln, währendandete^ | Tier mit ihren Schnäbeln die Augen aushackten. Dub lin magere Wölfe. Hungrig schlichen sie heran. Sie stahlen

dem Kaktusgebüsch und glitten feige über die grünen, weltensor^^ Erhöhungen der Prärie. Sie gingen auf die Geier los um> sie fort. Knurrend und bissig schnappten einer nach dem a Gott sei Dank, vor diesem Schicksal blieb ich doch wenigst wahrt!