Ausgabe 
22.5.1928
 
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Jahrgang 1928

Dienstag, den 22. Mai

Nummer 41

ile=

r meine

weniger Scharfblick allen Fasern meiner

GietzenerZamilienblätter

Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

Dringen tote begann abermals:Ja, Herr Grenze, ich liebe Sie 9fnt warten Sie offen, lieben Sie mich?" Staunen Sie nun über meine Dummheit! Ich betete dieses Mädchen an, ich hätte ihr mein Leben ^chen wogen, und ich blieb zum wiederholten Male stumm bei einer Setifin bereöteften aller Menschen hätte machen müssen,

ibrttibhrra|?" x6er m!*n Stillschweigen, schließlich verbarg sie chr Gesicht m den Händen und weinte bitterlich. Ihre Tränen rissen

au- der stumpfeu Verzückung, in die mich das eben Gehrte ve " Kt? ? k Prf D Or- n,eber küßte ihre Füße, und alles was die stärkste und zarteste Liebe an leidenschaftlichen Bezeugungen einaibt riPfpJtifP M0MfP^er weiner Sinne^Ich kann also glücklich sein?!"' rief Letitia, klatschte ,n ihre schonen Hande und wiederholte, indem sie

^nrme umarmte: Ich kann glücklich sein. Hört mich beide an: Meine Meinung ist: ich hebe Kreuze, und ich heirate ihn."Aber bedenken Sie auch, mein Töchterchen? Ihr Vater ..."Mein Vater

wcht einwilligen, willst du mir sagen, er wird seine Zustimmung qrri,eben' ®r will, daß ich seinen ewigen C. heirate den

Aeltesten und Häßlichsten, den ich mir denken kann, oder den jungen ®f,cn P ' den ich gar nicht kenne, nie kennen will. Ich bin von meiner raUtter 1er .re,(^L kann über ihr Erbe verfügen, und ich will es Oreuje schenken, denn ihn will ich heiraten. Er wird mich nach Frank- reich mitnehmen, und du sollst auch kommen, meine liebe gute Amme um Zeuge unseres Glückes zu fein und es zu teilen." Und nun setzt« sie uns nut einer ganz reizenden Zungenfertigkeit alle Vorteile ausein­ander, die wir hatten, wenn wir in Paris wohnten fldi lall meine r ^stehen, ein zweiter Tizian werden diesen Maler

hcbte sie sehr es soweit bringen, daß ihr Vater stolz auf seinen Schwiegersohn wird. Zum Schluß fragte sie mich, ob ich begeistert sei

was ich er­st) derart, daß iatte einen Onkel, der eilig

aben wollte. Ich sagte zu

zum Kopieren ein. 1 a 8

h m n?,ar '"'wer noch krank. Jeden Morgen erkundigte ich mist,

au* ajhen ihrer Gesundheit, ohne mir jedoch den Anschein

zu geben, als gelüste es mich, sie zu sehen. Die Amme, die sie aufaeLaen fatte nnb ifjr jarthd) anhing, erriet das Geheimnis, das ihr Herz ver­wahrte und glaubte auch meines zu ahnen. Sie war so unklug ihr zu fagerb daß sie keinen Zweifel habe, ich teile ihre Gefühle und ein/ia der Respekt und die Furcht, ihr Mißfallen zu erregen, hätte mich davon ®rh e ßethia befaft mieniSn3U 9,aubt man- was man

danken, daß ich sie liebe, und ba(b lag fie^brer ymme mMften fie möge ihr doch eine Gelegenheit verschaffen mich allein zu leben unb zu sprechen. Das Glück ihres Lebens hinge däv7n ab 3 Ub

Als die Aunne mich abholte, um mich in Letitias Gemächer zu führen ße noch ihre Krankheit festeste, befiel mich zugleich Verzagthett '"'d Frohsinn. Indessen erinnere ich mich wohl, daß die Freude ^über «5^ triumphierte. Äch, ich war ia fn nprliphH Mt»;

reAtIbtetobunbim ^lÖÖIi^e ^°te bas engelgleiche Antlitz Letitias, bie recht bleich unb mager geworben war. Gleichwohl wäre es ein Dina ber Unmöglichkeit, schöner zu fein, als bie jugenbliche Prinzessin damals war. L-,e hatte einen Kopf wie Kleopatra. Ich zitttrte am ganzen Kör- aiufi hi rof,r -faUm beherrschter. Ihre Augen waren zu Boden geschlagen auch die meinen waren es. Wir schwiegen, aber bie Amme in ihrer Neugier unb brennenben Ungebulb, bie Absicht ihrer jungen Herrin zu efP»nr$Ri'JrmUntlrte schließlich zu sprechen. Letitia seufzte, schien sich E" Juck zu geben unb richtete an mich bie Worte:Herr Grenze ich l be SEe Ihnen mein Verhalten inkonsequent erscheinen,3mein Herz ist untabelig und Sie können mir Ihre Achtung nicht verlaaen wenn S.e n cht ungerecht erscheinen wollen." Sie hieltinnealserwartt sie eine Antwort. Meine Verwirrung hatte so zugenommen daß es mir unmöglich war, auch nur ein einziges Wort über bie Lippen zu PPüfA»" «?'8 begann abermals: Ja Herr Greuze, ich liebe Sie. Ant-

Jean Baptiste Greuze, berMaler ber jungen Mäb- Ken des vorrevolutionären Frankreich, erzählte als betagter unb in zweifelhaftem Eheglück geplagter Mann seinen Schüle­rinnen im Atelier folgendes Erlebnis in einer wohlgelaunten Stunde, seine Schülerin Madame de Valori, schrieb am nadjften Tage ben hebensroürbigen Hergang getreu auf. Ihre Wiedergabe halt sich frei van literarischer Ueberlagerung so daß wan aus den Zeilen noch das gesprochene Wort des Mei­sters in unmittelbarer Frische zu hören meint. Ein in ber Er- innerung verklärtes Erlebnis hat sich ihm im Unterbewußtsein 3U einem Kunstwerk von ber psychologischen Delikatesse ge= ftaltet, bie mir aus seinen anmutigen Bilbnissen kennen. Das auch vom kulturgeschichtlichen Standpunkte beachtenswerte Do­kument wirb hier zum ersten Male ins Deutsche übertragen p?..b'etet vor allem eine Bereicherung bes Bilbes ber Per­sönlichkeit bes Greuze, besten künstlerische Entwicklung gewiß burch den starken seelischen Anteil, den er an dieser Liebes- begebenheit nahm, entscheidend beeinflußt wurde. Besagte Prinzessin schwärmt aus den Augen all der sammetweichen meschapfe feines Pinsels.

h 'neiner Jtalienreise gab man mir Empfehlungsbriefe an

* der mich mit ber größten Herzlichkeit aufnahm. Der Fürst

ttre"»r b8"e nur eine Tochter, eine entzückende Tochter, bie

- hui m Nnmut noch burch den Reiz ihrer Talente erhöhte. Letitia f' 9fa^e. ~ huldigte mit viel Freude der Malerei, und da ihr fnmm«;, baP. eben genug davon verstand, um zu ihrer Verooll- ÜLNUN,.N dieser Kunst behilflich zu fein, wurde ich ihr Lehrer. So tonfJ h b'8. Prinzessin leicht öfter sehen, unb bald nahm ich beutlich Glück hnPjnmne 6tun?e," 'hrem Herzen gefährlich würben, baß ich das hatte ihr zu gefallen. Ohne die Liebe, die ich selbst füi

KBone Schülerin empfand, hätte ich wahrscheinlich gL°,e.ll Gefühle gezeigt, aber ich liebte sie mit allen F< »er Uhm .bie sie wie man nur mit 20 Jahren liebt, unb meine eigne einfn w, Sab mix Klarheit über bie, bie ich bei Letitia entfachte. Für tot-närfifn 9wb-ttt önü,rf)tc mich diese Entdeckung zum glücklichsten aller van Liebe galt einer ber Schönsten Italiens, unb ich würbe

-ch acktet^'n-mr9^'mf-^°^ 1* kurze Zeit empfand ich diese Wonne, hätte ihr ®kuck zu hoch, als bah ich es über mich vermocht

berbfirfion o-e*2* 'Pcr'\ 3U .öffnen. Ich wollte sie befreien von meiner ver­wich mcht b,UrPc f'e nicht beschweren mit meinen Seufzern, bürste ie mir ein ^haften unb zärtlichen Gefühlen bingeben, bie

Zwischen i P und Geburt hatten eine unüberbrückbare Kluft

&rn 5 Z^egt. So verließ ich das Palais O.

Mir eine b»ft?ern:®e('cbtcn befiel mich eine schreckliche Traurigkeit, die Monhers ®nge (Epigramme von feiten meiner Akademiefreunbe eintrug, Denn mein?" öragonarb, ber mich ben verliebten Cherubin nannte. ®ahrhXvI'6en Haare waren bamals üppig gelockt unb hübsch blonb. Letitias Vein'^,-tnP/^hr Unglücklich, und um so tiefer, als ich auch t»it sch '"'fiiik Denn ich malte mir aus, daß sie denselben Dualen P -gegeben sei. Meine dumpfe Betrübnis erhielt neue Nahrung:

Anfuhr, sie fei krank, und bie Ursache bes Uebets fei nicht zu enträtseln. 5??" onsm-emem ^3®" aus bas ihre schloß, war ich so kühn den wahren Grund in meinem Fernfein zu erblicken, und dieser Gebank" meine Leidenschaft. Ohne Unterlaß schweifte ich um das üheP tt-?^m?Gv3rpb'.f°rgfaltlg verschaffte ich mir jeden Tag Gewißheit por Letitias Zustand, und tausendmal kam mir die Versuchung, zu ihr zurpckzukehren, meine Liede zu gestehen und ihr freien Laus zu lasten 9

Das Lot Vernunft, das ich noch befaß, hätte mir vielleicht d e Krakt gegeben dieser Gefahr zu widerstehen, als m?ch b7r Herzog eines Tages beim Zeichnen antraf. Er madjte mi? ^mürfe b^ ^,111» hom?! brs b°f"^ie,. unb wollte unbebingt, ich solle ihn nach Hause begleiten unb zwei Kopfe von Tizian ansehen, bie er kürzlich er= teraeMMiV' ?DC^ter b®""' f>® 3» kopieren, wenn sie wttber^ ) geftel.t ist, fugte er hinzu,ich hoffe doch, Sie werden kommen und ihr wema nachsehen, sie wünscht es." Ich Leih nicht recht

9Rn t b?anse' ß,ehh? wiederzusehen, verwirrte nrch ich kettle Worte finden konnte. Der Herzog ha eine Kopie von diesen Tizianschen Köpfen ha! und fand mich in seiner Galerie zum Kopieren

Spätzin und Spatz.

Bon Gustav Schuler.

Spätzin und Spatz sind Schützin und Schatz! Schleifen und schleppen ahn' Leitern unb Treppen Flickchen unb Federlein, Stückchen von Leberlein Flöckchen unb Bröckchen, Härlein und Heu immer aufs neu!

Spätzin unb Spatz finb Schützin unb Schatz! Frau Spätzin, hu! ist plufterig! Herr Spatz ist glüh unb ghifterig! Sie jagen unb tragen! Wie sie sich sputen! Unb alle zwei Minuten müssen sie sich was sagen.

Kaum ist bas Restiein ba ... was da geschah? ...

Mitten in Federn unb Heu wupp! liegt bas erste Ei!

Meine römische Liebe.

Von Jean Baptiste Greuze.