stch an ihre Selk1. Tröihj fiiefr noch kmmer ihre Hand unter seinem Arn», blickte aber so wirr wie ein Schläfer im Traum von Gesicht zu Gesicht.
„Ich will Euch jetzt ein paar Wörtchen als guten Rat geben, mein Mädchen", jagte der Alderman in seiner leichten, angenehmen Weise. „Ihr wißt, daß es mir zusteht, Rat zu erteilen, weil ich Friedensrichter bin. Es ist Euch wahrscheinlich bekannt, daß ich die .Stellung eines Friedensrichters innehabe?"
Meg antwortete schüchtern mit ja. Aber jedermann wußte, daß Alder- man Gute ein Friedensrichter war — und. o mein Gott, weich ein tätiger Friedensrichter' Nie. gab es einen so glänzenden Splitter im Auge der Öesfentlichkett als Gute.
„Ihr wollt also heiraten, sagt Ihr?", fuhr der Alderman fort. „Das ist sehr unschicklich und unzart von einer Person Eures Geschlechts! Doch reden wir nicht davon. Wenn Ihr geheiratet habt, werdet Ibr mit Cuerm Mann streiten und ein unglückliches Weib werden. Ihr glaubi's vielleicht nicht, aber Ihr werdet es mit der Zeit, weil ichs Euch Jage. Ich warne Euch deshalb ehrlich und bemerke Euch zum voraus, daß sch mir vorge- nommen habe, auch den unglücklichen Weibern einen Riegel vorzulchieben. Mir dürst Ihr nickt kommen. Ihr werdet Kinder kriegen — Jungen. Diese Jungen wachsen auf bösen Wegen auf und laufen ohne Schuhe und Strümpfe wild durch die Straßen. Merkt Euch dies, meine junge Freundin — ich werde sie samt unb sonders summarisch einstecken la’feit. denn ich bin entschlossen, auch den Buben ohne Schütze und Strümpfe das Handwerk zu legen. Vielleicht stirbt Euer Mann jung (sehr wahrscheinlich) und läßt Euch mit einem Säugling zurück.- Man weist Euch dann die Tür, und Ihr müßt auf der Straße umherwandern. Kommt aber nur mir nicht in die Nähe, meine Liebe, denn ich bin entschlossen, es'allen wandernden Müttern zu legen. Ja, ich bin entschlossen, es allen jungen Müttern, welcher Art, und von welchem Schlag sie jein mögen, zu legen. Glaubt nicht, Ihr könnt Euch mit Kranlheit'ooer mit Säuglingen vor mir entschuldigen, denn ich habe mir vorgenommeu, es allen kranken Personen und kleinen Kindlein (hoffentlich kennt Ähr die Stelle tm Gebetbuch, ich fürchte aber, nein) zu legen; und wenn Ihr gar verzweifelt, undankbar, gottlos und betrügerisch einen Versuch macht. Euch zu ersäufen oder au hängen, so will ich kein Mitleid mit Euch haben, denn ick bin feste» Willens, es auch dem Selbstmord zu legen! Wenn es etwas gibt," fuhr der Alderman mit einem selbstgefälligen Lächeln fort, „von den; ich sagen kann, daß mein Sinn mehr darauf erpicht sei als aus etwas andres, Jo ist es das Legen des Selbstmordes. Probiert's also nicht erst! Ha ha! Jetzt verstehen wir einander.",
Toby wußte nicht, sollte er sich mehr grämen oder freuen, als er bemerkte, daß Meg totenblaß nniröe mib die Hand ihres Verlobten fallen ließ.
„Und was Euch betrifft, Ihr junger Bullenbeißer," fuhr der Alderman fort, indem er sich mit erhöhter Heiterkeit und Leutseligkeit an den jungen Schmied wandte, „was füllt Euch denn ein, daß Ihr heiraten wollt? Wozu braucht Ihr überhaupt das Heiraten, Ihr einfältiger Mensch? Wenn ick ein hübscher, starker junger Bursche wäre wie Ihr, so wurde ich mick schämen, so milchsuppig zu sein, um mich an die Schürzenbänder eines Weibes zu hängen! Sie ist ein altes Weib, bevor Ähr', ein Mann in den besten Jahren seid! Und Ihr werdet dann eine schöne Figur machen, wenn Euch auf Schritt und Tritt eine Schmutzliese von Frau und ein Haufen krakeekender Kinder nnchschreien!"
Oh, wie angenehm wußte Alderman Gute mit den gemeinen Leuten zu scherzen!
„So — jetzt packt Euch und bereut", sagte der Alderman. „Macht keine solche Narren aus Euch, am Neujahrstag zu heiraten. Bevor sich dieser Tag jährt, seid Ihr längst andrer Meinung — so ein schmucker junger Bursche wie Ihr, nach dem sich alle Mädels den Hals ausrecken. Allo! Geht jetzt!"
Und sie gingen. Nicht Arm in Arm, Hand in Hand oder leuchtende Blicke austauschend: sondern sie in Tränen, er aber düster und niedergeschlagen. Waren dies die Herzen, die erst kürzlich noch das des alten Toby aufhüpfen machten aus seiner Schwäche? Nein, nein. Der Alderman — Segen über sein Haupt! — hatte es ihnen „gelegt."
„Da Ihr zufällig hier seid," sagte der Alderman zu Toby, „so könnt Ähr mir einen Brief besorgen. Wie stehts aber mit der Geschwindigkeit? — Ähr seid ein alter Mann."
Toby der ganz betäubt Meg ncichaesehen hatte, versilchte zu nmrmeln, daß er sehr hurtig und recht gut bei Kräften sei.
„Wie alt seid Ihr?", fragte der Alderman.
„Sechzia vorbei, Str", versetzte Toby.
„Der Mann hat das Durchschnittsalter w-it überschritten", fiel Herr Fiter ein, als ob seine Geduld wohl einer Hein'.siichnng fähig fei, dies aber wirklich die Sache ein wenig zu weit treiben heiße.
„Ick svüre wohl, daß ich zur Last bin. Sir", sagte Toby. „Ich — ich fiab’s schon heute morgen geargwöhnt. Ach du mein Himmel!"
Der Alderman unterbrach ihn, indem er einen Brief aus feiner Tasche zog und ihn Toby Beck Übergab. Letzterer würde dazu auch einen Sckilliva erhalten haben: da aber Herr Fiter deutlich bewies, daß er in diesem Fall eine gewisse oeaebene Anzahl von Personen je um neuneinhalb Pence brinne, so erhielt er nur ein Sechspencsstlick und war schon darüber Überal'icklick.
Daan gab der Alderman jedem seiner Freunde einen Arm und zog triumphierend von dannen: unmittelbar darauf kam Sk jedoch eiligst allein zurück, als ob er etwas vergessen hätte.
„Dienstmann!" faotc der Alderman.
„Sir!" versetzte Toby.
„Gebt auf Eure Tochter acht. Sie ist viel zu schön."
„Derm'stlich hat sie auch ihr hübsches Gesicht jemandem gestohlen", dachte To*fn. indem er dos Sechspencestück in seiner Hand ansoh und an die KntteMeck» dachte. „Sollte mich nicht wundern, wenn sie fünfhundert vorn-bmen Samen je ein Stück Blüte entrissen hätte, 's ist ja ganz schrecklich!" '
Er preßte seine r dem Zerspriw
» »s.lt ist viel zu schön mehi guter Mann", wiederholte der Alderman. , tni ^raus, daß es mit ihr kein gutes Ende nehmen wird L»9, Euch sage, und habt ein Wachlames Auge au? siel" Mit diesen Worten eilte er wieder fort.- ’
. "Ueberall Unrecht - Ueberati Unrecht!" sagte Trotty, feine Hände "<Sd,On 0,9 stecht geboren! Nichts hier^ zu
? Glocken tönten hallend zusammen, als er diese Worte sprach — ©pur banon’"^ ?ra ! 9 tönend, aber ohne Ermutigung. Nein, «ine . "i??»^isehat sich geändert", rief der alte Manu, als er aufhorchte. t>9.4 " G eEnc Sicke darin, an der man eine Freude haben könnte.
Laßt intzh'sterben! ®fl3 0e^ mid) 003 neue oder das alte Äahr an?
Dennoch hallten die Töne fort, daß die ganze Luft in Schwingungen geriet: „Leg es ihnen, log es Ihnen! Gute alte Zeiten, gute alte Zeiten! Tatsamen und zahlen, Tatsachen und Zahlen! Leg es ihnen, leg es «men! Wenn sie überhaupt etwas sagten, so sagten sie nur dies, bis es in Tobys Gehirn zu kreisen begann.
Er preßte seinen armen, wirren Kops in beide Hände, als ob er ibn vor dem Zerspringe-! bewahren wollte. Dies war eine Bewegung zur rechten Zeit, denn sie ließ ihn in der einen Hand den Brief fühlen und so wurde er an seinen Auftrag erinnert. Mechanisch setzte er sich in feinen gewöhnlichen Trao und trottete von hinnen.
Der Brief, den Toby von Alderman Gute erhalten hatte, war an großen Mann in dem großen Distrikt der Stadt adre fiert. Der größte Schritt der Stadt. Er mußte es auch wodl fein, well er allgemein von feinen Einwohnern die „Wett" genannt wurde.
Der Brief kam entschieden Tobys Hand weil schwerer vor, als ei» andrer Brief — nicht weil ihn der Alderman mit einem sehr große» Wappen und einer endlosen Lackverschwendung gesiegelt hatte, sonder» wegen des wichtige!, Namens auf dem Umschlag und der schweren Meng« van Gold und Silber, an die er erinnerte.
->^10 gan’ verschieden von uns!", dachte Toby in aller Einfalt, als er die Adreise as. „Wenn man die zum Tod bestimmten Schildkröte» duraj die Anzahl der vornehmen Leute teilte, die sie kaufen könnten, würde er nur seinen eigenen Anteil beansprmhen und würde es verachten, irgendeinem Menschen die Kuttelitecke vor dem Mund wen- zuscknappen!"
Mit der unwillkürlichen Huldigung, die einem so hochstehenden Charakter gebührte, brachte Toby einen Zipfel seiner Schürze z-vlkchen den Brief und seine Finger.
„Seine Kinder," fuhr Trotty fort, und ein Nebel legte sich vor seine Augen, „seine Töchter — vornehme Herren können kommen, ihre Herze« gewinnen und sie heiraten. Sie dürfen glückliche Weiber und Mütter roerde» — sind vielleicht schon, wie meine liebe M — e —
Er konnte den Namen nicht zu Ende bringen, denn der letzte Buchstabe schwoll in seiner Kehle zum Umfang des ganzen Alphabets an.
»Doch gleichviel", dachte Trotty. „Ich weiß, was ich meine, und das ist mehr als genug für mich."
Uno mit dieser tröstlichen Betrachiung trabte er weiter.
Es hatte an diesem Tag hart gefroren, und die Lust tvar stärkend, frisch und klar. Die winterliche Sonne gab zwar keine Wärme, blickte aber glänzend auf das Eis nieder, das sie nicht schmelzen konnte, und ließ darin ihre Strahlen spiegeln. Zu andern Zeiten hätte Trotty vielleicht dieser Wintersonne eine Lehre für den armen Mann abgeroinnen können, aber er war jetzt darüber hinaus.
Das Jahr war stervensalt an diesem Tag. Das geduldige Jahr hatte die Vorwürfe und Schmähungen feiner Lästerer überlebt und war getreulich mit seinem Werk zustandegekommen. Frühling, Sommer, Herbst. Winker. Es hatte sich durch den ihm angewiesenen Kreislauf gearbeitet und legte jetzt fein müdes Haupt nieder, um zu sterben. Abgefchnstien von aller Hoffnung, von allen starken Impulsen, von allem Lebendigen, und nur noch ein Bote vieler Freuden für andre, verlangte es weiter nichts, als daß man sich seiner vielen mühsamen Tage und geduldiae« Stunden erinnere und es dann in Frieden hinscheiden lasse. Trotty hätte aus dem entschwindenden Jahr ein Sinnbild des armen Mannes lesen können — aber er war jetzt darüber hinaus.
Und nur er? Oder war vielleicht seit siebzig. Jahren derselbe Ausruf zumal an jede» englischen Arbeiter ergangen, aber vergeblich?
Die Straßen waren belebt und die Läden prunkhast ausgestattet. Wie einem jugendlichen Erben der ganzen West sah man dem neuen Jahr mit Freude. Willkomm und Geschenken entgegen. Da lagen Bücher und Spielzeug für das neue Jahr, funkelndes Geschmeide für das neue Jahr, Anzüge für das neue Jahr, Glucksentwürfe für das neue Jahr: neue Erfindungen. um es um feine Zett zu betrügen. Sein 8eben war in Kalender» und Taschenbüchern baargenau eingeteilt: das Erscheinen der Monde, der Sterne und der Gezeiten war im voraus bis auf die Sekunde bekannt: ja sogar das Wirken der Jahreszeiten bei Tag und bei N"ckt wat mit ebenso großer Genauigkeit berechnet, wie Herr Stier aus Männern und Weibern Summen herausarbeiten konnte.
Das neue Jahr, das neue Jahr — überall das neue Jahr! Das alte betrachtete man schon als tot, und feine Effekten wurden spottbillig verkauft, wie die eines ertrunkenen Matrosen an Bord. Seine Moden wurden schon der Vergangenheit beigezähi! und fielen als Opfer, ehe nach fein Atem ausgegangen war. Seine Schätze waren bloßer Schmutz neben den Reichtümern des neugeborenen Nachfolgers!
Trotty dachte für sich: „Du hast doch feinen Teil weder an dem neue« noch an dem allen Jahr."
„Leg «s ihnen, leg es ihnen' Tatsachen und Zahlen, Tatsachen unb Zahlen! Gute alte Zeiten, gute alte Zeiten! Leg es ihnen, leg es ihnen! — fein Trab ging nach diesem Takt unb wollte sich in keine» andern schicken. (Sortierung folgt.)
Derantwortlich: Or. Hans Thyrist. — Druck und Darlag: Brühl'fche ÄnlverstL8lS-2»ch« unb'©Uinbrudeeei;®. Langs. Gießen.


