Ausgabe 
21.12.1928
 
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Bon da Luther bekannt war.

Es ist nicht der einzige altere Baustein, den «r in sein zweites Weih- nachtslied eingebaut hat/Die Melodie, nach der wir heuteDom Himmel hoch"' singen, 'steht Werst in einem Leipziger Gesangbuch von 1539 und ist kurz vorher von Luther komponiert. Sein Text ist aber elf Jahre

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gefordert. Sehr früh, schon im 12. Jahrhundert, finden wir In Deutschli ausgebildete Osterspieis vor. Jünger sind wieder die entsprechenden Wi nachtsspiele. Aber auch das Weihnachtsevangetium lLukas 2)gab eitle gute Grundlage, und so hat doch wenigstens schon das spätere Mittelalter ein kirchliches Weihnachtsspiel entwickelt.

In der Wittenberger Kirche, wie sie Luther vorfand, herrschte twist Mittelalter her als gern geübte, dem Volk vertraute Sitte eine schlichte Weihnachtsfeier im lebenden Bild. Man stellte in der Kirche eine Krippe auf, davor knieten ein jüngerer und ein älterer Geistlicher, verkleidet als Maria und Josef, dahinter standen Ochse und Esel, in einfachster Weise aus Holz geschnitzt, seitwärts der Prophet Micha mit einer Schriftrolle. Im Hintergrund aber gab eine ländliche Szenerie den Rahmen für die Verkündigung des Engels an die Hirten auf dem Felde ad. Dieses stumme Bild fand Luther twr. er bat es fieteM durch sein LiedVom Himmel Hock, da komm ich her",, bas zuerst 1528 gedruckt ist. Das Lieb verteilt an die verschieden?'' Grupven des lebe" ^en Bildes verschiedene Strophen «ks Text und ermöglicht so, daß das Ganze von Kindern mit den ein. Kisten Mitteln aufgeführt wurde. Der Weiynachtsengel beginnt und

rt seinen Bericht durch fünf Strophen bis zu den Erkennungszeichen des Neugeborenen. Bis dahin hat der Kinderchor, die älteren als Hirten verkleidet, still gelauscht, nun singt er die JubekstrophsDes laßt uns alle fröhlich fein", Hinter einem Vorhang, der nun bei Seite gestreift wird, erscheint die b-iiige Fvmilis, in ihrer M'"e die Krippe. Lüe Kinder beten Jesus an:Bis willekomm, du edler Gast", und mntanzen zum Schluß die Krippe mit dem Kehrreim eines uralten Wiegenlieds, Susa« ninnc, der alten Mutterliebkcstung beim Kinderwiegen, die schon in viel älteren katholischen Weihnachtsliedern auf das Christkind angewendet und

So teilt Hostmann von Fallersleben das vierstrophige Lied aus der Jnzkofer Handschrift von 1470 mit. Hundert Jahre früher taucht es in den Niederlanden auf, die ganze ältere Ueberlieferung weist es an den Rhein, nach dem Andernacher Gesangbuch von 1608 ist es damals dort noch lebendig gewesen. Im 17. Jahrhundert wird es Joh. Tauler zvgeschrteben, bei diesem späten Auftreten der Nachricht völlig unglaubhaft. Diel eher dürfen wir damit an einen alten rheinischen Dolksbrauch anknüpien, den . Jak ab Grimm einer Quelle von 1133 nacherzählt. In einem Wald ver Inda im ripuariichen Franken wurde ein Schiff gezimmert, un.en nut Rädert! versehen und durch vorgespannte" Menschen erst nach Aachen- dann nach Maastricht geführt. Hier kamen Mast und Segel hinzu, nun ging es weiter nach Tungern, Looz und im Land herum, überall, unter großem Zulauf des Volks. Ws das Schiff anhielt, war Freudenschrei Jubelsang und Tanz bis in die späte Nacht. Die Ankunft des '»chiis? sagte man vorher den Städten an, die öffneten die Tore, und In Bürgerschaft zog dem Schiff feierlich entgegen. Der geistliche !8crW> erstattet' ist dem ganzen Wesen gram, er sieht darin ein simdbaftesh.i^ nischcs Werk und sucht es auf alle Weise zu hintertreiben. Das ist em wertvoller Fingerzeig darauf, daß in dem Räderschiff beim Niedern Vvi. uralt heidnische Bräuche fortleben. Die Geistlichkeit Hut ja seitdem alle Derartige wirksam unterbunden, zumeist dadurch, daß sie schmiegsam den christlichen Kult herübernohm, ums sich irgend annebmen Netz.-un» so heidnische Unsitte oder was sie dafür hielt mit sanfter Gewalt m «rm liehe Sitte überführte. Gerade bei den Festfeiern Ist das,hund-rkwch wahrnehmbar und damit legt sich der Verdacht nahe, daß auch da. ^ nachtslisb vom Rheinschiff die kirchliche Umbildung jenes uralten mit dem Mderfchiff dorstelle.

Oster- und Pfingftlied sind gut mittelalterlich, das ist ein guter Grund, ein gleich hohes Alter für das entsprechende Weihnachtslied anzunehmen, für das sonst alte Zeugnisse fehlen..strophlg wie jene und darum irr. Stil merkwürdig gedrängt, gleich einfach und getragen, vorn Lob Gottes über eine knappe Erzählung zu Preis und Jubel fortschreitend und in ernstem Gegensatz dazu ausklingend in den fremdartig wehmütigen Schrei um himmlisches Erbarmen: so ist das alte Weihnachtslied der Pfingft- und Ofierftrophe unbedingt vergleichbar. Auch die Weife zeigt unverkennbare Merkmals des höchsten Alters: in lauter ganzen Tönen und lauter gleich langen Roten schreitet sie fort, kennt nur die einfachsten Tonschritte und klingt für unser Ohr feltsam unfertig aus. AL das weist auf höchstes Alter, und damit bekommen wir für den Gesang in der Kirche des deutschen Mittelalters ein einheitlich klares Bild. Der Kirchengesang war lateinisch, wie aller Gottesdienst, nur an den drei hohen Festen erlaubte man der deutschen Gemeinde, ei» einstrophiges deutsches Lied zu singen. Einstrophig ist auch dieses älteste Weihnachtslied urfprüngli h gewesen. 1524 hat dann Luther, wie er es für die erweiterte Teilnahme der Gemeinde am Gottes­dienst brauchte, sechs weitere Strophen hinzugedichtet. ganz, wie er das alte Pfingftlied mit drei Strophen erweitert hat. Das ist eines der Ver­fahren, mit denen Luther dem notleidenden Gemeindegesang aufhalf, mit richtigem Takt und einer künstlerischen Kraft, die die junge Fassung des alten Edelsteins würdig werden ließ. Gerade bei feinem Weihnachtslied ist die dichterische Kraft und Fülle wundervoll; auch der Erfolg hat dem Reformator Recht gegeben: durch 400 Jahre hat sich sein Choral in immer junger Kraft lebendig erhalten.

Gelobet seist du, Jesus Christ" ist nicht Luthers einziges Weihnachts­lied geblieben. Ein anderes führt in eine ganz andere Vorgesch chic hinein, in das Weihnachtsspiel, von dem wir darum vorhin den Ausgang ge­nommen Haden. Auch in der kirchlichen Dramatik ist Ostern längst vor Weihnachten bedacht worden. Das Evangelium des Osterfestes, die Be­stattung Christi, dis Wache am heiligen Grab, die schlafenden römischen Kriegsknechte davor, die Auferstehung des Heilands, der Gang der dre? Marien zum Grabe, die zu früher Komik lockende Szene, wie sie beim Würzkrämer Salbe kaufen, zum Grab eilen und die Auferstehung ent­decken all das hat eine dramatische Behandlung geradezu heraus- nekorbert. Kebr früh, tonn im 12. Jahrhundert, finden wir in Deutschland

-und auch Weihnachtlich, aber sicher kein Lied zum Gesang, sondern ein Spruch zum Sprechvortrag. So bleibt das älteste Weihnachtslied, weih­nachtlich und liedmähig, dazu von vornherein sicher völlig deutsch, dis ehr- Mürdige Strophe: _ . ,, .

Gelobet seist du, Jesu Christ,

Daß du Mensch geboren bist

Von einer Jungfrau, das ist wahr. Des freuet sich der Engel Schar. Kyrieletsi

Daneben steht ein altes Pfingstlied, das gleichfalls heute noch in der Kirche gesungen wird:

Nu bitten wir den heiligen Geist Um den rechten Glauben allermeist, Daß er uns behüte an unserm Ende, So wir heim soll'n fahren aus diesem Elende. Kyrieleis!

Das einstrophige Lied ist gut mittelalterlich, wenn wir es sonst nicht Wüßten, könnten wir es aus dem letzten deutschen Wort entnehmen: Elend bedeutet nochVerbannung". Die Erde gilt als Fremde, der timmel als Heimat der Seele. Diese Bedeutung ist dem Wort schon im tufc des Mittelalters abhanden gekommen, schon darum ist die Strophe alt. Sie wird aber auch unmittelbar bezeugt durch eine Predigt Bertholds von Regensburg, der 1272 gestorben ist. Auch das entsprechende Osteriied ist seit dem 13. Jahrhundert bezeugt, wie es Goethe als den gegebenen Träger frommer Osterstimmung seinem Faust eingefügt hak:

Christ ist erstanden von der Marter alle. Dee sollen mir alle froh fein, Christ will unser Trost fein. Kyrieleisi

älter, und vorher iM er mit einer anderen Welse auf, die wohlbekannt ist als weltliche Weise beim Kranzsingen und im 16. Jahrhundert a.-f allen Tanzplätzen immerfort zu hören war. Das volksmäßigs Kranzsingen war im 16. Jahrhundert eine sehr wichtige Seite des Volkegesangs, zugleich die heiterste Blüte unseres alten Rätselwesens. An Sommertagen ver- fammelte sich die Jugend des Orts um die Linde, die Jungfrauen spen­deten einen Kranz und verhießen ihn dem, der das beste tut im Singen und vor allem im Rätselraten: das heißt dann um das Kränzlein singen. Die Aufforderung dazu gibt der Räiselmeister oder eines der Mädchen in den feststehenden Versen:

Ich komm aus fremden Landen her Und bring euch viel der neuen Mär. Der neuen Mär bring ich so viel, Mehr denn ich euch hier sagen will.

Und nun folgen die Rätsel. Also auch schon die Rätselmeister geben sich als Boten aus fernen Landen, das «lte Motiv ist fast unverändert in Luthers erste Strophe eingegangen, das Metrum ist genau so geblieben, und die Melodie, die die ältesten lutherischen Gesangbücher dazu geben, ist fast Ton um Ton dieselbe, wie beim Kranzsingen. Damit ist dieses Weihnachtslied als sogenannte Kontrafaktur erkannt, als geistliche Nach­bildung eines weltlichen Textes unter Beibehaltung der weltlichen Weise. Diese Gattung ist im Zeitalter der Reformation wichtig gewesen: in ihrem evangelischen Gemeindegesang brauchten die Reformatoren Choräle, für die Texte konnten sie anskommen, aber die geeigneten Melodien ließen sich so rasch, wie die stürmische Praxis sie brauchte, nicht beschaffen. Da­gegen hatte das weltliche Lied eine Uebersülle sangbarer Weisen: io griffen Luther und die Seinen in jenen Schatz hinüber und legten den allbekannten weltlichen Weisen ihre neuen geistlichen Texte unter. Sie erreichten damit zugleich, daß die neuen Choräle von vornherein im Ge­meindegesang geläufig wurden, denn jedem mären diese Melodien und der Anfang der Worte vertraut, und mit dieser Annehmlichkeit wurde der Nutzen verbunden, daß man manches Trink-, Rauf- und Buhlliedchen unschädlich machen konnte durch einen neuen unschädlichen, Gott wohl­gefälligen Text. In dieser Richtung ist die Kontrafaktur später dem Volks- gefang geradezu feindlich geworden; unsere Kenntnis der weltlichen Liedertexte der Resormaiionszeit leidet beträchtlich unter dem Bestreben, immer und überall den jungen ge.stlichen Text vorzusch eben und ihn allein mitzuteilen. Aber bei.Sucher kann von solcher Absicht noch nicht die Rede lein, er war genial mit keinem Griff ins Volkslied und schuf daraus wieder ein Werk, das sich rasch selber volle Bolkstümlichkeit erworben hat und sie durch vier Jahrhunderte zu bewahren weiß.

Auch di« alte Volksweise des Kranzstngens lebt in einem LutherfckM Choral fort. Er hat 1543 noch ein drittes Weihnachtslied erscheinen lassen:

Vom Himmel kam der Engel Schar, Erschien den Hirten offenbar...

Hier ist der Text vom Volkslied unabhängig, Luther hat einfach ein Stück aus Lukas, Kapitel 2 in Verse gebracht, und so hat auch die gang- bare Weise diesen Choral nicht recht beflügeln können.

Rach Luther ist das 16. Jahrhundert die Blütezeit des geistkicheu Volks- liebes geworden, wie das 15. die Blütezeit des weltlichen war. Die Reformation bringt das deutsche Kirchenlied hervor, das dann bis heute nie ganz mit der guten Hebcnieferurg alter Volkskunst gebrochen hat. Ihm kommt gleich in der Zeit feiner Entstehung jener Zug zur Derlnner. lichung und religiösen Vertiefung zugute, der die Reformation überhaupt heraufgeführt hat. Später ist in den Zeiten der schwersten Not, im 17 Jahrhundert, das Kirchenlied das starke Band geworden, das die altere Zeit der deutschen Dichtung mit der neueren verknüpft, der einzige Faden, der nie ganz abaerisien ist. In dieser ganzen Entwicklung liegt er begründet, daß auch im Kirchenlied jetzt wenig altes Sangesgut noch fort» lebt, daß ein Alter von vierhunderi Jahren hier schon ehrwürdig ist. Nur glückliche Ausnahmeverhältnisse haben landschaftlich einmal ein älteres Lied beim Leben erhalten. Bon eigenartiger Schönheit und nach allem, was wir wisien, von ehrwürdigstem Alter ist ein selten gewordenes Weihnachtslied rheinischer Schifftleute:

Es kommt ein Schiff geladen Recht auf fein höchstes Bort. Es bringt uns den Sohn des Vaters, Bringt uns dos ewig Wort ...