kuckten einige Bergstelzen-Pärchen nach geeigneten Nistplatzen. Ueberall begannen die interessanten Balzspiele und Liebeslieder und viele große und kleine Vogelmütter harren schon sorgsam in der Vorfreude des kommenden Nordlandsommers auf ihren Eiern, oftmals von zierlichen Kücken und ihren Mutterrufen träumend, während die Vögel in der Nähe ihrer Brutstätten aus Wiesenhöckern wohlig in der warmen Sonne ihr' Gefieder ordnen und schließlich ein sröhlich dankbares Lud anstimmen doch so ganz anders als in dem großen südlichen Heimatland.
Ueber der weiten Fjordebene kreist der K o h l r a b e, der kernige, kluge Geselle, der so ausgezeichnet in die wild--romantische Landschaft paßt Schon wieder belebt der alte Seeadler durch seine gewaltige Gröhe und Schönheit seiner Flugbilder die Landschaft, aber auch hier weiß er Abstand zu halten! Wurde er doch sicher schon oftmals durch den sausenden Pfiff einer Kugel aufgeschreckt oder ver purte er gar am eigenen Körper die Wirkung der brennenden Schrote? Sem Helles, scharfes Auge entdeckt selbst die verborgenste Gefahr Und dort vom Felienhang streicht im blitzschnellen gewandten Fluge der unter all den vielen „Vogelfreien" geschützte, weil durch die menschliche Sammlungswut leider so selten gewordene Island-Falke und holt sich muhelos seine Abendmahlzeit unter den Tausenden. Auch er kündet den Fruhllng an, denn sein prächtiges, schneeweißes Winterkleid macht bereits einem neuen grau-braunen Platz. Auf den ausgedehnten Wiesen und Wecken grasen zahllose, oftmals drei- und vierfach gehörnte, kurzschwanzige Schafe, jedes einzelne durch zwei oder drei lustig smeleicke „Pfingst- Lämmer" erfreut, um deren Wohl sich die ganze mütterliche Aufmerksamkeit und Sorae bewegt. Denn überall in den Felsklusten, den zahlreichen Spalten und Höhlen der nahen Lavaselder regt sich auch wieder junges Leben, aber ein Frühlingsleben das auch diesen focht so glücklichen Geschöpfen der einsamen Insel im Nordmeer vom „Kamps ums I Dasein" erzählt. Zahlreiche Polar- und Blau-Fuchse unternehmen fetzt ihre Pirschgänge bis in die Weidegebiete, um mit lohnender Beute zum wohlverwahrten Verließ ihrer niedlichen Welpen zuruckzukehren. 3m Abendrot wiehert ein feines Stimmchen, das neugeborene zierliche Fohlen eines Island-Ponys, nicht viel größer als ein Foxterrier und doch wieder ein Beweis der erwachenden Natur nahe am Polarkreis.
So ist der Maientag und ebenso belebt auch die lichte Friihlmgs- I „acht" Alle die Geschöpfe wollen.nach den vielen überstandenen Gefahren des langen nordischen Winters voll und ganz die ihnen bescherten Freuden einer so kurzen bevorstehenden Sommerzeit, genießend erschöpfen. Und die Natur gibt ihnen hier reichlich Gelegenheit. Immer „langer werden ! die Tage, bis ihnen schließlich in kaum zwei Wochen völlig du. Nach | weicht und der Sommer ein einziger anhaltender Tag bleibt, der ihnen j allen und auch uns das schönste Ereignis, das größte Naturwunder bet I Polarwelt, die Mitternachtssonne, zu schauen gibt.
II.
Segelfahrt in isländischen Gewässern.
Hör auf mit dein Dechant," schreit der Wirt zornig - für» Girgl i chhört das Grob ,net sürn Dechant ..."
nnh ick kaa der Dechant... zetert der Kramer.
iber Wirt haut mit der Faust auf den Tisch: „Zahlst du dos Grob | oder zahlt's d' G'moa ...!?"
„Zahlst cis vielleicht du ... ? ?
Ein Wort gibt das andere. „ I
Der Bürgermeister kann dem Wirt gerade noch >n den Arm fallen, j als er dem Kramer eine langen will. , I
Gebt's a Ruah, Manner," sagt der Moosrieder, „t nwan, dosell ,s I a'w'j'ß daß d' G'moa an Girgl ehrenhalber a Grob gibt — — G hort sie j aa." — Der Lohrer meint: „Muschelkalk. So, wie das Kriegerdenkmal. Do wär' noch so ein Block beim Steinmetz übrig ..." , I
„Manner", sagt der Professor gütig und begütigend. „I bin ,a no net g'storb'n. Aber -freu'n tuat's mi do, daß mir ös de Ehr o teats und daß S ma G'moa a Grob gibt..." Er schmunzelt.
„Feit si nix, Girgl," kräht der Kramer und hebt die dritte Maß auf das 1 Wohl des Geburtstagskindes.
„Sollst leb'n aa, Girgl, weilst net hüwern kannst!
Die Festgäste lachen. Die Stimmung ist wieder aus Kamps uno Widerrede zu Heiterkeit gediehen. Die vier Gemeinderäte haben rote Kopfe. Der Maßkruq geht vom Tisch zum Faßl und vom Faßt zum Tifch ... So um । sieben Uhr abends läßt der Wirt den zweiten Zwanzigerbanzen auffahren. |
„O'schaug' lass'n, na, mein Liaber. Dös braucht sie inser @ tnoa net i lass'n in der Stadt, drinn — bals an Girgl frag'n, ob ma no g feiert । hEtzu'pp — da, Girgl, sag i, hupp — muaß sei Grob kriagn, sag i--* !
'Und a d' Maua hi zum Dechant zuawi ..."
Was du Bluatmensch," schreit der Wirt, „a d Maua? An Ei gang bi —" Drohend schwebt ein Maßkrug über dem Kramer.
Um acht Uhr abends ist der Maler der einzig nüchtern Ueberlebende. Den Kramer tragen sie bei allen Vieren zu seinem Häusl. yn öer Stube liegen im Eck zwei geleerte Banzen, am Tisch trauernd umgefallene Mahkrüge.-- „ _ , ., _ .
Aus dem Heimweg kommt dem Wirt eine Erleuchtung. Zum O feiern pört a Schiassats! Allaweil scho! — Do derf si d' G'moa net o schaugn
Wirt holt seine alte Reiterpistole und gibt eine richtige Ladung Pulver dazu. Sie ist noch vom Großvater und hat schon manches Neujahr und manche Hochzeit angeschossen.
Aber aufpassen muaß ma halt, daß net hmt naus geht.
Der Wirt schwankt mit dem Schießgewehr zurück. Benn Kramerhausl — beim Nachbarn vom Maler — faßt er Positur.
„Soll nur der damisch Kramer hören, was sich g hort beim O feiern! Mit abgewandtem' Gesicht nimmt — er die Pistole weit weggestreckt — Druckpunkt. Da — wumm — bätsch! Krach!! ,
Eben beim Losdrücken laust der Kramerhund, das Malefizoiech, in die Schußlinie und bleibt als Ocher der Ovation am Platz.
Noch am selben Abend mußte dann der Bader dem Wirt und dem
Kramer die Schädel cinbinden ... t
„Bal er glei mit ara Zaunlatt 'naus mi zuageht ...
„Bal er mir mein Hund daschiaht ..." ■ .
In sein Tagebuch aber schrieb der Prosessor Girgl Bachwieser am anderen Morgen mit leisem Schmunzeln ein:
„Ehret eure deutschen Meister, Dann bannt ihr gute Geister.
Egertsham, 20. Dezember 23.
Reisebrrefe aus Island.
Von Dr. H. Lotz.
I.
Frühlingserwachen am Borgarfjord.
Gestern, um die Mitternachtsstunde trafen unsere Postpserde mit ihrem kernigen Führer schwer bepackt auf unserer einsamen Fann ein | und brachten mir nach drei Wochen wieder einmal eine ganze Anzah. , lieber Heimatgrütze. Umflutet vom mitternächtlichen Nordlicht, durch all das geschäftige Leben ringsum über die Zeit hinweggetauscht, kehrte ich in mein provisorisck-es Reise-Laboratorium zurück und öffnete gespannt die lange erwartete Post. Die Petroleumlampe oder gar die in Island so ost vermutete „Tran-Lampe" brauchte auch jetzt noch nicht in Tätigkeit zu treten. Taghell war der laue Frühlingsabend, dem so plötzlich die lange schwarze Winternacht der nordischen Eiswelt gewichen ist. Erstaunlich scknell sind die letzten Tage gewachsen und mit ihnen ist der Frühling auch in die eisigen Gefilde von Thule eingezogen. Die ersten grünen Halme zeigten sich unter den dichten, grauen, verdorrten Grasbuscheln der ausgedehnten Wiesen und Weiden, und von den entfernten Hocy- almen unterhalb der schneebedeckten Bergriesen bekundet sich das Erwachen der Natur in lichtgelben Farben. Laut und wild, wie die ganze Landschaft, schreien und krächzen Brachvogel, Goldregenpfeiser und Küstenseeschwalbe; Bekassinen ermuntern sich paarweise in ihren Kunstslügen bald in sausendem Flug an sumpfigen Stellen einfallend, bald durch ihr ausfälliges Meckern die einsamen Reisenden auf ihre „musikalischen Fckerv" aufmerksam machend. 2(n den Ufern schnattern tausende Vertreter des zahlreichen Wasserwildcs und die zierlichsten unter ihnen, die kleinen Odinshani, schwimmen geschäftig bei der Futtersuche, ohne auch nur den Menschen im geringsten zu fürchten, während die scheue Saatgans furchtsam alles Lebende in großen Kreisen umzieht und schließlich die sicheren Felseninseln im Fjord zur kurzen Rast erwählt.
Dem Schneehuhn, das in großen Kolonien zu vielen Hunderten den kalten Winter im niedrigen Weiden- und Birken-Vuschwerk im Tale, nahe am Fjord verlebt hatte, wurde chas Getriebe zu lebhajt. Es zog wieder hinauf in Seine einsamen, friedlichen Fels- und Schnee-Regionen der benachbarten östlichen Gebirgszüge. Ihm folgte auch die kleine Schneeammer aus den steinigen Küstenstrichen hinauf auf die Hochebenen und die stillen Gebiete der ausgedehnten Lavaselder. An ihrer Stelle
Ein sonenklarer Nachmittag über den schnee- und «isbedeckte i B.rg riesen des sagenumwobenen „eisigen Felsen im Meer. 3ch fuljr mt sieben blondlockigen, kernigen Nordlandsdhnen in einem bequemen Segelboot auf den Borgafjord im Westen der Insel, um einige biologische Beobachtungen zu machen und aus der Rückfahrt vomi Postreitweg am gegenüberliegenben Ufer für unsere Farm, mein derzeitiges Standquartier, das angekommene und auf Pferden nicht weiter zu transportierende ^°^Scharf''und'Äsch'chiff der Nord-Ost über die Wogen der unendlichen blauen Fläche dem Ozean entgegen und jagte unser Boot gegen die hohen Wellen der eintretenden Flut, wundersam hob sich die ties dunkelblaue Tönung der mächtigen Felsen unter den glitzernden Zuckerdiäten ab, die sich noch in den letztem Tagesstunden eitel in den klaren Wassern spie- gAten Ach dachte daran, wie oft mir in der Alpenwelt die klare schwarz- blaue Farbe der Berge und ihr nahes Herantreten einen stcheren Regen ober oft gar schwerstes Unwetter angekündigt hatte; hier zahlt sie m ihrer ganzen Pracht zu den Schönheiten der Polarwelt. - Am stahlblau n Himmel neigte sich die Sonne dem Horizont entgegen unbjofte sch m tausendfältiger Farbenpracht auf. Nahe am Nordufer des F,ords legten ach hje Nordmänner in die Riemen, um beim Umfahren de , kleinen Landzungen gegen den tobenden Wind anznkamchen. -c) > h würden die Segel völlig eingezogen, das Boot veran ert und dmch die hohen Gummistiefel gesichert, ging es dis an die Knie durch das IM wasser dem nahen Trocken-Ufergelande entgegen. Ewige W'nterzau der Farmweiden waren bald überwunden, dann folgte (in @unim stieftln) eine echte kleine alpine Kletterpartie über einen FesteuM, den dahinter liegenden Reitweg zu erreichen. W>r ge anchen an em Heine isländische Farm, die völlig in die EWe eingebaut war un einiger Entfernung zwischen den Felsblöcken durch die grasbew ust Dächer gän ich übersehen wurde. Der freundliche Gruß; war auckg w^bei'alleii Isländern, mit einem herzlichen
Nachdem die hier abzuholenden Postsachen auf dm ler iiber »ll- Ruder verpackt waren, wurden sie von den luftigen eeglern ,.s«r Hindernisse zurück zum Boot transportiert. Bald waren die Sege gespannt und mit scharfem Seitenwind traten wir fliegend dm an Plötzlich ein Ruck - in der wilden Fahrt waren w,r nahezu^ über Bord geflogen — unser Boot saß fest! In der Dimkelh wir mit der hohen Flut und dem stark abtreibenden Wuck au^ überschwemmte Weidefläche geraten und konnten nun weder vo noch zurück. Alle Anstrengungen, das Boot wieder fo"z'.'°,L eim ben erfolglos. Der Wind fauchte in die Segel, fo daß he Wn™* 5(fippen. gezogen werden mußten, um nicht mit Mann und ®.
Dann sprangen zwei unserer wilden Burschen, mit Rude w igruft kurzerhand in das eisigkalte Wasser und verschwanden bis 3 Zei! darin. Sie suchten nach der tiefen Fahrrinne und kumen nach ei y g|51 zurück, während der wir, untätig im Boot fitzend, schon klotzen zufammengefroren waren. Unsere Pioniere teilten i. - 6tre(fe schon sehr weit auf Land auf gefahren waren und.nun du 8«^^ un[er gegen den Wind zurück muhten. Wie aber, dachte ich,


