Ausgabe 
20.10.1928
 
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(Fortsetzung folgt.)

Verantwortlich: Or. Hans Thhriot.

Druck und Verlag: Brühl'sche UniversitLts.Vuch-- und Steindruckerei, A. Lange, Giebel

Dev tolle Invalide auf dem ^ori Ratonneau.

Don Ludwig Achim von Arnim.

lFortjegung.)

Eingang schützte und wäre der gute Mann nicht an den Spiken h Jfnff htö fj-ölnärtirt Trännn __< , \ tzÜltb einen |chmerpCn

l?UÄe n{ Tr-ppe hinunter gemacht. Nahe diesem Gitter ZT Tl ch gedeckt das erinnerte Francoeur an das Essen Er rief nach ? Men, und Rosalie brachte es, etwas erhitzt vom Feuer aber leb? ?? lich, denn sie bemerkte nicht den Mönch außer den, Gitter der fid> / °°m ersten Schrecken erholt hatte und still vor M betete km'«7 Gefahr abzuwenden: kaum beachtete sie, daß ihr Mann ünb$aZ jener finster, dieser verlegen nach dem Tische blickten. Sie ben beiden Soldaten, aber Francoeur sagte:Sie können nachMn Ä habe Hunger, daß ich die Welt zerreißen könnte." Darauf lewe si» iv Suppe oor und gab Basset aus Artigkeit das meiste, bann ging fie nnÄ ber Küche, um ben Eierkuchen zu backen.Wie hat benn meine -Ä dem Kommandanten gefallen?" fragte Francoeur Sebr aw" . wartete Basset,er wün chte, daß e- ihm in der Gefängenschaft' fo aewrben ware w e Euch."Er soll sie haben!" antwortete er '°L den beiden Soldaten, die fehlen, fraate fie- was mir fahrt a* fie nicht; Euch suchte fie als einen diener 'des Kommandanten ^chuen darum füllte fie Euren Teller, daß er überfloß Euch bot tu se

Wein an, gebt Achtung,' sie Bringt Lch auch L Stuck Eierkuchen. Wenn das der Fall ist dann stelle ich auf hnn»8c-n fie nur fort und laßt mich hier allein." Basset wollte antworten Z ^^öenblicke trat die sfrau mit dem Eierkuchen herein. Sie hatte ibn $°n drei Stucke geschnitten, ging zu Basset und schob ihm ein Stück llüf den 23ortcn ouf den Xcllcr*Einen belfern (Sierfuchen finhot ctt ^"ht beim Kommandanten, Ihr müßt mich rühmen!" Finster blickt Francour m die Schüssel, die Lücke war fast so aroß mie hie h« ? Stücke, die noch blieben; er stand auf und sagte fe ift i* lben w'r sind geschieden!" Mit diesen Worten ging er nach dem sch'ob die eiserne Tür aus, trat ein knd schloß Z Ser h Z siA SU. Die Frau sah ihm verwirrt nach und ließ die Schüssel fonZ -/®ütt;, 'hn plagt der Böse; wenn er nur nicht Unheil stiftet im Bnlv^ türm.Ist das der Pulverturm?" rief Basset Er svrenat sich Hn°hu ®urfj und Euer Kind!" Mit diesen Worten lief er fort au* eiUc ^Ußte sich Nicht wieder herein und lief ihm nach. Rosaist w ® *n die Wohnung zu ihrem Kinde, riß es aus dem Schlafe aus der fhft9rtefnMinr^e «At3rm^r uon sich, bewußtlos, wie fie Francoeur s° entfloh sie ihm mit dem Kinde und sagte vor sich Wn- das tue ich nur deinetwegen, mir wäre besser, mit ihm zu sterbt Hagar, du hast mcht gelitten wie ich, denn ich verstoße mich selbst'" Unter solchen Gedanken kam sie herab auf einem falschen Wege und stand am sumpfigen Ufer des Flusses. Sie konnte aus Ermattung nicht mehr geben und setzte sich deswegen in einen Nachen, ber, nur leicht ans Ufer gefahren leicht abzustoßen war, unb ließ sich den Fluß herabtreiben fie wagte nicht umzublicken; wenn am Hafen ein Schuß geschah meL'sie mhhrvZ- gesprengt und ihr halbes Leben verloren, so verfiel sie all­mählich in einen dumpfen, fleberartigen Zustand.

6eDatffkrinffehi.S Z beiden Soldaten, mit Aepfeln unb Trauben wpadt, in bie Nahe des Forts gekommen, aber Francoeurs stacke ötimme rief ihnen, indem er eine Flintenkugel über ihre Kövfe ab- ftuerte:Zurück!" Dann sagte er durch das Sprachrohr:An d°? hohen Mauer werde ich nut euch reden, ich habe hier allein zu befehlen und will auch allein hier leben, solange es dem Teufel gefällt!"

oie wußten nicht, roas ^as bedeuten solle, aber es war nicht anders in tun, als dem Willen des Sergeanten Folge zu leisten Sie ainaen b-rab u dem steilen Abhange des Forts, welcher die hohe Mauer hieß unb

T" f,e do/t angelangt, so sahen sie Rosaliens Botteiind des G-rw- 1Plh9kan etnem ®ei(.e niedersinken, dem folgten ihre Betten und Bett/ bUT das Sprachrohr:Das Eurige nehmt;

Bette, Wiege und Kleider meiner entlaufenen Frau bringt zum Stoni-

Zben;. iaflt das schicke ihr Satanas und B 'i woia, ^smnel Um ^rhande mit dem Kommandanten zuzudecken!" h" dl .sen Worten warf er tue große französische Flagge, die auf dem hTLlT©$'01'ZerQb unb ^hr fort:Dem Kommandanten se ich Ä l?efi?rtfaM,-aer ma9 sich waffnen bis zum Abend, bann m JeU6r c -er s°ll Nicht schonen, Lnn ich schone ihn Teufel nicht er soll alle seine Hande ausstrecken, er wird mich doch nicht fangen; er hat mir ben Schlüssel zum Pulverturm gegeben, ich will unb wenn er mich zu fassen meint, fliege ich mit ihm gen Himmel, vom Himmel in bte Hölle, bas wird Staub geben." Brunet ©Knkj h*lr3 hmauf:Gedenkt an unfern gnädigsten

«ontg, daß ber über Euch steht, ihm werdet Ihr doch nicht widerstreben." Dem antwortete Francoeur:In mir ist der König aller Könige dieser '.n. nnr ist ber Teufel, und im Namen des Teufels sage ich euch: ncrff hiv®»- nlOn|t zerschmettere ich euch!" Nach dieser Drohung E S neide stillschweigend das Ihre zusammen und ließen das übrige ZtZ h» daß oben große Steinmassen angehäuft waren, die

tli«* bet en Felswand alles zerschmettern konnten. Als fie nach Mar- le**" ä?m Kommandanten kamen, fanden sie ihn schon in Bewegung, oenn Basset hatte ihn von allem unterrichtet; er sendete die beiden An- ^-ü^^en mit einem Wagen nach dem Fort, um die Sachen ber Frau gegen ben brühenden Regen zu sichern; anbere sandte er aus, um die Frau mit dem Kinde aufzufinden, während er die Offiziere bei sich uertammelte, um mit ihnen zu überlegen, was zu tun sei. Die Besorgnis blefes Kriegsrats richtete sich besonders auf den Verlust des schönen r.,' rveun es in die Luft gesprengt würde; bald kam ein Wge- andter der Stadt, wo sich das Gerücht verbreitet hatte, und stellte den Untergang des schönsten Teiles ber Stabt als ganz unvermeidlich bar. Es allgemein anerkannt, daß mit Gewalt nicht verfahren werden

ourse, denn Ehre sei nicht gegen einen einzelnen Menschen zu erringen, °ber em ungeheurer Verlust durch Nachgiebigkeit abzuwenden; der werbe die Wut Francoeurs doch endlich überwinden, dann sollten entschlossene Leute das Fort erklettern und ihn fesseln.

Als Francoeur sein Kommando angetreten, befahl er sogleich seinen beiden Soldaten, Brunet unb Tessier, mit ihm ben Pulverturm Zu eröffnen, das Jnoentarium durchzugehen, um bann einen gewissen Vorrat zur Feuerwerkerarbeit in das Laboratorium zu tragen. Das Jnoentarium war richtig, und er beschäftigte gleich einen seiner beiden Soldaten mit den Arbeiten zum Feuerwerk; mit dem andern ging er Zu allen Kanonen und Mörsern, um die metatlnen zu polieren und die eisernen schwarz anzustreichen. Bald füllte er auch eine hinlängliche <>ahl Bomben und Granaten, ordnete auch alles Geschütz so, wie es stehen mußte, um den einzigen Aufgang nach dem Fort zu bestreichen. Das Fort ist nicht zu nehmen!" rief er einmal über das andere be­geistert.Ich will das Fort behaupten, auch wenn die Engländer mit hunderttausend Mann landen und stürmen! Aber die Unordnung war hier groß!"So sieht es überall auf den Forts unb Batterien aus," sagte Tessier,ber alte Kommandant kann mit seinem Stelzfuß nicht chehr soweit steigen, unb gottlob! bis jetzt ist es den Engländern noch nicht eingefallen zu landen."Das muß anders werden," rief Fran­coeur,ich will mir lieber die Zunge verbrennen, ehe ich zugebe, daß unsere Feinde Marseille einäschern ober wir sie bvch fürchten müssen."

Die Frau mußte ihm helfen, bas Mauerwerk von Gras unb Moos Zu reinigen, es abzuweißen unb bie Lebensmittel in ben Kasematten Zu lüften. In den ersten Tagen wurde fast nicht geschlafen, so trieb ber unermüdliche Francoeur zur Arbeit, und seine geschickte Hand fertigte in dieser Zeit, wozu ein anderer wohl einen Monat gebraucht hätte. Bei dieser Tätigkeit ließen ihn seine Grillen ruhen; er war hastig, aber alles zu einem festen Ziele, und Rosalie segnete den Tag, der ihn in diese höhere Luftregion gebracht, wo der Teufel keine Macht über ihn SU Haden schien. Auch die Witterung hatte sich durch Wendung des Windes erwärmt und erhellt, daß ihnen ein neuer Sommer zu be­gegnen schien; täglich liefen Schiffe im Hafen ein und aus, grüßten unb wurden begrüßt von ben Forts am Meere. Rosalie, bie nie am JJleere gewesen, glaubte sich in eine anbere Welt versetzt, und ihr Knabe freute sich nach so mancher harten Einkerkerung auf Wagen und in Wirtsstuben der vollen Freiheit in dem eingeschlossenen kleinen Garten des Forts, den die früheren Bewohner nach Art der Soldaten, besonders der Artilleristen, mit den künstlichsten mathematischen Linienverbindun­gen in Buchsbaum geziert hatten, lieber dem Fort flatterte bie Fahne mit ben Lilien, ber Stolz Francoeurs, ein segensreiches Zeichen ber urau, die eine geborene Lilie, bie liebste Unterhaltung des Kindes. So kam der erste Sonntag, von allen gesegnet, und Francoeur befahl feiner Frau, für ben Mittag ihm etwas Gutes zu besorgen, wo er feinen Freunb Basset erwarte, insbesondere machte er Anspruch auf einen guten Eierkuchen, denn die Hühner des Forts legten fleißig lie­ferte auch eine Zahl wilder Vögel, bie Brunet geschossen hatte, in die Küche. Unter diesen Vorbereitungen kam Basset hinaufgekeucht unb war entzückt über die Verwandlung des Forts, erkundigte sich auch im Namen des Kommandanten nach dem Feuerwerke und erstaunte über bie große Zahl fertiger Raketen unb Leuchtkugeln. Die Frau ging nun an ihre Kuchenarbeit, bie beiben Soldaten zogen aus, um Früchte zur Mahl­zeit zu holen, alle wollten an bem Tag recht schwelgen unb sich bie Zeitung vorlesen lassen, bie Basset mitgebracht hatte. Im Garten saß nun Basset dem Francoeur gegenüber unb sah ihn stillschweigend an, dieser fragte nach ber Ursache.Ich meine, Ihr seht so gesund aus wie fonft, unb alles, was Ihr tut, ist so vernünftig."Wer zweifelt daran?" fragte Francoeur mit einer Aufwallung,das will ich wissen!!" Basset suchte umzulenken, aber Francoeur hatte etwas Furchtbares in feinem Wesen, sein dunkles Auge befeuerte sich, fein Kopf erhob sich, seine Sippen drängten sich vor. Das Herz war schon dem armen Schwätzer Basset gefallen, er sprach, bünnftimmig roie eine V-ottne, von Gerüchten beim Kommandanten: er sei vom Teufel geplagt von feinem guten Willen, ihn durch einen Ordensgeistlichen, den Vater Philipp, exorzieren zu lassen, den er deswegen vor Ti che hinaufbestellt habe, unter dem Vorwande, daß er eine Messe ber vom Gottesdienst entfernten Sornifon in ber kleinen Kapelle lesen müsse. Francoeur ent­setzte sich über dre Nachricht, er schwur, baß er sich blutig an bem rächen wolle, ber solche Luge über ihn ausgebracht; er wisse nichts vorn Teufel und wenn es gar keinen gebe, so habe er auch nichts bageäen einzu- tnenben, benn er habe nirgenbs die Ehre seiner Bekanntschaft gemacht. Basset sagte, er sei ganz unschuldig, er habe bie Sache vernommen, als ber Kommandant mit sich laut gesprochen habe, auch sei ja dieser Teufel die Ursache, warum Francoeur vom Regimente fortgekommen.Und wer brachte dem Kommandanten die Nachricht?" fragte Francoeur zitternd. Eure tfrau. antwortete jener,aber in ber besten Absicht, um Euch tE!nn Zhr hier wilde Streiche machtet."Wir sind geschieden! schrie Francoeur und schlug sich vor ben Kopf, sie hat mich verraten, mich vernichtet, hat Heimlichkeiten mit dem Kommandanten fie hat unendlich viel für mich getan und gelitten, fie hat mir unendlich Mi^Atan, ich b,n ihr nichts mehr schuldig, wir sind geschieden!" - Allmählich schien er stiller zu werben, je lauter es in ihm wurde; er sab mieber den schwarzen Geistlichen vor Augen, wie die vom tollen Hunde Gebißenen ben Hund immer zu sehen meinen, ba trat Vater Philipp i« und er ging mit Heftigkeit auf ihn zu, um zu fragen, was er wolle. Dieser meinte feine Be chworung anbringen zu müssen, rebete ben Teufel heftig an, indem er eine Hände in kreuzenden Linien über ZmZT bewegte. Das alles empörte Francoeur, er gebot ihm als

Sorte ben Platz sogleich zu verlaßen. Aber der un- erschrockene Philipp eiferte um so heftiger gegen den Teufel in Frau- coeur, und als er sogar seinen Stab erhob, trug Francoeurs militärischer Stolß lnese Prohung nicht. Mik wütender Stärke ergriff er ben kleinen Ph'lipp bet seinem Mantel unb warf ihn über bas Gitter, das ben