Ausgabe 
18.8.1928
 
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' ' Ich will in nichts weiter als das Haus!" rief die Witwe und lieh alle" Furchtsamkeit fahren.Ich bin da geboren, Herr Baron, und es gibt nichts, woran man sich so gewöhnt, wie an Einsamkeit, Undmm Junge, der schon sieben Jahre alt ,st, muh mit der Zeit auch Unter förster bei Herrn Baron werden und wie wir alle in dem haus toOi)Sineb'cn Jahre!" ries der Baron, halb ärgerlich, halb lächelnd Meine gute Frau, da wird's eine lange Zeit dauern, bis er Hera» roC,d)K' roirb cs so schnell machen, wie er nur irgend kann" versetzte da Wit'weKein Mensch soll's ihm zuvortun. Es dauert nicht lange, her an3USe®ott das ist wahr!" ries der Baron ausEstommi mir vor" al- ob ich gestern noch ein kleiner Junge gewesen wäre- Data stand er aus und ging ins Nebenzimmer, wo seine Frau mit ihm Handarbeit sah. , . .

Si-bcs Kind die Witwe Quint ist hier und will Unter,orsterin da mir'werden'" Daraus erzählte er ihr alles.Mein Vater hat das h°»s ausdrücklich als Wohnung für einen Waldhüter gebaut, knurrte e, und von der Pension kann sie natürlich nicht leben.

Lieder Mann," entgegnete die Baronin lächelnd »wenn du etM wünschst, l«t< NH |. >»«» »« °-» *"* l|Ä iS getan worden ist. _____ vu 1 D B

Mutter. Und er verstummte.

Wozu diese unnütze Beschönigung?" eiferte der Pfarrer, horoar schnaufend.Mary, Sie werden doch hoffentlich nicht gelernt haben, Ihrem armen Mann seine Schwäche nachzufühlen? Sie leben hier oben zu einsam, meine gute Frau. Nun, das wird ja bald ein Ende nehmen. Von nun an werden Sic mit Ihrem Kind im Dorf wohnen, und

Bitte, gehen Sic weg, Herr Pfarrer", sagte die Frau und stand schirmend vor dem Toten.

£)h Hervih, wenn Sie es wünschen", erwiderte der P^orrer vouer Zorn.Aber bedenken Sie, daß ich nicht so bald wicderkommen werde. Vom Dors aus sind es bis hierher über fünsviertcl Stunden zu gehen, und wenn ich nicht John Bost mit seinem Wagen getroffen hätte

Der Wagen wartet," sagte die Witwe,ich höre das Ge,chirr tlintichV' , _ . . k rA

Natürlich wartet er. Eigentlich hatte er Ängst, daß sem Pferd sich hier oben erkälten könnte. Aber ich sagte, ich mühte mit der Witwe reden. Was bedeutet die Möglichkeit die entfernte Möglichkeit, daß ein Pferd sich eine Erkältung holt, im Vergleich zu zu einer Menschenseele." . . . ...

Die Witwe!" Dieser neue Titel, den sie nun au, immer wurde tragen müssen, tat Mary Quint weh. Doch sic streckte nur die Hand nach ihrem Sohn aus, ohne von ihrem Posten zu weichen.

Der Pfarrer ging auf die Tür zu.Nehmen Sie sich in acht, daß Sie feinen Ismael aus Ihrem Isaak machen," sagte er mit einem ge- wisscn milden Genuß,Sic Hagar in der Wüste!" Mit diesen Worten trat er triumphierend seinen Rückzug an. Er brannte schon darauf, {einer Schwester Petronella, die sehr stolz auf ihn war, diese neue Probe seines Witzes zu unterbreiten. Der Pfarrer war noch jung, es war cm- znnehmcn, daß er noch zahlreiche Gelegenheiten haben würde, an Tor­heit zuzunchmen. v

Die endlich in Frieden gelassene Witwe saß da und schaute ihren toten Gatten an, und allmählich rannen ihr einige Tranen über Die Wangen.Es tut mir leid", sagte sie lcisc.Ich ich glaube nicht, dah es richtige Liebe war, John, nicht so wie einige Frauen fte fühlen Aber es maß ja auch Einbildung von mir jein. Ich tat, was ich konnte und du auch. Cs tut mir so leid." Der kleine Junge zerrte sie am Rock und wimmerte, sic solle vom Bcti weggehen. Sic solgtc ihm ans Fenster- ein winterlicher Sprühregen ging schräg vor den dunklen Tannenumrissen nieder.Isaak", murmelte sie, aber sic sprach Mit sich selbst.Isaak!" Sie hob sein Gesicht zu sich empor.Isaak, wenn ich keine Kinder gehabt hätte ich wcitz nicht, ob ich es je zu wissen ge­kriegt hätte." Sic lieh das Köpfchen los und starrte in den Regen hinaus. ~ ... . ,,

Nach einigen Tagen, als das Begräbnis vorüber war und alle Welt sic vergessen hatte, während alles wieder den alten Gang ging, zog sie ihr bestes Trauerkieid an, nahm den Jungen an die Hand und machte sich nach dem Dors und dem jenseits gelegenen großen Hause auf. Das Kind lieh sic im Torhäuschen, und dann wandte sie sich dem Haus­eingang, dem großen Hund und dem feierlichen Diener zu.

Quint!" sagte der Gutsherr, indem er die Fingerspitzen gegenein­ander legte und über die Brillengläser hinwegblickte.Ja, natürlich, Quint! Traurige Sache." Darauf sah er auf feinen Schreibtisch herab und dachte in seinem guten Herzen, wie unangenehm solche Dinge doch wären.

Jo, es ist wirklich sehr traurig," wiederholte er und schob den Stuhl herum, als die schwarzgekleidete Gestalt eintrat,und auch er unterbrach sichsehr traurig."

Herr Baron," begann die Witwe,mein Vater hat Ihnen über vierzig Jahre fang treu gedient."

melden beim Waschen und Backen haben? Gor keinen! Und sie sicht das al'@utenr^?orgcif", sagte der Pfarrer. Der Förster begab sich wieder nach der Hintcrstubc, wo seine Frau lag.John, komm her und sieh dir den kleinen Isaak an", sagte eine Stimme aus dem Wandbett.Er hat ein Grübchen im Kinn, John, ganz wie mein Vater.

Du bist ein Dummkopf", versetzte.ihr Gatte, indem er seine Pseise stopfte.Das warst du von jeher."

Der kleine Isaak wuchs heran, und das Grübchen trat «nmer deut­licher hervor. Er war ein bequemes gutmütiges Kmd und liebte die Ruhe. Die leidenschaftlichen Liebkosungen und das heftige schelten seines Vaters waren ihm von klein auf zuwider. Im ganzen genommen empfand er geradezu etwas wie Vergnügen, als die laute, lärmende Stimme aus seinem Dasein auslchied, bevor er sein siebentes Lebens­jahr vollendet hatte, und er mit einer Mutter, deren Liede und Zorn stets ruhig und gerecht war, in dem kleinen Hause allein blieb.

Die letzten Lebensjahre des armen John Quint waren ein einziger, nur von einzelnen Reucanfälleii durchzuckter Trunkenheitsorgan ge­wesen. Schiießlich geschah das, was seine Frau längst zitternd voraus- gesehen hatte. An einem dunkeln Dezemberabend trat der Forster ein­mal zu oft fehl. Am nächsten Morgen brachte man ihn ihr durch den Kops geschossen ins Haus. Die Witwe bedankte sich bet den Teilnehmen­den und Neugierigen, bevor sie sic gehen hieß.Ich bin cs nicht gewöhnst so viele Menschen um mich zu haben", sagte sic.Es ,nacht mich kon­fus." Da schlicken alle bis auf den Pfarrer von dannen. ,

Mary," begann der Geistliche,dies ist eine furchtbare Heim­suchung." , .

'Sie saß erschrocken, mit vom Bett abgewandten Blicken am Herd, und der kleine Isaak zupfte an ihrem Knie.

Ahern!" fuhr der Pfarrer fort.Es ist eine Heimsuchung und außerdem eine Mahnung für uns alle" (uns" ist gut! dachte er bet sich). Seine Finger spielten mechanisch mit dem blauen Band an seinem Knopfloch.Leider Gottes unterliegt cs keinem Zweifel, daß Ihr Mann unter dem Einfluß" er bückte sich über dos Bett. Mit einem Sprung warf sieh die Frau zwischen ihn und die Leiche.

Na, nah!" rief der Pfarrer aus und fuhr jäh zurück. Der kleine, norm Herd umgestoßene Isaak begann laut zu weinen.Still!" sagte die

Ja natürlich", erwiderte der Baron. Dann merkte er plötzlich, wie unpassend der Ausdruck unter den vorliegenden Umständen war. ,Lch meine, daß ich das natürlich weih."

Und mein Mann tat, was in seinen Kräften stand, fuhr Mary mit zitternder Stimme fort. ,Herr Baron, davon will ich nicht sprechen ober ich lebe seit mehr als einem halben Jahrhundert in dem Hause/ Huih!" machte der Baron.Ich verstehe! Es ist cm sehr einsames Haus. Im Dors werden Sic es viel besser haben."

Und nun hofse und bitte ich nichts weiter, als baß Herr Baron mir erlaubt, da oben mit meinem Jungen zu bleiben. Ich habe noch niemals um irgend etwas gebeten. Ich versteh mich nicht drauf, zu sprechen, wie es sich gehört und nun gar mit dem Herrn Baron. Die Witwe faltete die Hände.Ich habe immer allem gelebt.

Mir scheint, Sie verstehen sich sehr gut aufs Bitten" jagte der Baron in ärgerlich gutmütigem Ton.Das Haus hat von jeher zu der Stelle öchört/1

Mit Verlaub zu sagen ich könnte gewisse Arbeiten Übernehme». Nach dem Brennholz könnte ich zum Verspiel sehen und dafür sorgen, daß keine Kinder ober Landstreicher sich dran ranmachen - Baron Bank lochte, wurde dann jedoch plötzlich ernst, als er aufiah.

Und die Wilddiebe sangen" lächelte er.

Nein", sagte die Witwe, und doch hätte sic ihm, wenn ihre roeib- lichc Unaufdringlichkeit es gestattet hätte, sagen können, daß ihre eifrig! Wachsamkeit ihrem benebelten Mann zweimal dazu verholfen hatte, Verhaftungen vorzunehmen. .Mein, ich kann mich nicht für einen Unter- förster ausgeben oder das Gehalt eines Unterforsters ver.ang.n.

Oh, ich muh natürlich etwas tun, wenn Sie wegziehen . erklärt! der Baron hastig.Eine kleine Pension' er stockte, um sich nicht ohm weiteres zu binden, denn solche Dinge wurden nach bestimmten Negelr

Der General Kikeriki.

Ein Porträt in Anekdoten.

Von Sigismund von R a d e ck i

Der Genera! Graf, Feldmarscholl, Fürst und ©emraiiif* Suworosf war ein Clown, ber .in siebzig Sckstachten üeucgiM. « elektrischer Funke, der alle Sicherungen der Wurde durchbranntc, Gockel, der in den ernstesten Derjammlungen plotzUchö" weil er sagte, daß das gut fei, um die Loute^auszuweckcu. E. llvi einer Grimasse zur anderen und haßte d'° «P'-Ml m den stehen konnte er überhaupt nicht und auch nicht gehen, i L 'nur hin- und hcrlauscn wie ein Wiesel - nie hm man ihn or.W reiten sehen als im Galopp. > j|W;

©ein Verstand war so schnell, daß er die isedankentetie schon durchlaufen hatte, bevor die anderen überhaupt drangmgen feiner Ungeduld nichts übrig, als ihnen eine lange Rast S Er steigerte jede geringste Handlung m begeistertem 4 ® 'hinein.

Symbol Sein Blitz zuckte sofort in dos Herz jeber 6»tuahonW Ihm war bic dienstliche russische Formel Äta ÄtS* herzhaft verhaßt, daß er jebesmal bas Zimmer mit kbeiy ( räiubern ließ, wenn dieser Ausdruck gefallen war. Ebcnso hes g h die Worte .Defensiv" undUntertonft". Unter diesem kochenden ro.ment loderte stets die Flamme des wildesten stothos.

Aber er konnte auch stillhalten wie ein racher t >, W General N. N. war ein großer Schwätzer. Darum erschien nähme Warschaus solgender Tagesbesehl:Suwo.osf wird '' ^!^ Wagen des Generals N.N. seinen Einzug M die SaR ya Eigentümer soll ihm gegenübersitzen, rechts hinaussehcn denn Suworosf wird in Nachdenken versunken .ein-

Man erzählte ihm von einem sehr tüchtigen Offizier. (j. M stand verloren hatte. Er wollte das mcht glaubeii. er si « 1 au bestreiten! Doch als sich's bann ergab, daß er einen it gemeint hatte, sagte er:Das ist natürlich was anderes }({ hätte bis morgen gestritten! Und zwar deshalb,wxlJene. ,,

ich meinte, dasjenige gor nicht besitzt, was dieser vcr!

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Ein Künstler will ihn malen. Suworosf zu »einen nütz, sich zu bemühen. Schlage cs ab und sage, daß ich Bursche bin."