Ausgabe 
18.2.1928
 
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Ab und zu kommt ein NegergehSst. Die Frauen sind häßlich und müssen wie die Lasttiere arbeiten, während die Männer herrnnliegen und ich bedienen lassen. Dann tritt der groß« Zauberer, der Ujoki, heraus, der mit seinem Hexenmeisterhokuspokus in Wirklichkeit Herr über Leben unb Tod seiner Stammgenossen ist. Seine Pflicht ist es, die Pfeile zu vergiften und aus Kräutern' Medizinen zu brauen. Stirbt ein Großer Häuptling, so liegt es ihm ob, den bösen Geist, der die Krankheit verursacht hat, zu bannen. Er heult und schreit Sprüche in der Pamriessprache, murmelt Be­schwörungen, und beginnt einen Tanz, bis er zuckend am Boden hegt. Die schwarzen Könige unb Königinnen besitzen etwas von der Majestät der Wildnis, die noch aus dem Abgrund der Jahrtausende stammt, ehe sich der Mensch seiner göttlichen Bestimmung bewußt wurde. Zusammen mit den llsoki sind sie absolute Herrscher über ihre Untertanen, unbelastet von moralischem Verantwortungsgefühl. Sie kennen kein« andere Pflicht, als für ihr eigenes Wohlergehen zu sorgen, und dazu brauchen sie nicht viel, nur sehr viel Fleisch, Palmwein, Tabak lind viele Frauen, die sie nach langem Palaver von den Eltern kaufen, um sie als Arbeiterinnen zu verwenden. , .

Besonders große- Feste bilden di« Elesantenjagden. D,e Nacht vorher werden Orgien bei Palmwein gefeiert. Dann werden Dtedizinen aus allerlei narkotischen Kräutern zubereitet, deren Genuß die Jäger angeb­lich unsichtbar für das Wild macht, aber desungeachtet werden jedesmal zahlreiche Jäger von den Elefanten zertrampelt. Wer aber kümmert sich in Afrika um das Leben eines Negers! Elefanten- und Flußpfevdbraten gelten als große Leckerbissen, und werden, nur wenig auf den qualmen­den Feuern geröstet, von den Eingeborenen gierig verschlungen. Di« spanischen Besitzungen am Muni haben einen unerschöpflichen Reichtum an kostbaren Holzarten, die aber noch wenig ausgebeutet werden. Nur am Kap San Juan gibt es einige Faktoreien, in denen sich die Europäer durch reichlichen Chiningenuß gegen das Sumpffieber zu wehren ver­suchen. Dahinter liegt eine ganz wilde Welt der Geheimnisse, aus der zu- rveilen Riesenaffen bis zu den Umzäunungen vordringen und mit tücki­schen Augen das Menschenwerk betrachten. Phantastisch geputzt« Schwarze kommen von irgendwoher, bestaunen beit Weihen, arbeiten und ent­schwinden wieder im Urwald.

Das Rauschen der Ozeans erzählt von der verschlungenen Atlantis, di« vor vielen Jahrtausenden nicht weit von der afrikanisck)en Küste aus den Wassern emporragte, auf der sagenhafte Menschen lebten, die zu zaubern verstanden und deshalb sterben mußten. Die spamsckfe Regierung hat in Fernando Poo einen großen Radio-Empfänger aufstellen lassen. Vielleicht können setzt die Neger, ine Elefanten und Affen am Rand« des Urwaldes einem Charleston lauschen, der in Paris oder Madrid gespielt wird. Und der schwarze Zauberer der Wildnis, der Ufoki, beugt sich furchtsam und überwunden vor dein übermächtigen Zauber der weißen Herren, die in den finsteren Urwald vordringen und denen all« gehorchen müssen. Nur der Urwald selbst fiirchtet den Weißen nicht, er stellt sich ihm mit seinen Fiebern, mit seinem Grauen, mit tausend Naturgewalten entgegen.

MchtgeschWiNdiake^t und Erdbewegung.

Was ist eine Sekunde?

Don Hanns Fischer.

Fast ganz unbemerkt geblieben und nur als lehrreiche wissenschaft­liche Feststellung gewertet, ist die Entdeckung des englischen Astro­nomen M. Gheuich de Bray in London gewissermaßen zu den Be- obachtungstatsachen gelegt worden, obwohl sie, wenn sie sich bestätigt, von weittragender Bedeutung werden kann. Der Gelehrte sand näm­lich durch eingehende Versuche und Messungen, daß die bisherigen Werte für die Lichtgeschwindigkeit nicht stimmen. Ein solches Ergebnis hätte wenig DeuarrHigeadrs an sich, da eben verfeinerte Arbeits­weisen die bisherigen unzureichenden Resultate zu berichtigen ge­statten würden. Es würde sich daher kaum lohnen, hier auf Ver­öffentlichungen de Brays einzugehen.

Was der eng'ische Astronom fand, beschränkt sich mcht auf die .Unrichtigkeit der vorliegenden älteren Messungen, sondern zeigt etwas ganz Ueberraschenöes. Ordnet man nämlich die Messungen der Lichtgeschwindigkeit chronologisch, von den ältesten zuverlässigen beginnend bis zu denen Brays, so gewahrt man deutlich dm Tat­sache, daß die Lichtgeschwindigkeit nach der Gegenwart zu abnimmt. Es ergibt sich eine Verminderung von rund 400 Kilometer innerhalb eines Zeitraumes von hundert Jähren. Hieraus könnte man folgern, daß nach Verlauf von 75 000 Jahren das Licht und damit auch alle Bewegung unb jede Lebenstätigkeit zum StiUstand kommen mühten. Das, dieser Schluß nicht zwingend ist, hier näher auszuführen, würde auch dann zu breiten Raum beanspruchen, wenn wir von der Möglichkeit einer rhythmischen Beschleunigung und Verlangsamung der Lichtgeschwindigkeit ganz absehen würden.

Viel wichtiger hier in Erinnerung zu rufen ist die Tatsache, auf welcher Grundlage es Überhaupt für den Menschen möglich ist, die Zeit zu messen; denn nur die Zeit gibt uns den Maßstab, eine Ge­schwindigkeit, hier also die des Lichtes, zu bestimmen. Als Zeiteinheit gilt uns ja die Sekunde. Was aber ist eine Sekunde? Der Astro­nom gibt uns die Antwort: eine Sekunde ist der 86 400. Teil eines mittleren Sonnentages oder der 86 164. Teil eines Sterntages. Ohne diese Begriffe im einzelnen zu kennen, ist doch sofort ersichtlich, daß Zeiteinheit und Erdumlauf in engstem Zusammenhang ftehen.

Wir haben also gar nicht nötig, zur Deutung der abnehmenden Lichtgeschwindigkeit zu neuen Hypothesen zu greifen, sondern wir brauchen uns nur die Frage vorzulegen, ob denn 6er Erdumlauf dauernd gleichmäßig vor sich geht, so daß für die Zurücklegung einer Wegstrecke eine immer sich gleichbleibendeZeit" benötigt wird. Bisher hat die Wissenschaft keinen Anstand genommen, diese Voraus­setzung einer immer sich selbst gleichbleibenden Zeitfekunde zu machen. Trotz einer ganzen Reihe sehr wesentlicher Beobachtungen, etwa der

. Versrühung bet Mondfinsternisse entgegen der Rechnung, der fo. schleunigten Umlaufszeiten der inneren Jupitermonde unb der sH verkürzenden .Umlaufszeit des innersten Planeten Merkur um öie Sonne, hat die astronomische Wissenschaft sich, mit allen Mille!» gegen eine Abnahme der Zeitfekundenlänge gesträubt.

Dabei ist eigentlich vom Standpunkt unseres gesamten Wisse»- gar nichts natürlicher als eben diese Abnahme. Denn wohin to'u auch sehen, in den Ablauf der belebten oder der sogenannten un­belebten Welt überall laufen die Vorgänge von einem Gebiet höherer Spannung nach einem solchen geringerer ab.

Allerdings scheint uns da sofort ein innerer Widerspruch aus- zutauchen; denn, so werden wir sagen, wenn die Erde die Zeit für einen Umlauf um die Sonne verkürz t, mit anderen Worte»; wenn sie dauernd schneller umläuft, so sieht das doch wohl so aui, als ginge sie in einen Zustand höherer Spannung über. Um hin sofort klar zu sehen, wollen wir uns jener Gedanken erinnern, bie zuerst auch in allen ihren Folgerungen Hanns Hörbiger ausge- sprachen hat. Er beanstandet zunächst die herrschende Ansicht, da Weltraum fei teer. Zwar gründen sich auf diese Voraussetzung all, astronomischen Rechnungen, eine Tatsache, die an sich natürlich nicht- über die endgültige Richtigkeit dieser Annahme aussagt. Alle Er, fahrung nämlich zwingt eigentlich zur gegenteiligen Ueberzeugui-.z Wir brauchen nur an Kometenschweife, an Meteor», an Ster», schnuppen oder an den kosmischen Staub zu denken, um zu der Einsich! zu gelangen, daß eben der Weltraum alles andere als leer_ ist. Besitzt aber der Weltraum nun eine, wenn auch noch so büm» Erfülltheit (nennen wir esAether"), so muh sich dies als Well, raumwiderstand allen ihn durchschwebenden Gestirnen bemerk, bar machen.

Denken wir uns zum besseren Verständnis einmal im völlig widerstandslosen, also leeren Weltraum zwei Gestirne, die sich um, schwingen, etwa wie Mond und Erde. Da jede Hemmung fehl!, könnte man sich den Vorgang, einmal in Gang gebracht, in alle Ewigkeit fortlaufend, denken. Mit dem Augenblick aber, in dem Wil eine wenn auch noch so feine Erfülltheit des Raumes anerkenne», müffen die Gesetze des Widerstandes in Rechnung gefiel« werden. Um zu unserem Beispiel zurückzukehren: der Mond mutz bei seinem Umschwung um die Erde eine Behinderung, eine Brei»,

Nächtigem Hinsehen würden wir glauben können, daß bi« Umlaufszeit des Rachtgestirns sich infolge der Bremsung ver­größern mühte; mit anderen Worten, wir könnten zu dem Schlch kommen, daß sich der Monat verlängere. Sind wir dagegen mit be­nötigen technischen Gesetzen vertraut, so erkennen wir in bW Annahme sofort einen Fehlschluß. Das Gegenteil wird nämlich env treten. Infolge des Weltraumwiderstandes bleibt (theoretisch gv sprochen) die Umlaufsbahn des Mondes kein in sich geschlossener Kreis, sondern gestaltet sich zu einer enge gewundenen an die Erb, heranführenden Spirale. Das aber besagt: Der Mond nähert sch wenn auch äußerst langsam, so doch unaufhörlich unserem Planete» Dabei aber verkürzt sich der Monat. Beträgt er heute rm» 93 Zage, so muß eine Zeit kommen, da er 25 oder gar 20, ja leibJ 10 Tage und schließlich 1 Sag ausmacht. Auch hier hält er nacht an, und es bleibt kaum noch ein Zweifel, daß unsere späten Rachkomm« einmal auch von einem etwa vierstündigen Monat reden werden.

So überraschend das auch klingt, ganz in unserer kosmische» Vähe haben wir ein Beispiel. Der innerste Marsmond braucht yi einem Umschwung nur wenige Stunden. Auf dem Mars ist gegen­wärtig der betreffende Monat 7 Stunden und 39 Minuten lang.

Haben wir nun eingesehen, daß infolge des Weltraumwiderstanbei ein'AimmelÄörper, der einen anderen umschwingt, im Laufe kos­mologischer, also nach Jahchundertmillionen rechnenden Spanne», sich dem Wittengestirn immer mehr nähern muß, so sind wir rav wendigerweife gezwungen, diese Erkenntnis auch auf Erde unb odm anzuwenden. Wir haben zu folgern, daß unfer Heimatstern sHs immer mehr dem Tagesgestirn nähern, dabei auch seine Umlau; »zeit verkürzen mutz. Berücksichtigen wir ferner, bah der Mond die Er« ebenfalls mit wachsender Geschwindigkeit umschwingt, und damit infolge seiner die Erde mitzerrenden Schwerkräfte die Erddrchung beschleunigt, so ist es nur eine selbstverständliche Folgerung, die toti aufzustellen haben. Diese Folgerung aber sagt uns, daß sich alle« verkürzen muß, der Sag, der Monat, das Jahr. Damit aber 1» auch die Verkürzung der Zeitsekunde gegeben. Cs wm bann aber sofort der Fehlschluß klar, der zur Annahme süyrte, bi« Lichtgeschwindigkeit verlangsame sich dauernd. Das ist natürlich f® Irrtum; denn das Licht durcheilt nach wie vor mit gleicher schnell^ feit den Raum. Da aber die Erde sich schneller als einst umi W eigene Achse dreht, die Sage in ihrer wahren Länge also kurz» geworden sind, mithin, um einen groben Vergleich zu bringen, m hundert frühere Sekunden jetzt hundertfünf kommen, braucht der Lrcy - strahl zur Durchmessung der gleichen Strecke mehr Sekunden ob vordem. Richt also um eine Abnahme der Lichtgeschwimngnn sondern um eine solche der Zeitsekundenlänge handelt es sich. ist das ganze Geheimnis. . .

Mit dieser Einsicht aber ist eine Grundlage geschaffen, die oa» bisherige Weltbild wanken macht. Aus der Ewigkeit der mwn- änderlichen Planetenbahnen wird ein sich pausenlos ändernder Spcm- nungslauf. Das irdische Leben wird uns zu einer zeitlichen, w» vergänglichen Erscheinung im Strom kosmischen Geschehens. Da vu ferner wahrnehmen, daß der Mond sich der Erde nähert, sind iw gezwungen, den Wechsel des Krästespieles ErdeMond zu berua* sichtigen. Sun wir das, dann liegt die ganze Erdentwicklung vw ihren geologischen Schichten, mit ihren Sintfluten,. mit ihren «eben»' und Kulturrätseln offen vor uns aufgeschlagen wie ein lesbares

Verantwortlich: Dr. HanS Shyriot. Druck und Berlag: Brühl'fche Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße".