lange außen blieben.
Ille.
den könne.
Ille.
Würde man ihm einen rechtschaffenen Director schaffen, walte er schon
spiehlen.
Resolvitur').
Hoffe das orgelschlagen würde unterdeß von Derne, welchen er hierzu bestellet, dergestalt seyn versehen worden, daß deßwegen keine Klage gc- führet werden könne.
Nos3).
Halten Ihm vor, daß er bisher in dem Choral viele wunderliche Variation es gemachet. viele srembde Thöne mit eingemischet, daß die Gemeinde darüber confundiret worden. Er habe ins Künftige wann er ja einen tonum peregrinum mit einbringen wolle, selbige auch auszuhalten, und nicht zu geschwinde auf etwas andres zu fallen, oder wie er bißher hn brauch gehabt, gar einen tonum contrarium zu spiehlen. Nechstdeme seq gar befrembdlich, daß bißher gar nichts musiciret worden, dessen Ursach er gemessen, weile mit den Schühlern er sich nicht comportiren wolle, dahero er sich zu erclähren, ob es sowohl Figural alß Choral mit den Schühlern spiehlen wolle. Dann man ihm keinen Capellmeister halthen könne. Da ers nicht thuen wollte, solle ers nur categorice von sich sagen, damit andere gestalt gemachet und iemand Der diesses thäte, bestellet wer-
Rewerber mußte sich verpflichten, die tugendsame, damals bereits sechs- unddreitzig Jahre alte Jungsrau Anna Margaretha Buxtehude als leib- ^^Au^den^Bach^ügeftandenen vier Wochen wurden sechszehn. Nicht “Z 'LK-L
das Hochqewaltige seines Schülers klar erkennend, erschloß. Endlich mußte die Rückwanderung angetreten werden. Die Bangigkeit über dte eigen- mäditlae Urlaubsüberschreitung mag nicht gering gewesen sein; er »er- aaft fie denn er wußte, daß er in Arnstadt ein Mädchen treffen wurde, das Lnn mehr galt, als alles auf der Welt. .
Es war Maria Barbara Bach, seine aus Gehren bei Ilmenau gebürtige Base, die nach dem Tode ihrer Mutter zu einer Schwester derselben nach Arnstadt gezogen war. Mit dem Gefühl beglückten Stolzes batte Sebastian dem bescheiden und ängstlich in einen Kirchenstuhl gebrückten Mädchen gar manchmal auf Seiner Orgel vorphanwfiert. Wohl sicher in der freien, überschwänglichen Art, wie er beim Gottesdienst den Gemeindegesang begleitete und damit die ehrsamen Burger gänzlich in Verwirrung brachte. .
«um 21. Februar 1706 ward er denn auch zur Vernehmung vorgeladen. Das Protokoll „Johann Sebastian Bachen, Organisten in der Neuen Kirche betr. wegen Langwierigen '-Betreibens und Unterlassener Figural music , aufbewahrt im Archiv zu Sondershausen, lautet:
Actum, d. 21. Febr. 1706.
Wird der Organist in der Neuen Kirche Bach vernommen, wo er un- ßngft so lange gewesen, und bet) wem er dessen verlaut, genommen?
Ille1).
Er sey zu Lübeck gemessen umb daselbst ein und anderes in feiner Kunst zu begreifen, habe aber vorher von dem Herrn Superintend Verlaubnutz gedethen. , . , ,
Dominus Supermtendens-).
Er habe nur auf 4 Wochen solche gebethen, sey aber wohl 4mahl so
Soll binnen 8 tagen sich erclähren.
Aber Bach hatte sich noch nicht „categorice erclahrt . nachdem weitere acht Monate ins Land gegangen waren. Da riß dem bis dahin wirklich nachsichtigen Konsistorio die Geduld, und am 11. November 1706 steht der Delinquent zum zweiten Male vor seinen Richtern.
Actum, d. 11. Novemb. 1706.
Wird dem Organisten Bachen vorgestellet, daß er sich zu erclähren, ob wie ihm bereits anbesohlen, er mit denen Schühlern musiciren wolle ober nicht: dann wann er Keine schände es achte bey der Kirchen zu seyn, und die Besoldung zu nehmen, müßte er sich auch nicht schämen mit den Schühlern so darzu bestellet so lange biß ein anders verordnet zu musiciren. Dann es sey das absehen, daß dieselben sich exerciren sollen, umb dereinst Zur Music sich besser gebrauchen zu lassen.
Ille.
Will sich Verwegen schrifstlich erclähren.
Nos.
Stellen ihm hierauf ferner vor auß was macht er ohnlängst die srembde öungfer auf das Chor biethen und musiciren lassen.
Ille.
Habe Magister Uthe davon gesaget.
*
Die Liebenden waren offenbar kühner geworden; aus dem Schiss der Kirche hatte sich Maria Barbara allmählich auf das Chor neben die Orgel begeben, um mit Heller Stimme die Tondichtungen des Geliebten als erste zu fingen.
Ihres Bleibens in Arnstadt aber konnte nicht mehr länger fein. '
Am 2. Juni 1707 Erfd>einet Herr Johann Sebastian Bach, bißheriger Organist zur newen Kirchen, Berichtet, daß er nach Mühlhaufen zum Organisten beruffen worden, auch solche Bocation angenommen habe. Bedanckte sich demnach gegen den Rath geharfambst, Bor dißherige Bestallung, und bittet umb Dimission, Walte hiermit die Schlüssel Zur Orgel dem Rache, Bon dem« er sie empfangen, wieder überliefert haben.
Am 17. Oktober 1707 wird Sebastian Bach mit Maria Barbara in der Kirche zu Dornheim durch den Pfarrer Johann Lorenz Stäuber getraut
’) Jener; der Vernommene nämlich.
’) Der Herr Superintendent.
•) Wir, d. h. ein hohes Konsistorium.
*) Es wird verfügt.
oen
und mit 85 Gulden, 3 Maliern Korn, 2 Klaftern Holz und 6 Schock Reisig der junge Hausstand fröhlich begründet.
Die fremde Jungfer aber ward die Mutter Friedemanns und Karl Philipp Emanuels.
3m Reich der Bubis.
Von E. von Ungern-Sternberg.
Wen hat es nid)t in den grauen Stunden des Alltags hinaus in eine wilde Märchenwelt gelockt, in bas Schweigen des tropischen Urwaldes, wo sich Papageien in Palmen wiegen und bunte Psesterfchnäbet neu- gierig von Riesenbäumen herunterfcyauen, wo Riesenschlaugeii zwis.hen Lianen aus ihre Beut« lauern uno Feuerstiegen die schwüle Nacht erleuchten? Wie viele sind hinausgezogen, uno wenn sie auch weder Gluck noch Stern hatten, jo hat ihnen doch das Abenteuer unter freiem Himmel gelächelt, [o in der Wertstatt Gottes, im jungfräulichen Tempel der 'Jlatur gewesen. Dort fallen die Schlacken eines dürftigen Daseins wie^ unnütze Schalen ab, ein großes Erlebnis läßt alles ja/unn-ben, was -Lcuu) mar, und man wächst in eine neue Well hinein, die voll von Ojfen-
Eine Seefahrt in den Tropen! Am bleiblauen Himmel brennt am Tage das große Feuer der Sonne, dessen Flammenstrahlen die Menschen- gehirne ausdorren und das Meerwajfer zu salzigem Verdunsten zwingen. Fliegende Fische klatschen unter das Sonnenjegel, unförmige Ungetüme -eigen sich auf den Gischtkämmen der Wogen und verschwuvden wieder in ichwarzen Tiefen, und rings um die winzige itamp,ende Menschemnsel wogt die unfaßbare Oede des Ozeans. Wenn dann das südliche Kreuz austeuchtek und die Dunkelheit aus dem Osten der fliehenden «wnne nach- sagt dann öffnet die Sternenkönigin die Tore der Unendlichkeit. Unten glühen die Wasser, hinter der Schiffsschraube gleitet ein Strom von silbernem Licht, und das Schiss trägt den Menschen durch den Frieden und durch die Herrlichkeiten des Weltalls. Tage folgen ten tagen, bis end- lich aus dem gleißenden 'Wasserspiegel die Häuser von Santa Jfabel auf- tauchen und im Hintergründe die Berge von Fernaitdo Poo blauen. Bon dort gibt es eine weitere Verbindung nach den Inseln von Eonsvo, Annobon, Elobey grande und Chico und nach dem 91 um, nad) ben letzten Resten des spanstchen Kolonialreiches, das der Welt fo fremd ist und nur selten von Forschern besucht wird. „ ,
Santa Isabel ist heute ein nettes Städtchen geworden mit gepflegten Gärten und mit einigen stattlichen Gelwuden. Nur wenige Europäer halten auf die Dauer dem ungesunden Klima stand. Die Mehrzahl der Bevölkerung bilden di« Neger, die sich in dichten Hausen am Kai sammeln, wenn einer der seltenen Dampfer in den Hasen einlauft. Die meisten unter ihnen sind in ihre bunten „Capas" gekleidet, die Manner und yrauen ohne Unterschied des Geschlechtes tragen. Irgendein Schwarzer beginnt plötzlich, auf einer Blechkiste den wilden Takt einer Marmga zu schlagen, allerlei barbarische Instrumente sollen tosend ein, und der Ball ist ferhg. Dazu wird Njamge, ein übelriechender Palmwein, in unbegrenzten Mengen genossen, bis das Fest zu einer Orgie auszuarten drohtt Die bescheidenen und durchweg unkomplizierten Gedanken der dortigen Neger, mit Ausnahme einer geringen Oberschicht, gehen selten über Besicht um> Gehör hinaus. Sie sind zufrieden, wenn sie wenig oder keine Arbeit, reichlich Essen, Tabak, Njamge, Lärm und Tanz haben.
Die eingeborenen Neger Fernando Poos, die Bubis, gehören jur großen Familie der Bantus. Mit wenigen Ausnahmen Hot sie die Kulttir kaum berührt, im Inneren der großen Insel leben sie noch saft im Ur- zustande dahin. Da es ihnen verboten ist, die Stadt nackt zu betreten, so legen sie, wenn sie aus dem Inneren kommen, vor den -Loren die seltsamsten Kleidungsstücke an. Man sieht Männer in steisen Hüten ohne Krempe, Frauen in abgelegten Uniformftüden. Die Hauptsache ist, daß alles möglichst bunt ausschaut. Auch ihre religiösen Begriffe sind trotz der Bemühungen der Missionare recht primitiv gebsiebem Sie kennen den guten Gott, den Rupe, und den bösen, den Kortmo. Man versucht, den Zorn des letzteren durch heimlich« Opfer zu besänftigen. denn da der Rupe schon an sich gütig ist, so hält es dl« Logik d«r ^ubis für mt- nütz, sich feinetroegen irgendwelche Muhen aufzuerlegen. Di« Bubrs haben auch ihren eigenen König, der den schönen Namen Malabo fuhrt, der aber sorgfältig die Berührung mit den spanischen Behörden meldet, weil er nie ein reines Gewissen hat und meistens betrunken ist. Er darf als äußeres 'Zeichen seiner hohen Würde einen Hut mit breiter goläener Borte tragen, den irgendein Abenteurer vor Jahrzehnten aus der Insel vergessen haben mag und der jetzt die Rolle einer Konigskron« spielt
Fernando Poo ist mit seinen Pflanzungen und Faktoreien trotz der halbwilden Stämme der Bubis, doch ein mehr oder weniger der Kultur eröffnetes Gebiet. Der Handel mit Kakao und anderen Fruchten ist be- deutenid. Landen wir aber an der Muniküst«, fo empfängt uns die tropische Wildnis Afrikas mit ihrem Zauber, mit ihren Schrecken und G«- beimniffen. Auf Flachbooten, die den Rio Campo, den Upvanyo und den Utamboni hinauf gerudert und gestoßen werden, fuhrt der Weg m Gegenden, die kaum ein Weißer betreten hat. Durch schweigenden Urwald, in dem Riesenblumen in hundert Farben leuchten, vorl^ian Strmn- schnellen und schroffen Festen. Dann wieder kommen stille Seen m denen bunte Vögel schwimmen und Flußpferde schnauf en und an deren liier der Bofumcnbaum mit feinem Dutt die Luft erfuUt. EbenhoLimatb« und Wiesen, auf denen Büffel grafen. In der Nacht am Lagerfeuer tlebui tue naffen Kleider am Leibe. Dumpf und schauerlich klingt der Rus des Ätansaffen durch den stillen Waid. Am Boden kribbelt es. und .rgendnn Nachtgetier windet sich durch das Buschwerk und schiebt sich durch bte faulende Schicht auf der Erde. Leuchtkäfer blitzen wie gift,ge grnne Punkte auf Ekle Gerüche steigen aus dem Boden, Insekten knechen in ganzen Armeen heran, und schwirrende Kerbtiere kreisen um das Feuer und versengen sich. Das Fieber kommt und lagt durch die Adern, bald heiß, bald kalt, und öffnet das Auge zu einem fernen Schauen »cm un- wirklichen Dingen, die bald grauenhaft und bald herrlich sind. Hoch durch die Kronen der Urwaldbäume schauen di« falten, eternenaugen des Unerreichbaren. . “ ------ ----


