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ein
das Iulfest dreizehn Kühe jählingi
schwarzes Shit? Des Herrn Gericht!
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Verantwortlich: Dr. Hans Lhyriot. — Druck und Verlag: Brühl'sche Univerf itötS-Buch- und Eteinbruckerei. D. Lange
Aber bevor er ,Ade, du mein
— Aber niemand antwortete ihr.
Die Schloßfrau hatte die Hand
" ■ Der Rabe hatte gekrächzt: ein Hauch des noch verborgenen Wetters mochte ihn gestreift haben; woher es koinmen sollte, wußte er nicht. Ich aber will es jetzt erzählen. - ~ , r
Eine Meile von Dorning gegen Osten, hinter dem Dor,e Hammelef lag das später im sechzehnten Jahrhundert abgebrochen« Schloß Haderslev- huus; man nannte es auch eine Bergfeste, denn wie jenes lag es in diesem höhenarmen Lande auf einem Hügel von wenig über achtzig Schuh. Alter Buchenwald bedeckte diesen und begrub fast das Schloß in feinen Wipfeln; aber auch nach Osten breitete er sich aus, doch so, daß dort ein schmaler Sandweg dicht an der jäh abfallenden Hugelwand vor- überführte und den Hinaufblickenden den oberen Teil des stumpfen Schloh- turms sehen ließ. Wer etwas weiter ging, gelangte an eine von den ältesten Bäumen überwölbte Auffahrt, die in Windungen zum Schloß emporführte; wer nicht dahingehörte oder dort nichts $u_ fdjaffen hatte, den brachte der Weg, um taufend Schritte weiter, in die Stadt hinab. — Bor Beginn jenes Sandweges aber führte ein anderer, breiterer Weg zu Westen in weitem Bogen um den Schloßhügel und durch die freie Landschaft nach demselben Ziel«. Dies war der gewöhnliche Stadtweg; denn in dem anderen war vor Jahren ein Bauernbursch vom Wolf zerrißen
„Nein, Ningang, nicht wie Asche!" rief der Knabe; „ich ftch es: tm Norden, weit hinaus, stieg schwarzer Nebel aus der Erde und schwimmt wie eine Wolke auf uns zu; seht nur, es wird ganz finster hier! Kommt, kommt mit hinaus!"
Die Kind«'' faßten beide die Hand des Baiers; und er lieg sich von ihnen ans dem Gemach und nach dem stumpfen Turm hinaufziehen: auch die. Mutter mit der älteren Tochter und die beiden älteren toöfjne fließen auf dem Wege aus Hallen unb Gemächern zu ihnen. Als sie die Platte des Turms erstiegen hatten, stand schon, ein Teil des Gesindes dort ituh wich ehrerbietig an die Seite; alle schwiegen, nur die alte Schaffnerii', flüsterte mit ihrer heiseren Stimme zu dem einen oder anderen: „Die Zeichen des Herrn erfüllen sich! Wißt Ihr noch, da um das Iulfest dreizehn Kühe jählings wild geworden? Und da wir nach dem Backen das erste Gerstenbrot anschnitten, schnitten wir nicht in schwarzes Blut? Des Herrn Gericht! O alle Heiligen, seid unsre Helfer!"
. . . .. ______ ihres Mannes ergriffen, und bald
lagen olle Kinderhände in der feinen; denn schon hatte das schwarze,
worden, und die Leute gingen dort nicht gern.
Die feste Burg, von deren Ursprung schon derzeit keine Kunde gewesen zu sein scheint, war mit den Wäldern und sonstigem Landbezirk seit Jahren im Psandbesitz des Dänenkönigs Waldemar Atterdag, wenngleich sie zu dem Leibgeding der Witwe des Herzogs Erich gehörte. Em schles- wiqscher Ritter, Hans Ravenstrupp, faß als Schloßhauptmann des Königs dort ein Mann von gewaltigem Körperbau. Halbwüchsig war er emft ein wilder Ge ell gewesen und von rascher Faust; er hatte den eigenen Bruder einmal fast im jähen Zorn erschlagen. Doch je mehr [eine mächtige Gestalt sich auswuchs, je mehr er gefürchtet, ja als überlegener Streitentscheider aufgerufen wurde, um so milder wurden [eine Sitten; dazu hals ihm auch sein froh und gut Gemüt, das ihm der Herr mit auf Me Welt gegeben hatte. So war er ein glücklicher und fester Mann geworden. In einigen Händeln feines Königs hatte er grimmig und mit Glück gefochten; kam er dann heim mit seinen Burgleuten, so standen vor d-r offenen Torfahrt fein zartes dunkles Eheweib, drei «ohne und zwei Töchter, alle voll Kraft und Wohlgestalt, und schwenkten grüne Buchenzweige in den Händen; dann sprang er von seinem Streithengst, und sie gingen über den Hof in das große Tor der untern Halle, das erst vor wenigen Jahrzehnten von der Herzogin hier gebrochen war; und Gluck und Friede gingen mit. Zogen an Sommerabenden dann Wanderer und Reiter unten durch den Sand weg, jo hörten sie manches Mal em Zachen ober Rufen von frohen Kinderftimmen über sich; dazu wohl eme tiefe Männerstimme, die beruhigend dazwischen sprach. Sie gegarte dein Ritter Hans Ravenstrupv, der hier feine Abendmuße mit Frau und Kindern teilte- denn der Burggarten, den ausnahmsweise, dieser fürstliche Bau besaß, lag dort hinter starken Mauerzinnen. Die Hugelwand freilich fiel hier steil und kahl hinab; aber hart daran war eine üahsche Pappel, derzeit eine Seltenheit hierzulande, fo hoch hinaufgewachsen, daß fie die Maner wohl um zwanzig Schuh noch überragte. An einem ihrer oberen Zweiglein flatterte jetzt an leichtem Faden ein Kunstschmetterling aus bunten Hahnenfedern, den die ältere Schwester Hellwig angefertigt und den der Baier dort befestigt hatte. Der älteste Knabe stand hmter Würzebeeten an dem Taxusbusche, seine gespannte Armbrust tn der Sage; die Jüngste, die kleine süße Dagmar, hatte die Mutter aus den Arm genommen, damit sie alles sehen könne. Nun fam aufs neu Lufthauch, der den Sommerovgel flattern macyie. „schieß. rief öer Baier, und der Bolzen flog von des Knaben Armbrust; eine tfeber stob aus dem Schmetterling und wurde von dem Winde hoch in die Luft getrogen. Da klatschten alle in die Hände, der Vater und die Mutier auch, und die süße Dagmar schlug ihr Kinderlack-en auf und ließ mchl ab, sich ihre Händchen rot zu patschen.
seiner Erde.
Ein paar Monde schien dann das Sterben im Schlosse aufzuhalien; da eines Tages trat die Schloßfrau zu ihrem Eheherrn in fein Gemach, gekrümmten Leibes, mit entstelltem Antlitz. „Benedikte!" schrie er.
„Ja, Hans, ich muß nun auch von dir!"
„Du nicht! Du nicht, Benedikte!" Und er streckte feine Arme nach ihr aus. „Herr Gott, wo bist du? Herr, schütze deine Menschen!"
sie berührete, war sie mit ihrer letzten Kraft entflohen.
Herzenstrauter! O süße Dagmar!" So rief sie noch
von Norden kommende Dunstgespenst sich über sie gebreitet und sank in furchtbarem Schweigen auf die Erde.
„Kommt!" sprach der Ritter leise, indem er mit den Seinen zuerst die Treppenstufen hinabstieg. Und alle folgten ihm nach unten zu der kleinen Burgkapelle, deren Torklinke nur noch mit tappender Hand zu finden war. Drinnen aber zogen schwarze Nebelflocken unter der ge. wölbten Decke und verbargen das Antlitz des crucifixus über dem Haupt- altar; und von dem Bilde der Mutter Gottes scholl die zerrissene Stimme der alten Schaffnerin: „O heilige Jungfrau, deine Augen! Wo sind deine Augen?" Alle tagen auf ihren Knien in den Stühlen und beteten stumm und schrien mit gerungenen Händen zu Gott und allen seinen Helfern.
Sie hätten es sich sparen können; denn der schwarze Tod war ge. kommen, der die Welt leer fraß, und gegen den nichts hals als sterben.
In selbiger Nacht noch blies er den jüngsten Knaben an, und sein Eingeweide brannte, seine Lippen wurden wie Ruß, und am dritte» Tage war statt des schönen Knaben ein schreckhafter blauschwarzer Leich, nam auf dem in Todesqual zerwühlten Bette; dann griff er nach der schönen ältesten Tochter; bann nach den beiden andern Söhnen; unb fie starben alle, alle. Hallen unb Gemächer bufteten Tag für Tag noch frischem Gras unb Tymian, das gegen die böse Pestluft überall gestreut wurde; aber die Mutter Erde unb ihre Kräuter hatten keine Heilkraft mehr; es war, als ob selbst Gott ber Herr bie Macht verloren habe auf
Es wurde alles anders. — Einige Jahre später, es mar «n einem Nachmittag des Septembers 1349, da ber Ritter mit seinem «chreiber an ber Arbeit saß, kamen die damals elfjährige Dagmar und ber um em Jahr ältere Bniber Axel mit erschreckten Gesichtern zu ihm hereingefturzt. Etwas unwillig blickte er auf; „Was ist? Was habt ihr Kinder?
Sie waren fast außer Atem; aber Dagmar, das schmachnge Ding, war, wie um Furchtbares zu erzählen, mit erhobenen Armen vor ihn ^"^Ra°cht!" rief sie. „Es wird Rächt, Vater!" Unb aus dem schmalen Gesicktlein sahen die schwarzen Augen zu ihm auf.
Der Ritter blickte um sich: sie hatte recht, die Sonne war verloschen; bie Wände des Gemaches ftanben öd und lichtlos. .
„Ja, Herr," fugte der Schreiber; es fällt wie Asche aus die
zurück.
Er hatte ihr folgen wollen, aber ein bewußtloser Schrecken halle ihn festgehalten; dann ging er taumelnd nach ihrem Ehegemach; aber es war leer, und seiner Sinne unmächtig, sank er auf das große Bett.
Die Schaffnerin, die noch lebte, fand ihn am anderen Tage; aber sie erkannte, daß bas große Sterben ihn nicht ergriffen habe.
Währenb fie ihn pflegte, war fein Weib verschwunden, und Dagmar, um die sich niemand kümmerte, das blauschwarze Haar wirr um ihr blaßes Gesichtchen, lief, nach der Mutter weinend, durch Hall' und Gänge. Da wollte eine der Dirnen ein Gewandstück aus einer entlegenen Kammer holen; aber schreiend stürzt« fie zurück, denn auf einem alten, dort stehenden Bette lag ein schwarzer Leichnam, dem die Abendsonne das Gesicht beschien. Da die anderen Dirnen hinzukamen, sahen fie, es sei bie Schloßfrau, die einsam hier gestorben war.
Als der Ritter aus seinem Wirrsal aufwachte, war sein Weid nicht mehr im Haufe. Die Kinder lagen drunten auf dem nahen Kirchhof; der aber hatte lang schon keine Erde mehr für neue Tote; seitwärts vom Walde war eine Niederung, dort hatte man mit Pfählen ein Vier«? ausgeschlagen, wohin nun alle gebracht wurden, die der Tod erschlug. Draußen auf dem „Pestacker" war auch de« Ritters Weib vergraben worden; so erzählte man ihm jetzt.
Er erwiderte kein Wort auf diese Kunde; aber er erhob sich bald von seiner Bettstatt. Den Gürtel lose um den grauen Leibrock geschlungen, die Otterkappe in die Augen gedrückt, schritt er langsam durch alle Hallen und sich kreuzenden Gänge des ganzen Baues, treppauf und -ab; mitunter riß er eine Tür in ihren schweren Angeln auf, er stand wie hintersinnig auf der Schwelle und blickte in das düstere Gemach; aber die Zellen waren alle leer und totenstill; wo die Aelteste geschlafen hatte, lag in ber Fensterbrüstung noch bas verhungerte Rotkehlchen, bas ber kleine Axel ihr einst gefangen und jubelnd heimgebracht hatte; niemand hatte die Zellen öffnen dürfen, seitdem bie jugendlichen Gestatten als furchtbare Leichen dort herausgehoben waren.
Das Leben unb die Arbeit tag danieder, alle Ordnung und Gefchöst war aufgelöst; aber jeden Tag, morgens und wenn die Sonne nkocr- fank, machte ber Ritter feine düsteren Gänge durch die Burg; er rechne« nicht mit sich, weshalb; es war auch Sonstiges nicht für ihn zu tun. Ein paarmal war Dagmar ihm keife nachgefchlichen, aber er fab W rückwärts; auch als fie in Angst und Sehnsucht stärker auftrat, Mchlin nur seine Hände auf dem Rücken sich fester ineinander, und ohne sonmge Bewegung schritt er weiter. Da blieb fie stehen, legte die Finger auf iPr zitternden Lippen und verschluckte ein paar Tränen, di« ihr aus oe Augen fielen; bann kehrte fie nm und suchte bei ber alten Schastnem ihren stillen Unterschlupf.
Nur einmal, da bei feinem Vorübergehen bas blasse Gesichtlein W so stumm und flehend angesehen hatte, ging er aus seinem Toten» nicht weiter. Er gedachte plötzlich einer Base feines toten Weibes, M einst in ihrer Jugend am Trüringer Hofe auf kurze Zeit zu den aeww Frauen gezählt worden fei; denn fie verstand zu lesen und zu fchrem'; hatte sogar ben Virgilium studiert; auch Paramentenstickerei und v w Künste hatte fie verstanden. Sie war nun alt und lebte in einer nein- Stabt von einem Rentlein, welches ihr die Sippe gab.
Der Ritter ging in fein Gemach; er setzte sich an fernen Sem unb lud bie Base ein, zu Zucht unb Lehre Dagmars in fein J kommen. Unb nicht lange, so war fie mit ihrem kleinen Hausrm gerückt; darunter befanden sich ein Päckchen Pergamentrollen un schriebener Blätter, eine sauber geschnitzte Mutter Gottes und eine » Anzahl von Glasscheiben, für welche man auf ihr Verlangen dos' nur mit dünnen Därmen bespannte Fenster ihrer Kammer zuncy»-^
Seitdem lebte und schlief Dagmar mit ber Base. „Wir wollen » mitsammen haben, Kind!" sagte die Alte, da sie zum erftenmai dem Mädchen in ihren breiten Sessel fetzte.
! (Fortsetzung folgt.) ___—-
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