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«ft. .Zöchte Sie nur daran erinnern, daß Julien Benda, einer der klügsten Köpf- des heutigen Frankreichs, sein erstes und vielleicht bestes BuchTüialoguesl Byzance" betitelt hat. Byzanz war ein großes Boll- werk des f gjnot^e neigende slawische Seele bedurfte gleichsam der byzantinischen Formelhaftigkeit, um sich nicht zu verlieren ...?
So ift es. Als das klassische Ballett durch einen Deutschen, den Pastor Jobann Gottfried, nach Rußland gebracht wurde, fand es dort einen überaus günstigen Boden. Später gedieh es gerade bei uns zu einer höchsten Blüte in der verfeinerten Atmosphäre des Hofes Heute ist die Tradition des klassischen Tanzes so sest gegründet, daß es des Hofes nicht mehr bedarf. Unser Tanz ist unzerstörbar, weil er bereits sagenhaft ge- «Vshr Ruhm ist sagenhaft und zerbrechlich zugleich. Ihr- Werk ist ein Werk, das vergeht und schon vergangen ist, bevor Sie noch von der Tanzbühne abtreten. Es muß immer neu geschaffen werden, und mit ihm der Ruhm, der es umgibt. Sie müssen Ihren Richm unermüdlich befestigen. Er ist nicht eingeschlossen aus immer in geschriebenes Wort, gemeißelten Stein, ausgezeichneten Klang. Es dauert nur, so lange Sie leben und ihn lebend verteidigen. Er ist nur ewig, wenn man glaubt, daß Sie auferstehen."
„Das ist das qualvolle Glück des Tänzers und der Tänzerin. Wir kennen keine Sattheit."
Die Karsawina lehnte sich, als sie dieses gesprochen hatte, zuruck. Ihr Blick hinq in der Ferne. Aber kein Muskel ihres Gesichts war entspannt. Sie hatte wie ein Theologe vom Geiste gesprochen und wie eine Liebende von der Seele. Jetzt schwieg sie, und aus dem Feldherrnblick der Schweigenden sprühte das dritte Element, das härteste non allen: der Wille, noch einmal der Wille und immer wieder der Wille.
Der Haushahn.
Von Hermann L i n g g.
Er hatte Mut und einen stolzen Schritt, Er lieh nur selten sich begleiten, Er war ein Herr, der keine Kränkung litt. Er hatte Sporn, gleich wie ein Mann zum Reiten; Sein Haupt war feurig, voller Gluten ganz. Er stammte vom hispanischen Geblüte,
' Man sah's an seiner Federn dunklem Glanz, Und wie der Stolz aus seinen Augen sprühte. Viel traute Frauen gingen vor dem Tor Im Hofraum mit ihm aus und ab. Richt wie das Huhn nahm ihn die Köchin ab. Ihm stand weit Schlimmeres bevor;
Er war in Ruhestand versetzt. Und dies hat ihn so tief verletzt. Daß tief er's in die Erde kratzte, Ja, daß ihm schier davor
Der rote Kamm auf seinem Haupt zerplatzte.
Ein Fremder, ein Brahmine kam.
Ein Cochinchina trat an seine Stelle, Und ach, die Herzen aller Frauen nahm Der Fremdling ein mit Blitzesschnelle. Dem Haushahn blieb für all' erlitt'ne Kränkung Rur ein Ersatz, ihm blieb der Mist, Der Berg, von dem er jede Schwenkung Des Gegners übersieht und sich vergißt, Wenn ganz Verächtliches der andre frißt.
Dann singt er in der Morgensrühe Sein Weckelied der ersten Tagesglut Und denkt, was gibt sich doch die sremde Brut Mit Singen viel vergebne Mühe.
Und stolzer wallt er durch die Flur Und sieht auf jeden Hahnensuß entzückt, Weil noch im großen Buche der Natur Ein Blümchen sich mit seinem Namen schmückt.
Deutsche Vergangenheit in Strasburg.
Von S. Gerlach.
In der alten Soldatenstadt sind die schmetternden Clairons zum Empfang des Ministerpräsidenten Poincare verstummt. Man sieht m den engen Gassen und menschengefüllten Plätzen keine wehenden Trckoloren mehr. Die kleinen Mädchen mit ihren bunten Trachtenrocken, gestickten Miedern und flatternden Flügelhauben haben die Blumensträuße mit dem Schulranzen vertauscht und sitzen über Participes pass6s und unregelmäßigen Verben. Auch der „Bourgeois — dieser Bonvivant , wie er im Buche steht, der in einer gut gebackenen Pastete d«/ Weisheit Anfang und Ende sieht — ist ins gewohnte Geleise zuruckgekehrt. Cr ist soweit zufrieden. Die flammenden Worte des französischen Staatsmanns haben seiner leicht erregbaren Eitelkeit geschmeichelt, und die lungst erfolgten Verhaftungen mahnen zur Vorsicht. „Sie wellen uns hack. äasWor, das nach dem Waffenstillstand von Mund zu Mund flog, geht dem nicht denkenden Straßburger noch heute glatt hinunter wie ein alten Türkheimer Weins.
Vor dieser Zuhörerschar durste Poincare es ruhig um gen „de corriger l’histoire" und Goethe als Kronzeugen für den ,m Eftatz herrschenden französischen Geist im 18. Jahrhundert anzurufen-Sicher war keiner da, der ihm auf samtenem Kissen das neunte Buch aus Dicht ng und Wahrheit überreicht hätte, um ihn mit des Dichters eigenen Worten Su schlagen. „Elsaß war noch nicht lange genug mit Frankreich r^r- bunden, als daß nicht noch bei alt und jung eine liebevolle Anhänglichkeit an alte Verfassung, Sitte, Sprache, Tracht, sollte übrig geblieben sein,
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heißt cs dort, und später wird Goethe noch deuitcher unD verennt: „<so waren mir denn an der Grenze von Frankreich alles französischen Wesens auf einmal bar und ledig. Ihre Lebensweise fanden wir zu bestimmt und zu vornehm, ihre Dichtung kalt, ihre Kritik vernichtend, ihre Philosophie unzulänglich." So sah es im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts in Straßburg aus. Das Volk hielt fest an seiner Mundart. Die Kleidung war _ deutsch. Im Gegensatz zur Pariser Schleppe, die hier als „Mißstand galt, blieb man bei der knappen Kleidungsart, und nicht nur m den einfachen, sondern in den höchsten Kreisen. Die Bürgermädchen trugen das Haar in chlichten, dicken, mit einer Ziernadel festgesteckten Zöpfen als Krone über irom Nacken. Goethe fühlte sich durchaus heimisch. Er selber schildert m Dichtung und Wahrheit, wie er unter Herders Einfluß immer mehr „von der sranzösischen auf die deutsche Seite" getreten ist. Man kann wohl sagen, daß er nie so bewußt, so ausschließlich deutsch gewesen ist, wie zwischen den Schanzen und Mauern, Wällen und Türmen der „wunderschönen Stadt".
Der junge Dichter konnte sich dem Zauber nicht entziehen, der auch heute den Besucher in Straßburg gefangen halt. Deutsche Vergangenheit, deutscher Geist und deutsche Kultur leben in diesen Mauern, Hosen und Gassen denen keine Neuzeit, kein Umsturz das wahre Gesicht rauben tonnte.' Wohl tragen die Plätze mit ihren roten Sandsteinbauten franzo- sisches (Ücpräge Aber die Gassen, die diesseits und lensests des .Wassers kreuz unb quer eilen, von der Jll zum Münster und von dort rote ber zu ben Wen Staben hinunterlaufen, find durchaus deutsch geolleben. Cnt= zückend sind die Namen: das HimmelsahrtsgaßlelN, die Hollfegergasse, Unter ben Sünbern, Im Brand am End unb Wo der Fuchs den Enten predigt. Die Häuser trugen keine Nummern, sondern Bezeichnungen und Wahr- Wen di« gewöhnlich mit Stand und Beruf der Bewohner zufammen- binaen' Das Handwerk blühte. Die einzelnen Gewerbe waren an be° stimmte Stadtteile gebunden; es gab eine eine Spiehgasse,
einen Gerber-, einen Schneidergraben, eine Schiffleutgasse, einen Ferkel- unb einen Fischmarkt. All diese Namen leben fort; keiner Mrd sie von der Tasel der Geschichte löschen können. Unter ben „Lauben , die, vom Gutenberg- zum Kleberplatz führen, sitzt der kleine Straßburger Händler in spärlich erleuchteten, phantastisch wirkenden Ladchen und Trodlerbuden. Schmalbrüstige Häuser steigen mit spitzen M°beln und munter kletternden Dächern, mit Türmen und Kaminen zum Himmel. Don hellen Mauern d'bt sich dunkles Fachwerk ab, aus dessen Gebälk kleine, blinzelnde Fenste^ äugen lugen. In haardünnen Gassen fesseln handgeschmiedete Gitter, reich geschnitzte Tore den Blick. In dunkeln Häsen über ine sich luftige Holz- - qalerien schwingen, versinkt eine Welt, und «ergangene Jahrhunderte leben wieder auf. In der Goldschmiedegasse mar 5, daß Kaiser Sigismund einst alle güldenen Ringe aufkaufen ließ, um die
Mädchen, die ihn „bei Tanz und (Belag so gut bewirtet und vergnügt hatten", zu beschenken. , ....
Das ist das Straßburg, aus dem Tristan unb Kolbens unsterblicher Siebes gelang erklang, in dem Gutenberg die neuen Waffen des Geiste, erlaub unb8 bie großen Humanisten Sturm Sl«wan, schopflin, V^rte des Lebens prägten unb unvergängliche Werte schufen. Das „Gasthaus lum Raben'' dicht bei der einstigen „Schmdbrucke , von der die armen Sünder und' Missetäter in das fchwarze, brodelnde Wasser geworfen wurden hat deutsche Kaiser, Fürstlichkeiten und hohe Herrschaften de- herbergt. Durch bie Metzgerstraße 'rollte der Wagen des Preußen omgs 'vri^brirfi II unb über dasselbe Pflaster polterte die Kutsche, die den iungen Studiosus Goethe nach Straßburg brachte. In dem Wirtshaus
Sum heiligen Geist" stieg er ab, um dann bald darauf am Fischmarkt 'auf der^ Sonnenseite „ein kleines, wohlgelegenes, anmutiges Quartier zu beziehen." Dieses hohe, schmalbrüstige Haus ist erhalten geblieben, ebenso bie$ Wohnung der Jungfern Lauch an der Ecke ber ^uoblochgasse und des Schisferqäßchens, wo Goethe mit Salzmann, 3ung=ShUing, Lerse und ven'chiedenen anderen IDlitgliebem der berühmten „Tafelrunde speiste.
Steil aus dem Gewirr der Gassen, über Giebeln, Dächern und Türmen ragt das Münster in den abendlichen Himmel. Es warb dem iiinaen Goethe zum inneren Erlebnis. Immer wieder zieht es ihn zu Erwins Bau der in seiner „Erhabenheit so gefällig wirkt und alsburch- aeiftiater hundertfach durchbrochener Stein zum Entzücken der Mensch- hetemparwächst. „Wie eine Maienblume", heißt es in einem alten beut’ toen flirtenbrief Oft ist ber junge Dichter mit seinen schwärmerischen Freunden auf die Plattform des Gotteshauses gestiegen, um bet klingenden Bechern und fröhlich hin- unb herschwirrenden Reden den Tag blutrot über den blauen Wasgaubergen versinken zu sehen. Um sich plan- mäftia von den Aengsten und Qualen des Schwindels zu befreien, hat er Heb ohne Begleitung in den höchsten Punkt des Münstertnrms gewagt Er steht völlig frei auf einer ellenlangen Platte über bem Dom mit feinen binnen unb Zacken, über ber wehrhaften Stadt mit ihren Wallen und Türmen und bem unendlich weit sich ausdehnenden Land. Cr erklimmi die ö die außerhalb des Mauerwerks liegen und als Schutz nur eisem?Stäbe Habern und so gelangt er bis unter den Knopf ber
Jahrzehnte später bie rote Jakobinermütze tragen sollte. Bon der Höhe des Münsters wird Goethe zum ersten Male die ganze Schönheit und Fruchtbarkeit des Elsaß, dieses „Wonnegartens , „dieses Paradieses , offenbar und mit ^Entzücken segnet er bas Schicksal, das ihm für einige Zeit solch schönen Wohnplatz bestimmt hat." Bon tl’eft?f .^0 )L n,u,s er< kennt er aber auch den Geist und die-Schönheit der deutschen Gotik und setzt in seiner „Deutschen Baukunst" Erwin als dem Schöpfer des Munsters jenes unsterbliche literarische Denkmal in dem er Bekenntnis ab- leqt von seinem deutschen Denken und Fuhlen.
Die Kraft von Zeiten unb Geschlechtern, die längst versunken sind, ist imnier noch im Münster lebendig. Menschen kamen und gingen, wurden geboren unb starben; Sterne stiegen auf unb versanken; aber bie Ulomen der Himderte die die Pfeiler und Wände der Münfterplattform bedecken, sind geblieben. Herder, Lavater, Goethe, sie haben sich alle in ben S em eingetragen — nicht weit bavon Montalembert und Voltaire — aber durch ben" Namenszug des großen Spötters zuckte der Blitz, und man sagte, es fei die Strafe für fein „Ecrasez l’Infäme!"


