Vaters und behütete mütterlich die zahlreichen jüngeren Geschwister, bie Mädchen und die Buben, „die übereinander krabbeln wie junge Katzen", hier lernte Goethe sie kennen und lieben, und durch ihn wurde Wetzlar zur Wertherstadt.
Hatte so Lotte den Mittelpuirkt ihres Lebens, bis I. C. Kestner sie nach Hannover entführte, in Wetzlar und kam sie nur vorübergehend zum Besuche ihrer Verwandten und Bekannten nach Gießen, so hatte und hat doch die Familie Buff als solche mehr und nähere Beziehungen zu Gießen, es müßte denn festgestellt werden, daß die schon im 18. Jahr- ?wndert in Wetzlar vorkommenden Personen dieses Namens zu den Vor- ahren unserer Buffs gehörens. Die Beziehungen der Familie Buff zu (Kloster bei Straßburg), das er 54 Jahre regiert hatte.
Gießen im Rahmen einer kurzen Familiengeschichte 31t schildern, ist Aufgabe dieser Zeilen.
In der Mitte des 16. Jahrhunderts wanderte Steffen Boff, von Schwaibach bei Braunfels kommend, in dem Städtä)en Butzbach ein, wurde 1563 Bürger und betrieb dort nach Verheiratung mit Katharina oder Margarethe (Löwer?) von Marburg das Bäckerhandwerk. Sein Sohn Ludwig übernahm nach dem friihen Tode des Vaters das Geschäft und heiratete die einer Butzbacher Bäcker- und Ratsverwandten- famrlie angehörende Margarethe Schlich (1597). Auch dessen Sohn Johann Henrich Boff blieb dem Bäckerhandwerk treu, bei der Wahl seiner besseren Hälfte aber zog er das nahrhafte Metzgergewerbe vor, indem er 1639 Anna Sophia Krecker, die Tochter eines Ratsverwandten und Metzgers, zum Traualtar führte.
Ein Sohn des Johann Henrich, Johann Jacob Buff, geb. 1648, wurde Präzeptor in Nidda später in Gießen und sein Sohn Simon Heinrich war praeceptor chassicus daselbst. Auf diesen Zweig der Familie, von dessen weiteren Schicksalen nur bekannt ist, daß eine Tochter des letztgenannten den Professor Wolf in Gießen hc.ratete, bezieht sich das in der Mauer der alten Friedhofskapelle in Gießen eingemauerte Epitaph mit der Inschrift: „Dieses Jmmhoffsche Epitaphium ist von beiderseits Blutsfreunden Johann Jacob Buffen, Praeceptor und Organist und Simon Rietschen, Bürger und Messerschmied, beide zu Gießen, zu der ihrigen Grabstätte renoviert. 1703."
Ein anderer Sohn des Johann Henrich, der 1640 geborene Henrich Buff, studierte Theologie und wurde 1669 Kaplan und später Oberpfarrer in Münzenberg. Er heiratete Anna Catharina, Tochter des Gcrichts- schreibers und Försters Petri zu Crainfeld und starb 1724. Der in die Mauer des alten Friedhofs zu Münzenberg eingelassene Grabstein zeigt die Wappen Petri und Buff, welches letztere mit mehr oder weniger Aenderungen heute noch von der Familie gefichrt wird, und meldet, daß dem Ehepaar 4 Söhne und 5 Töchter geboren wurden. Von den Töchtern heirateten drei in die Pfarrfamilien Sturm, Faust und Plötz bzw. Hahnenfels. Bon den Söhnen wurde einer, Johann Paul, verheiratet mit einer Haberkorn, Oberschultheiß zu Crainfeld, ein unterer Amtsschreiber zu Steinfurth und ein dritter, M. Joh. David Buff, verheiratet mit einer Hölcker von Lich, Pfarrer in Partenstein.
Stammvater der heute noch existierenden Familie wurde der älteste Sohn Christoph Buff, Pfarrer zu Steinbach und Schiffenberg. Sesn Dienst war ein recht beschwerlicher, da er in Steinbach wohnte, aber jeden Sonntag schon um 9 Uhr Gottesdienst in der Schiffenberger Kirche abhalten mußte, nachdem vorher in Steinbach eine Andacht stattgefunden hatte und gar viele Spänne waren mit dem Komtur wegen der Pfarremolumente auszutragen. Aber auch manche schöne Stunde wird der lebensfrohe Pastor auf der herrlichen Terrasse oder in dem traulichen Erkerstübchen bei einem Glase Wein mit den Ordensrittern oder dem Deutschordensverwalter Bodenburg verlebt haben. Christoph Buff war in erster Ehe mit einer Haberkorn, in zweiter Ehe mit einer Tochter des Pfarrers Seipp zu Reichelsheim i. d. W. verheiratet. Der letztere gehörte einer Gießener Bürgersfamilie an, die bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts zurückverfolgt werden kann. Christoph starb 1756 in Steinbach, nachdem er 50 Jahre lang den genannten Kirchen vorgestanden hatte. Nach dem noch erhaltenen Grabstein, der mit den Wappen der Buff, 'Haberkorn und Seipp versehen ist, hatte er 8 Söhne und 4 Töchter, von welchen letzteren drei die Pfarrer Prescher, Crecelius und Sartorius heirateten. Bon den Söhnen setzten fünf die Familie fort. Der älteste Sohn Georg Wilhelm Buff, hessischer Dragonermajor in Wetzlar, hinterließ nur Töchter, die keine Nachkommen hatten.
Der zweitälteste Sohn Heinrich Adam Buff, Deutschordensamtmann in Wetzlar begründete die Linie I. Er hatte in Gießen Jura studiert, zog aber einen mehr praktischen Beruf der Ausübung der Juristerei vor. Mit seiner Ehefrau, einer Tochter des hessischen Majors Feyler in Wetzlar, erzielte er 16 Kinder, von denen sechs jung starben. Ein Kind war hübscher als das andere, weshalb Frau Buff in Wetzlar „die Frau mit den vielen schönen Kindern" genannt wurde.
Das älteste Kind Karoline ähnlichte dem Reichskammergerichts-Advo- kalen und Prvkuratvr Johann Jacob Dietz, einem Vetter Goethes. Dessen ältester Sohn Georg Dietz wurde 1822 Hofgerichtsdirektor in Gießen. Seine Tochter Dorothea, Ehegatttn des Steuerrats Schuster in Gießen, war das Patenkind von Werthers Lotte und deren heute in Gießen Abende Tochter Emma, bewahrt gemeinsam mit ihrem kunstverständigen Gatten, dem Generalleutnant a. D. Klingelhösfer, einem Gießener Kinde, treulich die Erinnerungen ihrer Familie aus der Wertherzeit, unter denen stch em Originalbild von Lotte aus ihrer Jugendzeit befindet.
- , 1“s 3»eite Kind des Ordensamtmanns war Lotte, verheiratet mit Hvsrat Kestner in Hannover. Ihre Nachkommenschaft ist eine überaus große. Sie felbft ljatte 8 Söhne und 4 Töchter. Am bekanntesten unter Wnen find August, der hannoverische Ministerresident zu Rom, der zu- ammen nut einem Enkel Lottes, Hermann Kestner, das Kestnermuseum m Hannover begründete und Charlotte Kestner, 1877 fast neunzigjährig, ™ .. ’i" gestorben, deren ehrwürdige geistvolle Züge durch ein
es Anselm Feuerbachs der Nachwelt überliefert Itno. Der Sohn Lottes, Karl Kestner, hatte sich als Fabrikbe-
’) 1470 stirbt Johann Boff aus Wetslar, Meister zu Steffansfelden.
Mer in dem damals und leider auch heute wieder französischen Dtf Thann int Elsaß niedergelassen und Salome Fran?aise Baullrain de St. Urbain heimgeführt. Dessen Nachkommen verehelichten sich ausschließlich in angesehene Schweizer und französische Familien. So heiratete seine Enkelin Eugenie Kestner, deren Mutter eine Tochter des französischen Generals Rigau war, den Kaufmann Risler zu Thann, deren Tochter Eugenie aber den 3uler Ferry, französischer Unterrichtsminister zu Paris, eine andere Enkelin Celine Kestner wurde die Frau des Senators August Scheurer- Kestner zu Paris, dem die französische Republik im Luxemburg-Park in Paris ein Denkmal errichtete; eine weitere Enkelin, Hortense Kestner, aber wurde dem französischen Mnisterpräsidenten Charles Flocquet angetraut. Zahlreiche Nachkommen von Werthers Lotte haben über See eine neue Heimat gefunden; nach Gießen ist nur einer ihrer Urenkel, Adolf Philippi, der als Professor an der Landesuniversität wirkte, auf längere Zeit gekommen.
Von den anderen Kindern des Deutschordensamtmanns haben nur noch die Nachkommen des Deutschordenszinsreuters Ernst Buff in Marburg und des niederländischen Hauptmanns i. P. Ludwig Buff in Rödelheim Konnex mit Gießen gehabt. Vier Enkelinnen des ersteren, Martha, Louise, Amalie und Friederike waren lange Jahre als Haushälterinnen ufro. in Gießener Familien tätig. Der Sohn des letzteren, des Hemdenmatzes auf dem bekannten Kaulbachschen Loüebild, war Heinrich Buff, Professor der Chemie an der Universität Gießen. „Er gehörte zu dem Kreis der Gelehrten, die sich gegen die Mitte des vorigen Jahrhunderts hin um die mächtige Persönlichkeit Liebigs geschart und durch ihr wunderbares Zusammenwirken an der kleinen hessischen Universität an der Lahn während einiger Jahrzehnte einen Anziehungspunkt für die aufstrebende Generation der heimsichen Forscher aller Nationen geschaffen hatten. Dort hat Buff während eines Zeitraums von vier Dezennien eine Lehrtätigkeit geübt, deren segensreicher Erfolg in der dankbaren Erinnerung feiner Zuhörer fortlebt und gleichzeitig ein Forscherleben entfaltet, wie es nicht schöner gedacht werden kannH." Liebig, Buff und der berühmte Professor der Chemie v. Hofmann aus Gießen, waren außer durch die Forschertätigkeit noch dadurch verbunden, daß alle drei mit Moldenbauerischen Töchtern verheiratet waren, und zwar Buff in zweiter Ehe. In erster Ehe hatte er eine Schwester des Professors v. Hofmann zur Frau. Eine Tochter Buffs, Helene, war an den Professor der Theologie, Stade, in Gießen verheiratet, eine andere. Meta, reichte einem Gießener Jugendfreunde, dem bekannten Forscher v. Jhering die Hand zum Bunde. Die Söhne ließen sich auswärts nieder. Adolf wurde Archivar in Augsburg, Heinrich Fabrikant in Krefeld, Georg Baurat in Dessau und Rudi Arzt in Köln.
Die II. Linie der Familie wurde von dem sechsten Kinde des Steinbacher Pfarrers^ Johann Georg, der 1773 als Metropolitan in Gladenbach starb und mit einer Haberkorn verheiratet war, begründet. Dessen älteste Tochter ehelichte den Pfarrer Sttack in Queckborn; zu ihren Nachkommen gehört Professor Adolf Strack, der verdienstvolle Begründer der Vereinigung für Volkskunde in Hessen.
Ein weiterer Nachkomme dieser Linie war Hofgerichtsadvokat Ludw. Buff in Gießen, der eine Kempf aus der bekannten Gießener Familie zur Frau hatte. Von ihren Kindern blieb nur Elisabeth Buff, die 1909 unverheiratet in Gießen starb, in der Heimat wohnen, während alle übrigen in der neuen Welt eine neue Heimat suchten. Ein Sohn des Metropolitans war ferner Johann Friedrich Christoph Buff, Superintendent in Gießen und verheiratet mit einer Giehnerin, der Tochter des dortigen Superintendeitten Bechtold. Seiner Gießener Gemeinde stand er 42 Jahre lang vor und erwarb sich durch feine wahre Frömmigkeit und feine Herzensgüte die Achtung und Liebe aller. Eine feiner Töchter verheiratete sich mit dem Hvfgerichtsafsefsvr Freiherr v. Rieffell in Gießen; dessen Tochter war die Ehefrau des bekannten bärtigen Professors der Medizin Wernher. Eine andere ehelichte den Hofrat Ebel daselbst und eine dritte den Direktor des Oberschulrats in Darmstadt, Christian Knorr, dessen Sohn mehrere Jahre als Landgerichtspräsident in Gießen tätig war und feine Töchter dorthin verheiratete.
Die III. Linie, die von dem Oberförster Buff in Marburg ihren Ausgang nahm, kann ich übergehen, da sie mit Gießen keinerlei Berührungspunkte hatte und hat. Die IV. Linie hatte als Stammhalter den Regierungsrat Friedrich Christoph Buff in Gießen, dessen Frau eine Tochter des dortigen Archivrats Wagner war. Dessen ältester Sohn Wilhelm, Gräfl. Limpnrg. Rat in Burgfarrenbach, verpflanzte die Familie nach Bayern. Der zweite Sohn des Regierungsrats Buff war Justizamtmann in Battenberg. Aus feiner Ehe mit einer Tochter des Pfarrers Heß in Hohensiel stammte der 1859 als Oberbergrat in Osnabrück gestorbene Karl Ludwig Christian Buff, zu dessen Nachkommen die beiden Bürgermeister der freien Stadt Bremen, Carl Buff und Clemens Buff und der Professor der Chemie am Deutschen Polytechnikum in Prag, Heinrich Ludwig Buff, zählen. Die in seinem Berufe gemachten schmerzensreichen Erfahrungen legte letzterer in einer Abhandlung „lieber das Studium der Chemie" nieder. Sein reines edles Streben, verbunden mit einem wahren, warmen, männlichen Charakter fand nach dem Tode mehr Anerkennung als im Leben. (S. Allg. deutsche Biographie.) Eine Tochter des Regierungsrats Buff heiratete der Geheime Regierungsrat Meyer in Gießen.
Die V. Linie wurde begründet von dem jüngsten Sohne des Steinbacher Pfarrers, Georg Carl Buff. Er erhielt 1761 die Pfarrstelle in Nieder-Wöllftadt, die von da ab bis 1883, also 122 Jahr lang, von der Familie bekleidet wurde. Mit feiner Ehefrau Anne Elif. Hoffmann, aus der ©rünberger Familie dieses Namens, der auch der tapfere Kommandant von Landau, Kaiser!. Generalwachtmeister Hoffmann v. Löwenfeld, der längere Jahre Obrist des Gießener Kreisregiments mar, angehört, erzielte er 6 Söhne und eine Tochter, verheiratet an den Oberkammerrat Geyger in Afstuheim.
Der älteste Sohn Georg wurde ebenfalls Pfarrer in Meder-Wöll- stadt. Aus seiner Ehe mit einer Tochter des Amtskellers Geyger in Assen-, heim stammt Ludwig Buff, ein begabter Jurist, der schon in seinem 36. Lebensjahre, als er eben Hofgerichtsrat in Darmstadt geworden war,
s) Worte des Professors v. Hofmann in Berkin.


